[...] Zu Beginn soll erst einmal der Titel der Arbeit `Gewalt an Schulen als aktuelles
Sozialisationsproblem` in den Vordergrund rücken. Dabei soll geklärt werden, was überhaupt
Sozialisation bedeutet und warum Gewalt ein Sozialisationsproblem sein kann, um somit ein
besseres Verständnis beim Leser zu erreichen.
Im zweiten Teil werden sowohl Theorien aus der Psychologie als auch aus der Soziologie
behandelt, die eine Basis für die späteren Erkenntnisse bilden sollen. Nicht zuletzt sollen
einige Fallbeispiele die Theorien untermalen, um diese dem Leser anschaulicher zu gestalten.
Darüber hinaus werden die Theorien dahingehend untersucht, so weit dies möglich ist, was sie
in Hinblick auf Prävention in der Schule leisten können. Dies soll sofort im Anschluss an jede
einzelne Theorie geschehen, um somit einen direkten Bezug herstellen zu können.
Obwohl die Theorien aus der Psychologie und Soziologie dem Leser sicherlich schon einige
Formen von Gewalt anhand der Fallbeispiele vor Augen führen, sollen im dritten Abschnitt
nochmals zwei wichtige Erscheinungsarten, nämlich Fremdenfeindlichkeit und verbale
Gewalt, aufgezeigt werden. Mir erscheint es wichtig, Rassismus in der Schule ein weiteres
Mal anzusprechen, da es ein immer aktuelleres Thema zu werden scheint, betrachtet man nur
unsere multikulturell geprägte Gesellschaft, die nicht mehr nur in den Großstädten zu finden
ist. Auch verbale Gewalt ist ein Diskussionspunkt, der oft verharmlost wird und meist schon
als ganz normal angesehen wird. Um zu zeigen, dass Beleidigungen und Bedrohungen auch
Formen von Gewalt sind, wird diese These ebenso in der folgenden Arbeit eine Rolle spielen.
Dieser dritte Abschnitt soll darüber hinaus die gegenwärtige Situation der Schüler in Bayern
aufzeigen, um die Problematik der Gewalt an unseren Schulen zu verdeutlichen. Hierzu sollen
auch Daten aus Untersuchungen herangezogen werden.
Ein besonderes Gewicht wird nicht zuletzt auf die Präventionsmaßnahmen gelegt werden. Es
sollen pädagogische Maßnahmen aufgezeigt werden, die helfen sollen, Konflikte zu managen,
Aggressionen einzudämmen und Gewaltausschreitungen zu verhindern. Auf diese Weise soll
Kommilitonen und bereits unterrichtenden Lehrern, die diese Arbeit lesen, eine Hilfestellung
geboten werden, wie sie in Konfliktsituationen vorgehen und Aggressionen und Gewaltakten
vorbeugen können. [...]
Inhaltsverzeichnis
II. Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem
1. Gewalt als Sozialisationsproblem
2. Erklärungsansätze für Gewalt
2.1 Theorien aus der Psychologie
2.1.1 Ansatz der Psychoanalyse – Freuds Aggressionstheorie
2.1.2 Die ethologische Aggressionstheorie
2.1.3 Die lerntheoretische Auffassung von Aggression
2.1.4 Frustrations-, Aggressionstheorie – Erklärung anhand eines Fallbeispiels
2.2 Theorien aus der Soziologie
2.2.1 Die Anomietheorie
2.2.2 Die Subkulturtheorie nach COHEN
2.2.3 Theorie der differentiellen Assoziation
2.2.4 Theorie der sozialen Desorganisation
2.2.5 Interaktionistische Theorie - Labeling Approach
3. Erscheinungsformen von Gewalt
3.1 Fremdenfeindlichkeit: Rassismus in der Schule
3.2 Verbale Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
3.3 Gegenwärtige Situation der Schüler in Bayern
4. Pädagogische Maßnahmen als Konsequenz zu Gewalt an Schulen
4.1 Einführungen zum Thema Gewalt
4.2 Grenzen setzen
4.3 Funktionen von Regeln – Funktionen politischer Ordnungen
4.4 Stärkung des Selbstwertgefühls
4.4.1 Übungen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden
4.4.2 Ich bin – ich kann – ich habe
4.4.3 Der heiße Stuhl
4.4.4 Auszeichnungen für Schüler
4.5 Schaffen einer positiven Schulatmosphäre
4.6 Freizeiterziehung
4.7 Förderung von Empathie
4.8 Umgang mit Multikulturalität – Vorbeugung von Fremdenfeindlichkeit
4.9 Das Projekt der Polizei: Abseits?!
4.10 Mediation
5. Exkurs: Konzept an einer Münchner Tagesheimschule
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Gewalt an Schulen als komplexes Sozialisationsproblem und analysiert theoretische Erklärungsansätze sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
- Psychologische und soziologische Theorien zur Entstehung von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen.
- Analyse spezifischer Erscheinungsformen wie Fremdenfeindlichkeit und verbale Gewalt.
- Evaluierung der aktuellen Situation an bayerischen Schulen anhand empirischer Daten.
- Vorstellung praxisorientierter pädagogischer Maßnahmen zur Gewaltprävention und Konfliktlösung.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Ansatz der Psychoanalyse – Freuds Aggressionstheorie
Die Grundlage für die Anwendung der Psychoanalyse in kriminologischer Hinsicht stellen die Theorien Sigmund Freuds dar, die ein Persönlichkeitsmodell des Menschen beschreiben. Die Psychostruktur des Menschen zeichnet sich somit in drei Ebenen ab: Das ES, das ICH und das ÜBER-ICH. Das ES ist das Ererbte, das von Anfang unseres Lebens an festgelegt ist, und das Zentrum unserer Bedürfnisse und Triebe darstellt. Es gilt als unpersönlich und primitiv und wird als triebhaft-unbewusstes Element der Persönlichkeit beschrieben. Das ES strebt die ganze Zeit danach, die Triebe auszuleben und kann sich dadurch nicht selbst kontrollieren.
Die Vermittlerrolle spielt das ICH, das die Aufgabe hat, zu entscheiden, ob Triebe und Wünsche unterdrückt werden müssen oder ob das ES in seinem Verlangen befriedigt wird. Das ICH hat somit eine regulierende Wirkung, die zwischen ES und ÜBER-ICH lavieren muss, was nicht zuletzt zu Konflikten führen kann, da es ständig bestrebt ist, einen Ausgleichsmechanismus herzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gewalt als Sozialisationsproblem: Beleuchtet Gewalt als Folge von Störungen im Sozialisationsprozess und dem Wandel familialer sowie räumlicher Lebensbedingungen.
2. Erklärungsansätze für Gewalt: Analysiert tiefgreifend psychologische und soziologische Theorien, die die Ursachen von aggressivem Verhalten bei Heranwachsenden erklären.
3. Erscheinungsformen von Gewalt: Untersucht spezifische Ausdrucksformen wie Fremdenfeindlichkeit und verbale Gewalt unter Einbeziehung der Situation an Schulen in Bayern.
4. Pädagogische Maßnahmen als Konsequenz zu Gewalt an Schulen: Präsentiert konkrete methodische Ansätze und Konzepte wie Mediation oder Selbstwertstärkung, um gewaltfreies Verhalten zu fördern.
5. Exkurs: Konzept an einer Münchner Tagesheimschule: Beschreibt ein praxisnahes pädagogisches Konzept zur Aufarbeitung von Aggressionsproblematiken in einer konkreten Bildungseinrichtung.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Sozialisation, Aggressionstheorie, Soziologie, Psychologie, Schulatmosphäre, Mediation, Fremdenfeindlichkeit, Jugendkriminalität, Pädagogik, Konfliktlösung, Selbstwertgefühl, Modell-Lernen, Anomietheorie, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Gewalt an Schulen als ein aktuelles Problem der Sozialisation und erarbeitet theoretische sowie praktische Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen und soziologischen Ursachenforschung von Aggression sowie der Entwicklung pädagogischer Präventionskonzepte für den Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Gewalt an Schulen entsteht, welche Formen sie annimmt und wie Lehrkräfte durch geeignete Maßnahmen präventiv und intervenierend wirken können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse psychologischer und soziologischer Theorien sowie auf die Auswertung statistischer Untersuchungen und Praxiserfahrungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Psychologie/Soziologie), die Analyse von Erscheinungsformen (Rassismus/Verbale Gewalt) und die Darstellung pädagogischer Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Gewaltprävention, Sozialisation, Aggressionstheorie, Mediation, Jugendkriminalität und Konfliktmanagement.
Was zeigt das Fallbeispiel "Steffi"?
Es illustriert die Auswirkungen familiärer Desorganisation auf das Sozialverhalten einer Schülerin und zeigt die Wirksamkeit pädagogischer Begleitung in Konfliktsituationen.
Welche Bedeutung hat das "Rettungsboot"-Spiel?
Es dient als Interaktionsspiel zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen und zeigt, wie soziale Identität und Ideologien Entscheidungsprozesse beeinflussen können.
- Quote paper
- Claudia Faschingbauer (Author), 2004, Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29935