Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value? I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis. VI
1. Einleitung 1
2. Der Zusammenhang zwischen Kapitalmarkt
und nachhaltiger Entwicklung 5
2.1. Nachhaltigkeit als Leitbild wirtschaftlichen Handelns 5
2.2. Grundlagen der nachhaltigen Kapitalanlage 8
2.2.1. Anlageformen. 8
2.2.2. Anlagemotivation 10
2.2.3. Ansätze zur Titelauswahl. 11
2.3. Ausprägungen der nachhaltigen Kapitalanlage. 11
2.3.1. Ethikfonds 11
2.3.2. Umwelttechnologiefonds. 12
2.3.3. Öko-Effizienz-Fonds 12
2.3.4. Sustainable Development-Fonds 14
2.4. Der Kapitalmarkt als Motor einer nachhaltigen Entwicklung 15
2.4.1. Allgemeine Überlegungen 15
2.4.2. Wirkungsweise nachhaltiger Kapitalanlagen. 16
2.5. Die Entwicklung des Volumens nachhaltiger Kapitalanlagen 17
3. Sozial-ökologische Unternehmensbewertung 20
3.1. Hintergrund 20
3.2. Ablauf der sozial-ökologischen Unternehmensbewertung. 21
3.2.1. Ziele, Kriterien und Analysespektrum. 21
3.2.2. Informationsbasis und -genauigkeit 22
3.2.3. Bewertungsmethoden. 23
3.3. Beschreibung bestehender Ansätze zur sozial-ökologischen
Unternehmensbewertung. 25
3.3.1. Ökom Research AG 25
3.3.2. Sustainable Asset Management (SAM) 26
3.3.3. Sarasin Unternehmensbewertung. 29
3.3.4. Hamburger Umweltinstitut (HUI) 31
3.4. Kritische Würdigung der sozial-ökologischen
Unternehmensbewertung 33
Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value? II
4. Shareholder Value und Nachhaltigkeit 37
4.1. Das Konzept des Shareholder Value. 37
4.1.1. Grundmodell 37
4.1.2. Der freie Cash-Flow und der Prognosehorizont 39
4.1.3. Die Kapitalkosten. 40
4.1.4. Der Residualwert 42
4.2. Bewertung des Shareholder Value-Ansatzes 44
4.2.1. Vorteile. 44
4.2.2. Ermittlungsprobleme 45
4.3. Vergleich der sozial-ökologischen Unternehmensbewertung
mit dem Shareholder Value-Konzept. 46
4.3.1. Unternehmenssicht. 46
4.3.2. Grundlagen der Investitionsstrategie. 47
4.4. Kapitalmarktorientiertes Umweltmanagement nach dem
Shareholder Value. 50
5. Aspekte der praktischen Umsetzung der nachhaltigen
Kapitalanlage 54
5.1. Indizes. 54
5.1.1. DJSGI 54
5.1.2. NAI. 56
5.2. Die Auswirkung der Umwelt- und Sozialperformance auf die
Rendite 60
5.3. Alterssicherung. 63
5.3.1. Die Neuregelung der Altersicherung in Deutschland 63
5.3.2. Ethos 66
6. Zusammenfa ssung und Ausblick. 67
Literaturverzeichnis. XII
Internetseitenverzeichnis XV
Eidesstattliche Erklärung
Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value? III
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AG Aktiengesellschaft
Art. Artikel
AvmG Altersvermögensgesetz
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CAPM Capital Asset Pricing Model
CO 2 Kohlendioxid
CRR Corporate Responsibility Rating
d.h. das heißt
DCF Discounted Cash Flow
DSI Domini Social Index
DIN Deutsches Institut für Normung
DJGI Dow Jones Global Index
DJSGI Dow Jones Sustainable Global Index
ebd. ebenda
EMAS Environment Management Audit System
EÖR Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating
EU Europäische Union
F&E Forschung und Entwicklung
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GRI Global Reporting Initiative
HUI Hamburger Umweltinstitut
Kap. Kapitel
Mrd. Milliarden
Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value? IV
MSCI Morgan Stanley Capital International
NAI Natur Aktien Index
NAX Natur Aktien Index
NGO Non Government Organization
o.J. ohne Jahresangabe
o.V. ohne Verfasser
SAM Sustainable Asset Management
SHV Shareholder Value
UN United Nations
US United States
WACC Weighted Average Cost of Capital
z.B. zum Beispiel
et al. et altera
Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value? V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit ........................................................... 6
Tabelle 2: Umweltpolitische Instrumente ................................................................... 8
Tabelle 3: Schwerpunkte und Volumen deutschsprachiger Umweltfonds.......... 18
Tabelle 4: Kriterien der Ökom Research AG........................................................... 26
Tabelle 5: Kriterien der Sustainability-Chancen und -Risiken
am Beispiel der Automobilindustrie........................................................ 28
Tabelle 6: Schema der Umweltbewertung bei Sarasin.......................................... 29
Tabelle 7: Kriterien des HUI zur Bewertung der
Chemie- und Pharmaindustrie ................................................................ 32
Tabelle 8: Überblick über Performancestudien....................................................... 60
Nachhaltige Kapitalanlage - Eine Antwort auf den Shareholder Value?
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ermittlung des Shareholder Value
Abbildung 2: Eigenkapitalkostenermittlung auf der Grundlage des CAPM
Abbildung 3: Portfolio-Matrix der Boston Consulting Group
Abbildung 4: Das Shareholder Value Netzwerk
Abbildung 5: Chart des DJSGI und des DJGI
Abbildung 7: Chart des NAI und des MSCI
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 1
1. Einleitung
„Der Markt für Öko-Aktien boomt“. So oder ähnlich klangen viele Schlagzeilen in der letzten Zeit. Tatsächlich haben im deutschsprachigen Raum Volumen- und Wertentwicklung von ökologisch und/oder sozial ausgerichteten Kapitalanlagen neue Dimensionen erreicht, wenngleich sie im Verhältnis zum gesamten Kapitalmarkt noch eine sehr kleine Rolle spielen. Schrittmacher dieser Entwicklung war vor allem der Bereich der regenerativen Energieerzeugung, allerdings stark gestützt von temporären Einflüssen wie der Einführung des „Erneuerbare Energien“ - Gesetzes, dem rasanten Anstieg der Ölpreise und nicht zuletzt dem Absturz der sogenannten New Economy im Jahr 2000. Aber auch Wirtschaftszweige, die nicht zur klassischen Umweltbranche zählen, wie etwa Telekommunikation, Pharma, Finanzdienstleistung oder sogar Automobil sind zum Objekt ökologisch ausgerichteter Investmentfonds geworden. Sie qualifizieren sich durch einen im Vergleich zum Durchschnitt ihrer Branche besonders effizienten Ressourceneinsatz.
Die Gründung der Dow Jones Sustainability Group und des daraus hervorgegangenen Aktienindex DJSGI (Dow Jones Sustainability Group Index) als Joint Venture der Schweizer Vermögensverwaltung SAM (Sustainability Asset Management) und des US-Indexanbieters Dow Jones im September 1999 rückte schließlich das Prinzip der Nachhaltigkeit (Sustainability) verstärkt in das Blickfeld der Investoren. Der DJSGI-Index kann gewissermaßen als eine Interpretation des Finanzmarktes vom Konzept der nachhaltigen Entwicklung gedeutet werden. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung, das maßgeblich auf den Ergebnissen der Brundtland-Kommission 1987 und der Rio-Umweltkonferenz 1992 beruht, fordert eine wirtschaftliche Entwicklung, die die natürlichen Lebensgrundlagen für die zukünftigen Generationen dauerhaft schützt und erhält und einen sozialen Ausgleich in und zwischen den Ländern schafft. Die Tatsache, dass der DJSGI seinen Basisindex, den DJGI (Dow Jones Global Index) von Ende 1993 bis Oktober 2000 um mehr als 30 Prozent übertroffen hatte, führte u.a. dazu, dass Sustainability in einigen Börsenzeitschriften bereits als eine der aussichtsreichsten Investmentstrategien überhaupt eingeschätzt wird. 1
Grundlage dieser Investmentstrategie ist also die These, dass Unternehmen nicht trotz sondern wegen ihrer überdurchschnittlichen sozialen und ökologischen Leistungen langfristig ihren Unternehmenswert steigern können. Diese These gilt es im Rahmen der vorliegenden Arbeit zu überprüfen. Dies erfolgt auf der Basis der
1 vgl. o.V. 17.08.2000, S. 8; Riedl 2001, S. 8
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 2
Bewertungsgrundlagen, die zur Auswahl von (nachhaltigen) Kapitalanlagen zur Verfügung stehen.
Hierfür müssen zuvor die Ziele der nachhaltigen Entwicklung im Zusammenhang mit den Grundlagen der nachhaltigen Kapitalanlage dargestellt werden. Weiterhin sind die Einflussfaktoren des Kapitalmarktes auf die ökologische und soziale Entwicklung der Unternehmen zu diskutieren.
Als Bewertungsgrundlage stehen mit der sozial-ökologischen Unternehmensbewertung und dem Shareholder Value-Ansatz zwei Ansätze zur Auswahl und Bewertung von Unternehmen als Kapitalanlageobjekte i m Mittelpunkt der Betrachtungen. Die sozialökologische Unternehmensbewertung ist das zentrale Instrument für die Beurteilung und den Vergleich von Unternehmen unter den Aspekten einer nachhaltigen Entwicklung. Dabei steht neben einem prinzipiengeleiteten Teil, der ethisch-moralische Wertmaßstäbe an Unternehmen anlegt, vor allem die Abschätzung ökologisch-sozial induzierter finanzieller Chancen und Risiken im Vordergrund. Demgegenüber bewertet der Shareholder Value-Ansatz Unternehmen auf der Grundlage zukünftiger Zahlungsströme.
Die Darstellung der sozial-ökologischen Unternehmensbewertung geht der Frage nach, inwieweit in Konzeption und Methodik Nachhaltigkeitsaspekte im Rahmen von Investmententscheidungen berücksichtigt werden. Mit Hilfe von Praxisbeispielen werden Kriterien beschrieben, anhand derer eine Nachhaltigkeitsbeurteilung erfolgt. Dabei sind besonders die Genauigkeit und Transparenz der Bewertung von Bedeutung.
Der Shareholder Value ist unter Berücksichtigung seiner unterschiedlichen Begriffsinhalte zu untersuchen. Neben der erwähnten Funktion als Bewertungsverfahren, kennzeichnet er als Finanzgröße auch den Wert des Unternehmens aus Eigentümersicht. In diesem Zusammenhang wird er auch als Zielgröße nachhaltiger Kapitalanlagen genannt. Als Handlungsmaxime beschreibt der Shareholder Value eine Unternehmensführung, die sich konsequent an den Interessen und dem finanziellen Erfolg der Eigenkapitalgeber ausrichtet.
Den Shareholder Value in seiner Funktion als Bewertungsinstrument gilt es unter Berücksichtigung der Frage zu untersuchen, ob eine sozial-ökologische Unternehmensbewertung externe und interne Erfolgs- und Risikopotentiale in Unternehmen identifiziert, die in einer finanziellen Analyse, die sich am Shareholder Value orientiert, unberücksichtigt bleiben. Die Analyse orientiert sich dabei an den Anforderungen an Unternehmen, wie sie sich langfristig gemäß dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung zunehmend ergeben werden. Im ökologischen Bereich ist in
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 3
diesem Zusammenhang insbesondere die sparsame und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen zu nennen. Im sozialen und kulturellen Bereich wird den Unternehmen eine stärkere Berücksichtigung der Interessen derjenigen Gruppen (Stakeholder) abverlangt, die ihnen Ressourcen verschiedenster Art zur Verfügung stellen.
Es sollte angemerkt werden, dass es sich in diesem Zusammenhang nicht um gewissermaßen konkurrierende Konzepte zur Unternehmensbewertung im Rahmen von Kapitalanlageentscheidungen handelt, da auch im Rahmen einer nachhaltigen Kapitalanlageentscheidung eine finanzielle Analyse von Unternehmen unerlässlich ist.
Die obigen Ausführungen deuten bereits an, dass sich der Schwerpunkt der Arbeit auf Kapitalanlagen börsennotierter Unternehmen bezieht, um einer Vergleichbarkeit mit dem Shareholder Value-Ansatz Rechnung zu tragen. Weiterhin wurde Wert darauf gelegt, dass die Ausführungen prinzipiell auf das gesamte Branchenspektrum der Wirtschaft anwendbar sind. Deshalb werden die aktuellen Entwicklungen nachhaltiger Kapitalanlagen, die sich auf die wachstumsstarken Branchen der regenerativen Energieerzeugung, des Recycling etc. beziehen, nicht gesondert thematisiert.
Überdies kann über Marktentwicklung und Performance nachhaltiger Kapitalanlagen aufgrund der Dynamik des Marktes und der Vielfältigkeit des Produktangebotes im Rahmen dieser Arbeit nur ein genereller Überblick verschafft werden. Zudem werden nachhaltige Kapitalanlagen, soweit sie Fondsprodukte betreffen, des
deutschsprachigen Raums betrachtet. Schließlich werden unter dem Aspekt der langfristigen Orientierung des Nachhaltigkeitsansatzes spekulative Momente des Kapitalmarktes nicht thematisiert.
Der Aufbau der Arbeit stellt sich dementsprechend folgendermaßen dar:
Kapitel 2 beschreibt die Zusammenhänge zwischen Kapitalanlagen und nachhaltiger Entwicklung. Dabei wird zunächst das Nachhaltigkeitskonzept als solches dargestellt. Danach erfolgt eine Klassifikation nachhaltiger Kapitalanlagen nach verschieden Kriterien. Anschließend folgen einige Anmerkungen zu den Einflussmöglichkeiten des Kapitalmarktes auf die Unternehmen bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung. Abgeschlossen wird das Kapitel durch eine Darstellung der quantitativen Entwicklung des Volumens nachhaltiger orientierter Kapitalanlagen.
Kapitel 3 geht zunächst auf die methodischen Grundlagen der sozial-ökologischen Unternehmensbewertung (auch: Öko-Rating) ein, mit Hilfe von beispielhaften Beschreibungen bestehender Ansätze die Kriterien dargestellt werden, anhand derer eine Nachhaltigkeitsbeurteilung erfolgt. Abschließend wird eine kritische Würdigung vorgenommen .
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 4
Kapitel 4 beschreibt zunächst das Shareholder Value Konzept als Instrument sowohl für die Beurteilung von Kapitalanlagen, als auch für die strategische und operative Unternehmensplanung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Werttreibern, die auf die Entwicklung des Unternehmenswertes von Bedeutung sind. Anschließend werden die Konzepte des Shareholder Value und der sozialökologischen Unternehmensbewertung gegenübergestellt. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Darstellung eines kapitalmarktorientierten Umweltmanagements.
Kapitel 5 beleuchtet Aspekte der praktischen Umsetzung nachhaltiger Kapitalanlagen hinsichtlich der zuvor entwickelten Kriterien, ihrer finanziellen Performance sowie Entwicklungstendenzen, die sich vor allem aus der Reform der Altersicherung in Deutsachland ergeben.
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 5
2 Der Zusammenhang zwischen Kapitalmarkt und
nachhaltiger Entwicklung
2.1. Nachhaltigkeit als Leitbild wirtschaftlichen Handelns
Das Prinzip der Nachhaltigkeit beruht auf einem jahrhundertealten Konzept zur Forstbewirtschaftung, das im 19. Jahrhundert noch in Bezug auf andere Rohstoffnutzungen, wie z.B. Kohle ausgeweitet wurde. Es besagt, dass einerseits Waldfläche und -vorrat und andererseits deren ökonomischer Ertrag nachhaltig, d.h. dauerhaft zu erhalten sind. 2
Mit dem Brundtland-Report 1987 wurde das Konzept als globales Wirtschaftsprinzip in die öffentliche Diskussion gebracht. Übertragen auf alle Bereiche wirtschaftlichen Handelns, wurde darin von der Gegenwartsgeneration eine Entwicklung gefordert, die es ermöglicht, „[...] die Bedürfnisse der Gegenwartsgeneration zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. 3
Auf der staatlichen Ebene wurde das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung proklamiert. In der dort verabschiedeten Erklärung AGENDA 21 wurde ein globaler Ansatz formuliert, der ökonomische, ökologische sowie soziokulturelle Aspekte enthält. 4
Ausgehend von einer Situation, die durch zunehmende Ungleichheit zwischen und innerhalb von Völkern, eine zunehmende Armut, Krankheit und Analphabetentum sowie eine fortschreitende Schädigung der Ökosysteme gekennzeichnet ist, werden darin die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen und eine angemessene Bewirtschaftung der Ökosysteme als zentrale Ziele genannt. Dabei wird betont, dass diese Ziele in einem integrierten Ansatz in globaler Partnerschaft verfolgt werden sollten. 5 Danach besteht nachhaltige Entwicklung aus drei miteinander vernetzten Elementen (vgl. Tab. 1). Das ökonomische Element bezieht sich auf Allokation und Wirtschaftswachstum, das soziale Element auf eine inter- und intragenerative Gerechtigkeit und das ökologische Element auf den Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. 6
2 vgl. Nutzinger 1995, S. 207ff
3 Hauff 1987, S. 46
4 vgl. Weiland 1996, S. 2
5 BMU 1997, S. 9
6 vgl. Gerken/Renner 1996, S. 1; Enquete-Kommission 1994, S. 434
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 6
Tabelle 1: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit
Im Zuge der vielschichtigen Diskussion um die aus der AGENDA 21 zu ziehenden Konsequenzen wurde vielfach versucht, deren Ziele zu interpretieren und zu konkretisieren. Dabei steht zumindest in der europäischen Diskussion das ökologische Element im Vordergrund, da dieses gewissermaßen als Engpassfaktor für eine nachhaltige Entwicklung gilt. 8
Als Grundlage der Entwicklung konkreter Strategien für die ökonomische Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen eignen sich einige Regeln für den Umgang mit den natürlichen Ressourcen: 9
⇒ Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen darf ihre Regenerationsrate nicht übersteigen.
⇒ Die Abgabe von Schadstoffen darf die Assimilationskapazität des Ökosystems nicht übersteigen.
⇒ Die Reduktion des Bestandes nicht-regenerativer Ressourcen muss durch
⇒ Die durch den Abbau nicht-regenerativer Ressourcen erzielten
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das zeitliche Anpassungsvermögen der Natur als Maßstab für das Ausmaß menschlicher Eingriffe gelten soll (Zeitregel).
Interpretationsfähig sind diese Regeln vor allem in Bezug auf die Bedingungen der Nutzung erschöpfbarer Ressourcen, d.h. zu welchem Grad lässt sich die Verringerung
7 Heins 1997, S. 50
8 vgl. Gerken/Renner 1996, S. 1
9 vgl. Nutzinger 1995, S.223ff; Enquete-Kommission 1994, S. 32; Vorholz 1995, S. 44
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 7
des Naturkapitals über die Kompensation durch regenerative Ressourcen hinaus durch reproduzierbares bzw. Humankapital substituieren. 10 Dabei beschreiben die Extrempositionen in dieser Frage verschiedene Auffassungen über die Zusammensetzung des Kapitalstocks, bestehend aus Real- und Humankapital sowie Naturkapital.
Als „schwache“ Nachhaltigkeit wird in diesem Zusammenhang eine Position bezeichnet, die die natürliche Umwelt in die volkswirtschaftliche Produktionsfunktion einbettet und fordert, deren Wert unverändert an die nächsten Generationen weiterzugeben. Dabei ist es von untergeordneter Bedeutung, welchen Anteil der natürliche Kapitalstock dazu beiträgt. 11 Natürliches Kapital kann nach diesem Modell beispielsweise durch Effizienzsteigerungen, bedingt durch technischen Fortschritt, substituiert werden. 12 Die Position der „starken“ Nachhaltigkeit weist der natürlichen Umwelt eine eigene Existenzberechtigung zu und hat in der Idealvorstellung den Erhalt des natürlichen Kapitalstocks zum Ziel. 13
Mit Blick auf konkrete Maßnahmen und notwendige Lernprozesse zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung ist eine Auseinandersetzung um diese Extrempositionen allerdings von untergeordneter Bedeutung, da die Frage, welche Zusammensetzung eines zukünftigen Kapitalstocks nachfolgenden Generationen den größten Nutzen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse bringt, aus heutiger Perspektive nur unzureichend zu beantworten ist. Deutlich wird durch den Vergleich der obigen Nachhaltigkeitsregeln mit gegenwärtigen Wirtschaftsweisen und Lebensstilen, dass das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung nur in einem Suchprozess in einem vergleichsweise langwierigen Strukturwandel auf allen gesellschaftlichen Ebenen erreicht werden kann. 14 Unverkennbar ist jedoch, dass alle Maßnahmen, die dem Ziel einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung dienen sollen, bei den Ressourcen und Emissionen anzusetzen haben.
Dies bedeutet, dass Art und Menge der verwendeten Ressourcen optimiert werden müssen. Daraus ergeben sich zwei zentrale Aufgaben für die Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise auf der ökologischen Ebene: Zum einen die Erhöhung des Anteils regenerativer Energien an der Gesamtenergieerzeugung. Zum zweiten die Erhöhung der Ressourceneffizienz durch einen Wechsel von Durchlaufsystemen zu Kreislaufsystemen. Kreislaufsysteme sind dadurch gekennzeichnet, dass ein größtmöglicher Anteil von Stoffen und Produkten im Nutzungskreislauf gehalten wird,
10 vgl. Nutzinger/Radke 1995, S. 28f
11 vgl. Meran 1996, S. 67
12 vgl. Majer 1998, S. 224; Meffert/Kirchgeorg 1998, S. 32
13 vgl. Meran 1996, S. 67
14 vgl. Majer 1998, S. 222ff
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 8
um Abfälle und Emissionen zu vermindern. 15 Dabei sind sowohl politische als auch ökonomische Instrumente anzuwenden, bei denen zwischen drei verschiedenen strategischen Optionen unterschieden werden kann, die in Tabelle 2 skizziert sind.
2.2. Grundlagen der nachhaltigen Kapitalanlage
2.2.1 Anlageformen
Bei der Wahl der Anlageform bei der nachhaltigen Kapitalanlage stellen sich unabhängig von den in Kap. 2.3 thematisierten sozial-ökologischen Ausprägungen im Prinzip die selben Fragen wie bei der traditionellen Kapitalanlage. Diese beziehen sich im wesentlichen auf Renditeerwartung, Risiko und Befristung. 17
Schon die klassische Anlageform Sparbuch bietet Möglichkeiten, Kapital nachhaltig, annähernd risikolos und unbefristet anzulegen. So bieten Alternativbanken, wie die Ökobank oder die GLS Genossenschaftsbank sogenannte grüne Konten an. Diese ermöglichen der Bank, durch eine unter der marktüblichen Verzinsung liegenden Rendite für den Anleger, nachhaltige Unternehmen oder Projekte über die Vergabe zinsgünstiger Kredite zu fördern. 18
Ähnlich verhält es sich mit dem Sparbrief. Dieser unterscheidet sich vom Sparbuch durch eine höhere Verzinsung und eine feste Laufzeit (zwischen ein bis zehn Jahren). 19 Bezogen auf die nachhaltige Kapitalanlage bieten sich bei dieser Form jedoch flexiblere Möglichkeiten bezüglich auf Laufzeit, Zinsen und Mittelverwendung.
15 vgl. Verein zur Weiterbildung in Wissenschaft und Forschung 1997, S. 36
16 in Anlehnung an: Enquete-Kommission 1994, S. 638ff
17 Es wird bewusst auf eine komplette Darstellung aller Finanzmarktprodukte (wie z.B.
Optionen) verzichtet, sondern gezielt auf Produkte eingegangen, die ihrer Ausgestaltung nach
dem Nachhaltigkeitsprinzip vor allem in Bezug auf ihre langfristige Ausrichtung entsprechen.
18 vgl. GLS Gemeinschaftsbank 2000
19 vgl. Becker 1997, S. 96
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 9
So kann ein Sparbrief an spezielle Projekte gebunden werden. 20 Darüber hinaus kann der Zinssatz unterhalb eines Höchstsatzes frei gewählt werden. Dieser freiwillige Zinsverzicht wird dann an das Projekt weitergegeben. 21
Vielfältige Möglichkeiten zur nachhaltigen Kapitalanlage bieten sich auch im Bereich der Anleihen, auch bekannt als Schuldverschreibungen oder Obligationen. Anleihen sind börsenfähige Wertpapiere, die das Recht auf Zinsen und Rückzahlung verbriefen. Anleihen sind in der Regel höher verzinst als der Sparbrief. Sie sind liquider, unterliegen aber auch einem Kursrisiko. Darüber hinaus fallen meistens Transaktionsan. 22 und Depotgebühren Unterschieden wird zwischen öffentlichen
Schuldverschreibungen, Bankschuldverschreibungen und Industrieobligationen einerseits sowie zwischen Inlands- und Auslandsanleihen andererseits. 23
Während Anleihen Unternehmen oder Institutionen zur Fremdkapitalbeschaffung dienen, verbriefen Aktien Anteils- und Mitgliedschaftsrechte an einer Aktiengesellschaft, stellen also Eigenkapital dar. Der Gegenwert der Aktie wird in der Bilanz des Unternehmens als gezeichnetes Kapital (Nennwert) und Kapitalrücklage (Agio = Ausgabekurs abzüglich Nennwert) ausgewiesen. 24 Der Aktionär kann in Form von Dividendenzahlungen, kurzfristigen Kursgewinnen und längerfristigen Sachwertsteigerungen profitieren. Im Gegensatz zu allen oben beschriebenen Anlageformen birgt die Aktie jedoch erhebliche Ertragsrisiken. So kann sich der Aktienkurs nach unten bewegen oder die Dividende entfallen, wenn das Unternehmen Verlust macht. Diese Risikoübernahme ermöglicht es dem Aktionär aber auch, entsprechend seinem Anteil Einfluss auf die unternehmenspolitischen Ziele der Aktiengesellschaft auszuüben. Grundlegende Entscheidungen, wie
Satzungsänderungen, Kapitaländerungen oder Fusionen, können gegen eine Sperrminorität von 25% nicht durchgesetzt werden. 25
Schließlich besteht die Möglichkeit, direkt in Unternehmen zu investieren, die nicht an der Börse notiert sind. Diese Form der ökologischen Kapitalanlage ist besonders verbreitet bei der Projektfinanzierung etwa von Wind- oder Solaranlagen. 26 Oftmals besteht diese Form der Anlage in der Bereitstellung von Gründungskapital und Beteiligungen an nicht börsennotierten Gesellschaften. Eine wichtige Sonderform
20 So bietet die Ökobank Projektsparbriefe an, mit denen überwiegend regionale Wohn- und
Beschäftigungsprojekte finanziert werden. Die GLS Gemeinschaftsbank finanziert u.a.
Umweltzentren, Windparks, Bildungs- und Heileinrichtungen oder landwirtschaftliche Projekte
21 vgl. GLS Gemeinschaftsbank 2000
22 vgl. Becker 1997, S. 98
23 vgl. ebd., S. 161f
24 vgl. ebd., 1997, S. 154
25 vgl. ebd., S. 160f
26 vgl. Schäfer 2000, S. 65
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 10
dieser Anlagemöglichkeit ist die Bereitstellung von Gründungskapital über Venture Capital Fonds.
Nach der Entscheidung für eine oder mehrere Anlageformen stellt sich vor allem für den privaten Investor die Frage, welchen Einfluss er auf die Titelauswahl ausüben will. Zu den direkten A nlageformen zählen in diesem Fall die oben beschriebenen Anlageformen, die der Investor selbst auswählt. Bei den halbdirekten Anlageformen erfolgt die Titelselektion gemeinsam mit anderen Anlegern oder der Anleger übt eine Kontrollfunktion aus. Zu diesem T yp gehören etwa Beteiligungsgesellschaften, Vermögensverwaltungen oder Investmentclubs. Indirekte Anlageformen schließlich räumen dem Anleger keinen Einfluss auf die Titelselektion ein. Ihm bleibt demnach nur der Kauf- bzw. Verkaufsentscheid. Hierzu zählen u.a. kapitalbildende Versicherungen und Investmentfonds. 27
Fonds, die in dieser Arbeit zum vornehmlichen Analysespektrum gehören, zeichnen sich dadurch aus, dass sie nach dem Prinzip der Risikostreuung in Geldmarktinstrumente, Wertpapiere, Beteiligungen oder Grundstücken investiert sind.
Fondsarten können unterschieden werden nach den Anlageobjekten und dem Anlegerkreis. Bei der Unterscheidung nach Anlageobjekten wird unterschieden zwischen Geldmarktfonds, Beteiligungsfonds, Immobilienfonds und Wertpapierfonds. Die Unterscheidung nach dem Anlegerkreis differenziert zwischen Publikumsfonds, an denen prinzipiell jeder teilhaben kann und Spezialfonds, die für institutionelle Investoren (z.B. Versicherungen, Pensionskassen, Sozialversicherungsträger) aufgelegt werden. 28
2.2.2 Anlagemotivation
In Bezug auf die Motivation des Anlegers wird unterschieden zwischen dem finanziell motivierten Anleger und dem ethisch motivierten Anleger. 29
Die Zielsetzung des finanziell motivierten Anlegertyps besteht darin, durch die Verfolgung ökologischer und/oder sozialer Ziele bei der Kapitalanlage eine vergleichsweise höhere Rendite zu erzielen. Wenn ein Unternehmen z.B. durch ökonomisch effizient durchgeführte ökologische Maßnahmen zukünftige strengere Umweltvorschriften vorwegnimmt, können dadurch zukünftige Kosten gespart werden sowie Imagevorteile erzielt werden. Dies führt u.U. zu strategischen
27 vgl. Mächtel 1996, S. 56f
28 vgl. Becker 1997, S71ff
29 im folgenden werden die Extrempositionen beschrieben. In der Realität sind natürlich beide
Motivationszüge bei Anlageentscheidungen zu beobachten.
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Va lue? 11
Wettbewerbsvorteilen auf den Absatzmärkten (vgl. auch Kap. 4.4.). 30 Ökologisches Handeln (soweit der Kauf einer nachhaltigen Kapitalanlage als solches bezeichnet werden kann) erfolgt also allein aus wirtschaftlichem Interesse.
Anders verhält es sich beim ethisch motivierten Anlegertyp. Dieser bezieht in seine Anlageentscheidung individuelle ethische Wertmaßstäbe ein. Er will damit gewissermaßen die ökologischen und/oder sozialen Auswirkungen der mit seinem Kapital getätigten Investitionen vor seinem Gewissen vereinbaren können und nimmt dafür auch geringere Renditen in Kauf. 31
2.2.3. Ansätze zur Titelauswahl
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal bezieht sich auf den Auswahlansatz bei der Titelauswahl. Diesbezüglich wird unterschieden zwischen unterstützenden und vermeidenden Ansätzen. 32
Vermeidende Ansätze legen Negativ-Kriterien an, die bei „Erfüllung“ unmittelbar zum Ausschluss aus dem Portfolio führen. Diese können bestehen in Anteilsgrenzen für Rüstungsgeschäfte, Alkoholhandel oder unerwünschter Energieerzeugung. Diese Praxis ist insbesondere bei us-amerikanischen Ethik-Fonds verbreitet.
Unterstützende Ansätze investieren bewusst in bestimmte B ranchen und Unternehmen, die sich bezüglich der Anlagekriterien besonders positiv vom vergleichbaren Durchschnitt abheben. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Unternehmen pro produzierte Einheit weniger Energie aufwenden muss als der Branchendurchschnitt (Best-in-Class-Prinzip) (vgl. Kap. 2.3.3.).
2.3. Ausprägungen der nachhaltigen Kapitalanlage
2.3.1. Ethikfonds
Ethikfonds sind in ihrem Anlagespektrum durch die individuellen ethischen Werthaltungen der Investoren gekennzeichnet. Diese Werthaltungen können bestimmt sein von religiösen, politischen oder ökologischen Elementen. In der Regel bilden sich Portfolios dieses Typs durch die Anwendung von Ausschlusskriterien. Beispiele hierfür sind: 33
30 vgl. Pesel 1995, S. 7
31 vgl. Pesel 1995, S. 8
32 vgl. Mächtel 1996, S. 51
33 vgl. Homolka 1990, S. 40
Arbeit zitieren:
Boris Neumann, 2001, Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Value?, München, GRIN Verlag GmbH
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