Dan Diner beschreibt in „Verkehrte Welten“, dass amerikafeindliche Gesinnungen schon immer vorhanden gewesen wären. In Zeiten des großen geschichtlichen Umbruchs und der Krisen stellt er eine Verstärkung „amerikafeindlicher Ressentiments“ fest.
Ein Ereignis, das zu einer Verstärkung geführt habe, sei der Vietnamkrieg.
Den USA wurden Imperialismus, Skrupellosigkeit und Heuchlerei vorgeworfen.
Zur Zeit der Nato Nachrüstungsdebatte in den frühen achtziger Jahren tauchten diese Vorwürfe wieder auf.
Auf der internationalen Ebene galt Amerika als Schutzherr und Bewahrer von Frieden auf der Welt.
Dieses, schon fast selbstverständliche Paradigma der internationalen Politik, erfährt in den aktuellen Ereignissen seine Widerlegung, denn die Bush – Regierung tritt nun als Verursacher von Konflikten auf. Amerika habe sich von einer „den Frieden schützenden zu einer räuberischen Macht“ entwickelt.
Im Verlauf des Angriffs auf Afghanistan und dem Krieg gegen Irak wird die als selbstverständlich geltende Macht Amerikas öffentlich in Frage gestellt. Diese große Ablehnung hat zwar nicht den Krieg verhindert, aber eine Diskussion darüber in Gang gesetzt, die den Machtanspruch der USA bezweifelt und teilweise sogar ablehnt. Die selbsternannte „Weltpolizei“ Amerika wird stark kritisiert, seine Position im internationalen Machtgefüge in Frage gestellt.
In dieser Arbeit soll es in erster Linie um den strategischen Akteur Europa gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zerfall der USA
2.1 Bestandsaufnahmen
2.1.1 Der Irak
2.1.2 Deutschland und Frankreich
3. Von der Nützlichkeit zur Überflüssigkeit
3.1 Die Fixierung auf den Islam
4. Europas Beitrag
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die kritische Analyse des Antiamerikanismus im Kontext einer sich wandelnden Weltordnung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Europa als strategischer Akteur fungieren und einen notwendigen Gegenentwurf zur US-amerikanischen Außenpolitik entwickeln kann, insbesondere vor dem Hintergrund der These vom Zerfall der Vereinigten Staaten.
- Die Analyse der US-amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik nach dem 11. September 2001.
- Die Untersuchung der theoretischen Thesen von Emmanuel Todd zum Zerfall der USA.
- Die Rolle der deutsch-französischen Position im Kontext der Irak-Debatte.
- Die Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer eigenständigen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Der Irak
Da der Irak von Präsident Bush (Junior) als Schurkenstaat Nummer eins benannt wurde, muss zunächst auf diesen Begriff eingegangen werden. Die Grundlage bildet die Auffassung, dass die Vereinigten Staaten auch nach dem Kalten Krieg die Verantwortung dafür tragen, die Welt zu schützen. 1995 erstellte das so genannte „Strategische Kommando“, das für die Nuklearwaffen zuständig ist, eine Untersuchung mit dem Titel „Essentials of Post Cold War Deterrence“, in der die Grundlinien der Abschreckungspolitik der Ära nach dem Krieg dargelegt werden. Sie zeigt, wie Amerika ihre Abschreckungsstrategie nach dem Zerfall der Sowjetunion auf so genannte Schurkenstaaten wie Irak, Libyen, Kuba und Nordkorea verlagert hat. In der Untersuchung wird Amerika geraten, ihr Arsenal an Nuklearwaffen zu benutzen, um zu demonstrieren, dass sie im Falle eines Angriffs irrational und rachsüchtig reagieren werden. Sich rational und besonnen zu präsentieren würde Schwäche demonstrieren.
Auch die Einhaltung von internationalem Recht und vertraglichen Verpflichtungen würde den Effekt haben, schwach zu erscheinen. Die Ratschläge dieser Untersuchung muss Bush nach den Anschlägen des 11. September sehr ernst genommen haben. Dass dem Verbot der Androhung von Gewalt der UN-Charta keine große Bedeutung beigemessen wurde und wird, ist ebenfalls unumstritten. Was den „Schurkenstaat“ Irak angeht, wurde er erst dazu deklariert, als Saddam Hussein die Grenzen überschritt, die ihm von den USA während des Krieges gegen den Iran gesetzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des wachsenden Antiamerikanismus und Darlegung der These vom Zerfall der USA nach Emmanuel Todd als theoretische Grundlage.
2. Zerfall der USA: Analyse der US-amerikanischen Krisenwahrnehmung, der neuen Freund-Feind-Bilder nach dem 11. September sowie der spezifischen Rolle von Deutschland und Frankreich während der Irak-Krise.
3. Von der Nützlichkeit zur Überflüssigkeit: Erläuterung der ökonomischen und politischen Faktoren, die laut Todd zu einem Machtverlust der USA und einer notwendigen Neupositionierung der Weltmächte führen.
4. Europas Beitrag: Untersuchung der Möglichkeiten Europas, eine eigenständige Sicherheitsstrategie zu entwickeln, um sich von einer rein unilateralen US-Politik zu emanzipieren.
5. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der britischen Rolle, der Konsequenzen für die internationale Ordnung und das Plädoyer für ein politisches Gleichgewicht zwischen den Kontinenten.
Schlüsselwörter
Antiamerikanismus, Außenpolitik, Irak-Krieg, USA, Zerfall, Europa, Emmanuel Todd, Terrorismus, Weltherrschaft, Diplomatie, Sicherheitspolitik, Schurkenstaat, internationale Ordnung, Machtgefüge, Multilateralismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die veränderte Rolle der USA in der Weltpolitik und untersucht, inwieweit Europa als Gegenmacht oder eigenständiger strategischer Akteur auftreten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der US-amerikanische Antiamerikanismus, die Auswirkungen der Irak-Politik auf die internationale Ordnung sowie die theoretische Analyse des Zerfalls der US-Hegemonie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Machtanspruch der USA kritisch zu hinterfragen und die Handlungsoptionen Europas in einer sich wandelnden Weltordnung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der theoretischen Argumentation von Emmanuel Todd sowie der Auswertung aktueller sicherheitspolitischer Debatten und Medienberichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Bestandsaufnahme der US-Außenpolitik, der Rolle des Irak-Konflikts, der Kritik an der Bush-Administration und der Debatte über die strategische Emanzipation Europas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Antiamerikanismus, Irak-Krieg, US-Hegemonie, internationale Sicherheit, europäische Außenpolitik und die These vom Zerfall der USA.
Welche Rolle spielt Großbritannien bei der Analyse?
Großbritannien wird als Akteur im Dilemma zwischen seiner „Special Relationship“ zu den USA und der Notwendigkeit zur Wahrung europäischen Einflusses betrachtet.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Zukunft der internationalen Ordnung?
Der Autor plädiert für ein politisches Gleichgewicht zwischen Amerika und Europa, um gemeinsam auf globale Krisen reagieren zu können, anstatt nur einseitige Machtansprüche zu verfolgen.
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- Sabriye Yasar (Author), 2003, Eine neue Weltordnung - Europa: Gegenmacht zu den USA?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30007