Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Inhaltszusammenfassung „Barlaam und Josaphat“, vers 10395 - 10677 2
3. Das Alte Ägypten - Geschichte 5
4. Die ägyptischen Götter 6
4.1. Isis 7
4.2. Osiris 7
4.3. Horus 8
4.4. Seth - Typhon 8
5. Der Mythos von Isis und Osiris 8
6. Kritik Nachors an den ägyptischen Göttern 10
7. Fazit/ Stellungnahme 11
8. Quellenangabe 13
- 1 -
1. Einleitung
Literatur ist ein Spiegel der Zeit, in der sie verfasst wird, so kann man aus ihr Überzeugungen und Konflikte erarbeiten, sowie u. U. auch die Lebensumstände und Weltanschauungen des Autors reflektieren. Ein signifikantes Thema innerhalb der Literatur des Mittelalters ist die Religion. So auch in Rudolfs von Ems „Barlaam und Josaphat“. Dieses Buch gehört zu den beliebtesten des Mittelalters. Das liegt weniger an der Empfehlung des Eremitenlebens, dargestellt durch den christlichen Einsiedler Barlaam, als vielmehr am Sieg der christlichen Religion über das Heidentum, vermittelt durch den Religionsdisput zwischen Nachor und verschiedenen heidnischen Religionen, u. a. der der Alten Ägypter.
Dieser Diskurs über den Sieg des Christentums, spiegelt die Überzeugung des Autors wider, dass gerade das Christentum die einzig wahre Religion ist. Der universelle Anspruch wird also zur zentralen Aussage des Werkes. Um dies aufzuzeigen werde ich als erstes die Handlung des Abschnitts kurz wiedergeben. Zum weiteren Verständnis ist es notwendig, einen Abriss über die Geschichte Altägyptens zu liefern, sowie kurz auf die Götter Iris, Osiris, Horus und Typhon (Seth) einzugehen. Da die mythologische Geschichte von „Isis und Osiris“ einen zentralen Punkt der Kritik Nachors ausmacht, werde ich diese in einem weiteren Abschnitt veranschaulichen. Abschließend werde ich die Kritik Nachors an den altägyptischen Gottheiten erläutern und in einem abschließenden Fazit meine These belegen.
2. Inhaltszusammenfassung „Barlaam und Josaphat“, vers 10395 - 10677
Der heidnische Zauberer Nachor führt also nun den Disput mit den Ägyptern, nachdem er diesen bereits mit den Chaldäern und Griechen geführt hat. Auch die Ägypter und ihren törichten Glauben erklärt er vor dem König Avenier für dumm. Rudolf von Ems schreibt:
nû will ich künden hie zehant,
10415
wie die von Egyptenlant
unsæliclîcher leben hânt
und dann sieglos blieben. 1 danne die sigelôs hie stânt.
Die Ägypter müssen sich jetzt folglich auch vor Nachor und allen anderen Anwesenden verteidigen und rechtfertigen und sich dem Religionsdisput stellen. Und so antworten sie:
wir leben redelîche.
vil gote helferîche
haben wir ze werden goten,
als uns ir name hât geboten: Typhôn unde Îsis,
10425
Ôrus unde ouch Ôsiris
und ander gote wert erkant,
der gewalt wîte ist genant.
Die Ägypter erzählen weiter von dem Heer der Ägypter, das im Roten Meer umkam. Nur diejenigen, die in der Gunst der (ägyptischen) Götter standen, überlebten dieses Ereignis. Seitdem dienen sie diesen Göttern und huldigen sie. Doch auch die Ägypter bezeichnen Nachor als dumm, weil dieser wider die Macht und Kraft dieser Götter redet, denn schließlich sind diese doch sehr wahrhaftig, gerecht und untadelhaft. 3
Doch Nachor geht erneut dazwischen und erklärt dem König, dass diese Götter im Prinzip genauso lebten wie ihre Anhänger und dann erzählt er die Geschichte von Isis und Osiris. 4
Dann erzählt Nachor ebenfalls die Geschichte vom Roten Meer, aber natürlich in seiner Version: In Ägypten lebte das israelische Volk - das von Gott auserwählte - in der Gefangenschaft der Ägypter und seines Pharaos. Gott sandte dem israelischen Volk einen Meister - Moses -, um es aus Ägypten herauszuführen. Gott ließ Moses das Rote Meer teilen, damit das israelische Volk ungehindert Ägypten verlassen konnte. Und die ungläubigen Ägypter mussten im Roten Meer elend ertrinken. Und auch Nachor berichtet davon, dass diejenigen, die das überlebten, dieses Glück ihren (heidnischen) Göttern zuschrieben…
Und so richteten sie schließlich ihr Leben nach diesen Göttern aus. Es gab vielerlei Götter, die zumeist Tiergestalten hatten: Schweine, Schafe, Kälber, Habichte (u. a. andere Vögel), Katzen, Wölfe, Hunde, Geier, Raben, Affen… 5 . Sie
schufen Götzenbilder ihrer „falschen“ Götter. Nachor schiebt diesen Irrglauben auf das Machwerk des Teufels und beschreibt weiterhin, dass diese ägyptischen Götter sterblich waren und erklärt dann, wie (der einzig wahre) Gott zu sein hat: gerecht, gut, wahrhaft, beständig, geschützt vor Wandelbarkeit und Treulosigkeit, er soll eine Natur und eine Gewalt sein, ein Wissen, ein Name, ein Reich,… dann also soll er den Namen „Gott“ tragen. 6 Und Nachor fragt die Ägypter, ob so ein Gott sein soll… Dies e beantworteten die Frage natürlich mit „Ja“. Daraufhin mei nt aber Nachor, dass die ägyptischen Götter eben genau diese Eigenschaften nicht aufweisen, denn schließlich erschlugen sie sich gegenseitig, beraubten sich und brandschatzten…
Also, wie kann derjenige Gott genannt werden, der diese Sünden begangen hat: Diebstahl, Raub, Brand, Magie und Zauberei, Krieg, Mord und Totschlag (dies alles ist der größte Sündenhort überhaupt…) 7 Dass diese sündigen Götter bestraft werden, ist demnach nur gerecht und so sollten diese Götter auch nicht länger Götter genannt werden dürfen. 8
Nachor schließt seinen Vortrag mit den Worten:
Nû merken alle, die hie sin,
wie offentlîche ist worden schîn
der heiden grôziu trügeheit, als ich mit volge hân geseit.
10660
der Kaldêjen irrekeit
hân ich iu hie vürgeleit,
der unreht ich mit rehte habe
ir gelimph gebrochen abe, das sie den strît hânt gelân.
10665
die Kriechen unde ir valschen gote
das toersche leben, das mit spote
ist an den von Egyptô, das hân ich gevelschet sô,
10670
das sie mit volge an dirre zit
lânt und gelâsen hânt den strit.
tuot rehte! Lât das trügeleben,
an das ir iuch habet ergeben!
Arbeit zitieren:
Vivien Rößler, 2004, Josaphat und Barlaam - Heidnische Theologie und ihre Widerlegung: Die Alten Ägypter, München, GRIN Verlag GmbH
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