Inhalt
1. Einleitung 3
1.1. Fragestellung 3
1.2. Quellenlage 3
1.3. Forschungsstand 4
2. Die „Entstehung“ der Vitalienbrüder 4
2.1. Strandraub und Küstenpiraterie 4
2.2. Die schwedischen Thronstreitigkeiten 5
3. Die Blütezeit der Vitalienbrüder in der Ostsee
6
3.1. Der Friedenschluß zwischen Mecklenburg und Dänemark 6
3.2. Die Insel Gotland 7
3.3. Die hansischen Gegenmaßnahmen 8
3.4. Die Intervention des Deutschen Ordens 9
4. Die Vitalienbrüder in der Nordsee 10
4.1. Gödecke Michels und Klaus Störtebecker 10
4.2. Vitalienbrüder in Ostfriesland 11
4.3. Hamburg, Bremen und Lübeck 12
4.4. Die Gefangennahme Störtebekers und Michels 13
5. Die Legende um Klaus Störtebecker 14
6. Literatur 17
2
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
Inhalt dieser Arbeit ist die Geschichte der Vitalienbrüder, der Piraten in der
Nord - und Ostsee Ende des 14. Jahrhunderts. Besondere Beachtung findet
hierbei das Verhältnis zwischen ihnen und der deutschen Hanse. Die Anfänge
der Piraterie in Nord- und Ostsee werden ebenso behandelt wie die Legen-
denbildung um Klaus Störtebeker und die Frage nach der inneren Struktur der
„Gemeinschaft“. Die Geschichte der Vitalienbrüder wird im historischen
Kontext der Auseinandersetzungen zwischen deutschen Fürsten, den
nordischen Reichen (besonders Dänemark) und der Hanse untersucht.
1.2. Quellenlage
Die Vitalienbrüder selbst haben, der Natur ihrer Lebensführung entsprechend,
keine schriftlichen Quellen hinterlassen. Erhalte Quellen sind diverse
Chroniken wie die Lübecker „Rufus - Chronik“ oder die sog. „Detmar -
Chronik “ 1 , Urkunden (z.B. Klageschriften über Verluste durch Kaperei, s. Kap.
4.1.) und die „Hanserecesse“ 2 , die Aufzeichnungen der Hansetage. Während
Chroniken die Vitalienbrüder nur am Rande erwähnen und auch (vor allem in
ihrer Datierung der Ereignisse) nicht sonderlich zuverlässig sind, da sie in der
Regel erst mit größerem zeitlichen Abstand verfaßt wurden, sind die
Hanserecesse wichtige Quellen, da besonders die Hansetage in den 1390er
Jahren sich eingehend mit den Aktivitäten der Vitalienbrüder beschäftigten.
Durch den Hamburger Stadtbrand von 1842 entstanden leider beträchtliche
Verluste an Archivmaterial, jedoch blieben die Kämmereirechnungen erhalten
und geben wichtige Hinweise 3
Durch die Eigenart der mittelalterlichen Schriftquellen ist keinem der in diesem
Thema vorkommenden Namen eine eindeutige Schreibweise zuzuordnen. Für
G ödecke Michels beispielsweise finden sich u. a. die Formen „Godeke“,
„Goedecken“, „Michel“, „Michaelis“ etc. und sogar „Wessels“
1 Karl Koppmann (Hrsg.), Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jhd., Bd. 19
(Detmar-Chronik), Leipzig 1884 Bd. 28 (Rufus - Chronik), Leipzig 1902
2 Karl Koppmann (Hrsg.), Hanserecesse, 8 Bde., Leipzig 1870 - 97. Die Bde. IV und V behandeln
die Zeit der Vitalienbrüder.
3 M. Puhle, Die Vitalienbrüder, Frankfurt am Main 1992, S.10
3
1.3. Forschungsstand
Da mittelalterliche Quellen oft nicht sehr zuverlässig sind, blieben in diesem Thema einige Fragen offen. Die Forschermeinungen unterscheiden sich ganz erheblich, teilweise lassen sich gewisse Dinge, wie etwa die Herkunft des Namens „Vitalienbrüder“, mangels Vorhandensein von irgendwelchen Bele-gen nie eindeutig klären und veranlassen die Forscher zu eigenen Interpre-tationen (s. Kap. 2.2.). So zweifelt Krawitz gar die Existenz des Piraten Störte-becker an und vertritt die Mainung, der Name stehe eher symbolisch für eine niederschichtige Gruppe von Menschen, die am sozialen Abgrund stehen und sich daher dem Raub zuwenden 4 . Das relativ neue Werk von Matthias Puhle kann jedoch für sich in Anspruch nehmen, mit diesem und anderen alten Denkmodellen aufgeräumt zu haben und sich bei der Entwicklung seiner Theorien nur an den belegten Fakten zu orientieren.
2. Die „Entstehung“ der Vitalienbrüder
2.1. Strandrecht und Küstenpiraterie
Mit der Zunahme des Handelsverkehrs über See kam es immer öfter vor, daß Kauffahrer an der Küste Schiffbruch, etwa durch stürmisches Wetter, erlitten. Für die dort lebenden Einwohner war ein solches Ereignis ein „Geschenk Gottes“, halfen die geborgenen Waren - das „Strandgut“ - doch bei der Bestreitung ihres Lebensunterhaltes. Die Landesherren der betroffenen Regionen kassierten dabei mit, indem sie festlegten, wie diese Beute zwischen ihnen und den Einwohnern aufteilen war. Der Eigner des Schiffes sah von seinen Gütern nichts wieder. Aus dem Jahre 1283 ist ein Vertrag aus dem Küstenstrich zwischen Elbe und Weser bekannt, der festlegte, daß das Strandgut nicht angetastet werden dürfe, solange Angehörige der Schiffsbesatzung überlebt haben. Diese Regelung führte allerdings nur dazu, daß etwaige Überlebende von den Küstenbewohnern erschlagen wurden, um sich die Beute zu sichern. Auch weitere Vertragswerke, die z.B. der Bergungs- 4 ebd.,S.147f.
4
truppe einen festen Lohn zusicherte, konnten diese Aktionen nicht wesentlich reduzieren 5 . Dieses „Strandrecht“ galt als „gottgegebenes“ Recht. Vom Strandraub bis zur regelrechten Piraterie auf See dürfte es nur ein kleiner Schritt gewesen sein. Piraten gab es überall, und bald fingen Territorialherrscher an, sich ihrer zu bedienen. Als im Jahre 1375 König Waldemar Atterdag von Dänemark starb, stritten sich seine beiden Töchter Inge-borg und Margarethe um den Thron, den sie jeweils mit ihrem Sohn besetzen wollten. Als der dänische Adel am 3. Mai 1376 den Sohn Margarethes (die mit König Haakon VI. von Norwegen verheiratet war), Olaf VI., auf den dänischen Thron wählten, brachen Feindseligkeiten mit Albrecht II. von Mecklenburg, dem Großvater Albrechts IV., dem Sohn der erwähnten Ingeborg, aus. Albrecht knüpfte Kontakt zu Piraten (die schon seit längerer Zeit die Schiffahrt in der Ostsee bedrohten) und lud sie ein, in offiziellem Auftrag Mecklenburgs Dänemark zu schädigen, d.h. in erster Linie dänische Schiffe zu erobern und auszuplündern. Zu diesem Zweck erhielten sie Kaperbriefe und wurden zu regelrechten Hilfstruppen im Krieg, allerdings beschränkten sie sich schon da nicht auf die dänischen Schiffe. Als Mecklenburg schließlich 1379 nach dem Tode Albrechts II. einen Waffenstillstand mit Dänemark schloß, bediente sich Margarethe (als Regentin Dänemarks für ihren minderjährigen Sohn) der Seeräuber, um die Vormachtstellung der Hanse zu schwächen 6 . Allerdings wich sie bald von dieser Strategie ab, um sich für zukünftige Verhandlungen das Wohlwollen der Hanse zu sichern und half bei der Bekämpfung der Seeräuber. Gegen Ende der 80er Jahre war es auf der Ostsee wieder halbwegs ruhig 7 .
2.2. Die schwedischen Thronstreitigkeiten
Der schwedische König Albrecht war Mecklenburger und stand damit in ständigem Konflikt mit dem schwedischen Adel, der sich von ihm und seinen deutschen Rittern unterdrückt wurde. Der Adel betrieb nun die Wiedereinsetzung des alten Herrscherhauses, der entsprechende Kandidat war der Sohn Margarethes, Olaf. Als nach dessen Tod 1387 Margarethe zur Königin von Dänemark wurde, boten die schwedischen Adligen ihr die schwe- 5 ErichLüth, Seeräuber und Geraubte, Flensburg 1970, S. 15ff.
6 Dieter Zimmerling, Störtebeker & co. , Hamburg 1980, S.63ff.
7 Puhle, S. 26ff.
5
Arbeit zitieren:
Maik Nolte, 1997, Die Vitalienbrüder und die Hanse, München, GRIN Verlag GmbH
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