1 Einleitung 3
2 Bevölkerungsmosaik und Kulturendiversifikation 4
2.1 Religionen und Spiritualität 4
2.1.1 Hinduismus 4
2.1.2 Islam 5
2.1.3 Buddhismus 5
2.1.4 Christentum 5
2.1.5 Sikhismus 6
2.1.6 Jainismus 6
2.2 Sprachenvielfalt und Kommunikation 6
2.3 Kasten 7
2.3.1 Kastensystem 7
2.3.2 Auswirkungen 8
2.3.2 Reformbewegung 8
3 Familie und Verwandtschaftssystem 9
3.1 Bedeutung der Familie 9
3.2 Hierarchien 9
3.3 Familienplanung 10
3.3.1 Sterilisationspolitik unter Indira Gandhi 10
3.3.2 Geburtenkontrolle heute 11
4 Mädchen und Frauen in der indischen Gesellschaft 11
4.1 Versorgungslage 11
4.2 Frauendefizit 12
4.3 Bildung 12
4.4 Heirat und Mitgift 13
4.5 Status der Witwen 14
4.6 Rechtslage 14
4.7 Arbeitsleben 15
4.8 Frauen in der Politik 15
5 Frauenbewegung und Genderfragen 16
5.1 Wie alles begann 16
5.2 Frauenbewegung heute 17
5.2.1 Errungenschaften der Frauen 17
5.2.1.1 Initiativen 17
5.2.1.2 Auswirkungen des Films „Fire“ 18
5.2.2 Schwierigkeiten der Frauen 18
5.3 „Neue“ Frauen 19
5.3.1 Unternehmerin des Jahres 19
5.3.2 Indiens erste Astronautin 19
5.3.3 Gefängnisdirektorin 20
6 Resümee 20
8 Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Die Bevölkerung Indiens ist ethnisch, linguistisch und religiös heterogen wie kein anderes Land. Alle großen Religionen der Welt sind vertreten. Das Kastensystem bestimmt noch immer in hohem Maße das ökonomische und soziale Leben sowie die familiären Strukturen den Halt in der Gesellschaft bilden. „Bharat Mater - Mutter Indien“ ist nach der Verfassung ein säkularer Staat, in dem die Freiheit des Gedankens und des Glaubens gesichert sind. Niemand darf aufgrund seiner Religion diskriminiert werden (Art 15). Der Subkontinent ist in sieben Unionsterritorien und zwei Inselbereichen gegliedert und wird in zweiundzwanzig Bundesländern, aufgeteilt in sechs Regionen, verwaltet.
Wenn von Inderinnen die Rede ist, denken wir an die in hohem Maße unterdrückten Frauen. In diesem Zusammenhang stehen oft die Tötung weiblicher Föten und Babys, Mitgiftmorde und Witwenverbrennungen zur Diskussion. Die "Minderwertigkeit" der Frauen findet sich in der Politik, jedoch besonders auf zwischenmenschlicher Ebene wieder. Der prozentuale Anteil der Frauen in der Politik ist so gering, dass über eine 33-Prozent-Frauenquote verstärkt debattiert wird.
In der heutigen Gesellschaft finden sich, neben den zuvor beschriebenen auch die „neuen“ Frauen. "Gleichberechtigung" in der Familie und in der Ehe ist ebenfalls seit geraumer Zeit keine Seltenheit mehr. Die berufstätige Frau oder Ehefrau bewahrt sich durch ihre Arbeit Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.
Die Rolle der indischen Frau hat sich verändert und auch wiederum nicht. Auch in diesem Punkt bleibt Indien ein Land der Extreme.
Gerade deshalb beschäftigt sich diese Arbeit mit der ethnischen Vielfalt Indiens mit besonderem Augenmerk auf den Gender-Aspekt.
3
2. Bevölkerungsmosaik und Kulturendiversifikation
Indien zählt mit seinen imposanten geschichtsträchtigen Bauten zu den ältesten Kulturen der Welt. Zeugen indischer Zeitgeschichte sind Denkmäler, grandiose Tempel und Moscheen, prächtige Maharaja-Paläste sowie einsame Höhlenklöster.
Das Taj Mahal ist wohl das bekannteste indischer Bauwerke. Als eines der heutigen Welt-wunder wurde es einst von einem Mogul Herrscher aus Liebe zu einer Frau erschaffen. Jedes Individuum dieses Schmelztiegels hat seinen Platz in der indischen Gesellschaft, einer Vielfalt der Religionen, Mythen und Überzeugungen und den manchmal extremen Lebensbedingungen. 1
2.1 Religionen und Spiritualität
In einem Land wie Indien, wo Kühe heilig und Affen manchmal „Götter“ sind, ist die Religion oftmals die über das Leben, die sozialen Strukturen und den Alltag bestimmende Macht. „In Indien leben laut verschiedenen Quellen, die leicht differieren, etwa 82 % Hindus, 11 % Muslime, 2,5 % Christen, 2 % Sikhs, 1 % Buddhisten, 0,5 % Jains, etwa 200.000 Parsen und 12.000 Juden.“ 2 Aus dieser Aufstellung ergibt sich fast zwangsläufig die Frage: Wie leben diese verschiedenen Glaubensrichtungen miteinander? Relativ friedlich, mit Ausnahme des Elends der Teilung von Indien und Pakistan und der damit verbundenen größten Flüchtlingsbewegung, die je auf der Erde stattfand. Damals waren 12 Millionen Menschen davon betroffen. Es kam vornehmlich zwischen Sikhs und Moslems zu großen Massakern. Die Folgen sind heute noch im Punjab zu spüren. 3
Aber auch der Streit um die Region Kashmir ist ein scheinbar niemals endender Konflikt, weil sich die beiden Parteien Indien und Pakistan nicht über die Zugehörigkeit einigen können. Die überwiegend muslimische Bevölkerung leidet sehr darunter. In den Grenzgebieten zu Bangladesh gibt es Auseinandersetzungen, wenn sich die dort lebenden Hindus durch eindringende islamische Flüchtlinge überrollt fühlen. 4
2.1.1 Hinduismus
Hinduismus ist nach Christentum und Islam die drittgrößte Weltreligion. Er vereint Philosophie, Religion und soziale Normen, wird ständig durch neue Erkenntnisse ergänzt und lässt sich nicht auf einen Gründer zurückführen. Hinduismus erlaubt eine unglaubliche Menge an Gottheiten. Hindus glauben an den ewigen Kreislauf, in den ihre Seele eingebunden und unvergänglich ist. 5 „Diese kehrt so lange in die Welt zurück, bis sie ihre Einheit mit dem Brahman 6 erkannt hat. In welcher Form die neuerliche Verkörperung erfolgt, ist abhängig vom Karma 7 , das jede Handlung nach sich zieht.“ 8 „Ein Hindu erwirbt seine Religion durch Geburt, ein Konvertieren zum Hinduismus ist ausgeschlossen.“ 9 Eng mit dem Hinduismus verbunden ist das Kastensystem, das die sozialen Strukturen und Hierarchien festlegt und ordnet. 10 Dadurch erklärt sich die Ideologie, dass Angehörige des gleichen Glaubens auch soziale, ökonomische und politische Interessen teilen.
1 Vgl. Hecht-El Minshawi, B., 1998, S. 14
2 http://www.destination-asien.de/indien/religion.htm
Aufgrund ihres geringen Anteils beschäftigt sich diese Arbeit nicht mit den Minderheiten der Parsen und Juden.
3 Vgl. http://www.destination-asien.de/indien/religion.htm
4 Vgl. http://www.destination-asien.de/indien/religion.htm
5 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 44
6 Höchste Kaste (der Priester) im Hinduismus
7 Glaube, dass das Handeln in vergangenem Leben das gegenwärtige Schicksal beeinflusst
8 Encarta Enzyklopädie Professional 2004, Hinduismus
9 http://agora.unige.ch/sfib/fr/os-kerzers/os/schueler/sj97_98/4d/indien/kasten.html
10 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 44, siehe auch Punkt 2.3
4
Durch die wirtschaftliche Öffnung des Landes und der damit einher gehenden wachsenden Rivalität der Religionsgemeinschaften, haben die Hindu-Nationalististen deutlich an gesellschaftlichem Einfluss gewonnen. Neue Reformen, sozialer Wandel durch Land-Stadt-Migration, Urbanisierung, sich verändernde Bildung und demographische Entwicklung entreißen vielen Hindus ihr Gefühl für den sicheren Platz in ihrer Gemeinschaft. 11
2.1.2 Islam
Der Islam ist eine streng monotheistische Religion Indiens und stand seit je her dem Hinduismus unversöhnlich gegenüber. Die Teilung Indiens und Pakistans ist das wohl deutlichste Zeichen. Im heutigen Indien übertrifft die Zahl der Muslime die jeden anderen islamischen Landes, trotz ihres geringen Anteils an der Gesamtbevölkerung,. 12 „Dem hinduistischen Denken ist der Islam sehr wesensfremd: das Verzehren von Tieren, das Verbot der Darstellung von Gott, Menschen und Tieren, die Ablehnung der Wiedergeburt.“ 13 Andererseits fand der Islam durch sein Prinzip der Gleichheit Nährboden bei den unteren hinduistischen Bevölkerungsschichten und wurde dankbar aufgenommen. 14
2.1.3 Buddhismus
Der Buddhismus hat in seinem Geburtsland Indien, im Gegensatz zu den anderen Religionen, nicht mehr viele Anhänger. Buddhistische Zeugnisse finden sich vor allem in Maharashtra, Sanchi, Mathura, Bhubaneswar (Orissa) und Bodhgaya. 15 Das Oberhaupt des Tibetanischen Buddhismus, der Dalai Lama lebt heute in seinem Exil im indischen Dharamsala. 16 Dieser Ort hat sich im spirituellen Indien zu einem weltweiten buddhistischen Walfahrtsort entwickelt.
Da ebenfalls im Buddhismus das hinduistische Kastensystem und seine Benachteiligungen keine Anerkennung finden, sind auch viele Kastenlose und Mitglieder von niederen Kasten zum Buddhismus übergetreten. 17 Diese Religion kennt keinen Gott und auch kein Selbst. Das Ego ist nur eine Last. Bilder Buddhas sind in Indien allgegenwärtig und gelten den Hindus als Inkarnation ihres Gottes Vishnu, dem höchste Verehrung zusteht. 18
2.1.4 Christentum
Wahrscheinlich wurde das Christentum schon im 1. Jahrhundert nach Indien getragen, später missionierten die Portugiesen. I n Goa und Kerala, wo es auch heute meist verbreitet ist, hat es größere Bedeutung in Indien. 19 Die Namen der Christen dort lassen auf eine frühere Kastenzugehörigkeit schließen. 20
„Der Hinduismus hat das Christentum einfach integriert, und auch viele Hindus betrachten auch Jesus Christus als Inkarnation Vishnus.“ 21
11 Vgl. http://www.solidarische-welt.de/sw181/fundamental.shtml
12 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 54ff
13 http://www.destination-asien.de/indien/religion.htm
14 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 57
15 Vgl. http://www.destination-asien.de/indien/buddhism.htm
16 Vgl. http://www.tibetfocus.com/dalailama/
17 Vgl. http://www.tibetfocus.com/gm/archives/00000163.html
18 Vgl. http://www.destination-asien.de/indien/buddhism.htm
19 Vgl. http://www.destination-asien.de/indien/christ.htm
20 Vgl. Schweizer, G., 1995, S. 215f
21 http://www.destination-asien.de/indien/christ.htm
5
„Die folgende Religionen Sikhismus und Jainismus haben sich von der dominierenden hinduistischen Struktur gelöst und begründeten ihre eigenen Formen gesellschaftlicher Ordnung.“ 22
2.1.5 Sikhismus
Der Sikhismus wurde einst begründet von Guru Nanak und erschloss sich aus Hinduismus und dem Islam. Die Sikhs lehnen das Kastensystem ebenfalls ab und tragen den einheitlichen Namen Singh (Löwe). Auch diese Religion ist streng monotheistisch und bildlos. Ihr Glaube an das Karma, die Seelenwanderung und das Nirvana haben die Sikhs vom Hinduismus übernommen. Obwohl teile des Sikhismus ihren Ursprung im Islam haben, stehen sie Sikhs heute dem Islam eher feindlich gegenüber und suchen keinesfalls Anschluss. 23 Das Zentrum der Sikh-Religion befindet sich im Bundesstaat Punjab im Nordwesten Indiens. 24 Ihr Heiligtum ist der Goldene Tempel in Amritsar. 25 Die männlichen Sikhs müssen die fünf k’s befolgen: kes, Haupthaar und Bart dürfen nicht geschnitten werden, kacch, die verpflichtende Soldatenkleidung, kara, das Tragen eines eisernen Armreifes zum Schutz gegen das Böse, khanda, das Tragen eines Stahldolches und eines Kammes, khanga. 26 Die weiblichen Sikhs tragen anstatt des Saris einen Punjabi Sui 27 t, der modisch allerdings auch von den anderen Inderinnen übernommen wurde.
2.1.6 Jainismus
Der Jainismus, einstige Reformbewegung des Brahmanismus, ist heute überwiegend in den Staaten Rajasthan und Gujarat vorzufinden. Nach dem Glauben der Jain kann der Kreislauf der Wiedergeburt nur durch Askese unterbrochen werden. Als besonders verdienstvoll gilt das Fasten bis zum Tode.
Es gilt das Gebot des Nichttötens. Strenge Verfechter ihres Glaubens fegen den Weg, den sie betreten, und tragen Mundschutz, um nicht kleinste Lebewesen zu töten oder einzuatmen. Berufe in der Landwirtschaft, im Militär oder groben Handwerk waren somit nicht gestattet, Jains konzentrieren sich auf sitzende Tätigkeiten, die geringste Bewegung erfordern. 28
2.2 Sprachenvielfalt und Kommunikation
Dass ein Analphabet einem Schreiber diktiert, ist auch heute noch ein viel gesehenes Bild im indischen Alltag. Die Analphabetenquote liegt bei Männern durchschnittlich bei über 50 Prozent, bei Frauen sind es sogar über 70 Prozent je nach Bundesstaat. Auch hier macht sich die Bildungsschwäche Niedrigkastiger bemerkbar. 29
„Hindi und Englisch sind die beiden offiziellen Amtssprachen Indiens, und beide Sprachen sind in den verschiedenen Sprachregionen Indiens verbreitet. Daneben gibt es 15 von der indischen Verfassung anerkannte Staatssprachen, die in Schulen und bei offiziellen Transaktionen gebraucht werden: Assamesisch, Bengali, Gujarati, Kashmiri, Marathi, Oriya, Punjabi, Sindhi, Hindi, Urdu, Sanskrit, Tamil, Telugu, Kannada (oder Kanaresisch) und
22 Schweizer, G., 1995, S. 216f
23 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 54ff
24 Vgl. Encarta Enzyklopädie Professional 2004, Sikhismus
25 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 99
26 Vgl. Encarta Enzyklopädie Professional 2004, Sikhismus
27 Langes kleidartiges Oberteil, Hose und ein Schal
28 Vgl. Aubert, H.-J., 1995, S. 51ff
29 Vgl. Schweizer, G., 1995, S. 96, Bild 13
6
Arbeit zitieren:
Dunja Messer, 2004, Diversität in Indien (Länderanalyse), München, GRIN Verlag GmbH
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