Virtuelle Unternehmen als Organisationskonzept werden seit Mitte der 90er Jahre verstärkt im wissenschaftlichen Umfeld diskutiert. In der Literatur sind verschiedene Ansätze einer theoretischen Konzeption virtueller Unternehmen zu finden, die jedoch nicht hinreichend empirisch verifiziert
sind. Ziel dieser Arbeit ist es, vor allem Licht auf die Taxonomie und Definition der virtuellen Unternehmung / Organisation zu werfen. Viele Abhandlungen postulieren Vertrauen als Voraussetzung für die Existenz virtueller Unternehmen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag darin, der Frage nachzugehen, inwieweit sich Kooperations- / Koordinationsprobleme operationalisieren lassen. Als Instrument erwies sich die Spieltheorie sowie die nahverwandte experimentelle Ökonomik als geeignet, da sich
Handlungsweisen exakt beschreiben lassen.
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For nearly a decade, virtual organizations have been examining in business science. The literature surveys different and competitive approaches, which have not verified yet. It was the central point to shed light on the
taxonomy and definition of virtual organizations. Many abstracts postulate trust as a prerequisite for the essence of this concept. The main focus of this treatise is to question to what extent cooperation- and coordination
problems can be operationalized. The examination was conducted by the mean of a game theoretical analysis and findings from experimental economics as well.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Unternehmensnetzwerke
2.1 Ausprägungsformen
2.1.1 Strategische Netzwerke
2.1.2 Dynamische Netzwerke
3 Begriffliche Grundlagen
3.1 Virtualität
3.2 Förderung der Virtualität
3.3 Virtuelle Organisation
4 Das virtuelle Unternehmen
4.1 Merkmale
4.2 Definitionsversuche in der Literatur
4.2.1 Annäherung an Hopland
4.2.2 Annäherung an Byrne
4.2.3 Annäherung an Davidow und Malone
4.3 Definition
4.4 Konzept
4.4.1 Der Kompetenzpool
4.4.2 Das aktive Netz
4.4.3 Sechs Rollenprofile der virtuellen Unternehmung
4.5 Vorteile
4.6 Probleme
5 Rechtliche Aspekte
5.1 Die Rechtsform des Kompetenzpools
5.2 Die Rechtsform des aktiven Netz
5.3 Relational Contracts
5.4 Diskussion
6 Korrelation zwischen Unternehmensnetzwerken und virtuellen Unternehmen
6.1 Strategische Netzwerke vs. virtuelle Unternehmen
6.2 Dynamische Netzwerke vs. virtuelle Unternehmen
6.3 Diskussion
7 IuK-Technologie
7.1 Value-Added-Networks (VANs)
7.2 Electronic Data Interchange (EDI)
7.3 Computer Netzwerke
7.4 Internet
7.5 Intranet
7.6 CSCW-Systeme
7.7 Workflow-Management
7.8 Videoconferencing
7.9 Diskussion
8 Die Methodik der Spieltheorie
8.1 Die Regeln des Spiels
8.2 Gleichgewicht
8.2.1 Dominante Strategien und das Gefangenendilemma
8.2.2 Nash-Gleichgewicht
8.3 Extensivform
8.4 Reine und gemischte Strategien
8.5 Sequentielle Spiele
8.6 Iterierte Gefangenendilemma
8.7 Evolutionär stabile Strategien
9 Vertrauen als Koordinationsmechanismus
9.1 Entstehung der Kooperation
9.1.1 Elimination der dominanten Strategie
9.1.2 Dynamik evolutionär stabiler Strategien
9.2 Stabilität der Kooperation
9.3 Die Rolle der Kommunikation
9.4 Diskussion
10 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das virtuelle Unternehmen als Organisationsform in einem globalisierten Wettbewerbsumfeld. Ziel ist es, eine theoretische Erklärung für die Existenz und Stabilität virtueller Unternehmen zu finden, wobei Vertrauen als zentraler Koordinationsmechanismus analysiert wird, da traditionelle Verträge aufgrund der geforderten Dynamik oft ungeeignet sind.
- Analyse virtueller Unternehmen und deren Abgrenzung zu klassischen Kooperationsformen.
- Untersuchung von IuK-Technologien als notwendige Infrastruktur.
- Anwendung der nichtkooperativen Spieltheorie zur Modellierung von Vertrauen und Kooperation.
- Diskussion rechtlicher Rahmenbedingungen und Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
4.3 Definition
Aus den Merkmalen und den aus der Literatur gestützten Begriffsbestimmungen lässt sich eine Definition für virtuelle Unternehmen ableiten:
Demnach ist das virtuelle Unternehmen ein temporäres Netzwerk rechtlich unabhängiger Unternehmen bzw. Institutionen mit dem Ziel, ein bestimmtes Produkt oder Dienstleistung zu erstellen. Die grundlegenden Voraussetzungen zur Unterstützung der zwischenbetrieblichen Kooperation und Koordination, sind das Einbringen von best-of-class-Fähigkeiten (Kernkompetenzen) in die Aktivität, sowie Vertrauen als Koordinationsmechanismus innerhalb der Partnerschaft. Neben der intensiven Unterstützung durch IuK-Technologien soll, soweit es möglich ist, auf die Institutionalisierung zentraler Management Funktionen verzichtet werden. Ziel dieser Kooperationsform ist die konsequente Kundenorientierung, Kostensenkung und die Schaffung von Wettbewerbsvorteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Thema, Beschreibung des globalisierten Marktdrucks und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur Stabilität virtueller Unternehmen.
2 Unternehmensnetzwerke: Definition und Erläuterung der Ausprägungsformen wie strategische und dynamische Netzwerke.
3 Begriffliche Grundlagen: Erörterung der Begriffe Virtualität, deren Förderung und der Fokus auf die organisatorische Virtualisierung.
4 Das virtuelle Unternehmen: Analyse der Merkmale, Literaturdefinitionen sowie Vorstellung des Konzepts (Kompetenzpool, aktives Netz) und der Rollenprofile.
5 Rechtliche Aspekte: Untersuchung der rechtlichen Einordnung virtueller Unternehmen (GbR) und die Rolle von relational contracts.
6 Korrelation zwischen Unternehmensnetzwerken und virtuellen Unternehmen: Vergleich zwischen klassischen Netzwerkformen und virtuellen Unternehmen hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden.
7 IuK-Technologie: Überblick über relevante Technologien wie VANs, EDI, Computer-Netzwerke, Internet und CSCW-Systeme zur Unterstützung virtueller Zusammenarbeit.
8 Die Methodik der Spieltheorie: Vermittlung der mathematischen Grundlagen der nichtkooperativen Spieltheorie, die als Analyserahmen dient.
9 Vertrauen als Koordinationsmechanismus: Untersuchung der Entstehung und Stabilität von Kooperation unter spieltheoretischen Aspekten.
10 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfragen.
Schlüsselwörter
Virtuelle Unternehmen, Unternehmensnetzwerke, Spieltheorie, Kooperation, Vertrauen, IuK-Technologie, Kernkompetenzen, Organisation, Rationalität, Reziprozität, Gefangenendilemma, Nash-Gleichgewicht, Evolutionäre Spieltheorie, Kompetenzpool, Aktives Netz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert virtuelle Unternehmen als moderne Organisationsform, die durch Flexibilität und Ressourcenkombination Wettbewerbsvorteile erzielen soll.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Spieltheorie als theoretisches Fundament, moderne IuK-Technologien sowie die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen virtueller Kooperationen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit primär?
Das Ziel ist es, eine theoretische Erklärung für die Existenz und Stabilität virtueller Unternehmen zu liefern, indem Vertrauen als Koordinationsmechanismus in den Mittelpunkt gestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die nichtkooperative Spieltheorie, um Interaktionen zwischen Unternehmen zu modellieren und das Zustandekommen von Kooperation zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine konzeptionelle Bestimmung virtueller Unternehmen, eine technische Analyse der notwendigen IuK-Infrastruktur sowie eine tiefe theoretische Fundierung mittels spieltheoretischer Ansätze zur Stabilität von Vertrauensbeziehungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere virtuelle Unternehmen, Vertrauen als Koordinationsmechanismus, Spieltheorie und Kernkompetenzen.
Wie unterscheidet sich der Kompetenzpool vom aktiven Netz?
Der Kompetenzpool ist eine stabile, latente Plattform von Partnern, während das aktive Netz die spontane, auftragsbezogene Zusammenarbeit zur Erstellung eines spezifischen Produkts oder einer Dienstleistung darstellt.
Warum ist die Spieltheorie für diese Arbeit relevant?
Die Spieltheorie bietet den methodischen Rahmen, um das Verhalten opportunistischer Akteure zu formalisieren und zu verstehen, warum und unter welchen Bedingungen (z.B. Schatten der Zukunft) langfristige Kooperation ohne explizite Verträge möglich ist.
- Quote paper
- Andreas Eggert (Author), 2001, Kooperation und Vertrauen - Das Konzept der virtuellen Unternehmung als Organisationsform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3018