2
Gliederung
1. Einleitung S. 3
Wnhefm f als literaturgeschichtliches Denkmal des Abtes Daniil
2. S. 4
in der Gattung Reiseliteratur
Zum Urheber von W n h e f m f S. 5
2 1
Zum Inhalt der Abschrift „ H r f unhefm fEam kapsq qj iflk
2.2 S. 6
dslfma in Qal rm j M rfparsp Epfcmf Rsq
3. Die russische Literatursprache des 11. und 13. Jahrhunderts S. 8
Die Sprache in Daniils W n h e f m f S. 9
3 1
4. „Wnhefm f unter ausgewählten Aspekten des Lautwandels S. 10
4.1 Die reduzierten Vokale S. 10
Wnhefm fundWnhfm fein Beispiel für den tj, dj Wandel
4.2. S. 12
4.3. Liquidametathese und Polnoglasie S. 13
Zur Semantik in „Wnhefm f am Beispiel von d p a e z S. 14
5
6. Die Pronomen S. 14
6.1 Die Personalpronomen S. 15
6.2 Die Possessivpronomen S. 15
6.3 Die Demonstrativpronomen S. 16
Die Längenmaße in „W n h e f m f S. 16
7
Cfpqraein typisches russisches Längenmaß
7.1 S. 17
7.2 Längenmaße mit Entsprechungen in anderen Sprachen: S. 17
Sahfm Srnoaund Majnr
8. Ergebnisse S. 20
9. Literaturhinweise S. 21
3
1. Einleitung
Wnhefm_fJdslfmaEam__kagehört zu den bekanntesten und ältesten Dokumenten der Wallfahrts-und Reiseliteratur der Slavia Orthodoxa. Auf die Popularität dieses mittelalterlichen Textes weisen allein die ca. 150 1 noch vorhandenen Abschriften hin, die in unterschiedlichen Redaktionen verankert sind. 2 Die Fassung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, ist Wnhefm_fJdslfmaEam__kadas in der Sammlung QMERXII cfjvon 1980 veröffentlicht wurde.
Der zu bearbeitende Text ist ein Reisebericht des Abtes Daniil, der in den Jahren 1106 -1108 eine Reise nach Palästina unternahm. Das Werk erinnert an Ausführungen eines allgemeingehaltenen Reiseführers, ist darüber hinaus aber noch durch zahlreiche narratorische Elemente und lyrische Einspielungen des Autors bereichert. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gilt Wnhefm_f als fundierte Quelle zur Untersuchung der russischen Literaurgeschichte, sei es literarischer, sei es sprachwissenschaftlicher Qualität.
Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt in der sprachwissenschaftlichen Analyse, die in bezug auf ausgewählte sprachwissenschaftliche Aspekte durchgeführt werden soll. Dies sind im einzelnen einige Aspekte des Lautwandels, die Pronomen und die Längenmaße. Die ausgewählten Beispiele vermitteln einen Einblick in die dieser Arbeit zugrunde liegenden Abschrift des Reiseberichts Daniils.
Zu einem besseren Verständnis werden ergänzend grundlegende Angaben zur altrussischen Literatur und zum Genre des Textes geliefert.
1 In der Sekundärliteratur wird die Anzahl der Abschriften unterschiedlich hoch angegeben: Nach Trubetzkoy gibt es 90 Abschriften, vgl. Trubetzkoy, N. S.: Vorlesungen über die Altrussische Literatur, in: Studia historica et philologia. Secti slavica, 1973, S. 83. Tschiqewskij hingegen zählt über 100 Abschriften, vgl. Tschiqewskij, Dmitrij: Geschichte der altrussischen Literatur im 11., 12. und 13.Jahrhundert, 1948, S.167. Schließlich gibt Klaus- Dieter Seeman, 150 Abschriften dieses Textes an. Vgl. Die altrussische Wallfahrtsliteratur, 1976, S.173.
2 Literatura rosyjska, Bd.1, 1970, S. 49
4
2. Wnhefm_fals literaturgeschichtliches Denkmal des Abtes Daniil in der Gattung Reiseliteratur
Die Reiseliteratur im allgemeinen umfaßt ein breites Spektrum, das von einer wissenschaftlichen Bearbeitung bis hin zu einer dichterisch ausgestalteten Wiedergabe von Reiseerlebnissen und Reiseerfahrungen fremder Länder reicht. Sie gehört zu den ältesten Literaturgattungen, deren Anfang
wohl die Odyssee Homers als dichterische Einheit von Reise und Abenteuer bildet. 3
Der Reisebericht „Wnhefm_fzeugt von einem Genre pragmatischer Art. 4 Ein fiktiver Charakter liegt dem Bericht nicht zugrunde. In den Jahren 1106-1108 5 , in einer Zeit, in der die „Nestorchronik“ in Kiev vor dem Abschluß stand 6 , unternahm JdslfmEam__k, der Abt 7 Daniil, eine Pilgerreise nach Palästina und überlieferte diese in schriftlicher Form. Die Chroniken erwähnen diese Reise nicht 8 , war sie wohl zu jener Zeit den Chronisten nicht bedeutend genug. Demgegenüber steht der heutige Wert Daniils Reiseberichts im sprach- und literaturgeschichtlichen Kontext.
Den mittelalterlichen Reiseberichten liegen mehrere Motive zugrunde. Wissenschaftliche Zwecke, Handel und Pilgerschaft, dies waren die Leitgründe für jene Reisen, die schriftlich niederzulegen sich lohnten. „Wnhefm_f gehört zur Kategorie Pilger- und Wallfahrtsliteratur und zählt nicht nur zu den beliebtesten und bekanntesten seiner Art, sondern dokumentiert letztendlich auch die Entstehung der russischen Wallfahrtsliteratur.
Der Reisebericht Daniils liegt in zahlreichen Abschriften vor. Die meisten von ihnen stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert, einige wenige findet man im 19. Jahrhundert. Die Abschriften wurden in unterschiedlicher Fassung niedergelegt, je nach Ermessen von Nutzen und entsprechender Epoche.
Schon an der Titulierung erkennt man, daß die Fassungen der zahlreichen Abschriften bedeutend voneinander abweichen. Zu nennen sind hier zunächst einmal Überschriften wie unhefm_f, qrpamm_jund oaknlm_j 9 Die vorliegende Arbeit stützt sich auf einen Text, der den Titel „ H_r{f_unhefm{fEam_kaRsq{qj|}iflk__dslfma„ trägt, was soviel wie „Pilgerfahrt des Abtes Daniil aus dem russischen Lande“ bedeutet.
3 Siehe: Sachwörterbuch der Literatur, hrsg v. Gero von Wilpert, 1979, S. 669f
4 Seemann, Klaus Dieter, Der Reisebericht in der Slavia Orthodoxa in gattungstheoretischer Sicht, in: Slavische Veröffentlichungen Bd. 73, 1992, S. 227f
5 Literatura rosyjska, S. 49
6 Trautmann, Reinhold: Altrussisches Lesebuch, Teil 1, 1949, S. 88
7 In der Sekundärliteratur wird das Wort _dslfm als „Hegumen“, auch „Igumen“ wiedergegeben. Während Trubetzkoy (S. 83) von „Hegumen“ spricht, benutzt Trautmann (S. 88) das Wort „Igumen“. Das Russisch-Deutsche Wörterbuch (Puschkin-Verlag Köln, 1992) gibt nur die Bedeutung „Abt“ an. Leskien definiert: “Die Würde eines Hegumen in dem Klosterwesen der griechischen Kirche enspricht der abendländischen Stellung eines Priors“, siehe A. Leskien: die Pilgerfahrt des russischen Abtes Daniel ins heilige Land 1113-1115, in: Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins Bd.7, 1884, S.18
8 Vgl.Trubetzkoy, S. 83
9 Vgl. Seemann 1976, S.173
5
Die am häufigsten anzutreffende Titelierung ist Wnhefm_fdieser Begriff bezeichnet eine Fortbewegung zu Fuß, einen Gang oder eine Reise. In dieser Bedeutung tritt unhefm_fin mehreren Abschriften der Kiever Zeit auf. In manchen Fassungen der Abschreiber erscheint das russ.-ksl. qrpam{m_jz das in seiner Hauptbedeutung noch im modernen russistischen Sprachgebrauch als „Wanderer“ oder „Pilger“ erhalten ist - als Nebenbedeutungen treten hier: „Heimatloser“, „Fremdling“, „Andersgläubiger“ und „Heide“ auf. Im erweiterten Sprachgebrauch des Russischen erfuhr qrpamm_jauch Bedeutungen wie „Bettler“ und „Obdachlose“. 10
Weitaus seltener findet man in den Überschriften der Abschriften den Begriff oaknlm_j. Das russische Lehnwort aus dem mittellateinischen Sprachgebrauch (palmarii,palmati, lat.palma, mittelfranz. paumier, it. palmire) 11 steht für „Pilger“ und vermittelt im Titel die Bedeutung „Pilgerbuch“ und „Pilgerfahrt“ 12 .
So wie sich die Titel in manchen Abschriften veränderten, so unterschiedlich waren auch Umfang und Inhalt mancher Schreiber. Die Abschriften des Abtes Daniil sind in einigen Fassungen deutlich gekürzt. Dies liegt wohl im Interesse, das Werk als „Reisehandbuch“ zu nutzen. 13 Die eingehenden Beschreibungen Daniils störten, der pragmatische Zweck war verbindlich, und so entstanden die mannigfachen gekürzten Fassungen des Werkes. In diesen Abschriften ist vor allem auf den ausführenden Charakter, die persönlichen Beschreibungen des Abtes und die historischen Umstände der Reise verzichtet worden. In der Abschrift, die vorliegender Arbeit zugrunde liegt, sind die erläuternden Ausführungen des Abtes noch vorhanden.
Zum Urheber von Wnhefm_f 2.1.
Es sind allein die schriftlichen Überlieferungen des Abtes, die Rückschlüsse auf den Urheber des Reiseberichts zulassen, das Werk selbst ist die einzige Quelle. Zu vermuten ist, daß der Abt ein Südrusse war und höchstwahrscheinlich aus der Gegend der Stadt >ernigov stammte. 14 Dies wird an der Stelle erkenntlich, an welcher der Schreiber des Reiseberichts den Vergleich des Flusses Jordan mit dem rechten Nebenfluß der Desna, dem Snov, zieht. Als ein weiteres Indiz für die Herkunft des Autoren zeugt die Erwähnung mehrerer südrussischer Fürsten. 15
Von Aufschluß über den Abt Daniil mag auch sein, daß er auf seiner Pilgerfahrt von einem stattlichen Gefolge, von Leuten aus Novgorod und Kiev, begleitet wurde - dem Namen nach handelte sich um
10 PhfdncS JSkncap{psqqjndn}i|ja1989, S. 770
11 Vasmer, Max: Russisches etymologisches Wörterbuch, Bd. 3, 1981, S. 193
12 Seemann 1976, S. 100
13 Seemann 1976, S. 191f
14 Trubetzkoy, S. 83.
15 Trautmann, 1949, Teil 1, S.88
6
weltliche Menschen. 16 Seine Reise dauerte über zwei Jahre, von denen er 16 Monate in Jerusalem verbrachte.
Höchstwahrscheinlich war der Abt ein gebildeter Mann, denn er hatte sich mit Literatur auf seine Reise vorbereitet, und die Erläuterungen zu griechischen Benennungen der Städte zeugen davon, daß er mit dem Griechischen vertraut war. 17
Die Bedeutung seiner Person läßt sich auch an der Tatsache messen, daß ihm der damaliger König von Jerusalem, Balduin, zwei Audienzen gewährte. 18 Nach der Rückkehr aus Palästina wurde Daniil von Vladimir Monomach zum Bischof in der Stadt Jurev bestimmt. 19
Das wenige, was sich aus seinem Reisebericht zur Person Daniils erschließen läßt, spricht dafür, daß der Mönch eine nicht unbedeutende Person mit Sprachvermögen und Bildung war. Wenn dieses zunächst dem Reisebericht eine gewisse literarische Kraft verliehen hat, kann es auch bei der sprachwissenschaftlichen Analyse durchaus von Bedeutung sein.
2.2 Zum Inhalt der Abschrift „H_r{f_unhefm{fEam__kapsq{qj|}iflk__dslfma“ in „Qal}rm_j_M_rfparsp|Epfcmf`Rsq_
Die hier zu untersuchende Fassung gehört zu denjenigen Abschriften Daniils Reiseberichts, die von einem größeren Umfang sind. Der Text beginnt mit einer Einleitung, in welcher der Autor das Verfassen des Berichts begründet und sich für seine ungenügende Frömmigkeit entschuldigt. Seinen Reisebericht läßt Daniil mit der Abreise aus Constantinopel 20 beginnen. Der Einstieg in den Bericht erscheint hart und abrupt, gibt der Autor ja keinerlei Auskunft über das bisherige Geschehen der Reise durch Rußland hindurch und durch das Gebiet der Kumanen-Polovcer. 21
Die Reisegruppe fährt über das Ägäische Meer, vorbei an zahlreichen Inseln, wobei nur diejenigen Inseln Beachtung verdienen, die Heiligtümer, Reliquien oder bedeutende Gräber beherbergen. So schreibt Daniil über die Stadt Ephesos (heute Ephesus in der Türkei), über die Inseln Patmos, Kos,
16 LsqjncC C und Qpnjnt{fcO J Jqrnp_}epfcmfpsqqjn`k_rfparsp|1987, S. 81
17 Im Abschnitt über den Opferalter Abrahams findet man den griechischen Namen der Stadt 6SRXGKmit russischen Buchstaben und der Erläuterung: Jl}lqr|rnlsSose_`_hfq}opnrnkjsfr{ryam_fbndnpne_wmnin: QMERS. 38 „..der Name dieses Ortes ist 6SRXGK, welches übersetzt wird: Eile der Mutter Gottes“, siehe Leskien, S.27
18 Literatura rosyjska, S. 49
19 LsqjncS. 86
20 Die geographischen Namen und ihre Schreibweise wurde in diesem Referat aus der Leskienschen Übersetzung übernommen. Die heutigen geographischen Namen werden, in dieser Hausarbeit in Klammern angegeben.
21 Kumanen-Polovcer ist ein Nomadenvolk, das im 10. Jahrhundert bis zur Wolga und zum Dnepr vordrang und die Gebiete am Schwarzen Meer übernahm. In der 2. Hälfte des 11. und im 1. des 12. Jahrhunderts führte das Volk heftige Kämpfe gegen Kiev. MaÄy sÄownik kultury dawnych sÄowian, 1990, S. 301
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Teresa Wanczura, 1998, "Chozdene Igumena Daniila" - ein Reisebericht des Abtes Daniil nach Palästina (1106-1108), Munich, GRIN Publishing GmbH
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