Universität Würzburg
Hausarbeit im Proseminar
Gestalteter Raum, Gestaltete Landschaft
Archive in Deutschland
von: Jennifer Ruwe
Gliederung
Einleitung 3
1. Geschichte des Archivwesens 4
2. Archive in Deutschland 6
2.1. Das Bundesarchiv 6
2.2. Archive der Länder, speziell Bayerns 8
3. Das Stadtarchiv Würzburg 9
4. Das Staatsarchiv Würzburg 10
5. Zur Nutzung von Archiven 11
6. Schlussbemerkung 12
Bibliografie 13
Einleitung
In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebte die Volkskunde in Deutschland eine äußerst fruchtbare Kontroverse: Hans Moser und Karl- S. Kramer waren bei ihrer Arbeit an der bayerischen Landesstelle für Volkskunde in München neue Wege in der historischen Quellenarbeit gegangen und hatten sich damit Kritik von Seiten Bausingers eingeholt. Mit dem Ziel „...ein Grundgerüst der historischen Volkskultur heraus(zu)arbeiten...“ (16)1 hatten Moser und Kramer 45 Ortsarchive aus Ober- und Niederbayern und der Oberpfalz mit ihren Beständen an Rechnungen und Protokollen ausgewertet. Ohne eine vorherige Definition des Interesses auf einzelne Aspekte wurden somit sämtliche – auch scheinbar unwichtige- Informationen des Zeitraums 1500-1800 gesammelt. Die daraus hervorgegangenen Arbeiten Mosers und Kramers- zu nennen ist besonders Kramers historisch-archivalische Methode in der Volkskunde von 1968- brachten die Diskussion bezüglich des Methodenverständnisses des Faches in Gang. Besonders scharf fiel die Kritik von Seiten Bausingers aus. Die „vermeintliche Voraussetzungslosigkeit der Darstellung“(17) widerspräche der Grundaufgabe des Wissenschaftlers, aus der Menge der Quellen auszuwählen und sich auf bestimmte Themenbereiche zu konzentrieren. Ebenso warnte Bausinger davor, ideologisch belastete Begriffe wie z.B. Gemeinschaft für die Beschreibung historischer Gesellschaften zu übernehmen.2 Auf jeden Fall hat diese neue Methodik dazu beigetragen, den romantischen Glauben an eine statische Volkskultur durch eine Erforschung des Wandels und der kulturellen Praxis abzulösen. Durch die Erweiterung des Quellenmaterials auf bis dato lediglich in der Heimatgeschichtsschreibung verwendete Dokumente löste sich die Volkskunde des Weiteren „…von den germanistischen Traditionen des Faches“(15). Inzwischen ist die Arbeit mit Archivalien in der Volkskunde essentielle Grundlage zur Klärung gesellschaftsimmanenter Fragen. Es lassen sich dadurch sowohl Aussagen über Belange breiter Bevölkerungsschichten treffen wie auch subjektkonzentrierte Untersuchungen stützen- wegbereitend diesbezüglich das Werk Der Käse und die Würmer von Carlo Ginzburg (1976), in dem anhand von Inquisitionsakten das Leben eines Müllers um 1500 rekonstruiert wurde.
Grundlegend für die Arbeit mit Archivalien sind gewisse Grundkenntnisse in Archivwesen. Das heißt: darüber, welche Archive für eine wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung stehen, welche Dokumente sich wo finden und wie diese sortiert sind. In der vorliegenden Arbeit soll somit ein kleiner Pfad in den Dschungel deutscher Archive und deren Systematik geschlagen werden. Mit dem Blick auf volkskundlich relevante Themen wird von der Vergangenheit zur Gegenwart (Geschichte des Archivwesens) und vom Allgemeinen zum Speziellen (Hierarchie der Archive in Deutschland, Zuständigkeiten und Archivaliengruppen) vorgegangen, - in der Hoffnung, insgesamt eine klare, praktische Einführung in die (gar nicht so staubige) Arbeit mit Archivalien geben zu können.
1. Geschichte des Archivwesens3
Innerhalb der letzten 100 Jahre wurden am Unterlauf des Euphrat über 400000 Tontäfelchen gefunden, die darauf schließen lassen, dass es bereits 3000 v. Ch. in den früheren Reichen des Vorderen Orients eine Art Archive gegeben hat: auf diesen Tafeln sind nämlich in Keilschrift Daten aus der Wirtschaftsverwaltung von Tempeln und Kanzleischriftgut identifizierbar. Ähnliche Tafeln fanden sich in Ägypten, an der syrischen Mittelmeerküste und nahe Ankara. Jene geben den diplomatischen Schriftverkehr der Mittelmeerreiche wieder. Der Erhalt dieser Informationen über Jahrtausende hinweg wird durch das beständige Material Stein ermöglicht. Da ab dem 6. Jahrhundert Leder, Holz und Papyrus als Schreibstoffe verwendet wurden, lassen sich aus dieser Zeit kaum Funde verzeichnen. Aus Überlieferungen ist zu entnehmen, dass es im antiken Athen ein Archiv gab, in dem Gesetze, Akten von Staatsprozessen, Rechnungen und sogar Belegexemplare der vom Staat in Auftrag ge gebenen Dramen verwahrt wurden. Auch im antiken Rom gab es ein politisches Archiv, in dem u.a. auch Bevölkerungslisten lagen. Noch handelte es sich jedoch bei diesen Archiven um sogenannte Auswahlarchive, das heißt, dass hier nur Dokumente mit besonders hoher Rechtsqualität verwahrt wurden; das ständig anfallende Verwaltungsschriftgut verblieb bei den Entstehungsbehörden. Im Jahr 366 erhielten die Städte des römischen Reichs durch Justinian die Anordnung, ihre Protokolle dauerhaft in einem Archiv zu verwahren. Im Mittelalter entstanden Archive meist zur Wahrung der Rechte und Besitzansprüche (Urkunden) einzelner Institutionen wie Kirchen, Klöster oder auch Städte.
[...]
1 Die Seitenangaben hier wie auch im Folgenden beziehen sich auf Göttsch, Silke. Archivalische Quellen und die Möglichkeit ihrer Auswertung
2 dabei ist zu bemerken, dass sich die auf das dritte Reich zurückgehende Aufladung dieses Begriffs bis zur heutigen Zeit wieder stark relativiert hat.
3 Die diesen Punkt betreffenden folgenden Ausführungen sind allesamt dem Kapitel Geschichtliche Entwicklung in Eckart, Franz G.. Einführung in die Archivkunde entnommen.
Quote paper:
Jennifer Ruwe, 2004, Archive in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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