INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG: 2
1.1 PROBLEMSTELLUNG: 2
1.2 ALLGEMEINE VORBEMERKUNG: 4
1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette: 4
1.2.2 Aufbaustruktur eines umfassenden Medienkonzerns: 6
2 ENTWICKLUNG DER DEUTSCHEN FILMINDUSTRIE: 7
2.1 HISTORISCHER RÜCKBLICK: 7
2.1.1 Die UFA - das deutsche "Major-Studio": 7
2.1.2 Die zweite Weltkrieg und seine Folgen: 8
2.1.3 Das Fernsehen - Rettung und Niedergang zugleich: 9
2.2 AUSGANGSPUNKT DER ENTWICKLUNG 1990 BIS 2000: 10
2.2.1 Bestandsaufnahme der deutschen Filmindustrie zu Beginn der 90' er Jahre: 11
2.2.2 Europäische Situation: 12
2.3 PRIVATFERNSEHEN ALS ENTWICKLUNGSMOTOR: 14
3 MARKTBETRACHTUNG: 17
3.1 MARKTPOTENTIAL DES AMERIKANISCHEN FILMS: 17
3.2 DIE DEUTSCHE FILMWIRTSCHAFT: 18
3.2.1 US-Majors in Deutschland: 19
4 NEUE WEGE DER FILMFINANZIERUNG: 20
4.1 WEGE ZUM AUFBRUCH: 20
4.2 DER BÖRSENGANG: 20
4.2.1 Entwicklung der Senator Film AG: 21
4.3 PERSPEKTIVEN: 22
4.4 BÖRSENNOTIERTE DEUTSCHE FILMFIRMEN: 23
4.4.1 Advanced Medien AG: 23
4.4.2 Constantin Film AG: 25
4.4.3 Cine Media Film AG: 29
4.4.4 Kinowelt Medien AG: 32
5 ANHANG: 35
5.1 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS: 35
5.2 QUELLENNACHWEIS: 38
5.2.1 Literaturverzeichnis: 38
5.2.2 Zeitschriftenartikel: 39
5.2.3 Elektronische Publikationen: 40
5.2.4 Internetseiten: 41
1 Einleitung:
1.1 Problemstellung:
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 2 -
Die siebziger und achtziger Jahre sind für den westdeutschen Film geprägt in Abhängigkeit von Filmförderung und Fernsehbeteiligung. Eine freifinanzierte, rentable und international konkurrenzfähige Kinofilmproduktion war aufgrund von fehlendem Kapital bis auf wenige Ausnahmen faktisch nicht möglich.
Seit dem Beginn der neunziger Jahre ist ein Strukturwandel der deutschen Filmwirtschaft zu beobachten, der die Position der Produktionsfirmen im Prozeß der Rechteschöpfung undauswertung wesentlich verändert hat.
Die allgemein starken Wachstumstendenzen des Mediensektors als das Wirtschaftsgut des
21. Jahrhunderts bieten für die Unternehmen die Chance, sich aus ihrer abhängigen Lage zu befreien und am Weltmarkt erfolgreich zu etablieren. Das weckt das Interesse potentieller Anleger. "Medienaktien sind in Mode" 1 , Börsenneulinge wie Das Werk und Advanced Medien AG starten mit Gewinnen von mehr als 100 Prozent. Der Gang an die Börse, verhilft den Firmen zu dem nötigen Kapital, um international konkurrenzfähig Spielfilmprojekte herzustellen, ohne durch eine Rechteabtretung zur Finanzierung, den Verwertungsgewinn zu schmälern oder gar ganz zu verlieren.
Wachsen, Expandieren und Übernehmen ist die Devise der Stunde. In der deutschen Filmlandschaft findet eine Konzentrationsbewegung von mittelständigen Einzelunternehmen zu großen Entertainmentkonzernen mit einem umfassenden Herstellungs- und Verwertungssystem statt. Angestrebtes Ziel ist die horizontale Integration der gesamten Wertschöpfungskette 2 des Produktes Film. Ein qualitativ hochwertiger Stock an Filmrechten ist eine sichere Wertanlage, denn durch die Auswertung dieser Rechte sind gute und vor allem kontinuierliche Renditen zu erzielen.
Ausgehend von der Situation der westdeutschen Filmwirtschaft Mitte der achtziger Jahre soll der erhebliche Umstrukturierungsprozeß der deutschen Filmwirtschaft mit seinen Ursachen, Entwicklungstendenzen und Ergebnissen aufgezeigt werden. Dabei wird die Neuordnung der Filmwirtschaft in Deutschland an den Veränderungen des Marktes, dem gewandelten Verständnis von Filmförderung und Fernsehbeteiligung durch ausgewählte Beispiele dargelegt und differenziert.
1 vgl. Dieter Burgmer von der Hypo-Invest ;Zeitschrift Capital; S.13; Mittwoch 01.12.1999
2 vgl. Kap. 1.2 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette: Integration aller Filmproduktionszweige und Filmverwertungsgeschäfte in die Unternehmensstruktur (Filmproduktion, Filmvertrieb und Verwertung, Betrieb von Filmtheatern) ebenso vgl. Monaco; Film Verstehen; vertikale Unternehmensstruktur
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 3 -
1.2 Allgemeine Vorbemerkung:
Einleitend ist es notwendig, den Begriff der Wertschöpfungskette genau zu determinieren, da er ein wesentliches Mittel dieser Arbeit zur Artikulation, Analyse und Vergleich von Unternehmensstrukturen und Entwicklungstendenzen ist. Darauf aufbauend wird anschließend die Struktur eines umfassenden Medienkonzerns nach dem USamerikanischen Vorbild einer Major - Company untersucht, um an diesem Beispiel die ganzheitliche vertikale Integration der gesamten Wertschöpfungskette des Produktes Film darzulegen.
1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette:
Die Wertschöpfung an sich stellt die Summe der im Unternehmen im Laufe einer Periode geschaffenen wirtschaftlichen Werte dar. 3 In ihrem Aufbau beschreibt die Wertschöpfungskette, vgl. Abb. 2.1.a, durch die Integration der einzelnen Wertschöpfungsbereiche eines Produktes (Entwicklung, Einkauf, Fertigung, Vertrieb, Kundendienst) und des damit verbundenen Einsatzes sekundären Aktivitäten (Dispositiver Faktor, Personal, Betriebsmittel) die Wertsteigerung im Verlauf dieser Produktionsbereiche, respektive die Erhöhung des Gewinns.
Abbildung 1.2.1.a 4
Im Hinblick auf den Lebenszyklus eines Produktes stellt die Zusammenfassung nacheinander gelagerter Produktionsstufen, wie Fertigung, Vertrieb, Kundenbetreuung, in der Wertschöpfungskette die vertikale Aufbaustruktur des Unternehmens dar.
3 vgl. Lexikon; Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG
4 Abb. 1.2.1.a Wertschöpfungskette nach Porter (1985)
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 4 -
1.2.2 Aufbaustruktur eines umfassenden Medienkonzerns:
Wesenskern eines umfassenden Medienkonzerns ist die Integration einer ganzheitlichen Wertschöpfungskette, jener vertikalen Struktur also, die von der Stoffentwicklung über Finanzierung, Produktion, Vermarktung, Verleih, Lizenzhandel und Merchandising in allen möglichen Verwertungsgebieten sämtliche Produktionszweige beinhaltet. 7 Durch die vertikale Organisation liegen die Rechte in einer Hand. Somit wird eine optimale Gewinnschöpfung innerhalb des Unternehmens sichergestellt. Das für die Bedürfnisse der Firma entwickelte Buch, kann optimal finanziert und produziert werden. Das fertige Produkt wird dann im eigenen Verwertungssystem in Synergie mit den anderen Produktionsabteilungen ausgewertet - Optimierung der Abspielkette und Werbemaßnahmen. Nur im Kino gut plazierte und dadurch bekannte Filmtitel gewährleisten eine erfolgreiche Videoauswertung und entsprechende Einschaltquoten bei der Fernsehausstrahlung. Es besteht so zu keiner Zeit die Abhängigkeit von einer Fremdfirma, die mit ihrer Gewinnmarge oder Rechtebeteiligung, die Wertschöpfung schmälern würde. Liegt diesem System ein fester Stock an Rechten zu Grunde, die zur Finanzierung des Unternehmens als solches und neuer Filmprojekte dient, so kann diese Firma autark von etwaigen Beteiligungen oder Förderungen am Markt agieren.
Ein Medienkonzern nach US-amerikanischen Vorbild des Major - Studios hat als entscheidendes Merkmal eine starke Konzentration - schiere Größe innerhalb der Produktionsbereiche der Wertschöpfungskette. Es gibt verschiedene Ausprägungsformen dieser Konzentration. Neben der erläuterten vertikalen Struktur, innerhalb nacheinander gelagerter Produktionsstufen, kann sowohl eine horizontale, auf einer Produktionsebene (z.B. Verleih, Lizenzhandel), eine diagonale, sektorübergreifende Beteiligung / Verflechtung innerhalb einer Branche - Medien (Print, Werbung, TV, Video, Film, IT), oder ein Konglomerat, Mischkonzern - branchenübergreifende Struktur (z.B. Sony, CocaCola), vorliegen 8 .
7 vgl. Monaco; Film verstehen; Reinbeck 1980
8 Altmeppen; Ökonomie der Medien und des Mediensystems. Grundlagen Ergebnisse Perspektiven medienökonomischer Forschung
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 6 -
2 Entwicklung der deutschen Filmindustrie:
Um die Tragweite der Existenz des deutschen Films zum Ende des 20 Jahrhunderts in ihrer ganzen Dimension erfassen zu können, wird zunächst ein filmhistorischer Rückblick angestellt. Im Hauptteil dieses Kapitels soll über eine Bestandsaufnahme der Situation zu Beginn der neunziger Jahre die Besonderheiten der Struktur deutschen Produktionslandschaft herausgearbeitet und mit denen der europäischen und amerikanischen verglichen werden. Ziel dieser Betrachtung ist eine grundlegende Marktanalyse (Kap. 3 dieser Arbeit), auf deren Basis die Chancen der momentanen Marktentwicklung für die Filmindustrie in Deutschland reflektiert werden können.
2.1 Historischer Rückblick:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsteht aus der Jahrmarktsattraktion der Bewegtbilder ein neuer Wirtschaftszweig, die Filmindustrie.
Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Isolation Deutschlands vom internationalen Vertriebsnetz, kommt es zu einem regelrechten Produktionsboom. Zwischen 1914 und 1918, also innerhalb von nur vier Jahren, entstehen 115 9 neue Produktionsfirmen, die in hochspezialisierter Arbeitsteilung international konkurrenzfähige Filme herstellen. Die Weimarer Republik ist die Blütezeit des deutschen Films. Bis 1920 hat sich die Filmindustrie zum drittgrößten Wirtschaftszweig entwickelt, beschäftigt über 20.000 Menschen und tätigt Investitionen von über 20 Mrd. 10 Reichsmark. Es entstehen in dieser Zeit Filme mit internationalem Erfolg.
2.1.1 Die UFA - das deutsche "Major-Studio":
Mit der Gründung der Universum Film AG am 18.12.1917 wird ein Großunternehmen firmiert, das alle Zweige der Filmherstellung umfassend und industriell organisiert abdeckt. Im Handelsregistereintrag steht zum Gegenstand des Unternehmens: "der Betrieb aller Zweige des Filmgewerbes, insbesondere der Filmfabrikation, des Film-Mietgeschäftes und Film-Theatergeschäftes" 11 , jener vertikalen, ganzheitlichen Wertschöpfungskette 12 also, die der amerikanische Begriff „Major-Studio“ definiert.
9 vgl. Toeplitz; Jerzy; Geschichte des Films; Hentschel Verlag; Berlin; DDR 1987; S. 138
10 ebenda
11 vgl. Jacobsen, Kaes, Prinzler; Chronik; S.522
12 vgl. Kap. 1.2.1 Definition des Begriffes Wertschöpfungskette: Integration aller Filmproduktionszweige und Filmverwertungsgeschäfte in die Unternehmensstruktur (Filmproduktion, Filmvertrieb und Verwertung, Betrieb von Filmtheatern) ebenso vgl. Monaco; S. 222; vertikale Unternehmensstruktur
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 7 -
Durch den Zukauf von Produktions-, Verleihfirmen und Lichtspieltheatern kommt es zu einer Konzentration bisher allein agierender, mittelständigen Firmen zu einem wirtschaftlich international bedeutenden Filmkonzern.
2.1.2 Die zweite Weltkrieg und seine Folgen:
Die NS - Zeit und der zweite Weltkrieg führen, symptomatisch für alle Wirtschaftszweige, mit ihren Auswirkungen zu einer regelrechten Dezimierung der bis dahin erfolgreichen deutschen Filmindustrie. Viele Kreative sind jüdischen Glaubens und müssen durch die ethnische Säuberung Deutschland verlassen, um ihr Leben vor den NS - Häschern in Sicherheit zu bringen. Von den Restriktionen des Regimes eingeengt, wandern mit ihnen die Standbeine der deutschen Films dieser Zeit aus. In diesem selbstverordneten Aderlaß an künstlerisch - kreativer Kompetenz liegen offensichtlich die Wurzeln der Selbstfindungskrise der deutschen Filmwirtschaft, vor allem des bis heute permanenten Mangels an Produktionspotential.
Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wird durch die Alliierten mit Nachdruck die Entflechtung der Filmwirtschaft in Deutschland, speziell der Westzone, betrieben. Im Interesse des eigenen Marktes wird in einer amerikanischen Anordnung vom März 1948 sowohl die vertikale als auch horizontale Konzentration von den Siegermächten untersagt, um den Wiederaufbau einer konkurrenzfähigen deutschen Filmindustrie zu verhindern. Es wird jede Verflechtung der Produktionsbereiche Herstellung, Verleih, Theaterbetrieb verboten, sowie der Besitz von Kinos in Großstädten auf maximal vier beschränkt, um eine Bildung von bedeutenden Kinoketten zu verhindern. 13 Dieser marktpolitische Eingriff der Amerikaner im Interesse der eigenen Wirtschaft hat großen Einfluß darauf, daß es bis heute nicht zu einem Wiederaufbau einer konkurrenzfähigen Filmindustrie in Deutschland gekommen ist.
Im sowjetisch besetzen Teil Deutschlands, dem Gebiet der ehemaligen DDR, entsteht nach 1945 die DEFA 14 als staatsmonopolistisches Filmunternehmen. Da es sich hierbei um einen voll subventionierten Staatsbetrieb ohne kommerzielle Marktausrichtung handelt, ist die Entwicklung ohne Relevanz für diese Arbeit.
13 vgl. Iljine, Diana; Keil, Klaus; “Der Produzent“ S.34 f.f.
14 DEFA: Deutsche Film AG (Anm. d. Autors)
Vordiplomarbeit Film- & Fernsehproduktion - 8 -
Arbeit zitieren:
Stefan Hoffmann, 2000, Die prosperierende Medienbranche als Chance für die deutsche Filmwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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