I. Inhaltsverzeichnis
I.Inhaltsverzeichnis 2
II.Abkürzungsverzeichnis 5
III.Abbildungsverzeichnis 6
IV.Tabellenverzeichnis 6
1.Einleitung 7
2.Wichtige Stationen in der Entwicklung des russischen Geldwesens 9
2.1.Das sowjetische Geldwesen und der Einfluss der Perestroika auf ihn 9
2.2.Die Hyperinflation in Russland 11
2.2.1.Ursachen, Verlauf und Auswirkungen 11
2.2.2.Theoretische Hintergründe der russischen Hochinflation 15
2.3.Die Währungsunion der ehemaligen sowjetischen Republiken 17
2.4.Die Finanz-, Währungs- und Bankenkrise vom August 1998 21
3.Die Finanzintermediäre in Russland und ihre Rolle beim Übergang zur
Marktwirtschaft 25
3.1.Geld- und Währungspolitik der CBR 26
3.2.Die Bankenreform 31
3.3.Struktur des russischen Geschäftsbankensektors 34
3.4.Die Praxis der Kreditvergabe in Russland 38
3.5.Zahlungssystem 41
3.6.Wertpapiermarkt 42
4.Wirtschaftsdelikte im russischen Finanzsektor 46
4.1.Korruptionsnetzwerke 46
4.2.Anlegerbetrug 48
4.3.Falschmünzerei 49
4.4.Geldwäsche und Kapitalexport 50
5.Die Schuldensituation Russlands 53
6.Ausländische Investitionen 57
7.Rechtliche Einflussfaktoren auf das russische Geldwesen 61
7.1.Die Konkursgesetzgebung 61
7.2.Recht an Grund und Boden 62
3
7.3.Das Steuersystem 63
8.Zusammenfassung 65
V.Anhang………….. 68
Abbildungen 68
Tabellen 73
VI.Literaturverzeichnis 77
VII.Literaturverzeichnis in kyrillischer Schrift 82
4
II. Abkürzungsverzeichnis
Bill. Billion/en BIOst Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien BIP Bruttoinlandsprodukt CPI Consumer Price Index CBR Centralnyj Bank Rossijskoj Federacii (Zentralbank der Russischen Föderation) DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin) EBRD European Bank for Reconstruction and Development GKO Государственые Краткосрочные Облигации GUS Gemeinschaft unabhängiger Staaten IFC International Finance Corporation IfW Institut für Weltwirtschaft (Kiel) insg. insgesamt IMF International Money Fond IWF Internationaler Währungsfonds IWH Institut für Wirtschaftsforschung (Halle) KMU klein- und mittelständische Unternehmen LIBOR London Interbank Offered Rate Mio. Million/en Mrd. Milliarde/n NUS Neue Unabhängige Staaten OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OFZ Облигации Федерального Заема prozent. prozentual RGW Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe RF Russische Föderation SWP Stiftung Wissenschaft und Politik TMM Turkmenistan-Manat u.a. und andere VDW Verband der deutschen Wirtschaft z.T. zum Teil
5
III. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Änderung des CPI gegenüber dem Vorjahr in der RF seit
01.01.1992, in % ........................................................................... 68 Abbildung 2 : Realer Wechselkurs Rubel zu US-Dollar, von 1992 bis heute ...... 69 Abbildung 3 : Refinanzierungszins in Russland, real, jährlich, für den Zeitraum von 1993 bis heute ......................................................................... 70 Abbildung 4: Jährliche Änderungsrate von M 2 und des CPI, Geldmarktzinssatz (Staatsanleihen), für den Zeitraum von 1996 bis heute…………..71 Abbildung 5: Zusammensetzung des Wechselkurses US Dollar / Rubel
1991-1992 ...................................................................................... 72
IV. Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Entwicklung der Geldmenge und des Kreditsvolumens durch die
Tabelle 2: Verteilungswirkung der russischen Inflation im Jahre 1992
(in % des BIP) ................................................................................ 73 Tabelle 3: Anteil der Auslandsbanken an den Bilanzindikatoren des Bankensystems 2002 (in %, Bankensystem insg. 100%) .............. 73 Tabelle 4: Kredite der CBR an die nicht russischen NUS. Korrespondenzkontenbestände zum Jahresende 1992................... 74 Tabelle 5: Volumenindex des Inta-NUS-Handels 1990 - 1995 ....................... 74 Tabelle 6: Neue Währungen der NUS ............................................................. 75 Tabelle 7 : Gesamtwirtschaftliche monetäre Indikatoren 1995 - 2002,
Jahresendwerte ............................................................................... 76 Tabelle 8: Quellen zur Finanzierung von Anlageinvestitionen ....................... 76
6
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit wird die Entwicklung des russischen Geldwesens seit 1990, dem vorletzten Perestroika-Jahr, bis zu den Liquiditätsengpässen im Sommer 2004, nachvollzogen.
Zunächst werden die sozialistische Geldordnung und die Restrukturierung, die sie durch die Reformen und die Finanzkrise der Perestroika erfahren hat, erläutert. Anschließend, im zweiten Kapitel, stellt sich die Inflation in den Mittelpunkt der Betrachtung, die durch die Preisliberalisierung 1992 ausgelöst und erst drei Jahre später, mit der Einführung des Wechselkursankers unter Kontrolle gebracht wurde.
Nach dem politischen Zerfall der Sowjetunion bemühten sich ihre Nachfolgeländer die bestehenden ökonomischen Bindungen in eine Währungsunion, die so genannte „Rubelzone“ zu integrieren. Welche Probleme den Neuen Unabhängigen Staaten widerfahren sind und warum es nach nur drei Jahren zur vollständigen Desintegration kam, wird im Abschnitt 2.3. erläutert.
Nach diesen Ereignissen zeigten sich ab 1995 in Russland erstmals die Anzeichen einer monetären Stabilisierung. Dass diese Geld- und Fiskalpolitik Erfolge nur auf begrenztem Gebiet erzielte, erkannte man spätestens mit dem Ausbruch der Währungs- und Finanzkrise im August 1998. Ihre Spuren sind bis heute nicht ver-schwunden und bringen leicht das Bankensystem aus dem Gleichgewicht. Den Ineffizienzen und dem Reformbedarf im russischen Finanzsektor ist Kapitel 3 gewidmet. Die wichtigste Instanz, die mit ihrer Geld- und Währungspolitik die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst, ist die russische Zentralbank, auch wenn ihr dazu nur wenige Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen. In der weiteren Betrachtung wird gezeigt, wie die Bankenreform vorangetrieben wird. Ihr Tempo ist trotz Bemühungen der staatlichen Führung noch zu langsam, weil sie gegen Interessen der Oligarchen und der Bürokraten ankämpfen muss. Diese haben Fuß im russischen Finanzsystem gefasst und ganze „Finanzimperien“ aufgebaut. Mittlerweile haben die Wirtschaftskonglomerate eine starke Stellung unter den übrigen Geldinstituten erlangt. Darum geht es im Abschnitt 3.3. Wie das Kreditwesen in Russland funktioniert und welche Bedeutung es für das Inflationsniveau und für die Finanzdisziplin der Wirtschaftssubjekte hatte, verdeutlicht Abschnitt 3.4. Darin wird auch erklärt, dass die Kreditproduktion der
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Geschäftsbanken zu gering ist und das Wirtschaftswachstum sehr einschränkt. Auch das Zahlungssystem ist für eine funktionsfähige Ökonomie wichtig. Wie aus Punkt 3.5. ersichtlich wird, ist das Russische sehr verbesserungsbedürftig. Das gilt besonders für die Bargeldverwendung, die Tauschgeschäfte und die zwischenbetriebliche Verschuldung.
Im Abschnitt 3.6. geht es um den einheimischen Wertpapiermarkt, der eine vierzehnjährige Geschichte und schon jede Menge Fortschritte vorweisen kann. Mit dem berüchtigten Teil des russischen Finanzsektors beschäftigt sich der vierte Kapitel. Anhand von Beispielen aus dem Mediengeschehen werden die kriminellen Machenschaften einiger Banken dargestellt. Da in Russland die Finanzinstitute sich nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien entfalten können, erfinden sie andere Einnahmequellen, wie Korruptionsnetzwerke, Anlegerbetrug, Geldwäsche usw.
Es folgt die Ausführung der Umstände der russischen Verschuldung im Kapitel 5. Zu den Schulden mit größtem Gewicht gehören die geerbten sowjetischen Verbindlichkeiten und die Kredite von internationalen Organisationen. Ihre Rückzahlung verzögerte sich bis 1999 wegen der schlechten Haushaltslage. Aber mit der makroökonomischen Stabilisierung der RF verbesserte sich der Schuldendienst. In Kapitel 6 geht es um den Kapitaltransfer nach Russland und die Verhältnisse der ausländischen Investitionen. Obwohl sie für das schnelle Wirtschaftswachstum unentbehrlich sind, werden sie durch die institutionellen Mängel gehemmt. Nichtsdestotrotz arbeitet man intensiv an der Verbesserung des Investitionsklima und die ersten Erfolge bringen optimistische Stimmung. Das gleiche versprechen die gesetzlichen Änderungen zum Steuer- und Insolvenzrecht, sowie die neue Bodengesetzgebung, die in postsowjetischem Russland ihre ersten Schritte macht. Der aktuelle Stand der Gesetze und ihr Beitrag zum Wirtschaftswachstum sind Gegenstand des siebten Kapitels.
Diese Arbeit wird in Kapitel 8 mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse abgeschlossen.
8
2. Wichtige Stationen in der Entwicklung des russischen
Geldwesens
2.1. Das sowjetische Geldwesen und der Einfluss der
Perestroika
Geld sollte im sozialistischen Wirtschaftssystem eine andere Rolle als in einer Marktwirtschaft spielen. In den Marx´schen Werken wurde sogar die Abschaffung des Geldes mit seinen traditionellen Funktionen angestrebt. 1 Denn in einer vollkommenen Planwirtschaft sind alle drei Geldfunktionen überflüssig. Das erklärt sich damit, dass alle Tauschgeschäfte und Transaktionen zentral zu planen sind. In der Sowjetunion diente Geld nicht als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Planwirtschaftliche Preise waren im Gegensatz zu den Marktwirtschaftlichen kein Ausdruck der Knappheitsverhältnisse, sondern nur vergleichbare Werte, mit deren Hilfe man sinnvolle Planungsentscheidungen treffen konnte. 2 Dass man in der ehemaligen UdSSR überhaupt Geld benutzte, lag daran, dass die zentralen Planungsbehörden den privaten Haushalten freie Konsumgüterauswahl gestatteten, auch wenn dieser Spielraum aufgrund des mangelhaften Planungssystems sehr begrenzt war. Deswegen hatte das Geld keine frei verfügbare Kaufkraft. 3
In der sowjetischen Wirtschaft existierten zwei voneinander getrennte Geldkreisläufe: der Bar- und der Buchgeldkreislauf. Diese Trennung entsprach der Aufteilung der sowjetischen Wirtschaft in den vollständig geplanten Staatssektor und den teilweise unabhängigen privaten Haushalten. 4 Das Bargeld diente der Verteilung von Konsumgütern und der Lohnzahlung. 5 Zwischen den Staatsunternehmen und den Institutionen wurde dagegen nur mit Giralgeld gezahlt. Dies erfolgte aus-
1 Schrooten,Mechthild: Geld, Banken und Staat in Sozialismus und Transformation. DIW, Son-
derheft 170, S. 20 f
2 Butting, Johann: Die Stabilisierung des Rubels und die Transformation des russischen Geldwe-
sens. Studien zu Finanzen, Geld und Kapital. Band 12, Duncker und Humblot, Berlin 2000, S.77
3 Butting, Johann: a.a.O. , S.113
4 Butting, Johann: a.a.O. S.81
5 , die in der Sowjetunion nur in bar durchgeführt wurde.
9
schließlich über Konten bei der Staatsbank, die auf diese Art und Weise die Wirtschaftssubjekte vollständig kontrollierte.
Für den Produktionsbereich bedeutete diese Wirtschaftsordnung aber auch, dass sie sich wegen finanzieller Engpässe nicht sorgen mussten. Für sie konnte Geld nicht knapp werden. Wenn das Geld für eine im Plan vorgesehene Transaktion fehlte, so gewährte der Staat den Betrieben umgehend Kredite. Umgekehrt konnten sie bei vorhandenen Mitteln nur dann einen Kauf tätigen, wenn es im Sinne der Zentralführung war.
Die letzten Jahre der Perestroika, waren durch die allgemeine Wirtschafts- und Systemkrise gekennzeichnet, in der sich die UdSSR bereits seit den frühen Achtzigern befand. Die Wirtschaft war nicht mehr in der Lage, der Bevölkerung einen ausreichend hohen Lebensstandard zu bieten. Das BIP ging kontinuierlich zurück, besonders in den Jahren 1985 - 1991. Das Haushaltsdefizit erhöhte sich im Trend, da die Regierung die Lohnzahlungen an die Bevölkerung weiter ausdehnte. Außerdem gingen die Steuerzahlungen der Staatsbetriebe und die Einnahmen aus dem Außenhandel zurück. Die Finanzierung der so entstandenen Differenz erfolgte, in den Jahren 1990 (zu 73%) und 1991 (zu 90%) aus Krediten der Staatsbank. 6 Die Verzinsung dieser Darlehen war äußerst niedrig, wie in den Haushaltsgesetzen vorgeschrieben war (Nominalzins i. H. v.10 %, Stand Februar 1993), und nicht an die Inflation angepasst. 7 Zwar vereinbarte die Regierung mit der Zentralbank Begrenzungen für die fiskalischen Kredite und die damit verbundene Geldschöpfung 8 , diese Grenzen wurden jedoch systematisch überschritten. Es gab also eine Subventionierung von politisch bevorzugten Wirtschaftssubjekten, die als finanzielle Repression bezeichnet wird. Diese Kreditpolitik war der Hauptgrund für Erhöhung der Geldmenge in der ehemaligen Sowjetunion, besonders spürbar ab dem Jahr 1989. (Siehe Anhang, Tabelle 1, S. 73.) Buchgeld- und Bargeldmenge wuchsen in dieser Periode schneller als Volkseinkommen und Konsumgüterangebot. Dabei behielt man weiterhin die administrative Preisbestimmung, was zur Unterzeichnung der faktischen Preisentwicklung führte. So entstand ein Geldüberhang (oder auch unterdrückte Inflation genannt).
6 Daten aus den Achtziger Jahren, die die gleiche Vermutung bestätigen würden, liegen laut But-
ting nicht vor. Nach: Butting, Johann: a.a.O., S.107
7 Schrooten, Mechthild: a.a.O. S.133
8 Im Regierungsprogramm vom 11.02.1993 wurde das Ziel einer monatlichen Geldmengenexpan-
sion von 7 bis 10 % angekündigt. Nach: DIW, IfW und IWH: Die wirtschaftliche Lage Rußlands.
Systemtransformation auf dem Rückzug? 2. Bericht, Kieler Diskussionsbeiträge 208/209, S.9
10
Die Wirtschaftssubjekte verfügten über Geld, das sie nicht ausgeben konnten. An diesen Erscheinungen erkennt man die seit längerer Zeit eingesetzte, aber kaschierte Finanzkrise des Staates, die nach Schrooten auf „die wachsenden Koordinations- und Informationsprobleme der Zentralbehörden“ zurückzuführen sind. 9 Zusammenfassend kann man sagen, dass die Reformpolitik der Perestroika und der Verfall der staatlichen Autorität seit Ende der achtziger Jahre die monetäre Ordnung reorganisiert haben. Als Ergebnis der Wirtschaftspolitik der Perestroika wurde das sowjetische Geldwesen stark beeinträchtigt. Es verwischten sich die Grenzen zwischen Buch- und Bargeldkreislauf, die Staatsfinanzen wurden zerrüttet und die Staatsbank verlor die Kontrolle über die Geldmenge, 10 deren Expansion, zusammen mit der großzügigen Kreditvergabe an Staatsunternehmen und an die NUS zur großen Inflation in der RF ab dem Jahr 1992 führten. 11
2.2. Die Hyperinflation in Russland
2.2.1. Ursachen, Verlauf und Auswirkungen
Um die gestaute Inflation aus den Zeiten der Perestroika freizugeben, beschloss die Regierung von Jegor Gaidar, die Preise zu liberalisieren (ca. 80 % der Groß-handelspreise und 90 % der Verbraucherpreise 12 ). Diese Strategie war auch Teil des Programms zur Transformation Russlands in eine Marktwirtschaft, die mit westlicher Hilfe ausgearbeitet wurde. Wirtschaftsfachleute wie der schwedische Ökonom Anders Aslund, Prof. Jeffrey Sachs aus Harvard, sowie Mitarbeiter des IWF standen dem Ministerpräsidenten Gaidar mit Rat und Tat zur Seite. Um das Maß der Preissteigerung zu verdeutlichen, wird auf den Verlauf der jährlichen Wachstumsrate des CPI verwiesen. (siehe Anhang, Abbildung 1, S.68) Direkt nach der Preisfreigabe anfangs 1992 betrug die Inflationsrate 645 % ge-
9 Schrooten,Mechthild: a.a.O. S.99
10 Butting, Johann: a.a.O. S.109
11 Elborgh-Woytek, Katrin: Optimale Währungsräume in der Transformation. Die Desintegration
der Rubelzone 1992 bis 1995. Campus Verlag, Frankfurt/M. 1998, S. 125
12 Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 150
11
genüber dem Vormonat 13 , dabei blieb es aber nicht. Der Regierung gelang es nicht, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren. Die niedrigen Refinanzierungszinsen erleichterten die Liquiditätsaufnahme durch die Geschäftsbanken, die diese Mittel zur Kreditvergabe an die verschuldeten Betriebe benutzten. Die Kreditexpansion war verantwortlich für den Geldmengenanstieg in der RF 14 . Deswegen kam es zu weiteren Preiswellen im Sommer und vor allem im Monat Dezember 1992. 15 Anfang des folgenden Jahres konnte man die Staatsausgaben auf 35 % des BIP begrenzen 16 , was der leichte Abfall des CPI erklärt. (siehe Anhang, Abbildung 1, S.68) Die russische Zentralbank setzte aber ihre expansive Kreditpolitik fort, woraufhin in der zweiten Hälfte des Jahres 1993 die Änderungsrate des CPI noch einmal die 1000 % - Marke überstieg. Im Verlauf der weiteren Jahre legte sich die Inflation merklich, da die Zentralbank einen Kurs restriktiver Kreditvergabe an die Staatsunternehmen einschlug und ihn einhielt. Hinzu kommt die Senkung des Budgetdefizits, so dass die Regierung weniger finanzielle Mittel von der CBR beanspruchte. Im Jahr 1994 betrugen die Zentralbankkredite an die Regierung im Durchschnitt 7,8 %, im Jahr darauf 0,95 % des BIP. 17 Die Preise der Energieträger wurden vorerst nur teilweise liberalisiert. Das Rohöl kostete in Russland in den ersten Monaten von 1992 2.200 Rubel (gegenüber 350 Rubel im Jahr 1991). Somit lag der Preis mit umgerechnet 20 US-Dollar deutlich unter dem Weltmarktniveau. 18 Endgültig wurde er ab 1994 freigegeben, aber man führte zeitgleich Quoten und Steuern ein, die die Erdölexporte begrenzten und den Preis für den inländischen Markt niedrig hielten. 19
Als Zusatzeffekt bildeten sich regionale Preisunterschiede heraus, vor allem weil staatliche Preisfixierung auf lokaler Ebene immer noch bestand. Am teuersten waren die Waren im Fernosten der RF.
13 DIW, IfW und IWH: Die wirtschaftliche Lage Rußlands und Weißrußlands. Systemtransforma-
tion am Scheideweg. Erster Bericht, Kieler Diskussionsbeiträge 193/194, Kiel 1992, S. 13
14 im Unterschied zu anderen historischen Hochinflationen, bei denen die Ursache für die Auswei-
tung der Geldmenge hauptsächlich der Monetisierung des Haushaltes zuzuschreiben ist.
15 Nach Angaben des DIW, IfW und IWH (2. Bericht, S.6 )beliefen sich die Preissteigerungsraten
in Russland im Monat Dezember 1992 auf folgende Spitzenwerte: Nahrungsmittel 2.500 %; übrige
Konsumgüter 2.600 %, Dienstleistungen 3.300 %
16 Butting, Johann: a.a.O. S.122
17 Butting, Johann: a.a.O. S.126
18 Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 150 f.
19 DIW, IfW und IWH: Die wirtschaftliche Lage Rußlands. Rußland in der Weltwirtschaft: Noch
nicht mehr als ein Exporteur von Rohstoffen. Siebenter Bericht, Kieler Diskussionsbeiträge 265,
IfW Kiel 1996, S. 14
12
Die Löhne erhöhte man anschließend an der Preisliberalisierung ebenfalls und zwar um 1.130 % im Jahresdurchschnitt für 1992 gegenüber dem Vorjahr. 20 Die Anpassung erfolgte allerdings sehr ungleichmäßig. Auch hier entstanden Differenzen zwischen den Branchen und den Regionen. Die höchsten Monatseinkommen verzeichneten die Beschäftigten in der Erdöl-, Erdgasindustrie und in der Metallurgie. Am stärksten getroffen vom Anstieg der Verbraucherpreise waren die Bezieher von Transfereinkommen, da die Einkommenskompensation sehr schwach war. DIW schätzt den realen Einkommensrückgang am Sinken des Ein-zelhandelsumsatzes in konstanten Preisen für das Jahr 1992 auf ungefähr 39 %. 21 Man hoffte, dass diese Preisgabe lediglich einen einmaligen, isolierten Preissprung auslösen würde, aber sie uferte in Hyperinflation aus. Darunter versteht man einen Prozess anhaltender allgemeiner Preissteigerungen, der in extrem hohem Tempo, nach Cagan bei monatlichen Raten von über 50 % 22 , erfolgt. 23 Der Preise wuchsen in Relation zum diagnostizierten Geldüberhang viel mehr als vorhergesehen. Dies wäre nur dann vermieden worden, wenn parallel dazu die Staatsausgaben gesenkt und die Zentralbankkredite beschränkt worden wären. Daneben haben die bestehenden Monopolmärkte und die administrativ verfügten Lohnerhöhungen den Verlauf der Inflation zugespitzt. Saisonalen Einfluss auf Preisentwicklung nahmen in den Jahren 1992 und 1993 einige wirtschaftspolitische Maßnahmen, die die Ausgaben des Staates erhöhten. Hierzu zählten die Energieversorgung der nördlichen Gebiete, die Bereitstellung landwirtschaftlicher Produktionsgüter oder der Getreideankauf, dessen einzige Abnehmer der russische Staat war. 24
Die russische Regierung erklärte zwar die Senkung der Inflation auf 7 bis 10 % pro Monat durch Reduzierung der Ausgaben als ihr vorrangiges Ziel. Das Wachstum des Budgetdefizits konnte man aber nur während des ersten Quartals 1992, durch restriktive Kreditpolitik gegenüber den Betrieben aufhalten. Der angekündigte Kampf gegen die Geldentwertung hatte nach Wirtschaftsexperten kaum Chancen. Denn die Inflation führt zu einem Teufelskreis, der wie folgt aussieht: Wegen der hohen Preissteigerungsraten sinken die Steuereinnahmen real, so dass
20 DIW, IfW und IWH:2. Bericht. a.a.O. 208/209, S.6
21 DIW, IfW und IWH:2. Bericht. a.a.O. 208/209, S.7
22 Cagan, P.: The Monetary Dynamics of Hyperinflation. Chicago 1956. Nach: Schrooten, Mecht-
hild: a.a.O. S.135
23 Gabler Bank Lexikon.12. Auflage Betriebswirtsch. Verlag Gabler, Wiesbaden 2000, S. 166
24 Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 152
13
das Budgetdefizit wächst. Die Lücke im Haushalt ihrerseits bewirkt, dass die Regierung sich bei der Zentralbank finanzielle Mittel besorgt. Der Letzten bleibt in diesem Fall nichts anderes übrig, als Geld zu drucken. Die Inflation steigt, und so weiter. Außerdem macht die Geldentwertung es äußerst schwer, die künftige nominale Höhe der öffentlichen Ausgaben zu bestimmen. 25 Hohe Inflationsraten in Kombination mit niedriger realen Verzinsung führen zu einer Vermögensnumverteilung zwischen Gläubigern und Schuldnern. Dies kam in der RF vor, weil die Nominalzinsen nicht korrekt an die Inflationssteigerung angepasst wurden. Als Folge davon erleiden die Gläubiger einen Realwertverlust, während die Schuldner den gleichen, aber schon entwerteten Betrag zurückzahlen, und so an Kaufkraft dazu gewinnen. Geldentwertung impliziert auf jeden Fall Gewinner und Verlierer. Tabelle 2 verdeutlicht die Verteilung der „Rollen“ in Russland: welche Gesellschaftsgruppen von der Inflation profitieren, und wer die Last der Inflationssteuer tragen muss. (Siehe Anhang, Tabelle 2, S.73) Größte Verluste gab es bei den privaten und öffentlichen Haushalten. Ein Teil der Unternehmen mit den an ihnen beteiligten Banken konnten daraus am meisten profitieren. Von der Inflationssteuer wurde die Industrie zwar auch getroffen, aber das galt nur für bestimmte Branchen, während die Privilegierten unter ihnen durch die günstigen Kredite alimentiert wurden. Gerade diese einzelnen Nutznießer würden, nach Aussage Buttings 26 , den größten Widerstand einer Stabilitätspolitik entgegensetzen.
Zu den Wohlfahrtsverlusten zählen in erheblichem Umfang die Kosten für die Inflationsvorbeugung, -bekämpfung und Einleitung der Stabilisierung. Dazu ist eine längere Phase restriktiver Geldpolitik nötig. Für das postsowjetische Russ-land ist es noch kostspieliger, da es auf viele Widerstände stößt. Zusätzlich zu den Problemen einer Marktwirtschaft erschweren das schwache Rechtssystem und der falsch verstandene Geldbegriff bei den Wirtschaftssubjekten den Kampf gegen die Inflation. 27
Theoretisch kann sich eine Inflation positiv auf die Geldnachfrage auswirken. Das belebt die Investitionstätigkeit und damit die gesamte Wirtschaft. Bei der Arbeitslosigkeit beobachtet man rückläufige Entwicklung. Dies gilt aber nur für den Fall
25 DIW, IfW und IWH:2. Bericht. a.a.O, S.9
26 Butting, Johann: a.a.O. S.153
27 Butting, Johann: a.a.O. S.136
14
einer unerwarteten und geringen Zunahme der Geldmenge. 28 In Russland entwickelte sich jedoch eine Hochinflation mit destruktiven Konsequenzen für die gesamte Volkswirtschaft. Der Rubel verlor seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel, Vermögen wurde bevorzugt in Immobilien oder Hartwährung angelegt und die relativen Preise wurden verzerrt.
Der realwirtschaftliche Sektor blieb auch nicht unverschont. Die Hyperinflation bedingte eine rückläufige Sparquote. Investoren verzichteten auf die Finanzierung langfristiger Vorhaben, und das Investitionspotential verringerte sich drastisch, so dass der Verschleiß und der technologische Rückstand der Produktion zugenommen haben. 29 Daher konnte keine Kapitalakkumulation stattfinden. Es ist verständlich, dass unter solchen Bedingungen die Wirtschaft nicht mehr imstande ist zu wachsen.
Die große Inflation beeinträchtigte auch die Entwicklung von Marktmechanismen. Der Allokationsmechanismus wurde durch die verzerrten Preise und durch die veränderten Spar- und Investitionsentscheidungen gestört, die auf Risikominimierung der Wirtschaftssubjekte ausgerichtet waren. Die Produktionsmittel wurden in weniger effiziente Bereiche umgeleitet, was die gesamtwirtschaftliche Produktivität verminderte.
2.2.2. Theoretische Hintergründe der russischen Hochin-
flation
Nach der Quantitätstheorie besteht ein langfristiger Zusammenhang zwischen Wachstum des Geldangebotes und der Inflationsrate. 30 Tatsächlich spricht im Falle der RF Einiges dafür. Für den Zeitraum Juli 1992 bis Juli 1993 wurde eine enge Korrelation zwischen dem Geldmengen- und Inflationswachstum mit einer Verzögerung von vier bis fünf Monaten nachgewiesen. Seit Mitte 1997 hat sie sich auf sieben Monate ausgedehnt. 31 Der Markt reagierte sehr schnell auf die Geldex-
28 Obst;Hintner: a.a.O. S. 52
29 Hishow, Ognian: Inflation, Wechselkurs und Zins in Rußland a.a.O. S. 18
30 Nach der umformulierten Quantitätsgleichung gilt: prozent. .Änderung der Geldmenge + pro-
zent. Änderung der Umlaufgeschwindigkeit = prozent. Änderung des Preisniveaus + prozent.
Änderung der Produktion. Dabei wird aus Vereinfachungsgründen die Konstanz der Umlaufge-schwindigkeit und des Produktionsniveaus angenommen. Vgl. Mankiw, Nicholas Gr.: Makroöko-
nomik. 3. Aufl., Stuttgart 1998, S. 176
31 Butting, Johann: a.a.O. S.130
15
pansion, weil die Transaktionen nur gering institutionalisiert und die abgeschlossenen Verträge kurzfristig waren. Der Finanzsektor funktionierte nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien. Dagegen treten in entwickelten Marktwirtschaften viel längere Verzögerungen zwischen geldpolitischen Impulsen und gesamtwirtschaftlicher Reaktion. Schrooten erklärt es damit, dass die Verträge laufzeitgeschützt sind und der Monetisierungsgrad höher als in Tranformationsländern ist. 32
Einen weiteren Grund für die Zunahme der Inflationsrate sieht Hishow in der im Vergleich zur BRD relativ hohen Elastizität des Geldmengenaggregates M2 gegenüber Veränderungen der Zentralbankgeldmenge, da die Steuerungsinstrumente der CBR schlecht entwickelt sind. 33
Was die Geldumlaufgeschwindigkeit betrifft, so hat sie in dieser Zeit wegen des schwachen Zahlungssystems nicht wie erwartet zugenommen. 34 Denn wegen der schwindenden Realkasse reduzieren die Wirtschaftssubjekte im Normalfall ihre Kassenhaltungsdauer zu. 35
Was die Höhe der Kassenhaltung angeht, so bewegt sie sich in den Anfangsphasen einer Inflation wir das Preisniveau. Die Wirtschaftssubjekte reagieren auf vereinzelte Preis- und Lohnerhöhungen mit Ausweitung ihrer Geldhaltung. In diesem Fall erkennen sie den drohenden Kaufkraftverlust und die steigenden Opportunitätskosten der realen Kassenhaltung noch nicht. 36 In Russland deuten Daten des Russian European Centre for Economic Reform darauf hin, dass in den ersten Monaten nach der Preisliberalisierung die reale Geldmenge, im Gegensatz zur theoretischen Ausführung, abgenommen hat, da die monetäre Ausweitung zum Teil schon in den letzten Jahren der Sowjetunion stattgefunden hat. Dabei blieben die Preise administrativ fixiert, bis sie 1992 schockartig freigegeben wurden und somit die reale Geldmenge sank. 37 Das hat folgende Bedeutung: Die Wirtschaftssubjekte versuchen den Realwertverlust zu minimieren, indem sie weniger Geld bei sich halten und versuchen ihre Transaktionen unter Umgehung de inflationierenden Währung durchzuführen. Sie benutzen stabile Währungen oder nehmen
32 Schrooten, Mechthild: a.a.O. S.136
33 Hishow, Ognian: Inflation, Wechselkurs und Zins in Rußland. Berichte des BIOst, 17-1996,
Köln 1996, S. 12 f.
34 Vieiera de Cunha, P.: Russian Economic Reform, crossing the threshold of structural change.
World Bank, Washington 1992. Nach: Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 152
35 Vgl. Hishow, Ognian: Inflation, Wechselkurs und Zins in Rußland a.a.O. S. 14
36 Obst, Hintner: Geld, Bank- und Börsenwesen. Handbuch. von Hagen, Jürgen (Hrsg.) 40. Aufl.,
Stuttgart 2000, S. 121 f.
16
Tauschgeschäfte vor. Dieses Verhalten, das sich aus dem Vertrauensverlusts gegenüber der heimischen Währung ableitet, drückt das Preisniveau noch mehr nach oben. Also wird die Inflation beschleunigt.
2.3. Die Währungsunion der ehemaligen sowjetischen Re-
publiken
Bereits 1990 sicherte die UdSSR-Regierung den Republiken „größere wirtschaftliche Autonomie“ zu. Nach dem politischen Zusammenbruch der Sowjetunion, offiziell mit dem Parlamentbeschluss vom 26.12.1991, bildeten ihre fünfzehn Nachfolgestaaten die „Rubelzone“ als Währungsunion. Sie basierte auf die siebzig Jahre alte gemeinsame Geschichte. Produktion, Handelsbeziehungen und Infrastruktur waren intensiv miteinander verflochten.
Die institutionellen Vorbereitungen für die Errichtung der Rubelzone geschahen im Juli 1990, als die Zweigstellen der Gosbank in Zentralbanken der einzelnen Unionsrepubliken umgewandelt wurden. Das Kapital der ehemaligen Monobank teilten sie sich untereinander auf. Als Zentralbank der GUS-Republiken fungierte die Bank Rosii. Nach dem Regierungsprogramm des Übergangs zum Markt strukturierte man sie wie das Federal Reserve System. 38 Es erwies sich, dass es so auf die ehemalige Sowjetunion nicht übertragbar war, da in den USA andere wirtschaftspolitischen Bedingungen herrschten. Die Versuche vonseiten Russlands, einen koordinierenden Rat der Zentralbanken nach dem amerikanischen Beispiel zu organisieren, blieben erfolglos. 39 Die GUS-Länder verfolgten eigene politischen Interessen und lehnten sich gegen die Finanz- und Kreditpolitik Russlands auf, nicht zuletzt deswegen, weil alle Notenbanken, außer der CBR, von den Seigniorage-Gewinnen, also den Einnahmen des Staates durch das Drucken von Geld, ausgeschlossen blieben. Aber auch der Wunsch nach staatlicher Souveränität und Ablösung von der russischen Bevormundung bewirkten die Koordinationsprobleme.
37 Butting, Johann: a.a.O. S.153 f.
38 Khandruew, Alexander u. Morozow, Juri: Die Reform des GUS-Bankensystems: ernst, aber
nicht hoffnungslos.a.a.O. S.279
39 Es wurde zwar ein “Inter-Banken-Koordinationsrat“ gegründet. Er kam aber zu keine Ergebnis-
sen. Nach: Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 132
17
Überall in der ehemaligen UdSSR behielt man zunächst den russischen Rubel als gemeinsame Währung. Daran hatten die nichtrussischen Republiken Interesse, da sie sich finanzielle Leistungen und Rohstoffzufuhr aus dem wirtschaftlich überlegenen Russland erhofften und negative politische Reaktionen im Fall des Verlassens der Rubelzone vermeiden wollten. 40
Das Recht, Bargeld zu emittieren wurde Russland zugeteilt. Die restlichen Republiken durften nur Giralgeld nach Kreditlinien schöpfen, die von der CBR festgelegt wurden. Die Zahlungsbilanzensalden der Nachfolgestaaten wurden nicht wie früher automatisch von der Gosbank ausgeglichen, sondern man richtete dafür ein Korrespondenzkontensystem ein. Die Schulden der ehemaligen Teilrepubliken gegenüber Russland wurden in zwischenstaatliche Verbindlichkeiten (auf LIBOR-Basis in US-Dollar denominiert) umgewandelt. 41 Die Finanzierung der Nachfolgestaaten durch die Bank Rosii wurde nach der Auflösung der Sowjetunion nicht sofort eingestellt. Für 1992 schätzt man diese russischen Kredite an die NUS auf 11,7 % des BIP der RF. (Siehe Anhang Tabelle 4, S. 74) Die nichtrussischen Republiken ihrerseits gaben Buchgeld aus, das nicht über entsprechende Guthaben bei der Zentralbank Russlands gedeckt war. Im Zeitraum Mai bis November 1992 überstieg das so geschaffene Kreditvolumen der neuen Staaten 196 Mal das zulässige Niveau. So schöpfte man in der Ukraine allein im Juni 1992 Giralgeld im Umfang von 3,7 Mrd. US-Dollar, gerechnet nach dem damaligen Wechselkurs. 42
Entsprechend wurde das Buchgeld der nicht-russischen Banken nach dem Maß der Überschreitung der von der CBR erlassenen Richtlinien abgewertet. Deshalb wurden die Rubelguthaben der nichtrussischen Republiken nur noch zu einem Abschlag gehandelt. Untereinander waren sie somit nicht mehr konvertibel. Es kam zu einer Art Wechselkurs zwischen den jeweiligen Buchgeld-Rubeln und den von der CBR emittierten Bargeld-Rubeln. Dies bedeutete die Entstehung unterschiedlicher Währungen, obwohl der „Rubel“ nach außen immer noch als gemeinsame Währung fungierte. 43 Ab August 1992 gab die lettische Zentralbank
40 Hardy/Lahiri: Cash Shortage in the Former Soviet Union. 1996. Nach: Elborgh-Woytek, Katrin:
a.a.O. S. 136
41 Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 124
42 Elborgh-Woytek, Katrin: a.a.O. S. 125
43 Siebert, Horst (Hrsg.): Währungsreformen im Vergleich. Monetäre Strategien in Russland,
Weißrussland, Estland und der Ukraine. Kieler Studien Nr. 270. Institut für Weltwirtschaft an der
Universität Kiel, Tübingen 1995, S. 3
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Arbeit zitieren:
Petya Mancheva, 2004, Monetäre Entwicklungen in Russland seit 1990, München, GRIN Verlag GmbH
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