Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Leitkultur und Gesellschaft 5
2.1 Der Begriff Leitkultur. 5
2.2 Gesellschaft und Nationalstaat 6
2.3 Das Konzept der Leitkultur 7
2.4 Die europäische Aufklärung als Grundlage einheitlicher Werte 8
2.5 Leitkultur in Deutschland. 9
3. Hermann Heller und die Integration durch Kultur. 11
3.1 Integration durch Dialog 12
3.2 Die nationale Kulturgemeinschaft:
notweniges Mittel zur Integration 14
4 Fazit 17
5 Literaturverzeichnis. 18
2
1 Einleitung
„Die Grundtugenden Fleiß, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein“ 1 antwortete der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Horst Köhler, in einem Interview des Berliner Tagesspiegels auf die Frage, was denn noch typisch deutsch sei. Über die Frage ob es überhaupt etwas typisch Deutsches gibt, eine spezifisch „deutsche Kultur“ nämlich, wurde in den letzten Jahren verstärkt diskutiert. Dabei stand meist die Integration von ausländischen Migranten in die deutsche Gesellschaft im Mittelpunkt. Der Höhepunkt dieser Diskussionen wurde nach Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz im Oktober 2000 zum Zuwanderungsgesetz erreicht. Merz sprach in der Zeitung „die Welt“ von einer Orientierung an einer „deutschen Leitkultur“ und löste eine Lawine von Empörung aber auch von Zustimmung aus.
Die vorliegende Arbeit möchte zeigen, dass die Idee, Kultur als einen zentralen Aspekt zur Integration in eine Gesellschaft zu verstehen, durchaus nicht neu ist. Bereits in den Zwanziger Jahren griff der Staatsrechtler Hermann Heller diese Idee auf und formulierte sie in seinen Schriften. Selbstverständlich waren in der Weimarer Republik andere Themen zunächst wichtiger und drängender als die Integration von Ausländern, trotzdem lassen sich Prallelen ziehen. Insbesondere betrifft dies die Integration der Arbeiterschaft in die junge Republik, die für den Sozialisten Heller ein wesentlicher Punkt seiner Bemühungen war. Die These die dieser Arbeit zu Grunde liegt lautet also: Hermann Heller hat in seinen Werken bereits die Bedeutung von Kultur als Integrationsmittel erkannt und kann daher als ein Vordenker von aktuellen Leitkulturkonzepten gelten.
Bevor jedoch gezeigt wird, worin bei Heller die Bedeutung der Kultur für eine Gesellschaft besteht, soll im ersten Schritt veranschaulicht werden, was heute unter dem Konzept der Leitkultur summiert werden kann. Dabei wird versucht aus den vielen unterschiedlichen, jedoch im Kern ähnlichen, Gedanken die wesentlichen Gesichtspunkte herauszufiltern, um so ein klares Bild von Leitkultur zu bekommen. Auf die Gegenkonzepte zur Integration durch eine Leitkultur wie etwa Verfassungspatriotismus und Multikulturalismus wird in der vorliegenden Arbeit nicht weiter eingegangen. Sie hätten in Abgrenzung zur Leitkultur ausführlich dargestellt und erklärt werden müssen, was der Umfang dieser Arbeit nicht
1 Interview mit Horst Köhler in: Der Tagesspiegel Nr. 18 418. 14.03.2004. S. 8.
3
erlaubt hätte. Für die Fragestellung und den Vergleich von Hermann Heller mit aktuellen Leitkulturkonzepten ist dies auch nicht notwendig.
Im zweiten Schritt wird dann Hellers Begriff von Nation, Kultur und deren Integrationskraft dargelegt und mit dem vorgestellten Leitkulturkonzept verglichen.
4
2 Leitkultur und Gesellschaft
Um erläutern zu können, ob Hermann Heller bereits in den zwanziger Jahren in seinen Gedanken über den Staat, die Gesellschaft und deren Wechselwirkung ähnliche Vorstellungen von Integration, der Funktion von „Leitkultur“, hatte wie sie heute vorgestellt und diskutiert werden, muss in einem ersten Schritt geklärt werden, was unter den beiden zentralen Begriffen „Leitkultur“ und „Gesellschaft“ in der aktuellen Diskussion zu verstehen ist.
Im Folgenden wird dargestellt, was das Konzept der Leitkultur für eine Gesellschaft bedeutet und welche Forderungen und Folgerungen daraus entstehen, sowohl für die Gesellschaft als auch für die Einwanderer.
2.1 Der Begriff Leitkultur
Geprägt hat den Begriff Leitkultur der Göttinger Professor Bassam Tibi bereits 1996 2 und seitdem immer wieder als Konzept zu einer friedlichen Integration von islamischen Migranten in Europa und der Bundesrepublik vorgestellt. Bei der von Merz neu angeregten Diskussion zu diesem Begriff ging es vor allem um die Frage, unter welchen Bedingungen Ausländer als „integriert“ angesehen werden und einen deutschen Pass erhalten dürfen.
Betrachtet man Leitkultur zunächst nicht im Kontext von Integration, Werten und Kultur, so ist es lediglich ein Wort, ein Determinativkompositum, das aus einem Nomen (Kultur) und einem, dieses Hauptwort näher bestimmenden zweiten Wort (Leit-), zusammengesetzt ist. Gerade das Wort Kultur erscheint dabei als universell einsetzbar. 3 Das Wort Leitkultur für sich genommen, kann also nicht Anlass der Diskussionen seien, die aufgeflammt sind. Die heftigen Reaktionen sind also nur aus dem bestimmten Kontext der Integration und dem Hintergrund einer bestimmten Gesellschaft - hier konkret der deutschen - und ihren Erfahrungen aus der Geschichte erklärbar. Und genau in diesem Sinne hat auch Tibi den Begriff eingeführt. Für ihn gibt es eine spezifische Geschichte der Europäer und genau diese Geschichte und die daraus entwickelten Errungenschaften müssen bei Einbürgerungen beachtet werden. „Leitkultur“ ist in diesem Sinn lediglich ein Prinzip, das universell auf alle Länder übertragbar ist. Bassam Tibi geht es, wenn er den Begriff Leitkultur verwendet, nicht um die Vorherrschaft einer bestimmten Kultur oder Lebensart,
2 Vgl. Konrad Schuller. „Die Leitkultur als Schutz vor Intoleranz“. In: FAZ,16.10.2000. S.16.
3 Vgl. Helmut Berschin. „Ein Wort macht Karriere“. In: Die Politische Meinung Nr.374. Osnabrück 2001. S.20ff.
5
sondern um die Integration von islamischen Ausländern in die europäische Gesellschaft. 4 Im nächsten Schritt werden nun die Grenzen abgesteckt, innerhalb derer eine Leitkultur gültig ist.
2.2 Gesellschaft und Nationalstaat
Als zweites soll nun der ebenfalls zentrale Begriff der Gesellschaft erläutert und der Frage nachgegangen werden, wie Gesellschaft im Sinne von Integration definiert ist, und welche Grenzen sie determinieren? Kurz: Wohinein soll überhaupt integriert werden?
Eine Gesellschaft ist zunächst einmal ein „Zusammenschluss von Menschen die sich zu einem bestimmten Zweck organisiert haben.“ 5 Unterschiedliche Merkmale sind dabei ausschlaggebend, wenn sich eine unbestimmte Anzahl von Individuen zu einer Gesellschaft zusammenschließt um einen spezifischen Zweck zu erfüllen. Ein Fußballvereinen findet sich über die gemeinsame Vorliebe des Fußballspielens zusammen, ein Chor über das gemeinsame Singen, Freundeskreise über gemeinsame Interessen. Diese Liste lässt sich sicher unendlich weiterführen. Allen diesen Zusammenschlüssen ist eine Eigenschaft gleich: die Definition über etwas Gemeinsames. In der heutigen Zeit gibt es also eine Vielzahl unterschiedlicher Zusammenschlüssen. Legt man diese Gedanken zugrunde, so kann man Gesellschaft definieren als einen „Zusammenschluss von Menschen mit Gemeinsamkeiten“. Diese Gemeinsamkeiten können auch allgemeiner sein, wie die Lage des Wohnortes oder eine gemeinsam erlebte Geschichte, die gleiche Religion oder eine gemeinsame Sprache. Je nachdem wie weit man den Begriff der Gemeinsamkeiten auslegt, desto größer oder kleiner kann eine Gesellschaft sein. Dies kann vom lokalen Verein bis zur alle Menschen umfassenden Weltgemeinschaft erfolgen. Für die Betrachtung der Frage nach gemeinsamen Werten, und damit verbunden einer „Leitkultur“, ist eine allzu weite Interpretation jedoch nicht angebracht. Daraus ergibt sich, dass Begriffe wie Nation, Gemeinschaft, Zivilisation und eben auch Gesellschaft synonym verwendet werden können. Zum besseren Verständnis bündelt diese Arbeit die genannten Begriffe und setzt sie der heutigen Auffassung von Nationalstaaten gleich. 6 Dies entspricht damit einer Auffassung die geographische Gemeinsamkeiten genauso wie erlebte
4 Bassam Tibi. „Europa ohne Identität?! Die Krise der multikulturellen Gesellschaft“. Goldmann. München 2000.
5 Vgl. Hermann Strasser. „Gesellschaft“. in: Kleines Lexikon der Politik. Dieter Nohlen (Hg.). C.H. Beck. München. 2002. S.162.
6 Vgl. Giesela Rischer. „Nationalstaat“. in: Kleines Lexikon der Politik. Dieter Nohlen (Hg.). C.H. Beck. München. 2002. S.316f.
6
Arbeit zitieren:
Martin Eckhardt, 2004, Hermann Heller - ein intellektueller Vordenker aktueller Leitkulturkonzepte, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Raum- und Zeitbegriff bei Kant
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 18 Seiten
Gottlob Freges Definition der Zahl in den Grundlagen der Arithmetik
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 62 Seiten
Kontemplation als höchstes Glück - Aristoteles: Nikomachische Ethik
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 19 Seiten
Platons Ideenlehre - erläutert anhand der drei zentralen Gleichnisse d...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 22 Seiten
Die dritte These des Theaitet - und was dann?
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Eine empirische Untersuchung i...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Kann der von Platon entwickelte Idealstaat als totalitär bezeichnet we...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 14 Seiten
Die drei Lebensformen und das höchste Gut bei Aristoteles
Ein kurzer Überblick
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 14 Seiten
Sprachspiel und Wortbedeutung in der Philosophie Wittgensteins und Aus...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die theoretische und die politische Lebensform nach Aristoteles (Nikom...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 21 Seiten
Martin Eckhardt hat den Text Hermann Heller - ein intellektueller Vordenker aktueller Leitkulturkonzepte veröffentlicht
Martin Eckhardt hat einen neuen Text hochgeladen
Hermann Hellers Theorie der Politik und des Staates
Die Geburt der Politikwissensc...
Michael Henkel
Luck or Fate?: The Military Saga of Sergeant Roger K. Heller: 1942-194...
Kenneth Heller Roger Kenneth Heller
Alone in Mexico: The Astonishing Travels of Karl Heller, 1845-1848
Karl Bartolomeus Heller, Terry Rugeley
Alone in Mexico: The Astonishing Travels of Karl Heller, 1845-1848
Karl Bartolomeus Heller, Terry Rugeley
Get Smart: Samantha Heller's Nutrition Prescription for Boosting Brain...
Samantha Heller, Joe Weissmann
0 Kommentare