Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Seminar: Stadtentwicklung
Integration und Desintegration in der Stadt
von: Benjamin Klimaschewski
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Formen der Integration
2.1 politisch-rechtliche Integration 3
2.2 ökonomische Integration 4
2.3 kulturell- normative Integration 5
3. Was verhindert Integration ?
3.1 kommunalpolitisch 6
3.2 ökonomisch 8
4. Konsequenzen von Desintegration
4.1 Segregation 9
4.2 Degeneration des öffentlichen Raumes 11
4.3 politischer Partikularismus 13
5. Als Fazit: Ist die Stadt (noch) eine Integrationsmaschine ? 13
6. Literaturliste 16
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit den Phänomenen der Integration und Desintegration in der Stadt. Zu einer Zeit des wirtschaftlichen Wachstums erfüllte die Stadt die Funktion einer Integrationsmaschine, da sie der Ort war, in dem sich der Stadtbewohner durch die funktionale Einbindung vor allem in den Arbeitsmarkt als Teilhaber einer aufwärtsgerichteten Bewegung verstand. Ungleichheiten in den sozialen Lagen führten, was die Schwächsten angeht, nicht zu einem Ausschluß aus der Gesellschaft, sondern waren „Differenzen in der Einheit“ (Häußermann 1998, S. 158), die nicht als endgültig und unabänderlich wahrgenommen wurden. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert hat sich das Bild verändert. Ein v.a. ökonomischer Wandel hat Konflikte evoziert, die in den Städten überdeutlich werden. Die Stadt ist vom Ort des persönlichen Aufstiegs und des sozialen Miteinander zum Ort des Kampfes um die materielle Existenz, der politischen Ohnmacht und der mangelhaften sozialen Einbindung geworden. Diese Arbeit versucht zum einen darzustellen, welche Formen der Integration eine Stadt leisten kann, zum anderen und vor allem aber befaßt sie sich mit den Gründen und den Folgen von desintegrativen Vorgängen, die eine Entwicklung forcieren, die aus der Stadt als Integrationsmaschine einen Ort der Bedrohung, Unfreiheit und Ausgrenzung werden läßt.
2. Formen der Integration
2.1 politisch-rechtliche Integration
Die Stadt als politische Einheit, ist der Ort, der das Lebensumfeld des Stadtbürgers darstellt. Eine Mitgestaltung in von der städtischen Politik bestimmten Bereichen sollte also in Staaten, die auf einer demokratischen Grundordnung basieren, jedem Stadtbürger gewährleistet sein. Die Möglichkeit zur Partizipation an politisch-rechtlichen Vorgängen ist so die Voraussetzung zur Integration in die Stadt und in ihre Gemeinschaft. Die politische Partizipation findet ihren Ausdruck zum einen in formalisierten, zum anderen in informellen Rechten, die beide als Integrationsmechanismen wirken. Das aktive und passive Wahlrecht besteht formal und analog zum staatsbürgerlichen Recht auch in der Kommune. Informelle Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten sich im Vereinswesen, in Bürgerinitiativen o.ä. Diese Formen kommunalpolitischer Teilhabe erzeugen beim Bürger das Gefühl direkter Teilnahme an der Mitgestaltung seines Lebensumfeldes, da sie in der Regel auf kürzeren Wegen zu greifbaren Ergebnissen führen. Einflußmöglichkeiten werden sichtbar und die Sinnhaftigkeit von demokratischen Mechanismen höher eingeschätzt. Kommunalpolitik kann so ein positives Gefühl für den Rechtsstaat und dessen Legitimation erwecken.
Auch zur „Realisierung von Grundnormen, durch die das Zusammenleben auf der Basis von Fairneß, Gerechtigkeit und Solidarität geregelt werden soll“ (Endrikat u.a. 2002, S. 39) bedarf es einer institutionellen Integration, da sie ein legitimes Mittel zum Ausgleich konfligierender Interessen (ebd.) und somit zur Gestaltung von moralisch- normativen Spielräumen darstellt. Mit dem Mandat ihrer Bürger hat die Kommunalpolitik eine Reihe von Entscheidungsmöglichkeiten, mit der sie Integration fördern und lenken kann. So zum Beispiel im Wohnungsbau, in der sozialen und technischen Infrastruktur, in der lokalen Arbeitspolitik oder bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes (Göschel 1998).
2.2 ökonomische Integration
Integration unter ökonomischen Gesichtspunkten setzt im optimalen Falle eine Phase des Wohlstands und eine annähernde Gleichverteilung dieses Wohlstandes im Land voraus. Dieser Zustand sorgt für ein hohes Maß an Stabilität, da Ungleichheiten minimiert sind und Konflikte durch Konkurrenzsituationen um materielle Güter seltener auftreten. Eine Annäherung an diesen hier idealtypisch dargestellten Zustand kann nur in Phasen des Wirtschaftswachstum und des Wohlfahrtsstaates entstehen. Eine solche Phase erlebte die Bundesrepublik in der Zeit von Mitte der 60er Jahre bis zum Beginn der 90er Jahre (Göschel 1998).
Die Städte sind in diesen Phasen die Orte, wo Innovation und Wirtschaftskraft entstehen und sich offenbaren, wo, durch das Entstehen von Arbeitsplätzen, Wohlstand für den Bürger erfahrbar wird. Sie sind die Orte, wo ein sozialer Aufstieg leichter erreichbar ist als auf dem Land und wo Chancen und Optionen in diversifizierteren Formen eine Verbesserung der Lebensumstände versprechen. Ein gesamtstaatliches Wirtschaftswachstum läßt sich also in diesem Zusammenhang auf die lokale Ebene projizieren und wird zum städtischen Wirtschaftswachstum, das für den Stadtbürger in dieser Form im Alltag erfahrbar wird. Er wird über die Teilhabe am Arbeitsmarkt (und am funktionierenden Bildungssystem) funktional in das System integriert und erfüllt so die Voraussetzung für sich, am Konsumwarenmarkt teilzunehmen (Endrikat u.a. 2002, S.38).
[...]
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Benjamin Klimaschewski, 2004, Integration und Desintegration in der Stadt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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