Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Das Modell der ersten Generation 4
2.1 Einleitung 4
2.2 Das Modell 4
2.3 Beispiel Russland 6
3 Das Modell der zweiten Generation 6
3.1 Einleitung 6
3.2 Das Modell 7
3.3 Beispiele Großbritannien, Schweden, Italien, Spanien 8
4 Vergleich der beiden Generationenmodelle 9
5 Das Modell der dritten Generation 10
5.1 Einleitung 10
5.2 Erster Ansatz des Modells 10
5.3 Zweiter Ansatz des Modells 11
5.4 Dritter Ansatz des Modells 11
5.4.1 Erklärung zum Modell des Transferproblems 12
5.4.2 Das Modell des Transferproblems 12
6 Fazit 15
7 Appendix 17
7.1 Ergänzungen zu dem Modell der ersten Generation 18
7.2 Ergänzungen zum Modell der zweiten Generation 21
7.3 Ergänzungen zum Modell des Transferproblems in der dritten Generation 23
8 Literaturverzeichnis 25
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Zeitpfad der Entwicklung monetärer Aggregate bei fixem Wechselkurs 17
Abbildung 2 : Inflationsraten ausgewählter Länder im Zeitraum 1988 94 17
Abbildung 3 : Arbeitslosenquoten in ausgewählten Ländern im Zeitraum 1984 94 18
Abbildung 4 : Reale Wechselkurse ausgewählter Länder 18
Abbildung 5 : Entwicklungspfade im Modell des Transferproblems 25
2
1 Einleitung
Das Ziel der Hausarbeit besteht in der Beschreibung und Erklärung der aktuellen Szenarien, wie und warum in Volkswirtschaften Währungskrisen auftreten. Die einzelnen Modelle, die auf verschiedenen Annahmen beruhen und im Laufe der Zeit aufgrund neu aufgetretener Währungskrisen entwickelt wurden, werden dargestellt. Zudem wird die dynamische Entwicklung in den Modellen beschrieben. Letztendlich erfolgen Bewertung und Kritik.
Als forschungsleitende Frage stellt sich, ob Währungskrisen nur bei Verschlechterung der Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft auftreten. Falls dies nicht der Fall sein sollte, sondern andere Faktoren, wie sich selbst erfüllende Erwartungen, auch eine Währungskrise entfachen können, wird einerseits eine Interpretation hinsichtlich der Faktoren notwendig, die dies bewirken können. Andererseits ist die Formulierung von Implikationen für adäquate Gegenmaßnahmen essentiell.
Aufgrund der anhaltenden hohen und sich weiter verstärkenden Kapitalmobilität, kann es für ökonomische Entscheidungsträger äußerst relevant werden, ob sie Frühwarnsysteme entwickelt haben. Diese müssen möglichst rechtzeitig Entwicklungen identifizieren können, die eine eventuelle Währungskrise zur Folge haben, um Maßnahmen zur Abwendung zu ergreifen. Ansonsten kann es dazu führen, dass Volkswirtschaften zum Spielball einzelner Investoren werden, was weitreichende Folgen für die Entwicklung des Landes implizierte. Paul Krugman schrieb schon 1999: „ In a world of high capital mobility, it is now clear, the thread of speculative attack becomes a central issue - indeed for some countries the central issue - of macroeconomic policy“(Krugman 1999, S.1). Mithin ist eine ständige Analyse des Wechselkurses obligatorisch, um eine stabile Politik gewährleisten zu können.
Die Modelle zur Erklärung von Währungskrisen sind noch nicht vollständig, sondern werden im Laufe der Zeit und mit dem Rückblick auf Krisen weiter entwickelt. Zu einigen aktuellen Modellen, die die Währungskrisen in den asiatischen Ländern Ende des zwanzigsten Jahrhunderts charakterisieren, gibt es derzeit nur Ansätze zur Erklärung.
3
2 Das Modell der ersten Generation
2.1 Einleitung
Beim Modell der ersten Generation wird davon ausgegangen, dass die Regierung ein fixes Wechselkursregime etabliert hat. Die Zentralbank muss folglich das Geldangebot endogen anpassen, um Schwankungen auszugleichen. Es ist mithin notwendig, das Geldangebot relativ zum Ausland konstant zu halten, um den Wechselkurs abzusichern. Wenn nun aber angenommen wird, dass das Budgetdefizit in der Volkswirtschaft steigt, müssen Währungsreserven schmelzen, um den Wechselkurs konstant halten zu können. Das gestiegene Geldangebot, hervorgerufen durch die Neuverschuldung des Staates, muss also von der Zentralbank nachgefragt werden. Sofern die Devisen schmelzen dürfen, gibt es einen definitiven Punkt, an dem sie erschöpft sein müssen. Spekulanten timen eine Attacke, die die Währungsreserven der Zentralbank erschöpfen soll, um eine Abwertung zu erzwingen. Somit sichern sie sich gegen mögliche Währungsverluste in der Zukunft ab, falls die Währung abwertet. Sie tauschen verstärkt die bald überbewertete inländische Währung in Devisen um, spekulierend auf eine Beschleunigung des Devisenrückgangs der Zentralbank. Für die Akteure der Attacke ist der Prozess eine reine Portfolioumschichtung, so dass sie kein Risiko in Kauf nehmen müssen. Von Transaktionskosten abgesehen verlieren die Spekulanten kein Vermögen, auch wenn die Währung die Attacke übersteht, da die Devisen dann wieder zum alten Kurs zurückgetauscht werden können.
Eine Möglichkeit für die Zentralbank, gegen eine spekulative Attacke zu steuern, ist die Aufteilung der Devisenreserven in zwei Bestände. Die erste Reserve wird in jedem Fall zur Verhinderung einer Abwertung eingesetzt, die zweite erlaubt nun die Möglichkeit einer weiteren Intervention. So sind die Spekulanten im Unklaren darüber, wann die Devisen endgültig erschöpft sein müssen (Krugman 1979, S.312, 323).
2.2 Das Modell
Vorgestellt wird das Flood-Garber Modell (Nelson 2001, S.310-313), welches eine deterministische Krise bei fixem Wechselkurs formuliert. Unbefriedigend ist, dass Attacken, dem Modell nach zu schließen, perfekt vorhersagbar sein
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müssten, sowie dass keine Vermögenstransfers von der Zentralbank zu den Spekulanten stattfinden.
Ansonsten bildet das Modell anschaulich die Entwicklung zu einer nicht mehr abwendbaren Währungskrise ab. Die Annahmen, der Modellaufbau sowie die graphische Darstellung werden wie auch bei den Folgemodellen im Appendix näher erläutert.
Essentiell ist die Zusammensetzung des Geldangebotes: ( J J , ( 1 ) ) 1 r d m t t t
wobei m t das Geldangebot zum Zeitpunkt t darstellt, definiert den Gewich-tungsfaktor zwischen dem Kreditvolumen d zum Zeitpunkt t und dem Wert der Devisen, denominiert in inländischer Währung, zum Zeitpunkt t. Die Kernaussage des Modells lautet, dass man zeigen kann, zu welchem Zeitpunkt die Devisenreserven einer Zentralbank erschöpft sein müssen, falls eine konstante Neuverschuldungsrate angenommen wird. Ohne Attacke müssen die Reserven zum Zeitpunkt t n erschöpft sein:
t n
wobei t n den Zeitpunkt der Attacke definiert, falls die Reserven auf einem konstanten Pfad gegen Null schmelzen. r(0) definiert wieder den Wert der Devisen, nur diesmal zum Zeitpunkt Null, also zum Startzeitpunkt. ist der bekannte Ge-wichtungsfaktor und µ steht für die Wachstumsrate der inländischen Kreditauf- d nahme, also zum Zeitpunkt t.
Spekulanten werden allerdings vor der vorhersehbaren Erschöpfung der Reserven eine Attacke auf die Zentralbank timen, um Verluste zu vermeiden. Den Zeitpunkt, zu dem die Währungsreserven unmittelbar erschöpft sein müssen wegen der plötzlich stark steigenden Nachfrage nach Devisen, kann wie folgt abgebildet werden:
t a
Hieraus lässt sich das Niveau der Devisenreserven r ta zum Zeitpunkt t a errechnen:
r a
Der Zeitpunkt der Attacke t a, an dem die Zentralbank noch Devisenreserven hält, liegt also vor dem Zeitpunkt t n . Ein Kernpunkt des Modells ist, dass die Währungsattacke nicht mit Neuigkeiten in Verbindung gebracht werden muss. Sie kommt plötzlich, aber als eine rationale Antwort der Spekulanten auf die kumulierten Effekte der Neuverschuldung, welche langfristig inkonsistent zum fixen Wechselkursregime ist.
Abbildung 1 zeigt graphisch den Zeitpfad der Entwicklung in diesem Modell.
2.3 Beispiel Russland
1998 wurde von der Finanzwelt erwartet, dass sich die schwache Regierung zwangsweise durch die Notenpresse finanzieren würde, um der Schuldenproblematik Herr werden zu können. Darauf folgte annahmegemäß eine Währungskrise wegen der aufgezeigten Entwicklungen.
Anzumerken bleibt allerdings, dass bei perfekt funktionierenden internationalen Kapitalmärkten keine Währungskrise entstehen muss, sofern Vertrauen aus dem Ausland bestehen bleibt. Falls sich die Zentralbank theoretisch unendlich Devisen aus dem Ausland leihen und glaubwürdig versprechen kann, die Schulden durch Steuererhöhungen zu bedienen, muss eine Attacke auf die Währung fehlschlagen (Obstfeld 1984, S.4).
3 Das Modell der zweiten Generation
3.1 Einleitung
Bei diesem Modell ist der trade off des Staates hinsichtlich einer Outputlücke und einem fixem Wechselkurs relevant. Das Modell versucht eine sich selbst erfüllende Krise abzubilden. Dies ist um einiges komplexer, da Erwartungen der Investoren eine entscheidende Rolle spielen. Eine Währungskrise entsteht also nicht aufgrund sich verschlechternder Fundamentaldaten, sondern aufgrund der Antizipation von Investoren, dass der Wechselkurs nicht vom Staat stabil gehalten wird, falls die Outputlücke und damit auch die Arbeitslosigkeit zu stark ansteigt. Folglich können Investoren über die Entwicklung des Wechselkurses entscheiden, abhängig von der Glaubwürdigkeit der Regierung hinsichtlich der Geldpolitik im Zielkonflikt zwischen einer Outputlücke und einem fixem Wechselkurs. Es können mithin multiple Gleichgewichte entstehen, da durch die Erwartungen der Parameter Unsicherheit in das Modell mit einbezogen werden
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muss. Sich selbst erfüllende Prophezeiungen können auftreten, wenn Preise als konstant in der kurzen Frist angenommen werden. Eine Abwertung führt beispielsweise dann zu einer Erhöhung der Schulden von Unternehmen, die in ausländischer Währung gemacht wurden, was wiederum die Gewinne sinken lässt. Als Ergebnis ist es möglich, dass in der nächsten Periode weniger investiert wird und somit auch ein geringerer Output zu erwarten ist. Das hat eine verringerte Geldnachfrage zur Folge. Letztendlich wertet die Währung ab. Wegen Arbitragemöglichkeiten impliziert dies jedoch, dass die Währung schon in der Vorperiode, also der jetzt betrachteten, abwerten muss. Wenn Investoren also an eine Abwertung glauben, kann genau diese auch dazu führen (Aghion, Bacchetta, Banerjee 2000, S.2).
Sobald Investoren eine spekulative Attacke erwarten, kommt es zu einem instabilen Gleichgewicht, obwohl noch ausreichende Währungsreserven vorhanden sind. Investoren erwarten eine gewollte Abwertung, falls sie zu der Entscheidung kommen, dass bei dem Zielkonflikt zwischen einem fixen Wechselkurs und dem Wunsch nach einer expansiveren Geldpolitik letzteres obsiegt. Die Outputlücke kann so theoretisch geschlossen werden, was zu einer geringeren Arbeitslosigkeit und einem höheren gesamtwirtschaftlichen Einkommen führt. Der fixe Wechselkurs muss dafür aber aufgegeben werden, was das Vertrauen aus dem Ausland beschädigen kann.
3.2 Das Modell
Der Output ist in diesem Modell (Nelson 2001, S.316ff.) durch die Arbeitsnachfrage gegeben, wobei die Arbeitsnachfrage reziprok mit dem Reallohn w t - s t schwankt, gemäß der Annahme, dass die Kaufkraftparität hält und das logarithmierte ausländische Preisniveau auf Null normiert wurde. Somit gilt: p t = s t , p das inländische Preisniveau und s den Wechselkurs definierend. Die Arbeitsnachfrage ist zusätzlich abhängig von einem Schock u(t), der als normalverteilt angenommen wird. Formal gilt also für den Output y(t): y t = -.(w t -s t ) - u t . ( 1 )
Löhne werden in der Vorperiode gesetzt, so dass der Lohnsatz ex ante konstant bleibt: w t = E (s t ) . ( 2 )
t 1
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Arbeit zitieren:
Hanno Kempermann, 2004, Währungskrisenmodelle, München, GRIN Verlag GmbH
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