Inhalt
1. Vorb emerkungen 3
2. Kriegsberichterstattung: Grundbegriffe 4
3. Kriegsberichterstattung im Ersten Weltkrieg 10
4. Kriegsberichterstattung im Zweiten Weltkrieg 15
5. Kriegsberichterstattung im Vietnam-Krieg 20
6. Kriegsberichterstattung im Golfkrieg 1991 23
7. Kriegsberichterstattung im Kosovo -Krieg 25
8. Kriegsberichterstattung im Golfkrieg 2003 27
9. Nachgedanken 30
10. Literatur 32
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1. Vorbemerkungen
Kriegsberichterstattung ist durchaus keine Erfindung der Ne uzeit. Wenn man es ganz genau nimmt, war schon der Läufer von Marathon ein Kriegsberichterstatter, auch wenn man in diesem Fall sicher nicht von der Berichterstattung im heutigen Sinne sprechen kann. Den Beginn der modernen Kriegsberichterstattung, den Beginn des auch in und mit den Medien geführten Krieges, setze ich beim Ersten Weltkrieg. Die Literaturrecherche zu dieser Arbeit war auf den ersten Blick sehr ergiebig. Das Internet war für mich leider nicht die dankbare Quelle, die ich mir erhofft hatte. Die meisten Zeitungen und Zeitschriften verlangen auch Jahre nach den Konflikten noch Geld für ihre Artikel oder haben sie gar nicht mehr vorliegen. Einiges ist natürlich auch frei erhältlich. Darauf konnte ich mich also durchaus stützen.
Beim Versuch, die zahlreichen Quellen zu analysieren, ist mir allerdings aufgefallen, dass der größte Teil der Literatur sich mehr mit der Berichterstattung an sich und deren Schwierigkeiten beschäftigt als mit Originaltexten aus der jeweiligen Zeit. Trotz allem habe ich bei der Arbeit an den Texten Wert darauf gelegt, die Grundbegriffe und die textproduktionsrelevanten Elemente herauszustellen, obschon das ungeachtet der Menge an Material nicht immer einfach war.
Die vorliegende Arbeit umfasst die Grundbegriffe der Kriegsberichterstattung ebenso wie Zusammenfassungen der Pressearbeit während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, des Vietnam-Krieges, der Golfkriege von 1991 und 2003 sowie des Kosovo-Krieges. Weiterhin habe ich mich mit journalistischen Grundsätzen wie Ethik (und deren Umsetzung) befasst. Natürlich habe ich mir zu diesem Thema unabhängig zu der Arbeit an der Literatur auch meine eigenen Gedanken gemacht. Diese habe ich im Schlusskapitel zusammengefasst.
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2. Kriegsberichterstattung: Grundbegriffe
2.1. Kriegsberichterstatter
Innerhalb der Auslandskorrespondenten nimmt der Kriegsberichterstatter eine Sonderrolle ein, schon weil sein Einsatz zeitlich auf die Dauer der kriegerischen Auseinandersetzung beschränkt ist. Leider fehlt vielen Kriegsberichterstattern das Fachwissen ihrer Kollegen, die schon seit längerer Zeit in der entsprechenden Region eingesetzt sind. Dieses fehlende Fachwissen sowie der tägliche Druck, Material zu liefern, begünstigen die Anfälligkeit für die Maßnahmen der indirekten Zensur (s.u.). Nach Foggensteiner gibt es drei Gruppen von Kriegsberichterstattern:
•
Journalisten, die ihre Informationen aus Pressemitteilun-
Foggensteiner solltenchen, objektiv zu arbeiten, auch wenn das nicht immer nur in ihren Händen liegt. 1
1 Richter, Simone: Journalisten zwischen den Fronten. Kriegsberichterstat- am Beispiel Jugoslawien. Westdeutscher Verlag,
Opladen/Wiesbaden, 1999, S. 33ff.
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2.2. Wahrheit
Wahrheit ist nicht nur das erste Opfer des Krieges, sie wird auch mit jeder kriegerischen Auseinandersetzung relativer. Berichten Journalisten aus Kriegsberichten nun ihre Wahrheit, die Wahrheit der Zensoren oder die echte Wahrheit? Mit jedem Krieg wird die Beantwortung dieser Frage auch für die Berichterstatter schwieriger, denn längst ist nicht mehr alles wahr, was man sehen kann.
Meiner Meinung nach kommt man der Wahrheit in Krisengebieten am Nächsten, wenn man sich nicht nur auf die genehmigten Bilder verlässt, sondern die Möglichkeit hat, mit Betroffenen auf allen Seiten frei zu sprechen.
2.3. Ethik
Unter Ethik versteht man laut Richter alle Werthaltungen und durch Werthaltungen verursachte Verhaltensweisen, die in ihren Auswirkungen zentrale Normen des Kommunikationssystems betreffen. Der Journalismus baut auf gesellschaftlichen Werten wie Freiheit, Frieden und Sicherheit auf, das bedeutet, dass für einen Berufsethos des Journalisten diese Werte strukturell umgesetzt werden müssen. Für dieses Problem gibt es noch keine eindeutigen Lösungen. 2
Setzt man Ethik mit Moral gleich, so handelt es sich um mitmenschliches Verhalten, das unter bestimmten Grundsätzen stattfindet. 3
2.4. Werte
Werte sind Orientierungsgesichtspunkte; institutionalisierte Eckwerte, die für das soziale Zusammenleben präferiert werden. 4
2 Richter: Ebda., S. 73.
3 Richter: Ebda., S. 74.
4 Richter: Ebda., S. 74.
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Journalistische Werte sind symbolische Gesichtspunkte, die bestimmte publizistische Zustände oder Ereignisse erwarten lassen. 5
2.5. Normen
Journalisten sind Normen unterworfen. Normen sind Erwartungen, die an das Verhalten der Mitmenschen gestellt werden und sich an Werten orientieren. 6 Journalistische Normen sind Entscheidungsprämissen, die in sozialer Übereinkunft getroffen werden. Sie steuern und regulieren publizistische Probleme und gelten auch dann noch, wenn gegen sie verstoßen wurde.
Innerhalb der Publizistik versteht man unter Werten und Normen soziale Elemente. 7
2.6. Propaganda
Propaganda nennt man die bewusste Manipulation der öffentlichen Meinung zu einem bestimmten Zweck mit medialen Mitteln. Vom Flugblatt bis zum Fernsehbericht ist alles (auch mittels Zensur) auf die Ziele des Propagandisten ausgerichtet. Oft wird Propaganda eingesetzt, um für einen geplanten Krieg in Stimmung zu bringen oder die abflauende Stimmung an der Heimatfront zu heben.
2.7. Zensur
Stefan Hartwig unterscheidet zwischen den Maßnahmen der direkten oder negativen Zensur und den Maßnahmen der indirekten oder positiven Zensur. Bei beiden Formen kommt es z unächst zu Wechselwirkungen zwischen der Berichterstattung und der eigenen bzw. gegnerischen Bevölkerung. Die Maßnahmen der positiven und der negativen Zensur bedingen sich gegenseitig. So begünstigt die Verknappung von Informationen
5 Richter: Ebda., S. 74.
6 Richter: Ebda., S. 74.
7 Richter: Ebda., S. 74.
6
(direkte Zensur) die kritiklose Übernahme von militärischem Material (indirekte Zensur), weil die TV-Stationen heute unter dem Druck stehen, möglichst schnell möglichst viel Material zu senden.
Die Maßnahmen der direkten Zensur bestehen aus der
•
Kontrolle und Selektion des Bild- und Tonmaterials
Die subtilere Art der Zensur, die indirekte, bedient sich folgender Maßnahmen:
•
Vorbereitungslehrgänge durch das Militär
2.8. Linguizid
Schon zu Friedenszeiten ist die Sprache des Militärs verharmlosend. Schon Viktor Klemperer stellte in seiner LTI fest, dass die nationalsozialistischen Phrasen so oft und solange wiederholt wurden, dass sie schließlich von fast allen benutzt worden, ohne dass sich jemand ernsthaft Gedanken darüber gemacht hätte. Geht es allerdings um Kriege, treibt die Sprache des Militärs Blüten. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von Euphemismen und Metaphern, die leider sehr oft unkritisch von Journalisten übernommen wird und so in den allgemeinen Sprachgebrauch gelangen.
So wurden im Golfkrieg 1991 im Sprachgebrauch der US-Armee aus Särgen und Leichensäcken „menschliche Überreste-Kästen“ bzw. „-Taschen“; Atomreaktoren wurden „lahmgelegt“ oder „auf Jahre hinaus unschädlich“ gemacht, wobei keine „nennenswerte“ Radioaktivität austrat; Chemiewaffen- und Biologische Kampfstoff-Fabriken wurden „ausgeschaltet“ oder ebenfalls „unschädlich“ gemacht; tote Menschen waren „ausgeschaltet“ oder „neutralisiert“ worden oder wurden schlicht zu „Kollateralschäden“ erklärt; anzugreifende menschliche Ziele wurden zu „weichen“ Zielen; Städte wurden „ausradiert“; militärische Einheiten „ausgeschaltet“ und Luftangriffe wurden zu „Bombenteppichen“ und „Feuerzauber“ verklärt. 9 Einer der absurdesten Begriffe ist wohl der des „friendly fire“, also des freundlichen Feuers, der den versehentlichen Beschuss eigener oder alliierter Truppen bezeichnet.
8 Hartwig, Stefan: Konflikt und Kommunikation. Berichterstattung, Medienar
beit und Propaganda in internationalen Konflikten vom Krimkrieg bis zum
Kosovo. LIT Verlag, Münster/Hamburg/London, 1999, S. 7ff.
9 Schlaga, Rüdiger: Die Wahrheit als erstes Kriegsopfer. Die Rolle der
Medien im Golfkrieg. In: Stein, Georg: Nachgedanken zum Golfkrieg.
Palmyra Verlag, Heidelberg, 1991, S. 236ff.
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Arbeit zitieren:
Juliane Weuffen, 2004, Textproduktion in Krisen- und Kriegszeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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