Das Vaterland der Juden sind die übrigen Juden.
Schopenhauer
Ein hervorstechendes Merkmal des Juden ist seine
völlige Unfähigkeit, die deutsche Sprache zu sprechen
oder zu schreiben.
Richard Wagner
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Ein kurzer Abriss der Geschichte der Juden auf
deutschem und slawischem Gebiet 5
3 Der jüdische Witz gestern heute und morgen 8
4 Themen des jüdischen Witzes 16
5 Die besondere Bedeutung des Jiddischen für den
jüdischen Witz 20
6 Analyse 23
7 Schlussbetrachtungen 26
8 Literatur 27
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit stellt eine besondere Form des Witzes vor, den jüdischen Witz. Der jüdische Witz stellt in mehrerlei Hinsicht eine Sonderform des Witzes dar, denn die Entstehungsgeschichte der Alltagssprache der Juden, des Jiddischen, und die Entstehungsgeschichte des jüdischen Witzes stehen in engem Zusammenhang. Daher war es unerlässlich, zumindest einen Abriss der Geschichte der Juden (Kapitel 2, S. 5) sowie des Jiddischen (Kapitel 5, S. 20) auf deutschem und slawischem Gebiet in diese Arbeit aufzunehmen, um dann daran die Geschichte des jüdischen Witzes und seine Zukunft zu behandeln (Kapitel
3, S. 8).
Ein eigenes Kapitel habe ich auch den Themen des jüdischen Witzes gewidmet, da in diesem Kulturkreis natürlich ganz andere Themen im Witz „besprochen“ werden als z.B. im deutschen. Schon allein aufgrund der politischen und sozialen Umstände in Osteuropa ergibt sich hier ein vielfältiger Fundus an witzigen Motiven (Kapitel 4, S. 16).
Im Kapitel 5 (S. 20) weise ich auf die Bedeutung des Jiddischen für den jüdischen Witz hin. Ohne diese Volkssprache der osteuropäischen Juden wäre der jüdische Witz in seiner heutigen Form nicht denkbar.
Die Analyse eines Beispiels folgt im Kapitel 6 (S. 23).
Zu der von mir verwe ndeten Literatur möchte ich an dieser Stelle auch einiges hinzufügen. Auf den ersten Blick könnte nämlich der Eindruck entstehen, als wäre für dieses Thema Salcia Landmann die einzige Expertin. Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch, war sie doch die Erste, die sich intensiv mit der jüdischen Witzkultur und ihrer Sammlung beschäftigt hat. In der Tat ist es auch so, dass ihre Werke eine sehr wichtige Grundlage für diese Arbeit bilden. Es sollte aber auch erwähnt werden, dass sie nicht unumstritten ist. Jan Meyerowitz hat das in seinem Buch „Der echte jüdische Witz“ sehr deutlich gemacht. Diese Kontroverse wird an anderer Stelle noch ausführlicher behandelt werden (im Kapitel 4, ab S. 17). Es wäre leichter zu lösen gewesen, eine Arbeit über das Judentum zu verfassen, da einfach mehr Fachliteratur zum Judentum als zum jüdischen Volkstum und Witz vorhanden und erreichbar ist.
4
2 Ein kurzer Abriss der Geschichte der Juden
auf deutschem und slawischem Gebiet
Die ersten jüdischen Ansiedlungen in Deutschland s tammen aus dem Jahre 321 u.Z. und befanden sich in der Kölner Rheingegend. Den Beweis dafür erbringt ein Edikt des Kaisers Konstantin vom 11. Dezember dieses Jahres. Die Juden kamen mit den Römern nach Deutschland, vermutlich als Kolonisten, Kaufleute und Soldaten, nach der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 vielleicht auch als Sklaven. Kaiser Valentinianus II. untersagte im Jahr 328 von Trier aus die Belegung von Synagogen, was zur Gründung weiterer Siedlungen führte. Ob diese Siedlungen die Völker- wanderungsbewegungen überstanden, ist bis heute unklar.
Die nächsten Belege über jüdische Gemeinden gibt es aus der Karolingerzeit (9. Jahrhundert). Karl der Große betraute Juden mit großen Missionen, Ludwig der Fromme gab den schutzlosen Juden Schutzbriefe. Heinrich IV. nahm 1103 alle Juden unter königlichen Schutz, bald galten sie als steuerpflichtige Kammerknechte. 1236 verkündete Friedrich II. die Kammerknechtschaft aller Juden. Es gab zu dieser Zeit keine Sonderstellung der Juden, sie waren voll ins gesellschaftliche und soziale Gefüge integriert. So gab es jüdische Minnesänger (z.B. Süßkind von Trimberg) und die älteste erhaltene Gudrun-Handschrift stammt von einem jüdischen Spielmann. Erst mit dem Laterankonzil (1179 1 oder 1215 2 ), der den Juden das Tragen bestimmter Kleidung vorschrieb, ihren Ausschluss aus Zünften und das Verbot von Grunderwerb beinhaltete 3 , trat eine allmähliche Trennung des jüdischen Stadtlebens vom deutschen ein. Die ehemals freiwilligen Judenviertel, die gegründet worden waren, um das kultische Leben zu vereinfachen, wurden zu Judenghettos. Die kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen zur deutschen Umwelt gingen ein, nur die wirtschaftlichen Kontakte blieben erhalten.
Ein weiterer Einschnitt in das jüdische Leben in Deutschla nd war der Beginn der Kreuzzüge. Die Kreuzritter kehrten – nach französischem
1 WEIßBERG, J.: Jiddisch – Eine Einführung. Bern 1988, S. 23.
2 LANDMANN, S.: Jiddisch, das Abenteuer einer Sprache. Frankfurt/M./Berlin 1992, S. 38.
3 WEIßBERG, J.: ebda.
5
Vorbild – zuerst vor der eigenen Tür, bevor sie in Heilige Land zogen, um den „Christusmördern“ endgültig den Garaus zu machen.
Im Jahr 1349 kam es zu einer Pestepidemie, für die die Juden als „Brunnenvergifter“ verantwortlich gemacht wurden. Dafür wurden z. B. in Straßburg 2000 Juden verbrannt.
Unter dem Einfluss all dieser ungünstigen Faktoren begannen die Juden mit der Suche nach erträglicheren Lebensbedingungen. Sie bewegten sich dabei in Richtung Osten (hauptsächlich Polen und Litauen), wo zwar die Könige an Kolonisierungen interessiert waren, die Bevölkerung aber die vermeintlichen neuen Besatzer erneut mit Blutbädern empfing.
Im polnischen Raum erhielten Juden teilweise gehobene Stellungen und durften bei Streitereien zwischen deutschen Kolonisten und Polen vermitteln. Ansonsten hielt sich der Kontakt zu Nichtjuden in überschaubaren Grenzen. Sie siedelten in kleinen, geschlossenen Gemeinden. Innerhalb dieser Dörfer und Kleins tädte herrschte vollkommene Selbstverwaltung: der rabbinische Gerichtshof kümmerte sich maßgebend um bürgerliche und religiöse Angelegenheiten, die kahal (Gemeinde) zeichnete für Gemeindesachen verantwortlich und der Wá’ad (Synode) der vier Länder Groß- und Kleinpolen, Litauen und der polnischen Teile vertrat die allgemeinen jüdischen Interessen im Lande. Mit diesem Verwaltungssystem verfügten die Juden über weitestgehende Selbständigkeit und waren auf Kontakte mit dem übrigen Volk und dem Adel nicht unbedingt angewiesen 4 .
Im 17. Jahrhundert gab es auch auf slawischem Raum Massaker an Juden, was dazu führte, dass die Nachkommen der Flüchtlinge aus dem Westen nun zurück in den Westen flohen.
Im östlichen Raum entwickelte sich - aufgrund der Abschottung der Juden - große jüdische Kunst, Kultur und Wissenschaft. Ein großer Anteil der westlichen Juden hatte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einem Assimilationsprozess unterworfen, der sie zu jüdischen Deutschen machte, während sie ja vorher deutsche Juden waren. Großen Anteil daran hatte die Bibelübersetzung Moses Mendelssohns 5 .
4 LANDMANN, S.: ebda., S. 42.
5 ebda., S. 53.
6
Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges wurde nicht nur der größte Teil der Juden in Deutschland und Polen deportiert, ermordet und vertrieben, sondern es verschwand zugleich auch der Löwenanteil der jüdischen Kultur. Erhalten sind nur Fragmente, Ruinen und Relikte wie z.B. „Der Fiedler auf dem Dach“ („Anatewka“) von Scholem Alejchem. 6
6 Zahlen entnommen bei WEIßBERG, J.: ebda., S. 22f.
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Arbeit zitieren:
Juliane Weuffen, 2003, Der jüdische Witz, München, GRIN Verlag GmbH
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