Diese Arbeit trägt den Titel „Welterfassung/ Dokumentation - Exotische Souvenirs“. Was genau hat man sich darunter vorzustellen?
Mit „Welterfassung“ wird zum einen die Frage behandelt, wie die Menschen im Westen (Europa/ Amerika) Japan gesehen haben, welches Bild sie sich von dem exotischen, unbekannten Land gemacht haben und zum anderen welches Bild umgekehrt die Japaner von der westlichen Welt hatten?
Um sich ein Bild von einem Land machen zu können bedarf es eines Mediums - dieses ist in unserem Fall die Fotografie. Die Fotografie „dokumentiert“ die Zustände in den jeweiligen Ländern. Die Fotografie wird zumeist aus Japan als „exotisches Souvenir“ hinaus in den Westen getragen oder wie im Falle einer Fotosammlung des Tokugawa Bakufu aus dem Westen nach Japan hineingetragen. Allein durch das Medium der Fotografie können sich nun beide Kulturen ein Bild voneinander machen.
Der Inhalt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der frühen Fotografie in Japan Mitte des 19. Jahrhunderts. Hauptsächlich wird der Fotograf Felice Beato vorgestellt. Er kommt als Westler nach Japan und macht Aufnahmen von den Schönheiten des Landes - den Landschaften und den Menschen. Er verkauft diese Aufnahmen an Touristen aus Europa und Amerika und kommerzialisiert somit als einer der ersten die Fotografie in Japan. Desweiteren stellt sich die Frage, warum verkauft er so viele Bilder, dass er kaum noch mit der Produktion nachkommt?
Die starke Nachfrage nach solchen Fotografien resultiert aus der Vorstellung, welches die Westler von dem „Alten Japan“ haben. Das Interesse an der fernöstlichen Kultur Japans kommt in Europa und Amerika Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem aber durch die Farbholzschnitte - ukiyo-e - auf. Diese bewundern die Westler auf verschiedenen Weltausstellungen u.a. 1862 in London, 1867, 1889 in Paris usw., durch diese Weltausstellungen wird die Kunst des „Alten Japans“ den Westlern vorgestellt und löst den sogenannten Japonismus in der westlichen Welt aus.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Westliche Pioniere der Fotografie in Japan
1.1 Felice Beato – der Initiator der Yokohama-shashin
1.1.1 Vergleich der ukiyo-e zu den Yokohama-shashin
1.1.2 Das Verfahren des Kolorierens – eine Innovation
1.1.3 Die Vermarktung der Yokohama-shashin
1.2 Baron Raimund von Stillfried und Ratenitz und Kusakabe Kimbei
1.2.1 Unterschiede zwischen den Fotografien Beatos, Stillfrieds und Kimbeis
2. Sammlung des Tokugawa Bakufu des Nationalmuseums Tōkyō
Resümee
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie frühe Fotografie im Japan des 19. Jahrhunderts als Medium zur gegenseitigen Wahrnehmung zwischen der westlichen Welt und Japan diente, wobei insbesondere die Rolle von Felice Beato und die Kommerzialisierung durch „exotische Souvenirs“ analysiert wird.
- Die Entwicklung der frühen Fotografie in Japan unter westlichen Einflüssen.
- Die ästhetische und technische Verbindung von Fotografie und traditionellen ukiyo-e-Farbholzschnitten.
- Die Rolle der Handkolorierung als technisches Innovationsmerkmal der Yokohama-shashin.
- Die soziokulturelle Bedeutung des „Orientalismus“ in der Inszenierung und Vermarktung japanischer Motive.
- Die Funktion der Fotosammlung des Tokugawa Bakufu als Blick in die westliche Welt.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Das Verfahren des Kolorierens – eine Innovation
Charles Wirgman, der nicht nur Fotograf, sondern auch Maler ist hat die Idee den Fotos Felice Beatos Farbe zu verleihen. Dafür bevorzugt er recht transparente Farben, wie er sie in der traditionellen japanischen Malerei und bei Farbholzschnitten gesehen hat. Wirgmann überredet Beato japanische ukiyo-e-Maler für diese Tätigkeit des Kolorieren einzustellen, denn gerade diese ukiyo-e-Maler sind Meister ihres Faches und wissen mit der Farbe umzugehen. So verbindet Beato die traditionelle Malerei Japans mit der neuen Technologie des Westens – der Fotografie.
Die Arbeit eines solchen Koloristen hat man sich folgendermaßen vorzustellen:
Wie in Abbildung 24 sitzt der Künstler kniend auf dem Boden an einem Tisch, auf welchem sich die Fotos befinden. Diese sind fixiert durch einen Briefbeschwerer (bunchin)5. Auf dem Tisch befinden sich alle Handwerkzeuge, die der Künstler benötigt: die Pinsel (fude)6, die Tinten-Steine und kleine Behälter mit frisch gemischter Farbe.
Die Künstler kaufen die Pigmente und Farben in Puder- bzw. Granulatform, dabei kaufen sie diese in verschiedenen Granulatgrößen. Der Künstler muss nun das Granulat fein zerreiben und dann jedes Pigment, was er nutzen möchte mit einem Kleber (nikawa)7 in einer 2%-igen Lösung mischen. Diese Mischung wird üblicherweise mit dem Zeigefinger angerührt, obwohl einige der Pigmente z.B. das Gelb Bestandteile von Arsen enthalten. Die fertige Mischung der Farbe wird nun in kleine Keramik-Schälchen (ezara)8 gegeben (siehe Abb. 26).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der „Welterfassung“ durch das Medium der Fotografie und stellt die Forschungsfragen bezüglich des Japan-Bildes im Westen sowie der Kommerzialisierung japanischer Motive.
1. Westliche Pioniere der Fotografie in Japan: Dieses Kapitel widmet sich der Etablierung westlicher Fotografen in Japan und deren Einfluss auf die visuelle Dokumentation des Landes.
1.1 Felice Beato – der Initiator der Yokohama-shashin: Es wird die Pionierrolle von Felice Beato analysiert, der die Fotografie in Japan kommerzialisierte und ein Bildrepertoire für westliche Touristen schuf.
1.1.1 Vergleich der ukiyo-e zu den Yokohama-shashin: Das Kapitel untersucht die bildgeschichtlichen Parallelen zwischen traditionellen Farbholzschnitten und den späteren fotografischen Aufnahmen.
1.1.2 Das Verfahren des Kolorierens – eine Innovation: Hier wird die technische Neuerung der Handkolorierung beschrieben, bei der ehemalige ukiyo-e-Maler ihr Fachwissen in die Fotografie einbrachten.
1.1.3 Die Vermarktung der Yokohama-shashin: Das Kapitel beleuchtet den kommerziellen Aspekt, wie Fotografien gezielt als „exotische Souvenirs“ für westliche Reisende produziert und verpackt wurden.
1.2 Baron Raimund von Stillfried und Ratenitz und Kusakabe Kimbei: Die Arbeit setzt sich mit den Nachfolgern Beatos auseinander, die dessen Atelier übernahmen und die Tradition der Studiofotografie fortführten.
1.2.1 Unterschiede zwischen den Fotografien Beatos, Stillfrieds und Kimbeis: Es wird die stilistische Evolution und die individuelle Herangehensweise der drei Fotografen innerhalb der Studiofotografie verglichen.
2. Sammlung des Tokugawa Bakufu des Nationalmuseums Tōkyō: Dieses Kapitel stellt ein historisches Album vor, das dem japanischen Tokugawa Bakufu einen Einblick in die westliche Welt ermöglichte.
Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet die Yokohama-shashin kritisch in den theoretischen Kontext des Orientalismus nach Edward Said ein.
Schlüsselwörter
Yokohama-shashin, Felice Beato, ukiyo-e, Fotografie, Japan, Orientalismus, Handkolorierung, Studiofotografie, Tokugawa Bakufu, Kulturaustausch, Kolonialismus, Tourismus, Exotik, Bildtradition, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der frühen Fotografie in Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und deren Rolle als Medium zwischen den Kulturen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die kommerzielle Studiofotografie (Yokohama-shashin), die Technik der Handkolorierung, den Einfluss traditioneller japanischer Bildkünste wie ukiyo-e und die Rezeption des „Alten Japans“ im Westen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Japan durch Fotografien für westliche Betrachter als „exotisches Souvenir“ konstruiert wurde und wie diese Bilder gleichzeitig den Orientalismus jener Zeit widerspiegelten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Bildquellen, den Vergleich zwischen fotografischen und malerischen Traditionen sowie die Anwendung der Theorie des Orientalismus nach Edward Said.
Welcher Inhalt steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Arbeit von Felice Beato und dessen Nachfolgern sowie die Analyse eines historischen Fotoalbums des Tokugawa Bakufu, das den Japanern ein Bild der westlichen Welt vermittelte.
Welche Keywords charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Yokohama-shashin, Orientalismus, ukiyo-e, Felice Beato und interkulturelle Bildrezeption.
Was zeichnet die „Yokohama-shashin“ im Vergleich zur westlichen Studiofotografie aus?
Die Besonderheit liegt in der Synthese aus europäischer Kameratechnik und der handwerklichen Expertise ehemaliger ukiyo-e-Maler, die durch die Kolorierung den Bildern eine spezifisch japanische Ästhetik verliehen.
Welche Funktion erfüllte das Album des Tokugawa Bakufu?
Es diente als ein historisches Instrument, um den japanischen Eliten die geografische und kulturelle Vielfalt der westlichen Welt visuell näherzubringen.
- Quote paper
- Christina Reinhard (Author), 2004, Welterfassung - Dokumentation - Exotische Souvenirs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30450