Gliederung
Einleitung
1 Definition wichtiger Fachbegriffe
2 Formen der Versiegelung
3 Situation
3.1 Weltweit
3.2 Deutschland
3.3 Freistaat Thüringen
4 Folgen für den Naturhaushalt
5 Gesetzliche und planungsrechtliche Grundlagen
6 Entsiegelung von Flächen
Quellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Einleitung
Die flächenhafte Versiegelung steht neben anderen großen Umweltproblemen in Deutschland
wie Artensterben und Fremdstoffeinträge auf gleichem Rang Flächenversiegelungen
bewirken immer einen Eingriff in den Naturhaushalt mit erheblichen und nachhaltigen
Auswirkungen Der Hunger der hochentwickelten Gesellschaft nach Raum ist allgegenwärtig
wer mit offenen Augen durch die Städte und Länder streift trifft auf Aus- und Neubau von
Straßen Gewerbegebiete und neu geschaffenen Wohnraum Selbst die Deutsche Bahn lässt
ihren sehr innovativen Hochgeschwindigkeitszug (ICE) auf Betontrassen rasen Die Folgen
stellen sich wie so oft erst nach geraumer Zeit ein und spiegeln sich u a in den
Hochwasserereignissen letzterer Zeit wieder
Spannungsgeladen ist die Thematik sehr wie viele andere Themen im Naturschutz auch denn
eine Flächenversiegelung geht im Allgemeinen auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen
und einer Verbesserung des Wohlstandes einher Die Art und Weise der Planung hat auf die
Begrenzung des Landschaftsverbrauches den meisten Einfluss hierbei übt die
Konsensbereitschaft aller beteiligten Interessengruppen die Schlüsselfunktion aus
1 Definition wichtiger Fachbegriffe
Flächenversiegelung (Syn : Bodenversiegelung Bodenabdeckung)
Es werden unter diesem Fachterminus alle Arten der unnatürlichen Bodenabdeckung
verstanden Diese Flächen können in Versiegelungsstufen mit genau definiertem Grad der
Versiegelung differenziert werden Dies ist in Deutschland jedoch nicht einheitlich geregelt
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Entsiegelung Beschreibt den Versuch, naturnahe Bodenverhältnisse durch Entfernen des versiegelten Belages wiederherzustellen.
Versiegelungsgrad
Prozentualer Anteil der tatsächlich versiegelten Fläche an der Gesamtfläche in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Er hat eine Indikatorfunktion für alle Folgewirkungen der Versiegelung, z.B. Wasserregime, Vegetationsausstattung und Klima.
Abb. 1: Versiegelungsgrad
Quelle: SUKOPP, H., WITTIG, R.: Stadtökologie, Gustav Fischer Verlag Stuttgart, 1998
Landschaftsverbrauch (Syn.: Flächenverbrauch)
Als Landschaftsverbrauch bezeichnet man das Umwidmen von vormals naturnaher, land- und forstwirtschaftlich genutzter Fläche zu Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die stattfindende Nutzungsänderung geht meist mit Versiegelungen einher.
2 Formen der Versiegelung Die Literatur unterscheidet drei Formen und Intensitäten von Flächenversiegelung:
- Vollversiegelung, horizontal; alle wasserundurchlässigen Beläge ohne Bewuchs und Durchwurzelung mit einem Fugenanteil < 20 %, auch wassergebundene Deckschichten Beispiel: Straße mit Bitumendeckschicht Ergebnis: totale Unterbindung des Austausches zwischen Boden und Umwelt sowie Totalverlust als Lebensraum
- Teilversiegelung; Beläge mit durchwurzelbaren, teilweise bewachsenen und wasser- durchlässigen Fugen; Fugenanteil > 20 %, Kleinpflaster und Großpflaster mit Fuge < 3 cm Breite gehören nicht dazu Beispiel: Pflaster mit Fugen > 3 cm Breite, Schotterrasen und Rasengittersteine Ergebnis: gewisse Möglichkeit des Austausches zwischen Umwelt und Boden, beschränkter Lebensraum für Flora und Fauna
- Versiegelung, vertikal; vollständige Versiegelung unter Flur Beispiel: Tiefgarage oder U-Bahn
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Ergebnis: oberflächig bleibt der Lebensraum begrenzt erhalten, der intensive Austausch des Bodens mit seiner Umwelt ist jedoch gestört, z.B. Trennung des Wasserdurchzuges
3 Situation Global betrachtet war die versiegelte Fläche noch nie so groß wie heute. Flächenversiegelung begegnet dem modernen Menschen auf Schritt und Tritt. Denn er hält sich die meiste Zeit seines Lebens in Gebäuden, auf Straßen, Gehwegen, Parkplätzen und sonstigen versiegelten Freiflächen auf. Der Lebensstil, der wachsende Wohlstand und die Steuerpolitik sind Motor für eine schnell voranschreitende „Befestigung unserer Umwelt“.
Die Angaben der tatsächlich versiegelten Flächengröße sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt, sie bewegen sich jedoch in einem relativ engen Rahmen. Folgend sind exemplarisch einige Werte aufgeführt.
3.1 Weltweit Je höher eine Gesellschaft entwickelt ist, desto mehr versiegelte Fläche produziert sie. In den „westlichen“ Industrienationen begegnet man daher prinzipiell einem höheren Grad der Versiegelung als in wirtschaftlich schwächeren Ländern. Dennoch legen auch einige dieser schwächeren Staaten, z.B. China und Indien, durch ihr enormes Wachstum in Zukunft kräftig zu. England kann hier als positives Beispiel angeführt werden, es setzt vehement auf die Innenentwicklung der Städte und Ballungszentren durch gekonnte Umnutzung von Brachen. Weiterhin zeichnet sich ein gewisser Zusammenhang zwischen Siedlungsintensität und Grad der Versiegelung ab. Als Beleg dient hier der Vergleich USA mit Deutschland anhand der versiegelten Fläche, die jedem Einwohner statistisch frei steht. Ein Bürger kann sich in den
USA auf 1.300 m 2 „ausbreiten“, ein Bundesbürger muss sich mit lediglich 325 m 2 begnügen.
Eine Korrelation von Versiegelungsintensität und Bevölkerungswachstum hingegen ist nicht festzustellen.
Besonders entlang der Küstenzonen ( Mittelmeer) und an moderner Infrastruktur (Autobahnen) gibt es „Ballungsräume“ der Flächenversiegelung.
3.2 Bundesrepublik Deutschland In Deutschland sinkt in den letzten Jahren der Flächenverbrauch ab dem Jahr 2000, davor lag er bei täglich 129 ha (vgl. BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG, 2001), dennoch befindet er sich auf hohem Niveau. Heute wird in Fachkreisen von 105 ha/Tag (vgl. BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG, 2003) oder von 117 ha/Tag (vgl. LÖBF-MITTEILUNGEN 4/03) gesprochen. Für diese Entwicklung wird die schwache Konjunktur, besonders in der Baubranche, verantwortlich gemacht. Dies sind täglich zwischen 77 und 87 Fußballfelder (105 m x 70 m) und auf ein Jahr hoch- gerechnet beachtliche 44.515 ha Fläche (gemittelt). Folglich summiert sich diese Fläche jährlich mit der schon bundesweit versiegelten Fläche von 4.393.895 ha. Somit gelten ca. 12 % der Bodenfläche Deutschlands als nachhaltig versiegelt, dass entspricht annähernd der Fläche des Landes Niedersachsen mit 4.761.571 ha.
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Thomas Haenisch, 2004, Flächenversiegelung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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