Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Phänomen der Fremddarstellung und -wahrnehmung 2
3. Wissenschaftlichkeit in der ethnologischen Forschung 3
4. Beispiele für Quellen der Fremddarstellung 5
4.1 Kulturabhängige Begriffsdefinitionen 5
4.2 Fotografische Darstellungen 6
4.3 Wissenschaftliche Marktanalyse 9
4.4 Fremd darstellende Formulierungen in den Medien 10
5. Schlussbemerkungen 14
6. Bibliographie 16
II
1. Einleitung
[Es] zeigen alle Studien dieselbe generelle Linie:
Wahrnehmung wird von der Kultur beeinflusst.
(Brauen 1982: 89) Die Ethnologie ist eine interkulturell arbeitende Wissenschaft. Zugehörige der einen Kultur treten in eine andere ein, um das Leben und die Vorstellungen vom Leben ihrer Zugehörigen zu erfassen. Wenn Brauen mit seiner Aussage recht hat, dann bedeutet das, dass Zugehörige verschiedener Kulturen auch verschieden wahrnehmen. Auch heißt es, und dies ist für die ethnologische Forschung von entscheidender Bedeutung, dass ein Zugehöriger der einen Kultur die Kultur eines anderen nicht genauso wahrnehmen kann, wie der, der ihr tatsächlich angehört.
Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die aus dieser Problematik resultierenden Schwierigkeit objektiver Arbeit in der Ethnologie geben. Hierfür werde ich die Art wissenschaftlich- ethnologischer Forschung von der naturwissenschaftlicher Art abgrenzen und die entscheidenden Unterschiede aufzeigen. Weiterhin sollen mehrere Faktoren skizziert werden, die den Einzug gravierender Subjektivität in die Forschungsergebnisse der Ethnologie z ulassen. In diesem Zusammenhang erlangt das Phänomen der Fremddarstellung große Wichtigkeit als ein Ergebnis von bzw. Ursache für das Entstehen von Subjektivität; seine Bedeutung für die einzelnen Faktoren werde ich jeweils erläutern.
Die von mir angeführten Beispiele sind weder geographisch noch kulturell beschränkt; jedoch rücken die Ausführungen den afrikanischen Kontinent und insbesondere Markt und Handel in Afrika mehrmals in den Mittelpunkt.
Die Arbeit soll auf das Phänomen der Fremddarstellung aufmerksam machen und auf die Notwendigkeit sorgfältiger Quellenkritik und relativen Denkens hinweisen.
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2. Das Phänomen der Fremddarstellung und -wahrnehmung Fremdwahrnehmung und Fremddarstellung gibt es überall dort, wo es Menschen gibt.
Ethnozentrismus i st das menschliche Normalverhalten; was uns die
,Heiden‘ und ,Primitiven‘, das waren den alten Griechen die ,Barbaren‘, den Moslems die ,Ungläubigen‘, den Chinesen die ,Langnasen‘ und den Japanern die ,glotzäugigen Südbarbaren‘. (Reinhard 1989: 6, Hervorhebungen übernommen) Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich die Begriffe definieren als eine der aus Sicht der Beobachteten ,tatsächlichen‘ Realität fremden, also nicht mit ihr übereinstimmenden, Darstellung bzw. Wahrnehmung eben dieser Realität. Die beiden Begriffe, oder auch ,Ethnozentrismus‘, wie Reinhard es nennt, stellen eine große Problematik der ethnologischen Forschung dar. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die fremde Kultur, die von den Ethnologen wahrgenommen und schließlich dargestellt wird. Die Erfassung des Fremden jedoch ist als weit komplexerer Vorgang zu sehen als die einfache Produktion von Daten zwecks Füllung einer Wissenslücke. Denn
[...] am Anfang des Zusammentreffens steht die gegenseitige
Wahrnehmung, die natürlich ihrerseits kulturell geprägt und, wie selbstverständlich unterstellt wird, beeinträchtigt ist. (Reinhard 1989: 5) So erfordert das Verstehen des Fremden das Verstehen eines gesamten fremden Vorstellungssystems. Dies bedeutet, dass selbst ein winziger Teilbereich einer fremden Kultur nur dann erfasst werden kann, wenn diese Kultur in ihrer Gesamtheit und sämtlichen Einzelheiten begriffen wurde. Eben dieser aufwendige – aber durchaus notwendige! – Prozess birgt die Gefahr, dass der Ethnologe fremd darstellende Forschungsergebnisse liefert. Dies kann geschehen, weil er entweder die entsprechende Kultur nicht tatsächlich ,verstanden‘, also bereits selbst fremd wahrgenommen hat, oder nicht sämtliche Teilbereiche genügend erforscht hat. Auch kann es passieren, dass er in seinen schriftlichen Ausführungen seiner durchaus relevanten Daten den Fehler begeht, sie für diejenigen, die mit den Vorstellungen der erforschten Kultur nicht vertraut sind, in einer Art und Weise festzuhalten, dass sie trotz
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Korrektheit fremd wahrgenommen werden, also ganz einfach falsch verstanden werden.
Eine Aufgabe der Ethnologie ist es aber fremde Kulturen in ihrer Gesamtheit zu erforschen und mit möglichst hoher Objektivität darzulegen. Wie ich auch unter Punkt 3 erläutern werde, ist diese Objektivität jedoch immer in Frage zu stellen und zu einem gewissen – sicherlich stark divergierenden – Grad von subjektiver Datenproduktion in der Ethnologie auszugehen, schon einfach aus dem Grunde, dass jede Kultur so komplex ist, dass sie niemals komplett wissenschaftlich erfasst werden kann. Diese subjektive Datenproduktion – ob nun aus der Ethnologie oder aus anderen Wissenschaften hervorgehend – ist auch als Fremddarstellung zu bezeichnen.
Fremd darstellende Informationen lassen die entsprechenden Rezipienten ein Thema auch fremd wahrnehmen. Anders herum kann auch die Fremdwahrnehmung des Ethnologen zu einer Fremddarstellung der Umstände führen. So stehen Fremddarstellung und -wahrnehmung in einem engen Zusammenhang.
3. Wissenschaftlichkeit in der ethnologischen Forschung
Zunächst gilt es die Frage zu beantworten, in wie fern die in der Ethnologie erhobenen Daten die Anforderungen wissenschaftlicher Objektivität erfüllen können. Hermann Amborn beschreibt, dass lange Zeit die Auffassung geherrscht habe, die Ethnologie habe „[...] ähnlich zu arbeiten wie die Naturwissenschaften”, so dass „[...] ethnographische Daten als Fakten behandelt [...]” werden sollten (Amborn 1993: 17). Jedoch unterscheiden sich die Arbeitsbereiche und -methoden der Naturwissenschaften und der Ethnologie grundlegend voneinander. So befassen sich die Naturwissenschaften hauptsächlich mit dem Mikro- bzw. Makrokosmos des Lebens und bewegen sich somit in kulturlosem Raum. Weiterhin basiert ihre Arbeit neben der Beobachtung sehr stark auf – wohlgemerkt immer wiederholbaren und somit auf ihre Richtigkeit überprüfbaren – Experimenten. Ganz anders verhält es sich in der Ethnologie, die sich auf der Ebene des Mesokosmos mit dem alltäglichen Leben des Menschen befasst und durch persönliche Teilnahme am Alltag
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Sarah Wessel, 2004, Das Problem der Fremddarstellung und der Fremdwahrnehmung und deren Konsequenzen für die Ethnologie am Beispiel Afrika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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