Das Gotische Seite - 2 -
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Herkunft und Geschichte des Gotischen Seite 3-5
3. Die Sprache der Goten Seite 5-6
3.1 Phonetischer Überblick Seite 6-8
3.2 Morphologischer Überblick Seite 9-13
4. Ursprung und Entwicklung des Gotischen Seite 13-15
5. Die Verwandtschaft zum Germanischen Seite 15-16
5.1 Verhältnis zum Nordgermanisch Nordseegermanisch Seite 16-17
5.2 Verhältnis zum Westgermanisch Seite 18-19
6. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung Seite 19-20
7. Literaturverzeichnis Seite 21
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Das Gotische
1. Einleitung
Als der gotische Bischof Wulfila im 4. Jh. die Bibel ins Gotische übersetzte, war sein Anliegen, eine Übersetzung zu schaffen, die von Goten gelesen werden konnte. Er erreichte aber wesentlich mehr, da ein großer Teil der Abschriften erhalten ist und dadurch das Gotische für die Nachwelt gesichert und rekonstruierbar gemacht wurde. Das Gotische ist so zur ältesten, überlieferten germanischen Sprache geworden. Wie aber ist diese Sprache beschaffen, welche Eigenschaften besitzt sie und gibt es eine Verwandtschaft zu anderen Sprachen?
In der Auseinandersetzung mit dem Gotischen als Sprache soll zu erst die Herkunft und die Geschichte des Volkes der Goten beschrieben werden, da die Entwicklung einer Sprache mit der Genese und der geographischen Verbreitung eines Volkes zusammenhängt. Auch wird auf diese Weise die Verwandtschaft des Gotischen zu anderen germanischen Sprachen transparenter, wie auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auf die ebenfalls in einem Kapitel eingegangen wird, leichter zu erklären sind. In einem anschließenden Kapitel wird die Entstehung des gotischen Sprachgutes als eigenständige Sprache beleuchtet.
Im weiteren werden die wesentlichsten grammatischen Aspekte des Gotischen vorgestellt. Durch Analyse der phonetischen und morphologischen Besonderheiten des Gotischen wird die grammatische Struktur dieser Sprache deutlich. Ausgewählte Beispiele unterstreichen und vergleichen deren Merkmale mit dem grammatischen System anderer Sprachen. Zunächst aber soll ein Blick auf das Volk der Goten und ihre Geschichte geworfen werden.
2. Herkunft und Geschichte der Goten
Die Goten gelten heute als ein zu den Ostgermanen gehörender Volksverband. Dazu zählen unter anderen die Rugier, Burgunder und Vandalen. Ihr Ursprung und ihre geographische Herkunft ist nicht gesichert. Neigten wissenschaftliche Werke und die Historiker bis vor einigen Jahren ausschließlich
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dazu, Skandinavien als Stammland der Goten aufzuführen, so wird diese These in heutiger Zeit zunehmend in Frage gestellt.
Einen Beweis für die skandinavische Abstammung durch Berufung auf antike Quellen zu liefern, ist wissenschaftlich sehr problematisch. Denn [...] „für die antiken Ethnographen existierte ein Volk erst, wenn es in den Gesichtskreis der zivilisierten Welt getreten war.
Dazu kommt, daß die Autoren die ihnen zugänglichen Informationen heranzogen, ohne nach
Zeit und Ort zu differenzieren oder viel nach Veränderungen zu fragen.“ 1 Auch durch archäologische Funde konnte bis dato noch kein gesicherter Aufschluß über den Ursprung des gotischen Volkes gegeben werden.
Heute neigen die Forscher eher dazu, die Goten als einen Kontinentalstamm zu betrachten. Vergleichbar wie bei den Kelten, bewegten sich die Goten, bedingt durch die transatlantische
Wanderung, vom Westen in den Osten. 2 Die Geschichtsschreibung der „zivilisierten Welt“ erwähnt ein zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert n. Chr. an der Mündung von Oder und Weichsel siedelndes Volk, daß als „Gutonen“ bezeichnet wird. Tacitus zählte dieses Volk zu den germanischen Oststämmen. Ab diesem Zeitraum ist deren weiteres Schicksal besser zu fassen und nachzuvollziehen. Zwischen 150 bis 200 n. Chr. stieß der Volksverband weiter nach Südosten vor. Auf ihren Zügen assimilierten die Goten zahlreiche fremde Völkerschaften, teils durch Unterwerfung, teils durch friedliche Integration. Als Beispiel sei das Volk der Skythen genannt, ein Reitervolk im
eurasischen Steppenland. 3 Um 200 n. Chr. trennte sich das gotische Volk in zwei Teile, die uns heute als West- und Ostgoten geläufig sind. Der Volksteil, welcher in Richtung Osten zog und nördlich des schwarzen Meeres siedelte, trug zu dieser Zeit die Bezeichnung „Greutungi“ oder „Ostrogothi“. Der Teil der Goten, der sich durch das heutige Rumänien bewegte und nördlich der Donau siedelte, hieß „Tervingi“ oder „Vesi“. „ Die Terwingen sind die „Waldleute“, die Greutungen die „Steppen- und Strandbewohner“. Dagegen bedeutet der Name der Vesier die „Goten, Edlen“, der der Ostrogothen „ die glänzenden oder Sonnenaufgangs-Goten“.
Das Gegensatzpaar Greutungen-Terwingen besteht aus landschaftsgebundenen
Fremdbezeichnungen. Das Paar Ostrogothen-Vesier sind prunkende Selbstbezeichnungen.“ 4
1 Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte, München 2001, S. 14
2
Vgl.
3 Vgl. ebd.
4 Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte, München 2001, S. 35.
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Genauso unterschiedlich wie die Namen dieser von nun an getrennt agierenden Stammeseinheiten ist auch ihre Biographie. Die Ostgoten, welche im Bereich der Krim siedelten, wurden ungefähr im Jahre 375 n. Chr. von den Hunnen unterworfen und in deren Verband integriert. Nach Attilas Tod ließen sich die Goten in Pannonien nieder und gründeten später das Ostgotenreich in Italien, welches bis zum Jahre 553 n. Chr. bestehen sollte. Interessant war die Rolle der gotischen Sprache.
War sie bis Mitte des sechsten Jahrhunderts die Sprache der Herrscher in Italien, so besaß das Gotische, „[...] im vielsprachigen Lager Attilas den Rang einer lingua franca, „sprechen doch die Skythen, ein buntes Völkergemisch, neben ihrem eigenen Dialekt entweder hunnisch,
gotisch oder auch lateinisch“ (Priscus frag. 8=11, 2, Blockley).“ 5 Nachdem die Westgoten ihren Siedlungsbereich im Donaugebiet in Richtung Griechenland verlassen hatten, wurden sie in den Jahren 380/382 durch die Gotenverträge in das römische Reich aufgenommen. Im Jahre 410 n. Chr. eroberten sie Rom und zogen nach der Plünderung der Stadt weiter in Richtung Westen. Dort hielt sich das Tolosanische Westgotenreich (in Aquitanien und Westspanien) bis zum Jahre 507 n. Chr., das Westgotenreich in Spanien bis zum Jahre 711. Chr. Die Goten selbst sollten von nun an in anderen Völkern aufgehen. Die gallischen Goten wurden anerkannte Angehörige des Frankenreiches. Der gotische Adel spielte eine wichtige Rolle am Hofe des Karolinger, vor allem unter der Herrschaft Ludwig des Frommen. Unter anderem war der Gote Vitiza, welcher uns als Benedikt von Aniane geläufig ist, der zweite Gründer des
benediktinischen Mönchtums. 6 Mit dem Ende der Gotenreiche verschwand auch die gotische Sprache zunehmend als eigene Sprache, auch wenn bis ins 18 Jh. auf der Krim eine gotisch versetzte Sprache gesprochen wurde. Im 16 Jh. zeichnete der flämische Diplomat OGIER GHISELIN DE BUSBECQ, bei einem Krimaufenthalt mindestens 86 Wörter dieser Sprache auf, wodurch Elemente
des Krimgotischen überliefert werden konnten. 7 Wie gestaltete sich nun das Gotische als Sprache, was waren seine Eigenheiten und Spracheigenschaften?
5 Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte, München 2001, S. 60.
6 Vgl. ebd., S. 118.
7 Vgl. Petra M. Vogel, Minimalgrammatik des Gotischen, Göppingen 1995, S. 21.
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3. Die Sprache der Goten
Befaßt man sich mit der gotischen Sprache, so gilt es auch, den gotischen Bischofs Wulfila, welcher von 311 bis 383 n. Chr. Lebte, zu erwähnen. Dieser, gebildet im Gotischen, Lateinischen und Griechischen, übersetzte die Bibel aus der griechischen in die gotische Sprache. Er bediente sich dabei eines eigens von ihm entwickelten Schriftsystems, welches sich aus griechischen und gotischen Zeichen zusammensetzt. Die Erforschung der gotischen Sprache basiert zum größten Teil auf den erhaltenen Handschriften dieser Übersetzung und ihrer Abschriften.
Durch Wulfilas Übersetzungsarbeit, „[...] ist das Gotische die älteste literarisch bezeugte germanische Sprache und daher auch als Vergleichsgröße für die Rekonstruktion der
Vorgeschichte der deutschen Sprache von größtem Interesse.“ 8 Weitere, für die Forschung relevante Überlieferungsträger des Gotischen sind die 86 Wörter des Krimgotischen, die von de Busbecq aufgezeichnet und 1589 in Paris veröffentlicht wurden, sowie eine teilweise erhaltene Erläuterung des Johannes Evangeliums, die im Vatikan aufbewahrt wird. Durch diese Schriftstücke konnte man einen großen Überblick über die Struktur, Grammatik bis hin zur Aussprache des Gotischen gewinnen.
Im folgenden Überblick werden die wichtigsten Eigenheiten und Besonderheiten dieser Sprache dargestellt.
3.1 Phonetischer Überblick
Da davon auszugehen ist, daß die Aussprache von Region zu Region sehr unterschiedlich war, beziehen sich die hier dargestellten Beispiele hauptsächlich aus den Erkenntnissen, die aus Wulfilas Werk gewonnen wurden.
Die gotische Schrift bestand aus den für germanische Sprachen üblichen Runenzeichen, denen
Wulfila in seiner Übersetzung Lautwerte zuordnete: 9
8
9 in Anlehnung an: Wilhelm Braune/Ernst Ebbinghaus, Go tische Grammatik, Tübingen 1981, S. 14.
Quote paper:
Dominik Petko, 2003, Das Gotische, Munich, GRIN Publishing GmbH
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