In dieser Hausarbeit wird der Fragestellung nachgegangen, weshalb der Persönlichkeit Theoderichs des Großen im Mittelalter so viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde und inwiefern er deshalb als historische Figur im kollektiven Gedächtnis blieb.
In einem Kapitel wird über das spektakuläre Leben des Theoderich berichtet.
Gegensätzliche Darstellungen seiner Person aus byzantinischer und römischer Perspektive erklären die Bedeutung seiner facettenreichen Persönlichkeit.
Ein Schwerpunkt bildet die Thematik des "Herrscherideals". Letztendlich lebt seine Person in der historischen Dichtung der Dietrichsepen bis in die Neuzeit fort.
In der Tradition existierte von Anfang an ein zweigeteiltes von Symphathie und Antipathie geprägtes Theoderichbild, welches eine mögliche Erklärung der Faszination seiner Persönlichkeit ausmachen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Typische und bedeutende Kriterien für einen Herrscher im Mittelalter
2.1. Entsprach Theoderich dem Herrscherideal?
2.2. Biographie des Ostgotenkönigs
3. Bedeutungszuweisung der facettenreichen Persönlichkeit Theoderich des großen frühmittelalterlicher literaler Geschichtsschreiber
3.1. Die ambivalente Darstellung aus byzantinischer Perspektive
3.2. Verherrlichung aus römischer Sicht – Cassiodor und Jordanis
3.3. Die Tradition des negativen Theoderich-Bildes – Papst Gregor der Große
4. Darstellung Theoderichs in der lateinisch-gelehrten Geschichtsschreibung – klerikale Perspektive
4.1. Reichsfürst und Bischof Otto von Freising und seine Weltchronik im 12. Jahrhundert
4.1.1. Unrechtmäßige Herrschaft?
4.1.2. Theoderichs Heiratspolitik
4.1.3. Religionszugehörigkeit
5. Dichtung als eine Form der historischen Überlieferung – Theoderich als Held in den Dietrichsepen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum Theoderich der Große im Mittelalter eine solch außergewöhnliche Aufmerksamkeit erfuhr und inwiefern diese Diskrepanz in der Bewertung – vom idealisierten Herrscher bis hin zum Tyrannen – seine Figur dauerhaft im kollektiven Gedächtnis verankert hat.
- Wandel des Theoderich-Bildes in unterschiedlichen Quellen (byzantinisch, römisch, klerikal)
- Einfluss des mittelalterlichen Herrscherideals auf die historische Wahrnehmung
- Darstellung Theoderichs in der Weltchronik des Otto von Freising
- Die literarische Transformation des Herrschers in den Dietrichsepen
- Konfliktlinien zwischen arianischem Glauben und katholischer Geschichtsschreibung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die ambivalente Darstellung aus byzantinischer Perspektive
Malchos von Philadelphia stammte aus Palästina und beschrieb als Erster in seinem fragmentarisch erhaltenenen Werk Byzantiaka die Person Theoderichs. Es ist eine zeitgenössische Darstellung der politischen Verhältnisse Ende des 5. Jahrhunderts. Sein Thema im Vordergrund ist die Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Kaiser von Byzanz Zeno, Theoderich Strabo und Theoderich (der Große als Ostgotenführer) als Konkurrenten im politischen Wechselspiel. Theoderich erscheint im Fragment eher als Opfer und Malchos gesteht im eine besondere Rolle zu. Tendenziell beschreibt er ein positives Bild – nennt ihn aber auch Barbar, da er im Konflikt mit Zeno mit Raubzügen reagiert. Malchos hat aber auch Verständnis für sein Verhalten, da Versöhnungsversuche mit Zeno seitens Theoderich vorhanden waren. Seine Charakterisierung Theoderichs ist ambivalent, da Malchos ihn für klug und fähig hält, aber auch für gefährlich und gerissen, wenn er für jemand Feind ist. Bei späteren Geschichtsschreibern wandelte sich das Theoderich-Bild in der Wahrnehmung und Bewertung. Marcellinus Comes und Johannes von Antiochien vermitteln ein ausgesprochen negatives Bild von Theoderich. Verdienste seinerseits werden völlig ausgeblendet und es scheint so, als würden sie absichtlich nur seine unrühmlichen Taten und Ereignisse darstellen wollen. Sie charakterisieren ihn rachsüchtig, treulos und undankbar gegenüber des oströmischen Kaisers Zeno.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Faszination für Theoderich den Großen und stellt die Forschungsfrage nach seiner Bedeutung für das kollektive Gedächtnis sowie die Erwartungshaltungen an Herrscher jener Zeit.
2. Typische und bedeutende Kriterien für einen Herrscher im Mittelalter: Dieses Kapitel definiert das mittelalterliche Herrscherideal, das stark von christlichen Werten, Gottesgnadentum und der Rolle als Garant für Rechtsordnungen geprägt war.
3. Bedeutungszuweisung der facettenreichen Persönlichkeit Theoderich des großen frühmittelalterlicher literaler Geschichtsschreiber: Hier werden die unterschiedlichen Überlieferungsstränge analysiert, wobei die byzantinische Ambivalenz sowie die römische Verherrlichung durch Cassiodor und Jordanis gegenüber der klerikalen Kritik durch Papst Gregor den Großen abgewogen werden.
4. Darstellung Theoderichs in der lateinisch-gelehrten Geschichtsschreibung – klerikale Perspektive: Der Fokus liegt auf der negativen Rezeption durch Kleriker, wobei insbesondere Otto von Freisings Weltchronik als Fallbeispiel für eine moralisch-religiöse Bewertung des Herrschers dient.
5. Dichtung als eine Form der historischen Überlieferung – Theoderich als Held in den Dietrichsepen: Dieses Kapitel zeigt den Übergang von der Historiographie zur Dichtung, in der Theoderich als Dietrich von Bern zu einem leidenden und treuen Helden der Sagenwelt umgedeutet wird.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Theoderich kein konstantes Bild hinterließ, sondern gerade durch seine Widersprüchlichkeit und die zweigeteilte Wahrnehmung zwischen Sympathie und Antipathie bis heute im historischen Diskurs präsent geblieben ist.
Schlüsselwörter
Theoderich der Große, Mittelalter, Ostgotenreich, Geschichtsschreibung, Otto von Freising, Dietrich von Bern, Herrscherideal, kollektives Gedächtnis, Arianismus, Weltchronik, Heldenepik, Cassiodor, Byzanz, Papst Gregor der Große, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem historischen Bild Theoderichs des Großen im Mittelalter und untersucht, wie und warum sich die Wahrnehmung seiner Person in verschiedenen Quellen und Epochen so drastisch wandelte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel von Herrscheridealen, die Rolle der Geschichtsschreibung als Instrument der Deutungshoheit, die Bedeutung religiöser Konfessionen für die Bewertung von Herrschern sowie die literarische Umgestaltung historischer Figuren in Sagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum Theoderich der Große trotz seiner arianischen Konfession und der teilweise negativen klerikalen Kritik nicht aus dem historischen Bewusstsein verschwand, sondern als ambivalente Figur in der Tradition verblieb.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse von historischen Chroniken, literarischen Epen des Mittelalters sowie zeitgenössischen Darstellungen und setzt diese in den Kontext der jeweiligen Entstehungszeit und politischen Interessen der Schreiber.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Quellenlage: von byzantinischen Chronisten über die römische Sicht Cassiodors bis hin zur klerikalen Kritik durch Otto von Freising und der abschließenden Betrachtung Theoderichs als Dietrich von Bern in der heldenhaften Dichtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Theoderich der Große, Geschichtsschreibung, Herrscherideal, Dietrich von Bern, kollektives Gedächtnis und die Rolle der Religion im Mittelalter.
Warum wird Theoderich bei Otto von Freising negativ dargestellt?
Otto von Freising, als Kleriker und Reichsbischof seiner Zeit verhaftet, bewertete Theoderich nach den religiösen Maßstäben des 12. Jahrhunderts, wobei er den arianischen Glauben und die vermeintliche Usurpation des römischen Kaisertums scharf kritisierte.
Inwiefern unterscheidet sich die literarische Darstellung in den Dietrichsepen von der Geschichtsschreibung?
Während die gelehrte Geschichtsschreibung Theoderich oft als umstrittenen Herrscher oder Papstmörder zeichnet, wird er in der Dichtung als Dietrich von Bern zum idealisierten, leidenden Helden stilisiert, dessen Geschichte der persönlichen Identifikation und Unterhaltung diente.
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- Claudia Stosik (Author), 2010, Theoderich der Große und sein Bild im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306325