Gliederung
0. Einleitung
1. Ziel der Übersetzung
2. Probleme beim Übersetzen
2.1 Die Kultursphäre
2.2 Beispiele für kulturbezogene Elemente
2.2.1 Farben
2.2.2 Die Sprache
2.2.3 Maßsysteme
2.2.4 Uhrzeiten
2.3 Die so genannten unübersetzbaren Wörter
2.4 Das Spiel mit der Sprache
2.4.1 Homonyme
2.4.2 Synomyme
2.4.3 Homophone
2.4.4 Sprechende Namen
2.4.5 Syntaktische Mehrdeutigkeit
2.4.6 Metaphern
2.4.7 Wortschöpfung
2.4.8 Dialekte
2.4.9 Alliteration
2.4.10 Reim
3. Anforderungen an eine gute Übersetzung
3.1 Hierarchie der Textfunktionen
3.2 Die doppelte Bindung
3.3 Textänderungen
4. Schlusswort und Ausblick
Bibliographie
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0. Einleitung
Als Leser eines in die eigene Muttersprache übersetzten Textes geht man davon aus, dass diese Version ein Äquivalent zum Originaltext darstellt. Doch inwieweit ist eine solche Annahme berechtigt? Wie nah kann eine ideale Übersetzung an das entsprechende Original heranreichen? Ist jeder Text aus einer beliebigen Sprache in eine andere beliebige Sprache übertragbar oder müssen Abweichungen stets in Kauf genommen und als unausweichlich angesehen werden?
Diese Arbeit wird sich mit diesen Fragen beschäftigen und wird häufige Probleme und deren Lösungsansätze besprechen. Die angeführten Beispiele stammen aus verschiedenen fiktionalen Texten.
1. Ziel der Übersetzung
Das Anfertigen einer Übersetzung bedeutet das Übertragen der Sprache und des kulturellen Hintergrundes. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Übersetzung eines fiktiven Textes wie ein Originalwerk der eigenen Nationalliteratur wirken oder charakteristische Züge der fremden Literatur und Kultur vermitteln soll. Dies ist abhängig vom Verhältnis der beiden Kultursphären und von der zeitgenössischen kulturellen Situation. Die informative Funktion der Übersetzung ist in der Regel umso stärker je entlegener die Originalliteratur ist. Je mehr offensichtliche Unterschiede beide Kulturen aufweisen, desto schwieriger wird es, diese Unterschiede zu kaschieren und die Übersetzung wie ein Original wirken zu lassen und desto stärker muss der Text durch zusätzliche Erklärungen der Empfängerseite angepasst werden. (vgl. Levý 1969:74f.) Übersetzungsungenauigkeiten bei technischen Texten, wie zum Beispiel Gebrauchsanweisungen, können mitunter weitreichende praktische Folgen haben. Ein solcher Text wurde geschrieben, um Handlungsanweisungen zu geben und zeichnet sich durch eine besondere Adressatengerichtetheit aus. Die Verantwortung des Übersetzers bezieht sich auf Sache, auf die Wirklichkeit des Textes. Vieldeutigkeiten sind deshalb bei Sach-und Fachtexten zu vermeiden. (vgl. Koller 1997:276f.) Anders verhält es sich bei poetischen Texten, bei denen es primär nicht um die Wiedergabe des Inhalts, sondern um die Wiedergabe oder Rekonstruktion der sprachlichen Form geht. Künstlerisch-schöpferisches Übersetzen bedeutet das Bemühen um eine ästhetisch äquivalente und stilistisch adäquate zielsprachliche Lösung. Meist ist dies nicht durch eine wörtliche Übersetzung realisierbar, so dass der Übersetzer auf die Möglichkeiten der Kompensation zurückgreifen muss.
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2. Probleme beim Übersetzen
2.1 Die Kultursphäre
Die Bestandteile des kulturellen Systems sind sehr vielfältig und reichen von der Geographie und der Flora und Fauna über Technik, Architektur und dem Rechtssystem bis hin zu allen Arten von gesellschaftlichen Konventionen. Es sind sozial-ökonomische und kulturelle Erscheinungen und Einrichtungen, die typisch für eine bestimmte Kultur sind. Diese kulturspezifischen Elemente dürfen nicht losgelöst vom Text betrachtet werden, denn sie erfüllen eine bestimmte Funktion. Im fiktionalen Text dienen sie als Bezug zur realen Welt. Um sie adäquat übersetzen zu können, bedarf es einer Interpretation der Symbole.
Jeder Text ist in einer Kultur verankert. Die Aufgabe des Übersetzers ist es, die kommunikative Differenz zwischen den Kulturen zu überbrücken. (vgl. Koller 1997:59f.) Besonders schwierig gestaltet sich das bei Übersetzungen, bei denen sich die empfängerseitigen Bedingungen stark von denen der Ausgangssprache unterscheiden, wie z.B. deutsch - chinesisch. Innerhalb Europas findet man einen ähnlichen Geist, ähnliche Vorstellungen und einen ähnlichen Sprachbau. Doch bei Übersetzungen zwischen deutlich verschiedenen Kulturen müssen der sprachliche Kontext, andere sprachlich-stilistische Mittel, das andere Textuniversum, die andere sozio-kulturelle Situation und die unterschiedlichen Wissensvoraussetzungen stärker berücksichtigt werden. Was im Ausgangstext bestimmte Assoziationen hervorruft und als selbstverständliche Voraussetzung des Alltagslebens angesehen werden kann, kann der Zielkultur völlig fremd sein. (vgl. Koller 1997:109) Doch auch bei einem geringen Abstand von Ausgangs- zu Zielkultur können Übersetzungsschwierigkeiten entstehen, gerade weil sie so eng zu sein scheinen. Wenn dem Leser der Übersetzung etwas entgehen würde, was ursprünglich enthalten war, muss dieser Verlust durch Erläuterungen oder Andeutungen ausgeglichen werden. In Stendhals Roman Le Rouge et le Noir werden einige Figuren dadurch charakterisiert, dass sie eine bestimmte Zeitung lesen. In der Übersetzung geht dieser Gedanke verloren, da die typisierende Anspielung nicht verstanden wird. Dieses Problem kann am besten durch geschicktes Einflechten einer Erläuterung gelöst werden, z.B. er bezieht den liberalen Constitutionel. (vgl. Levý 1969:97f.) Erwartungsnormen, in die der Originaltext eingebettet ist, können in der Übersetzung störend wirken. An solchen Stellen greifen die Übersetzer in den ursprünglichen Text ein, um den Lesererwartungen gerecht zu werden. Eventuell lassen sie Textstellen weg oder schwächen sie ab, um nicht gegen politische, ideologische oder moralische Normen zu verstoßen. (vgl. Koller 1997:111) Im Folgenden sollen einige ausgewählte kulturspezifischen Übersetzungsprobleme näher beleuchtet werden.
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2.2 Beispiele für kulturbezogene Elemente
2.2.1 Farben
Sprachliche Konventionen halten sich nicht immer an wissenschaftliche Erkenntnisse. Im deutschen Sprachgebrauch existieren vier Grundfarben. Im Englischen sind es sechs. Schon dieses Beispiel zeigt kulturgebundene Unterschiede in der Betrachtung der Welt. Zwar kann jede Farbangabe prinzipiell übersetzt werden, doch jede Nation, jede Kultur kann darunter etwas anderes verstehen und unterschiedliche Assoziationen mit einer Farbe verbinden. So gilt schwarz im westlichen Kulturkreis als Trauerfarbe. Im fernöstlichen Gebrauch steht dafür das Weiße, das man in Europa mit Reinheit und Unschuld verbindet. Im deutschen Sprachgebrauch spricht man von neidgelb, während die Russen mit dieser Farbe Trennung und Verrat assoziieren.
Auch Kulturen, die geographisch nicht weit voneinander entfernt liegen und sich sehr ähnlich zu sein scheinen, machen Unterschiede. Während eine Übersetzung von schwarz wie die Nacht ins Italienische nicht schwerfällt, da der Vergleich nero come la notte möglich ist, existiert die Assoziation schwarz wie die Hölle im Italienischen nicht.
2.2.2 Die Sprache
In L. Carrolls Alice’s Adventures in Wonderland werden mehrmals metalinguistische Angaben gemacht wie „[Alice] quite forgot how to speak English” oder „Perhaps it doesn’t speak English.” David Horton (2002:103ff.) zeigt, wie in den zahlreichen deutschen Übersetzungen mit der Sprache der Figuren umgegangen wird. Dem Übersetzer bieten sich dabei drei Möglichkeiten:
1. Er kann english durch deutsch ersetzen. Dies kann jedoch zu Konflikten mit Maßen oder Namen führen, falls diese nicht ebenfalls dem Deutschen angepasst wurden. Auch eine langatmige Unterrichtsstunde in englischer Geschichte stört das einheitliche Bild.
2. Die Figuren sprechen eine nicht definierte Sprache, befinden sich also in einem Nie-mandsland. Doch eine Geschichte in einem kulturellem Vakuum zu erzählen, ist nicht möglich, da sich an anderen Stellen Hinweise auf eine bestimmte kulturelle Umgebung finden.
3. Die Benennung der Sprache wird als englisch beibehalten. Aber dadurch entsteht die paradoxe Situation, dass Deutsch als Medium in einer englischsprachigen Welt dargestellt wird.
Alle genannten Methoden haben Vor- und Nachteile, so dass es eine optimale Lösung nicht gibt. Wichtig ist jedoch eine einheitliche Umsetzung, die in den untersuchten Übersetzungen nicht in jedem Fall eingehalten wurde.
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Arbeit zitieren:
Jana Silvia Lippmann, 2004, Grenzen der Übersetzbarkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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