Arztes zu befolgen.“. Darüber hinaus ist in dieser Quelle ein weiterer Aspekt der Bedeutung des Begriffs „Compliance“ angesprochen, der gerade im Zusammenhang mit der Kontaktlinsenhygiene besonders bedeutungsvoll erscheint: „Bereitschaft des behandelnden Arztes, sich individuell auf den Patienten einzustellen“. Dieser Aspekt der Definition macht deutlich, dass Compliance keine „Einbahnstraße“ in der Unterweisung der korrekten Durchführung der Kontaktlinsenhygiene darstellt, sondern durchaus als eine Kommunikation in beide Richtungen der Teilnehmer zu verstehen ist. Der Begriff der „Compliance“ hat in der medizinischen Fachsprache seinen festen Platz gefunden. Die Bedeutung „gegenseitiges Vertrauen“ könnte als treffend gesehen werden: sowohl der Klient muss vom Wissen und Können seines Gegenübers überzeugt sein (und ihm vertrauen) als auch der Fachmann davon, dass sein Klient seine Ratschläge und Empfehlungen befolgt. Das gegenseitige Vertrauen ist also ein äußerst wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Zusammenspiel der beiden „Parteien“.
Compliance und die „Welt“
Beispielsweise stellen Gesetzestexte Regeln für unser soziales Leben miteinander dar, und nur bei stattfindender Compliance mit diesen „Spielregeln“ wird dieses reibungslose, harmonische Miteinander auch gesichert.
Compliance - z.B. in Bezug auf die Straßen-Verkehrsregeln - bedeutet Schutz für alle Verkehrsteilnehmer, keinen Ärger mit dem Gesetz und keine unnötigen Ausgaben für Bußgelder.
Der Begriff der Compliance ist in allen Teilbereichen der Medizin von besonderer Bedeutung und stellt die Grundvoraussetzung für eine effektive Durchführung jeder Therapie dar. Keine medizinische Anwendung - egal welcher Art - kann wirksam sein, wenn der Patient nicht „mitspielt“.
Bedeutung für die Kontaktlinsenhygiene, den Kontaktlinsenanpasser Was bedeutet nun aber dieser Begriff konkret für die Kontaktlinsenhygiene, für den Kontaktlinsenanpasser?
Auch in der Kontaktlinsenhygiene ist die Compliance von fundamentaler Bedeutung: etwa 3 bis 4% der Bevölkerung tragen Kontaktlinsen, das entspricht für Deutschland einer Anzahl von ca. 3 Mio. Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern. Obwohl jedes Jahr etwa 400 000
Kontaktlinsenneuanpassungen durchgeführt werden, stagniert erstaunlicherweise die Gesamtzahl der Kontaktlinsenträger seit vielen Jahren. Dies bedeutet, dass jedes Jahr genauso viele Personen mit dem Kontaktlinsentragen aufhören, wie beginnen.
Gründe für diese „Drop-Outs“ können nicht nur in zu langen Tragezeiten, Fehlanpassungen oder Materialfehlern gefunden werden, sondern in weitaus häufigerem Auftreten in mangelhafter oder im schlimmsten Fall gar nicht stattfindender Kontaktlinsenhygiene 3 . Die Unkenntnis der Bedeutung der Kontaktlinsenhygiene und die Auswirkungen mangelnder Pflege führen zur Unzufriedenheit mit dem Produkt „Kontaktlinse“ und zu Unverträglichkeitsreaktionen.
Verschiedene Wissenschaftler haben sich genauer mit den Komplikationen beim Kontaktlinsentragen beschäftigt und sind zu einigen interessanten Ergebnissen gelangt:
• Das Risiko für eine mikrobielle Keratitis bei RGP - Kontaktlinsenträgern liegt laut Cheng und Kollegen 4 bei 1.1 pro 10 000 Kontaktlinsenträgern (1999). Für Weichlinsenträger (tägliches Tragen) wurde ein deutlich erhöhtes Verhältnis von 3.5 zu 10 000 gefunden. Drastisch erhöhte sich die Inzidenz für eine mikrobielle Keratitis beim „verlängerten Tragen“ (vT) von Kontaktlinsen, hier fand man eine Rate von 20 zu 10 000.
• Liesegang 5 kam 1997 bereits zu ähnlichen Ergebnissen. Auch hier wurde ein deutlich gesteigertes Risiko für eine mikrobielle Erkrankung der Augen beim vT-Tragen von Kontaktlinsen festgestellt.
• Diese Ergebnisse werden durch die Aussagen von Stapelton et al. 6 unterstützt: 1993 fand man ein 37-fach erhöhtes Risiko für eine mikrobielle Keratitis als beim Tragen von RGP - Kontaktlinsen. Für Weichlinsenträger (tägliches Tragen) lag das Risiko hierfür 4 mal höher als für RGP -Kontaktlinsenträger.
• Auch Egger 7 stellte 1997 fest, dass das größte Risiko für ein Hornhautgeschwür im Tragen von Kontaktlinsen über Nacht besteht. Er vermutete zudem, dass bis zu ¾ aller mit Kontaktlinsen assoziierten Hornhautulzera verhindert werden könnten, wenn die Kontaktlinsen nicht über Nacht im Auge belassen würden.
• Brewitt 8 geht davon aus, dass in 66% der Fälle eine unzureichende Kontaktlinsenhygiene die Ursache für Komplikationen im Tragen von Kontaktlinsen darstellt.
• Bereits 1988 veröffentlichte Roth 3 , dass etwa 70% der im Zusammenhang mit Kontaktlinsen beobachteten Komplikationen auf eine unzureichende, mangelhafte Kontaktlinsenhygiene zurückzuführen sind. 12 Jahre später kam Roth 9 ebenfalls wieder zu einem ähnlichen Ergebnis: hier ist allerdings ein drastischer Anstieg in der Anzahl der Komplikationen zu beobachten, die im Zusammenhang mit überlangem Tragen von Kontaktlinsen stehen. Ein Grund hierfür könnte in der Zunahme der Verwendung von Austauschlinsen liegen, da vermutlich die Träger dieser Kontaktlinsen die Hygiene nicht so sorgfältig durchführen wie empfohlen oder wie bei formstabilen Kontaktlinsen praktiziert.
Das Einhalten aller empfohlener Pflegeschritte der Kontaktlinsenhygiene setzt allerdings eine sehr gute Compliance seitens des Kontaktlinsenträgers voraus. Diese wünschenswerte und notwendige Compliance erstreckt sich allerdings nicht nur auf die Hygieneschritte sondern ebenfalls auf die Tragezeiten der Kontaktlinsen. Dem Kontaktlinsenanpasser muss bewusst sein, dass auch „normale“ Kontaktlinsen (also Kontaktlinsen, die für das Tagestragen empfohlen sind und nicht explizit für das verlängerte Tragen) häufig „übertragen“ werden. Gerade am Wochenende, wenn private Unternehmungen bis spät in die Nacht andauern, werden die Kontaktlinsen zu lange auf dem Auge belassen oder sogar über Nacht getragen. Erst wenn dem Anpass-Spezialisten dies bewusst ist, kann er ganz gezielt auf diese Problematik eingehen.
Compliance und Kontaktlinsenhygiene
Wie bereits beschrieben, kann ein Großteil der Ursachen für Komplikationen beim Kontaktlinsentragen auf eine mangelhafte Kontaktlinsenhygiene zurückgeführt werden. Entsprechend hierzu kann eine gute Compliance in Bezug auf die Kontaktlinsenhygiene als Basis für das Kontaktlinsentragen gesehen werden und ist für das erfolgreiche Tragen von Kontaktlinsen von entscheidender Bedeutung.
• Eine Untersuchung von Radford und Mitarbeitern 10 ergab, dass lediglich 13% der Befragten eine gute Compliance zeigten, 32% eine brauchbare und mehr als die Hälfte der Kontaktlinsenträger - 55% - hingegen eine schlechte (Abb. 1). Mängel in der Behälterhygiene zeigten mehr als 70% und 20 bis 30% der Befragten führten keine Proteinentfernung durch. Einfluss auf die Compliance scheinen die Kompliziertheit der Hygienesysteme, die Kosten und das Verhältnis zwischen Anpasser und Kontaktlinsenträger zu haben. Kein Einfluss war in Bezug auf das Alter, das Geschlecht, die Bildung oder der Beruf zu beobachten.
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Sibylle Scholtz, 2000, Compliance in der optometrischen Praxis - Sind hier Kontaktlinsenträger und Kontaktlinsenspezialisten gefragt?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Scholarly Research Paper, 57 Pages
Communications - Public Relations, Advertising, Marketing
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
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