Gewaltdarstellungen sind schon lange fester Bestandteil des Kinos. Fast ebenso alt ist die Kontroverse um mögliche Auswirkungen von Gewalt im Film auf den Zuschauer. Im Falle von besonders extremen Formen der Gewaltdarstellung kommt immer wieder die Frage auf, ob diese Gewalt eine potentielle Gefahr darstellen könnte, ob der Zuschauer gar animiert wird selbst Gewalt anzuwenden. Jedoch ist Gewalt im Film meist nicht einfach ‘Gewalt um der Gewalt willen’, sondern sie trägt eine Bedeutung in sich, soll eine bestimmte Botschaft des jeweiligen Films übermitteln.
Gewaltdarstellung im Film ist auch immer ein künstlerisches Stilmittel. Sie hat ihre eigene Ästhetik und kann, losgelöst von ihrer Bedeutung, als Kunstform betrachtet werden. Die folgende Arbeit soll am Beispiel von Oliver Stone’s Film Natural Born Killers die Frage erörtern, ob extreme Gewalt im Film ein gefährliches Vorbild ist oder als ästhetischer Genuß gesehen werden kann. Hierbei soll und kann die Frage keiner endgültigen Beantwortung zugeführt werden. Vielmehr sollen die verschiedenen Seiten von Gewalt im Film betrachtet werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich für den Filmtitel Natural Born Killers die gebräuchliche Abkürzung NBK verwenden. Nach einer kurzen Einführung in die Kontroverse um NBK, werden zunächst die möglichen Auswirkungen von Gewaltdarstellungen anhand der Erkenntnisse der Wirkungsforschung dargelegt und in Bezug zu NBK gesetzt, um dann über die intendierte Bedeutung der Gewalt in NBK auf die Bedeutung des Films als Kunstwerk und die Ästhetik der Gewalt zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. ’Natural Born Killers’ als potentielle Gefahr
2.1 Gewalt im Film als Gegenstand der Wirkungsforschung
2.2 Die Stimulations- oder Imitationshypothese
2.3 Die Habitualisierungshypothese
2.4 Kritik an der Wirkungsforschung
2.5 Mögliche Gefahren des Films ‘NBK’
2.6 Beispiele für Nachahmungstaten im Zusammenhang mit ‘NBK’
3. ‘Natural Born Killers’ als Gesellschafts- und Medienkritik
3.1 Die Frage nach dem Sinn, oder: Wieviel Gewalt verträgt ein Film?
4. ‘Natural Born Killers’ als (postmodernes) Kunstwerk
4.1 Die Ästhetik extremer Gewalt
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Oliver Stones Film "Natural Born Killers", ob extreme Filmgewalt als gefährliches Vorbild für Zuschauer dienen kann oder als künstlerisches Ausdrucksmittel zu werten ist. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern Gewalt als ästhetischer Genuß legitimiert werden kann, ohne die gesellschaftliche Verantwortung des Mediums Film zu vernachlässigen.
- Analyse theoretischer Ansätze der Medienwirkungsforschung (Stimulations- und Habitualisierungshypothese)
- Diskussion von Medienkritik und Sensationsgier in der modernen Gesellschaft
- Betrachtung von "Natural Born Killers" als postmodernes filmisches Kunstwerk
- Auseinandersetzung mit der Ästhetik extremer Gewalt und deren filmischer Inszenierung
- Kritische Reflexion der öffentlichen Kontroverse um Filmverbote und Nachahmungstaten
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Ästhetik extremer Gewalt
Zunächst soll hier angemerkt werden, daß es offensichtlich so gut wie keine Literatur gibt, die sich mit der Ästhetik von Gewaltdarstellungen im Film beschäftigt, ohne die Frage nach den (möglichen) Wirkungen auf den Zuschauer zu stellen. Dies ist bemerkenswert, da gerade in der heutigen Zeit vermehrt Filme auftauchen, die extreme Gewaltdarstellungen fast ausschließlich als künstlerisches Ausdrucksmittel verwenden. Eines der wenigen Bücher zu diesem Thema trägt den Titel Gewalt im Film und beinhaltet mehrere Analysen zur filmischen Ästhetik von Gewaltdarstellungen.
Der Herausgeber des Buches, Ralf Schnell, betont in der Einleitung zu den Analysen, daß der Begriff der Ästhetik in diesem Zusammenhang nicht als ‘das Schöne’, sondern als eine besondere Wahrnehmungsweise und Darstellungsform zu verstehen ist. Der Bezug liegt also nicht auf dem Inhaltsaspekt, sondern auf der Leistung der filmkünstlerischen Mittel, den Bezügen von Schnitt, Montage, Kamera, ect., also gewissermaßen der Sprache der filmischen Bilder. Diese eigenständige Sprache beherrscht auch Stones Film.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Kontroverse um Gewaltdarstellungen im Kino und die spezifische Fragestellung der Arbeit am Beispiel von Natural Born Killers.
2. ’Natural Born Killers’ als potentielle Gefahr: Diskussion der Wirkungsforschung, der Stimulations- und Habitualisierungshypothese sowie der Kritik daran und von konkreten Nachahmungsfällen.
3. ‘Natural Born Killers’ als Gesellschafts- und Medienkritik: Untersuchung der Intention des Regisseurs, den Film als Mediensatire und Kritik an der Brutalisierung der Gesellschaft zu verstehen.
4. ‘Natural Born Killers’ als (postmodernes) Kunstwerk: Analyse der ästhetischen Mittel wie Montage und Bildformate sowie die Einordnung als postmodernes Kino.
5. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der aufgeworfenen Thesen und Plädoyer für emotionale Distanz statt Filmverboten.
Schlüsselwörter
Natural Born Killers, Oliver Stone, Filmgewalt, Wirkungsforschung, Stimulationshypothese, Habitualisierung, Mediensatire, Ästhetik, Postmoderne, Filmzensur, Medienkritik, Nachahmungstaten, Filmtheorie, Gewaltdarstellung, Kunstwerk
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den kontroversen Umgang mit extremer Gewalt im Film am Beispiel von Oliver Stones "Natural Born Killers" und beleuchtet die Spannweite zwischen Gefahrenpotential und künstlerischer Ausdrucksform.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Medienwirkungsforschung, der gesellschaftlichen Medienkritik, der postmodernen Ästhetik im Film sowie der Frage nach der moralischen Verantwortung von Regisseuren.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob extreme Gewalt im Film primär als gefährliches Vorbild für Zuschauer fungiert oder als ästhetischer Genuss im Rahmen eines Kunstwerks legitimiert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine Literaturanalyse medienwissenschaftlicher Theorien (z.B. Wirkungsforschung nach Berkowitz und Schorb) in Kombination mit einer filmtheoretischen Filmanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medienpsychologische Wirkungsanalyse, die Interpretation des Films als gesellschaftskritische Satire und die stilistische Untersuchung der visuellen und akustischen Ästhetik des Films.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Natural Born Killers, Mediensatire, Habitualisierung, Wirkungsforschung, filmische Ästhetik und Postmoderne.
Warum ist laut Autor ein Filmverbot für "Natural Born Killers" unsinnig?
Der Autor argumentiert, dass Verbote die Ursachen für Gewalt nicht beseitigen und dass man konsequenterweise auch die Berichterstattung über reale Gewalt oder TV-Dokumentationen verbieten müsste, was er für nicht zielführend hält.
Welche Rolle spielt die "emotionale Distanz" für den Zuschauer?
Die emotionale Distanz ist laut Arbeit entscheidend, um den Film als Kunstwerk zu begreifen und nicht fälschlicherweise als Anleitung oder positive Identifikationsvorlage für Gewaltakte zu missverstehen.
- Quote paper
- Christian Honeck (Author), 2004, Oliver Stone's Natural Born Killers. Extreme Gewalt im Film - ästhetischer Genuß oder gefährliches Vorbild?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30785