Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Mary Kindheit 1957 bis 1968 4
3 . 1968 als Mary tötete 6
4. Red Bank 1969 bis 1973 7
5. Gefängnis 1973 bis 1980 9
6. Nach ihrer Haft 1980 bis 1996 13
7. Was aber heißt erziehen ? 15
7.1. Das Bieten einer psychischen Geborgenheit 15
7.2. Das Auswählen, evtl. Herstellen und Sichern von Lebensräumen für Kinder 16
7.3. Das Auswählen der geistigen Umwelt 16
8. Schlussgedanken 17
1. Einleitung
Die Ermordung von Kindern ist eines der schlimmsten Verbrechen. Die Medien zerreißen sich und
die Bevölkerung ist zutiefst erschüttert über solche Meldungen. Noch fassungsloser aber ist es,
wenn auch der oder die Täter Kinder sind
1968 geschahen eben in solch einer Konstellation zwei Morde. Zwei kleine Mädchen, Mary Flora
Bell, damals 11 Jahre alt, und Norma Joyce Bell, die ein paar Jahre älter ist als Mary (die beiden
sind nicht miteinander verwandt), töteten am 31. Juni 1968 den dreijährigen Brain Howe und Mary,
neun Wochen zuvor, am 25. Mai, den vierjährigen Martin Brown. Norma wurde in der
Gerichtsverhandlung, die im Dezember ´68 stattfand, freigesprochen. Mary wurde zu einer
lebenslangen Haftstrafe verurteilt
Im folgenden möchte ich auf die Biographie von Mary Bell eingehen
Wie war ihre frühe Kindheit?
Welche Erfahrungen machte sie, die sie zu solch grauenvollen Taten trieben?
Wie entwickelte sie sich in ihrer Jugend im Gefängnis?
Wie lebt sie heute als Erwachsene Frau?
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Dies sind die ze ntralen Fragen, die zu beantworten ich versuche werde. Zudem werde ich am Ende der Arbeit näher auf das Thema „erziehen“ eingehen. Andreas Flitner liefert hierzu eine „Ideallösung“. Anhand dieser möchte ich aufzeigen, was an Marys Erziehung schief gelaufen ist.
2. Mary Kindheit 1957 bis 1968
Mary kam am 26. Mai 1957 als Tochter von Betty McC., damals 17 Jahre alt, in Newcastle zur Welt. Den Namen des leiblichen Vaters hat die Mutter ihr nie gesagt.
Kurz nach Marys Geburt lernte Betty Billy Bell kennen, den sie im März 1958 heiratete. Er wurde als Vater von Mary in deren Geburtsurkunde eingetragen. Mary selbst hielt ihn bis ins Jugendalter für ihren richtigen Vater. Sie hing sehr an ihm, sah ihn als ihren Beschützer. Leider war Billy viel unterwegs, denn wenn er nicht gerade im Gefängnis saß, brach er irgendwo ein. Newcastle befand sich im Jahr 1968 am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Berg- und Schiffbau gingen immer mehr zurück, sodass die Arbeitslosenzahlen immer weiter anstiegen. Die Folge war, dass die Stadt bald den Ruf hatte, die höchste Kriminalitätsrate und die stärkste Verbreitung von Alkoholismus von allen Städten England zu haben.
Betty verdiente sich ihr Geld durch Prostitution, was die Vermutung aufkommen lässt, dass Mary ein „Arbeitsunfall“ war. Das Verhältnis der Mutter zur Tochter war von Anfang an sehr von Gewalt geprägt. Verdeutlichen lässt sich das durch den Ausspruch der Mutter direkt nach der Geburt: „Nehmt das Ding von mir weg!“.
Betty lebte mit Mary damals bei deren Mutter, die unter Migräne und nervösen Spannungen litt. Die Tabletten, die sie gegen ihre Schmerzen bekam, versteckte sie sorgfältig im Kasten des Grammophons, und zwar so, dass man eine Stricknadel benötigte, um an sie heranzukommen. Auch die Stricknadel war gut verstaut. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelang es der damals einjährigen Mary an die Tabletten heranzukommen. Irgendwie musste sie es geschafft haben die Stricknadel zu finden, auf die Kommode zu klettern, auf der das Grammophon stand, sich die Tabletten mit der Stricknadel zu angeln und den Sicherheitsverschluss zu öffnen. Sie aß so viele der scheußlich schmeckenden Pillen, dass sie beinahe daran gestorben wäre. Dies war der erste von vielen seltsamen Unfällen.
Im May 1960 bekamen Mary und ihr Bruder P. Süßigkeiten anlässlich eines Besuchs ihrer Tante Cath. Betty und Cath gingen in die Küche um Tee zu machen. Als sie zurückkamen hatten die Kinder die Süßigkeiten auf dem Boden ausgebreitet und aßen davon. Die Tante entdeckte einige blaue Pillen darunter, die sie als Amphetamintabletten erkannte.
Im August ´60 fiel Mary, die mir ihrer Mutter zu besuch bei Oma McC. in Glasgow war, beinahe aus einem Fenster.
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Den Schlimmsten Unfall hatte Mary im März 1961. Die Mutter gab ihr eine Smartiespackung. Sowohl Mary als auch eine Freundin bestätigten das. Nur das die vermeintlichen Smarties Tabletten waren. Mary aß so viele davon, dass sie ohnmächtig wurde und die Ärzte im Krankenhaus einige Mühe hatten sie wieder zu Bewusstsein zu bekommen.
Zweimal versuchte Betty ihre Tochter wegzugeben. Einmal im November 1959, als sie Mary zu Bekannten von Cath brachte, die schon immer Interesse daran hatten Mary zu adoptieren. Das andere Mal brachte sie sie zu einer Adoptivvermittlung. Als sie das Haus betrat kam ihr eine weinende Frau entgegen, die gerade als mögliche Adoptivmutter abgelehnt worden war. Betty drückte ihr Mary in die Hand mit den Worten: „Ich habe diese hier hergebracht, um sie adoptieren zu lassen.“, dreht sich um und ging hinaus. Zum Glück, oder auch nicht, beobachtete Isa, Bettys Schwester, die beiden im Auftrag von Oma McC., die sich große Sorgen um Mary machte. Isa brachte Mary wieder nach Hause.
Nach all diesen Vorkommnissen stellte die Familie Betty zur Rede, deren Antwort ein Brief war, in dem sie mitteilte, sie wolle niemanden mehr sehen. Die seltsamen Unfälle hörten aber auf einmal auf.
Als Mary vier oder fünf war, wurde sie das erste mal sexuell missbraucht. Erzählen konnte sie es niemanden, auch nicht Billy, denn, so hatte es ihr Betty gesagt, würde man sie abholen und einsperren, und außerdem sei es ja sowieso ihr Fehler, das müsse sie verstehen. Nach solchen Geschehnissen war Betty dann immer zuckersüß zu Mary, gab ihr Süßigkeiten und zeigte ihr sogar wie man strickt.
Ihre Mutter zwang sie dazu ihre Kunden oral und anal zu befriedigen. Dabei wurde Mary auch des Öfteren gewürgt, oder ihr Kopf wurde soweit nach hinten gestreckt, das sie ohnmächtig wurde. Später wurde sie dann auch allein, ohne die Mutter, auf Zimmer fremder Männer gebracht, die sich dann an ihr befriedigten. Anfangs wehrte sie sich noch, doch irgendwann, so erzählt sie, hatte sie es nur noch über sich ergehen lassen, „Mir war das egal“ (s.388).
Das dass nicht stimmte zeigte sich im Alter von sieben oder acht Jahren, als sie eines Tages in das Zimmer von Harry Bury, einem alten Freund Billys, der ein Zimmer über ihnen bewohnte, ging. Er schlief, und Mary stellte sich neben ihn, machte seine Hose auf und „holte … ihn raus“ (S.388). Er reagierte im ersten Moment entsetzt, doch dann sagte er: „Is okay, alles okay. Wir machen uns jetzt ne Tasse Tee und füttern dann die Katze“ (S.389). Als das Thema später noch einmal zur Sprache kam, sagte Mary zu Betty, das sie es nicht mehr machen würde.
Harry wusste ohne Zweifel wie Betty zu Geld kam, aber ziemlich sicher nicht, dass sie auch Mary dazu missbrauchte.
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Nach diesem kleinen Charaktertest zog Mary viel mit Harry, der Lumpensammler war, herum und er gab sich als ihr Beschützer.
Zu dieser Zeit, zeigte sich immer mehr der Zorn, der ihn ihr wuchs. Sie widersetzte sich immer häufiger ihrer Mutter und begann sich an den Männern zu rächen. Sie nutzte sie nun selber aus anstatt sich von ihnen benutzen zu lassen: „Ich bekam Geld dafür, wenn ich den alten Kerlen zusah, wie sie onanierten“ (S. 390). Etwas später ging Mary dann dazu über sich an die Straße zu stellen und Männer, die mit ihren Autos anhielten, übers Ohr zu hauen. Sie brachte sie soweit, dass die Männer halbnackt in ihren Wagen saßen und erzählte ihnen dann, das ihr Onkel da drüben stehen würde und genau wisse, dass sie in dem Auto sitzt. Die Männer sagten ihr dann sie solle aussteigen, was Mary aber nicht sofort tat. Sie zögerte solang, bis man ihr Geld anbot damit sie aussteigt.
3. 1968 als Mary tötete
Mary und ihre Familie wohnten mittlerweile in der Whitehouse Road, einer etwas besseren Gegend, direkt gegenüber ihrer Tante Audrey. Betty war dadurch gezwungen ihre Geschäfte nach Glasgow zu verlegen und war deshalb kaum noch zu Hause.
Auch Billy war immer seltener zu Hause. Mary und ihr Bruder P. waren also vie l allein, konnten aber zum Essen oder wenn etwas passierte zu ihrer Tante.
In diesem Jahr lernte Mary Norma kennen, die mit ihrer Familie nebenan eingezogen war. Zusammen gingen sie auf Streifzug und stellten allerlei an. Sie zeigten schon bald aggressives Verhalten gegenüber anderen Kindern und Tieren. Die erste Bekanntschaft mit der Polizei machten sie, als sie einen kleinen Jungen eine Böschung hinunter stießen.
Am 25. Mai 1968, also einen Tag vor Marys elften Geburtstag, hatte sie einen heftigen Streit mit ihrer Mutter. Betty schlug Mary und diese setzte sich das erste Mal bewusst zur Wehr, indem sie zurückschlug, sie anschrie und aus dem Haus lief.
Der Mord an Martin Brown, der bis zu den Ermittlungen im zweiten Mordfall als Unfall galt, ereignete sich in einem abbruchreifen Haus in der Nähe. Der Junge spielte dort im Hinterhof, als Mary dorthin kam. Sie wollte Tod spielen. Mary forderte Martin auf seine Hände um ihren Hals zu legen, sie tat das selbe bei ihm. Sie drückte zu. Wie lange das weiß sie nicht mehr. Ein paar Tage später klingelte Mary am Haus der Browns und wollte Martin sehen. Sie dachte nicht, dass er tot sei, sondern bewusstlos, so wie sie, als sie selbst missbraucht wurde.
Am 31. Juli 1968 ereignete sich der zweite Mord. Brain Howe spielte allein auf der Strasse. Mary und Norma zogen durch die Gegend und als sie der Junge sah, kam er ihnen hinterher. Nach vergeblichen Versuchen ihn wegzuschicken, nahmen sie ihn mit auf eine abseits gelegene Wiese. Nach dem Tod durch Erwürgen verunstalteten sie ihn, indem sie ihm seine Haare abschnitten,
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Martin Lamka, 2004, Schreie, die keiner hört - Die Lebensgeschichte der Mary Bell, die als Kind tötete. Eine pädagogische Auseinandersetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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