Inhaltsverzeichnis
1. Geschlechtersozialisation und Geschlechterdifferenzen in der Schule
1.1 Interaktionsstudien
1.2 Petillons Studie zum Sozialleben von SchulanfängerInnen (1993)
1.3 Schule, Geschlecht und Selbstvertrauen (Längsschnittstudie von
Marianne Horstkemper (1987))
1.4 Geschlechtstypische Interaktionen im naturwissenschaftlichen
Unterricht
2. Berufswahrnehmung von LehrerInnen
3. Zum Verhältnis von Schulreform und Geschlechtererziehung
4. Der Einfluss des Geschlechts auf die unterrichtliche Interaktion
4.1 am Beispiel des Deutschunterrichts
a) Frau K.
b) Herr L.
5. Fazit
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1. Geschlechtersozialisation und Geschlechterdifferenzen in der
Schule
Die koedukative Schule hat keineswegs zur erwarteten Gleichstellung der Geschlechter geführt, dies haben bereits die Untersuchungsergebnisse der Frauenforschung seit Beginn der 80er Jahre gezeigt. Die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind trotz der organisatorisch und curricular gleicher Anforderungen in folgenden Bereichen gegeben: • Kommunikationsstiele • Selbstdarstellung
• Interesse an Naturwissenschaften und Technik • Interaktionsstil und Aufmerksamkeitsverteilung der Lehrkräfte • soziale Kompetenz und Wahrnehmung sozialer Zusammenhänge
1.1 Interaktionsstudien
Eine Auswahl der Personen, die sich unter anderem mit dem Interaktionsverhalten von SchülerInnen und LehrerInnen beschäftigt haben, sind: • Frasch / Wagner (1982) • Enders-Dragässer / Fuchs (1989) • Kaiser (1994) • Hempel (1995)
Aus den vielen unterschiedlichen Untersuchungen, lassen sich relativ gesicherte Erkenntnisse ableiten:
• Jungen werden häufiger aufgerufen, sowohl in Hinsicht auf ihre Leistung als auch ihr Arbeitsverhalten und ihre Disziplin
• durch häufigeres Tadeln und Loben, genießen Jungen mehr positive als auch negative Aufmerksamkeit als Mädchen, denn auch negatives Angesprochen sein, vermittelt den Jungen das Gefühl, wahrgenommen und beachtet zu werden
• Mädchen weisen im Unterricht mehr kooperatives und faires Verhalten als Jungen auf, während diese auf Konkurrenz- und Dominanzverhalten aus sind
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• ca. 80% der Jungen zeigen im U nterricht ein sozial auffallendes Verhalten (dies ergab eine Untersuchung an 100 Hamburger Grundschulen)
Wie diese Tabelle zeigt, weisen Jungen sowohl im Lern- wie auch im Verhaltensbereich schwerwiegende Störungen auf.
Weiterhin zeigten englische Studien, welche auch für bundesrepublikanische Schulen gelten dürften, dass Jungen in den Gebieten dominieren, die bedeutsam sind für die Selbstwahrnehmung. Sowohl männliche als auch weibliche Schüler erfahren das Klassenzimmer als einen Ort, in dem Jungen im Zentrum der Aktivitäten und des Interesses stehen, während Mädchen in Randpositionen verwiesen sind.
1.2 Petillons Studie zum Sozialleben von SchulanfängerInnen
Petillons Studie erhebt hoch interessante Ergebnisse und vermittelt grundlegende Einsichten in die Entwicklung sozialer Beziehungen von Schulkindern. Neben allgemeingültigen Ereignissen, enthält sie auch bedeutsame Hinweise auf die unterschiedliche Ausgestaltung der Geschlechtsrollen von Mädchen und Jungen am
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Schulanfang. Diese wird im Vergleich der beiden unterschiedlichen Welten der Schülerinnen und Schüler sichtbar.
Während Jungen sich gegenseitig messen, ihr Durchsetzungsvermögen durch Raufen, Kämpfen und Toben erproben, Hierarchiekonflikte durch körperliche Aggression austragen, Rangordnungen anfechten, überschreiten sie oft die Grenzen zur körperlichen Gewalt.
Hingegen ist es für Mädchen wichtig, soziale Nähe zu erfahren, dichte soziale Netze und Beziehungen zu knüpfen, sowie eine hohe soziale Sensibilität. Sie tragen ihre Rivalitäts- und Dominanzkonflikte mit verbalen Mitteln oder sozialem Ausschluss aus. Auch im Spielinteresse unterscheiden sich die Geschlechter: • Jungen bauen und konstruieren, teilen ein gemeinsames Interesse an Technik und dem Umgang mit Waffen und technischem Spielzeug. • Mädchen bevorzugen Rollenspiele, Regelspiel, Puppen- und Symbolspiele, welche die Alltagshandlungen der Familie durch häusliche Objekte repräsentieren.
1.3 Schule, Geschlecht und Selbstvertrauen (Längsschnittstudie von Marianne Horstkemper)
In der Längsschnittstudie von Marianne Horstkemper, geht es um die Frage, in wie weit die Schule die Herausbildung des Selbstvertrauens bei ihren SchülerInnen beeinflusst. Ein besonderes Erkenntnisinteresse bezieht sich auf die festgestellte gesellschaftliche Benachteiligung von Mädchen und Frauen, und versucht, den Beitrag festzustellen, den die Schule zur Aufhebung dieser Benachteiligung zu leisten vermag. Die Studie beruht auf der gesicherten Erkenntnis, dass Mädchen quantitativ die Jungen, hinsichtlich schulischer Leistungen, überholt haben, und vermutet einen engen Zusammenhang zwischen Schulleistung und Selbstvertrauen. Gleichzeitig nimmt Marianne Horstkemper an, dass: • Mädchen und Jungen die Leistungsbestätigungen der Schule in unterschiedlicher Weise zu Selbstvertrauen verarbeiten und • dass sich der Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Selbstvertrauen im Laufe der Sekundarstufe (10-16 Lebensjahr) geschlechtsspezifisch verändert.
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Arbeit zitieren:
Cathrin Dehmer, Malaika Albert, 2003, Geschlechterdifferenzierte Interaktionen im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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