Inhaltsverzeichnis
1 Grundlegung 3
1.1 Einleitung 3
1.2 Aufbau der Arbeit 4
1.3 Begriffskennzeichnung 5
1.3.1 Musikindustrie. 5
1.3.2 Digitalisierung 6
1.4 Anmerkungen zur Datengrundlage und Terminologie 6
2 Die Musikindustrie. 8
2.1 Die Struktur der Musikindustrie. 8
2.2 Akteure der Musikindustrie 11
2.2.1 Künstler. 11
2.2.2 Plattenfirmen. 12
2.2.3 Tonträgerhersteller. 14
2.2.4 Musikverlag 14
2.2.5 Verwertungsgesellschaften 15
2.2.5.1 GEMA 16
2.2.5.2 GVL 18
2.3 Der Tonträgerhandel. 19
2.4 Vertriebsstrukturen. 20
2.4.1 Vertriebe 20
2.4.2 Systemgroßhandel, Rackjobber 21
2.4.3 Zentral operierende Handelsketten. 22
2.4.4 Dezentral organisierte Einzelhändler. 22
2.4.5 Versand, Internet 23
2.3.6 Sonstige 24
2.3.7 Alternative Vertriebswege 24
2.5 Umsatz- und Absatzentwicklung des Tonträgermarktes 25
2.5.1 Umsatzentwicklung 26
2.5.2 Tonträgerabsatz 28
2.5.3 Käuferreichweite und Käuferintensität 29
2.5.4 Internationale Umsatz- und Absatzentwicklung 31
3 Wandel der Musikindustrie 34
3.1 Der „Siegeszug“ von mp3 34
3.1.1 Entwicklung des Dateiformats mp3 35
3.1.2 Die ersten Musikdownloads 37
3.2 Tonträger-Piraterie 39
3.2.1 Arten der traditionellen Tonträgerpiraterie 40
3.2.1.1 Bootleg 40
3.2.1.2 Raubkopien 40
3.2.1.2.1 Die (klassische) Raubkopie 41
3.2.1.2.2 Die Raubkopplung 41
3.2.1.2.3 Der Raub-Mix. 41
3.2.1.3 Die Identfälschung (Counterfeit) 42
3.2.2 Neue Formen der Tonträgerpiraterie 42
3.2.2.1 Online-Piraterie 43
3.2.2.1.1 http-Angebote 43
3.2.2.1.2 ftp-Angebote 43
3.2.2.1.3 Filesharing 44
3.2.2.2 Schulhofpiraterie 45
3.2.3 Umsatzverluste durch Onlinepiraterie und private Vervielfältigung 45
3.3 Napster als Synonym für das Zeitalter der Tauschbörsen. 48
3.4 Gegenstrategien der Musikindustrie. 49
3.4.1 Vorgehen gegen Betreiber von Musik-Tauschbörsen. 49
3.4.1.1 Rechtliche Schritte gegen zentral organisierte Tauschbörsen. 50
3.4.1.2 Rechtliche Schritte gegen dezentrale Netzwerke 52
3.4.2 Maßnahmen zur Eindämmung der Nutzerzahlen von Tauschbörsen 53
3.4.2.1 Vorgehen gegen Hochschulen und Unternehmen. 53
3.4.2.2 Vorgehen gegen einzelne Nutzer. 55
3.4.2.3 Sabotageaktionen 56
3.4.3 Angebote der Musikindustrie 57
4 Chancen für die Musikindustrie durch Digitalisierung 61
4.1 Digitalisierung des Vertriebs von Tonträgern 62
4.1.1 Vorteile. 62
4.1.2 Akteure 63
4.1.3 Auswirkungen 63
4.2 Nutzen von Konvergenztechnologien 64
4.2.1 Einsatz in der Musikindustrie 64
4.2.2 Herausforderungen an die Musikindustrie. 66
4.2.3 Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette 67
4.2.4 Anpassungsstrategien der Musikindustrie 70
4.2.4.1 Ausrichtung auf den Kunden. 70
4.2.4.1.1 Verbesserung des Leistungsangebotes 70
4.2.4.1.2 Konvergente Portale 72
4.2.4.2 Denken in Wertschöpfungsnetzwerken. 73
4.3 Digital Rights Management 74
4.3.1 Funktionsweise von DRM. 74
4.3.1.1 Schutz durch Kryptographie 75
4.3.1.2 Schutz durch Wasserzeichen 76
4.3.2 Herausforderungen an ein DR-MSystem 77
5 Schlussbetrachtung. 79
6 Literatur- und Quellenverzeichnis 81
7 Abkürzungsverzeichnis 87
Vorwort
„Musik [gr.], bei den Griechen zunächst die Bildung von Gemüt u. Geist (im Ggs. Zur Gymnastik); erst nach der klass. Zeit die Tonkunst als Ausdrucksmittel des menschl. Seelen- u. Gefühlslebens. Gestaltungsmerkmale der M. sind Rhythmus, Melodie, Harmonie, ferner Tonstärken- u. Zeitmaßverhältnisse sowie die Instrumentation. Nach den Darstellungsmitteln teilt man die M. ein in Gesang (Vokal-M.) u. Instrumental-M. Werden viele versch. M.-Instrumente verwendet, spricht man von Orchester-M., kommen einige wenige Instrumente zum Einsatz, von Kammer-M. Man unterscheidet ferne u.a. Volks-M., Kunst-M., Kirchen-., Unterhaltungs-M., Tanz-M., Jazz-M. M. in Verbindung mit Darstellungen auf der Bühne: Oper , Operette, Musical, Singspiel. 1
Nach antikem Mythos ist die Musik ein Geschenk Apolls und der Musen an den Menschen. Gesellschaften und Kulturen besitzen ihre eigene Musik, aber nur in wenigen Sprachen gibt es ein eigenes Wort dafür, weil die Musik meist in Zusammenhang mit Tanz, Sprache und Kult steht. In der griechischen Antike bezeichnete der Begriff musiké die Einheit von Poesie, Tanz und Musik. Musik war und ist für alle Gesellschaften und zu allen Zeiten von Bedeutung. Sie besteht in einer Vielfalt von Stilen, die jeweils charakteristisch beispielsweise für eine geographische Region, eine geschichtliche Epoche oder bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind. Musik ist eine zentrale Kategorie, die aus dem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Musik ist nicht zuletzt durch ihre massenmediale Verbreitung in der heutigen Zeit ein allgegenwärtiges ästhetisches Phänomen. Mit dieser Allgegenwärtigkeit hat sich aber zugleich das Verhältnis zur Musik dramatisch ge-wandelt. War man in früheren Zeiten, etwa im 17. oder 18. Jahrhundert, daran interessiert, Musik zu genießen, war man darauf angewiesen, einen Musiker einzuladen, oder man musste selber musizieren. Das damalige Massenmedium für Musik war die „stille Form der Musik“ in Form von gedruckten Noten. Diese
1 Vgl. Weltbild Universal Lexikon, S. 461.
1
konnte man aktiv in erklingende Musik umwandeln oder man begab sich dort hin, wo Musik gemacht wurde. Zu dieser Zeit war „Musik erleben“ fast immer ein interpersonales Ereignis. Heute ist die fast allgegenwärtige, massenmedial verbreitete Form der Musik in ihrer akustischen Originalform oft allenfalls ein aurales Genussmittel oder akustisches Ambiente, das möglicherweise beschwingt und die Sinne mehr oder weniger zielgerichtet anregt. 2
2 Vgl. Burow, S. 20.
2
1 Grundlegung
1.1 Einleitung
Die Musikindustrie steckt in einer Krise. Für das Jahr 2003 stellte der Bundesver-band der Phonographischen Wirtschaft einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr von 19,8 Prozent fest. Die Gründe hierfür scheinen schnell und einfach gefunden. Als die beiden Hauptgründe identifiziert die Branche das ansteigende CD-Brennen sowie die digitale Verbreitung der Musik über das Internet. Als angeblicher Beweis hierfür werden die Zahlen verkaufter CD-Rohlinge in Deutschland herangezogen. Diese lagen im Jahr 2002 zum ersten Mal deutlich höher als die Anzahl der verkauften Tonträger.
Es ist sicherlich zu einfach, die rückläufigen Umsätze nur mit den beiden erwähnten Gründen zu erklären. Unbestritten ist, dass die durch die hohe Verbreitung von CD-Brennern und dem Internet hervorgerufenen Probleme der Musikbranche einen hohen Prozentanteil ausmachen. Es gibt jedoch noch mehr Faktoren die auf diese Entwicklung Einfluss nehmen.
Interne Faktoren sowie externe Faktoren spielen eine nicht ungewichtige Rolle. Als interner Faktor sei z. B. die seit den Neunzigern anhaltende hohe Konzentration in der Tonträgerbranche genannt. Fast 80 Prozent des Marktes decken die fünf großen Plattenfirmen ab. Der hohe Einfluss der Rezession auf die Musikindustrie, kommt als wichtigster externer Faktor hinzu. Die Musikindustrie lebt vom Freizeit- und Konsumverhalten ihrer Käufer und Käuferinnen. Die anhaltend wirtschaftlich angespannte Lage in Deutschland ist also ein zusätzlich verschärfender Faktor für die rückläufigen Verkaufszahlen. Das Internet als alternativer Vertriebskanal für Musik und die Digitalisierung des Produktes Musik bieten der Musikindustrie viele Möglichkeiten, die bis dato kaum genutzt werden. Man gewinnt verstärkt den Eindruck, dass die Verant-
3
wortlichen, bis auf wenige Ausnahmen, die Trendwende ausgelöst durch Digitalisierung und Internet, ignorieren wollten. Zu spät reagierte man mit rechtlichen Konsequenzen für die Pioniere und deren Fans. Die neuen Technologien im Zusammenspiel mit dem Siegeszug des Internets haben ganz offensichtlich den Musikmarkt, sowie das Verhalten und die Konsumentengewohnheiten vieler Musikkonsumenten verändert. Doch der Musikindustrie ist es bisher nicht gelungen, diese Veränderungen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dies deutet darauf hin, dass die Musikindustrie die Potenziale und den Nutzen dieser neuen Technologien für sich selbst und für den Verbraucher offensichtlich falsch bewertet hat und die Bedürfnisse und Interessen der Musikkonsumenten mit ihren eigenen Lösungen bislang nicht befriedigen konnte.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit ist in zwei thematische Blöcke unterteilt. Der erste Teil (Kapitel 2) beschäftigt sich mit der Beschreibung und Analyse des Musikmarktes sowie mit der Tonträgerpiraterie und ihren Erscheinungsformen. Der zweite Teil (Kapitel 3 und 4) widmet sich der, durch die Digitalisierung, insbesondere der mp3-Revolution, ausgelösten Veränderung in der Musikindustrie. Des weiteren werden Möglichkeiten beschrieben, in welcher Form neue Technologien zum Vorteil der Branche genutzt werden könnten.
Die Beschreibung des Musikmarktes und der Musikindustrie in Deutschland steht im Mittelpunkt des zweiten Kapitels. Es wird auf die Struktur des Marktes, den wichtigen Akteuren der Musikindustrie sowie auf die relevanten Daten und Zahlen eingegangen.
Das dritte Kapitel beschreibt den Wandel in der Musikbranche durch die Digitalisierung, insbesondere des Produktes Musik, im Zusammenspiel mit der Etablierung des Internet als neues Massenmedium. Unter anderem werden die verschiedenen Arten der Tonträgerpiraterie beschrieben. Neben einem Überblick
4
über die traditionellen Formen wird auf die durch die neuen Technologien her-vorgerufenen Formen der Tonträgerpiraterie eingegangen. Im vierten Kapitel werden verschiedene Möglichkeiten erörtert, die durch die neuen Technologien entstehen. Es wird gezeigt, in welcher Form und in welchen Bereichen der Musikbranche diese zum Einsatz kommen könnten.
1.3 Begriffskennzeichnung
1.3.1 Musikindustrie
Die Musikindustrie bezeichnet den Industriezweig, der Musik produziert. Das heißt von der Aufnahme über die Produktion von Tonträgern bis hin zum Vertrieb. 3 Es handelt sich in der Regel um Firmen, die Musik - vorzugsweise auf Tonträgern - vermarkten. 4
Der Begriff Musikindustrie hat sich in den zwanziger Jahren eingebürgert. Er fand sich zunächst im journalistischen und wirtschaftsjournalistischen Kontext als Bezeichnung für den Gesamtzusammenhang der Herstellung und Verwertung von Musik nach den Gesetzen industrieller Massenproduktion. Das heißt integriert in eine arbeitsteiligkooperative und rationalisierte Produktionsweise auf technischer Grundlage. Das zielt auf die industrielle Fertigung der zur massenhaften Verbreitung von Musik notwendigen Trägermedien (Notendruck, Schallplatte, CD usw.) und meint weniger den musikalisch-kreativen Vorgang selbst, der in der Regel nach wie vor individualisiert statt findet. Der Gebrauch des Industriebegriffs wird in Verbindung mit Musik häufig weiter verunklart. Durch teils synonym verwandte Begriffsbildungen wie Musikwirtschaft, Musikgeschäft, Musikmarkt, Phonographische Industrie oder auch durch seine Verwendung als pauschale Bezeichnung für die Musikbranche insgesamt. 5 3 Vgl. Net-Lexikon. 4 Vgl. Mahlmann, S. 194. 5 Vgl. Net-Lexikon.
5
1.3.2 Digitalisierung
Digitalisierung im engeren Sinne bedeutet die Transformation von analogen Signalen in digitale Daten. 6 Digitale Informationen können von Computerpro-zessoren sowohl verarbeitet, als auch über große Entfernungen in Netzwerken transportiert werden. Neben Audio können auch Bilder einschließlich Filme und z.B. Daten in Textform digitalisiert und digital gespeichert, kopiert und verteilt werden. Die Digitaltechnik ermöglicht eine räumliche und zeitliche Entkopplung des Informationsaustausches.
Die digitale Form dieser Informationsgüter erleichtert ihren Transport, macht sie universell einsetzbar und sichert die Reproduktion ohne Qualitätsverlust. Netzwerke ermöglichen den reibungslosen und schnellen Austausch von digitalisierten Informationsgütern und das World Wide Web macht die weltweiten Netze für jedermann über seinen Computer zugänglich.
1.4 Anmerkungen zur Datengrundlage und Terminologie
Die Behandlung einer solch aktuellen Thematik bedingt die primäre Nutzung von Quellen, welche relativ aktuell sind. Es wurde in der vorliegenden Arbeit versucht dem Rechnung zu tragen.
In dieser Arbeit wird der mehrfach verwendete Begriff „Musikindustrie“ häufig als Überbegriff für die den Tonträgermarkt beherrschenden Unternehmen, die sogenannten „Majors“, verwendet. Da der Tonträgermarkt selbst den bestimmenden Kernmarkt der Musikindustrie verkörpert und bisher im Wesentlichen von fünf als „Majors“ bezeichneten internationalen Musikkonzernen bestimmt worden ist, hat sich diese Begrifflichkeit in vielen Veröffentlichungen und im öffentlichen Verständnis durchgesetzt. So spiegeln beispielsweise auch die vom 6 Vgl. Zerdick/Picot, S. 11.
6
deutschen Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft veröffentlichten Jahreszahlen maßgeblich die Entwicklung bei diesen Majors wieder. Weitestgehend synonym zum Begriff „Musikindustrie“ werden in dieser Arbeit die Termini „Musikwirtschaft“ und „Musikbranche“ verwendet.
7
2 Die Musikindustrie
Alle medialen Musikereignisse werden von Musikern erdacht und auf Musikinstrumenten aufgeführt, bevor sie aufgezeichnet und verbreitet bzw. vervielfältigt werden. Hier liegt der kreative Kern der gesamten Musik- und Medienindustrie, aber auch der Musikinstrumentenindustrie. Außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten und deren Schöpfungen sind es, welche das Publikum faszinieren. Musikproduktion und ihre massenmediale Verbreitung in der heutigen Form ist überhaupt nur dadurch möglich, dass es Musiker gibt, die Ideen haben und diese schöpferisch umsetzen. Am Anfang einer langen Kette von Leistungsträgern stehen zweifellos die Komponisten und Textautoren, welche Ideen haben, von denen erwartet wird, dass sie beim Publikum auf große Resonanz treffen. Diese werden dann von ausübenden Musikern auf Musikinstrumenten, oder anderen Musikausgabegeräten vorgetragen und interpretiert. Während früher zeitweise eine starke Trennung von Komponisten und ausübenden Musikern zu beobachten war, so ist durch die heutigen technischen Möglichkeiten bei der Musikproduktion die Gelegenheit gegeben, dass alle musikalischen Prozesse von der Idee bis zur fertigen Medienproduktion von einer einzigen Person oder einem kleineren Team von Musikern ausgeführt werden können. Waren in früheren Zeiten musikalische Darbietungen immer live, wird heute in rein quantitativer Bedeutung die überwiegende Zahl der Kontakte mit Musikdarbietungen bei den meisten Menschen nicht mehr direkt, sondern medial vermittelt. 7 Hier zeigt sich die große Bedeutung, welche Medien und Technik für die Vermittlung von Musik heute haben.
2.1 Die Struktur der Musikindustrie
Die Musikindustrie befindet sich, ähnlich wie der Buchhandel, in einem fundamentalen Wandel. Möglicherweise ist das Ausmaß dieses Wandels in der Musikindustrie noch viel stärker. Ursächlich hierfür könnte sein, dass in der Musikin- 7 Vgl.Burow, S. 68.
8
dustrie nicht nur die Wertschöpfung, sondern darüber hinaus die Produkte selbst von der Virtualisierung bzw. Digitalisierung betroffen sind. Im folgenden Kapitel wird auf die Akteure der Musikindustrie, die Struktur des Tonträgermarktes und die Umsatz- und Absatzzahlen eingegangen um den Status Quo darzustellen.
Die grundsätzliche Struktur einer Wertschöpfungskette eines produzierenden Medienbetriebes gestaltet sich wie folgt: Durch die Investition oder Finanzierung eines Projektes wird die Produktion des betreffenden Produktes veranlasst. Das fertige Produkt wird durch den Vertrieb auf den Markt gebracht, wo es schließlich auf den Kunden trifft.
Übertragen auf die Musikindustrie führt dies zu folgender traditioneller Wertschöpfungskette der Musikbranche:
• Komposition durch den Künstler: Ausgangspunkt eines Tonträgers, bzw. eines Musikstücks sind die Ideen der Künstler sowie deren Umsetzung in die Komposition von Audiostücken. Die Kompositionen können als Bauplan für das spätere Stück angesehen werden.
9
• Musikstückproduktion: Damit die Ideen zu einem richtigen Klangergebnis werden, müssen die Kompositionen „produziert“ werden. Dies geschieht in Studios, in denen die verschiedenen Bestandteile eines Musikstücks (die verschiedenen Instrumente, Stimmen etc.) aufeinander abgestimmt und aufgenommen werden.
• Vervielfältigung und Tonträgerproduktion: Das Ergebnis der Musikstückproduktion sind fertige Musikstücke. Diese werden vervielfältigt und auf einen Tonträger übertragen. Der derzeit am häufigsten verwendete Tonträger ist die Audio-CD, die seit längerem die Vinyl-Schallplatte als Tonträger verdrängt hat. Zusätzlich zum eigentlichen Tonträger wird ein sogenanntes „Booklet“ produziert, in dem Angaben, z. B. zum Künstler und zum Inhalt einer CD, enthalten sind.
• Tonträgerlagerung: Verkaufsfertige CDs werden zentral oder dezentral gelagert, um sie für den Verkauf vorzuhalten.
• Tonträgerlogistik: Vom Lager werden die CDs zu den Musikhändlern transportiert.
• Marketing: Um eine CD verkaufen zu können, sind Marketinganstrengungen notwendig, mit deren Hilfe das Erscheinen einer CD bekanntgemacht wird. Zu den Marketingmaßnahmen gehört klassische Werbung in TV, Radio und Printmedien. Zusätzlich dazu wird eine CD vor allem durch das Abspielen einzelner Musikstücke im Radio und im Musikfernsehen, sowie durch Promotion vermarktet. Dies wird durch den Konsumenten weniger als Marketinginstrument angesehen, da es zugleich Unterhaltung bietet.
• Vertrieb: Der Vertrieb von CDs erfolgt über reine CD-Händler (z.B. WOM
- World Of Music), über Elektronik-Supermärkte (z.B. Media Markt, Saturn, Makro Markt), über Kauf- und Warenhäuser sowie sonstige Vertriebsstellen. 8
8 Vgl. Hutzschenreuter, S. 112 ff.
10
Eindeutig dominiert wird diese dargestellte Wertschöpfungskette von den Labels. Deren Arbeitsbereich innerhalb dieser traditionellen Wertschöpfungskette umfasst vor allem die Aufgaben der Selektion, Produktion, des Marketing, sowie mit Abstrichen auch des Vertriebs. 9
Am Prozess der Wertschöpfung sind wie in dieser Darstellung zu erkennen unterschiedliche Akteure beteiligt: Künstler/Musiker, Musikproduzenten, die sogenannten „Labels“ (Plattenfirmen), Distributoren und Händler. Unter diesen Akteuren kommt den Labels die größte Marktmacht innerhalb der Musikindustrie zu. Im Folgenden werden die wichtigsten Akteure gesondert betrachtet.
2.2 Akteure der Musikindustrie
2.2.1 Künstler
Die Künstler, bzw. Musikschaffenden sind ohne Zweifel die Gruppe der Akteure auf denen alles aufbaut. Deren Produkt - Musik - soll produziert, vervielfältigt, vertrieben, verkauft werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Gruppe der Künstler auch diejenige ist, die den größten Teil des zu verteilenden Kuchens abbekommt. In einem typischen Künstlervertrag werden einem Musiker in der Regel zwölf bis vierzehn Prozent vom Ladenpreis einer CD zugesichert. 10 Laut Jay Cooper, Jurist und Veteran der Unterhaltungsindustrie, erhält ein Künstler aber deutlich weniger. In den oft über hundert Seiten dicken Verträgen seien alle möglichen Klauseln versteckt, die begründen, warum das so sei. Manche Labels würden zehn Prozent für beschädigte Ware abziehen. Es gäbe aber keine beschädigte Ware. Sie würden 25 Prozent für Verpackung abziehen, etwa vier Dollar, aber die Verpackung kostet nur 35 Cent. Weitere fünfzehn Prozent würden für Freiexemplare abgezogen. Es gäbe keine Freiexemplare. Manchmal würden sie noch einmal 25 Prozent abziehen - mit der Begründung, dass sie die
9 Vgl. Friedrichsen, S. 23.
10 Vgl. Haring, S. 15 & Hutzschenreuter, S. 120.
11
CDs selbst herstellen müssten. Am Ende würde dem Künstler ein Honorar bleiben, das gerade mal halb so hoch sei wie die versprochenen vierzehn Prozent. 11 Der Künstler stellt zwar in der Regel den Beginn einer erfolgreichen Musikproduktion dar, jedoch werden sie durch die Machtstellung der Plattenfirmen oft vertraglich geknebelt.
2.2.2 Plattenfirmen
Heutzutage ist es als Künstler kaum mehr möglich, ohne einen Vertrag mit einer Plattenfirma zu haben, einen Fuß auf das Parkett zu bekommen. Um so erstaunlicher, dass erst kürzlich die vier Mitglieder der Band „Wir Sind Helden“ mit drei ECHOs bedacht wurden. Ihnen ist dieses „Wunder“ gelungen. In Eigenregie und ohne einen Plattenvertrag im Rücken haben sie ein Album aufgenommen, dies über Radiosender bekannt gemacht und letztendlich (dann natürlich mit Plattenvertrag) mehr als 300.000 davon verkauft. 12 Dies ist mit ein Verdienst der Digitalisierung der Musik und des Marktes. Es war in der Vergangenheit nie einfacher und günstiger für den Künstler, einen Tonträger zu produzieren. Aber im Allgemeinen ist es wohl richtig, dass Künstler ohne Plattenvertrag heutzutage kaum noch eine Möglichkeit haben, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren und dass es sich bei dem aufgezeigten Beispiel um eine Ausnahme handelt.
Plattenfirmen haben viele Gesichter. Sie reichen von Einmannbüros im Hinterzimmer über erfolgreiche, unabhängige Labels bis hin zu den riesigen Majors mit vielen verschiedenen Abteilungen und dem entsprechend spezialisierten Personal. 13 Die Anzahl der Musikfirmen in der Bundesrepublik ist nicht klar zu benennen, da unterschiedliche Funktionen (Musikproduktion, Marketing & 11 Vgl. Haring, S. 15. 12 Vgl. ECHO-Verleihung 2004. 13 Vgl. Scholz, S. 138.
12
Promotion, Vertrieb, Distribution und Herstellung) gemeint sein können. Insgesamt dürften etwa 900 Firmen im Musikbereich tätig sein, von denen sich aber nur wenige mit Herstellung, Distribution und Vertrieb befassen. Die Anzahl der Labels beträgt über 3.500. 14
Allerdings kann man die Musikindustrie traditionell als ein enges Oligopol bezeichnen. In der Industrieökonomie wird so eine Wettbewerbskonstellation bezeichnet, in der wenige Anbieter eine große Marktmacht ausüben und es in der Regel zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Die Musikindustrie gilt als ein Beispiel für ein solches Oligopol. 15
Heute dominieren fünf weltweit tätige Unternehmen den internationalen Musikmarkt. Diese fünf globalen Plattenfirmen repräsentieren einen Marktanteil von etwa 75 Prozent (2003). 16 Dazu zählen momentan folgende Unternehmen mit den korrespondierenden Marktanteilen (2001/2002): Unternehmen Muttergesellschaft Welt D
Universal Music Group Vivendi Universal (USA/F) 24% 23,5%
Sony Music Entertainm. Sony (Japan) 17% 15,3% EMI Music Group Thorn EMI (Großbritannien) 14% 14% Warner Music Group AOL Time Warner (USA) 13% 14%
Bertelsmann Music Group Bertelsmann (Deutschland) 12% 14,9% 17
Zur Zeit planen die beiden Musikkonzerne BMG und SONY MUSIC zur „Sony BMG“ zu fusionieren. Das neue Unternehmen „Sony BMG“ soll beiden Mutterhäusern je zur Hälfte gehören und seinen Sitz in New York haben. Mit der Fusion würden beide Partner zum Weltmarktführer Universal Music aufschließen. 14 Vgl. Mahlmann, S. 194f. 15 Vgl. Shepherd, S. 80f. 16 Vgl. Schmidt, S. 195. 17 Ebenda, S. 209.
13
Die beiden Musikgiganten sind sich bereits Ende des Jahres 2003 vertraglich einig geworden. Die beschlossene Zusammenlegung der Musiksparten beider Unternehmen wurde zur Überprüfung bei der EU angemeldet. Die europäischen Kartellbehörden sollen prüfen, ob die Fusion der Musikgiganten mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Damit ist die erste Phase des Fusions-Kontrollverfahrens eingeleitet. Parallel finden Gespräche von Bertelsmann und Sony mit den Wettbewerbshütern in den USA statt, die den Zusammenschluss ebenfalls genehmigen müssen. 18
2.2.3 Tonträgerhersteller
Bei Tonträgerherstellern handelt es sich um Unternehmen, die als Inhaber oder Lizenznehmer von Leistungsschutzrechten Tonträger (Schallplatten, MCs, Cds etc.) herstellen und vertreiben. Um diese Tonträger herstellen zu dürfen, benötigen sie Vervielfältigungsrechte gemäß § 16 UrhG. Diese Rechte, die originär bei den Komponisten, Textdichtern und Musikverlegern liegen, haben diese zur besseren Wahrnehmung einer Verwertungsgesellschaft, der GEMA, übertragen. Der Tonträgerhersteller hat eine bestimmte Lizenz an die Verwertungsgesellschaft zu zahlen, die sodann entsprechend ihrem Verteilungsplan die Einnahmen an die vorgenannten Berechtigten ausschüttet. 19
2.2.4 Musikverlag
„Der Musikverlag ist ein nach kaufmännischen Grundsätzen geführtes Unternehmen, dessen Zielsetzung darauf ausgerichtet ist, auf eigene Rechnung und eigenes Wagnis die ihm anvertrauten musikalischen Werke seiner Autoren der optimalen künstlerischen und wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen.“ 20
18 Vgl. Manager-Magazin.
19 Vgl. Budde, S. 300. 20 Vgl. Sikorski, S. 3.
14
Die Geschichte der Musikverlage reicht bis ins Altertum zurück. Die Anfänge dessen, was man im weitesten Sinne als verlegerische Tätigkeit bezeichnen kann, sind nach Sikorski bereits im Altertum angesiedelt. Geschichtlich betrachtet, habe sich die Entwicklung des Verlagswesens in fünf Phasen vollzogen. Angefangen mit der Verbreitung literarischer Werke im Altertum. Es handele sich um von Hand gefertigte Abschriften wissenschaftlicher und literarischer Texte. Die zweite Phase habe sich im frühen Mittelalter vollzogen. Klöster entwickelten sich mehr und mehr zu Kopierzentren. Kopieren in damaligen Sinne war nichts anderes als manuelles Abschreiben. Es entwickelte sich langsam - zunächst in Italien und Frankreich - ein lebhafter Handel (z.T. Tauschhandel) mit Handschriften, in den nunmehr auch in verstärktem Maße Werke der Musik einbezogen waren. Die dritte Entwicklungsphase wurde eingeleitet durch die Erfindung des Buch- und Notendrucks gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Ein völlig neuer Typus der verlegerischen Betätigung wurde geboren und personifiziert in der Gestalt von Drucker-Verlegern. Die vierte Entwicklungsphase stellte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass nunmehr Musikalienhändler gleichzeitig Verlegerfunktionen übernahmen.
2.2.5 Verwertungsgesellschaften
Verwertungsgesellschaften gibt es seit dem 19. Jahrhundert. 21 Ihre Entstehung ist eng mit der Fortentwicklung des Urheberrechts verknüpft. Lange Zeit stand den Urhebern nur das Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht an ihren Werken zu. Diese Rechte konnten sie ohne weiteres selbst wahrnehmen, da sich die Zahl der Personen, die eine Vervielfältigung vornehmen konnten und als Vertragspartner in Frage kamen, auf einzelne Verleger beschränkte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts behielt der Gesetzgeber den Urhebern dann aber weitere Nutzungsarten vor, insbesondere das Recht, das Werk des Urhebers öffentlich aufzuführen. Die Zahl der urheberrechtsrelevanten Nutzungen stieg damit erheb- 21 Vgl.Meyer, S. 14 & Kreile/Becker, S. 593.
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Sascha Hartstack, 2004, Die Musikindustrie unter Einfluss der Digitalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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