INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
1. Wahrnehmung 4
1.1 Was ist Wahrnehmung? 4
1.2 Der Begriff Information 4
1.3 Die Sinne und Sinnesorgane 5
1.4 Die Stufen des Wahrnehmungsprozesses 5
1.5 Mehrdeutigkeit und Täuschungen 6
1.6 Körperliche Voraussetzungen 7
1.7 Prozesse der Wahrnehmungsorganisation 9
1.8 Die Bewegungswahrnehmung 11
1.9 Die Wahrnehmungskonstanzen 13
1.10 Die Identifikation der Umwelt 13
1.11 Die Wahrnehmung und die Handlungssteuerung 16
1.12 Die optischen Täuschungen 16
2. Typografie und Layout 19
2.1 Einführung in die Typografie und Gestaltung 19
2.2 Die Geschichte der Schrift 23
2.3 Warum sollte was wie gestaltet werden? 24
2.4 Grundlagen der Typografie 25
2.5 Layout 31
3. Gestaltung und Aufbau in der Fotografie 39
3.1 Der Einsatz von Farbe im Foto 39
3.2 Das Fotografieren von Konturen 39
3.3 Die Struktur als interessanter Bildinhalt 40
3.4 Wenn die Form zur Geltung kommen soll 40
3.5 Der Bildausschnitt 40
3.6 Allgemeines zum Betrachten eines Bildes 41
3.7 Die Bedeutung des Punktes als Bildelement 43
3.8 Die Linie als Rhythmus in einem Bild 44
3.9 Die Fläche als Gestaltungselement 46
3.10 Der Horizont in einem Bild 48
4. Didaktischer Teil 49
4.1 Einleitung 49
4.2 Erste Klasse 51
4.3 Zweite Klasse 58
4.4 Dritte Klasse 63
4.5 Vierte Klasse 67
4.6 Zusammenfassung 74
Quellenverzeichnis 76
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen
und Personen als Teilaspekt der visuellen
Kommunikation
Susanne Fürthauer, P GO 2 99 84 343
Seite 2
Die Welt, in der wir leben, ist geprägt von einer Dominanz der Medien, einer raschen Veränderung und Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten und damit der Menschen und deren sozialem Umfeld. Täglich entstehen neue Berufsbilder, alte verschwinden von der Bildfläche. Neue Anforderungen werden an die Menschheit gestellt, Kenntnisse erwartet, Fähigkeiten benötigt. Dies erfordert gerade bei Volks- und Hauptschul-Lehrbeauftragten, einen Grundstein zu legen, um den Schülern und Schülerinnen von heute einen guten Start ins Berufsleben morgen zu ermöglichen. Besonders eine grundlegende Fertigkeit ist für sämtliche Berufstypen, und seien sie noch so kurzlebig, von entscheidender Wichtigkeit - die Kreativität. Das Vermögen, neue Wege zu ersinnen oder in Stress- oder Krisensituationen einfallsreiche Lösungen zu finden, ist durchaus der Kreativität zuzurechnen und in modernen Berufen unentbehrlich. Doch gerade im Hinblick auf die zunehmende Wichtigkeit der neuen Medien wie dem Internet, mobiler und drahtloser Übertragungstechnologien oder der Werbung, sei es on- oder offline, ist ein weiterer Aspekt der Kreativität nicht zu unterschätzen: das Potential, Information in einer Weise zu strukturieren und gestalten, sodass einerseits die Prinzipien der einfachen Informationsaufnahme seitens des Betrachters erfüllt sind und andererseits auch eine gewisse „Schönheit“ oder Ästhetik in der Darstellung erzielt wird. Gerade in den Berufen des Designers, Layouters oder Grafikers, welche immer mehr an Bedeutung gewinnen, ist eben dieser Part der Kreativität ein essentieller Bestandteil der täglichen Arbeit. Kreativität ist nicht lernbar - man kann sie jedoch trainieren! Und daher ist es Aufgabe des Hauptschullehrers, dem Schüler bereits so früh wie möglich ein Training der Kreativität zu ermöglichen. Dazu ist der erste Schritt, die einfachen Gestaltungsprinzipien kennen zu lernen und anzuwenden.
Die vorliegende Diplomarbeit soll eine Einführung in die Materie geben. Dazu wird zunächst auf die der Gestaltung zugrunde liegende Wahrnehmung eingegangen, auch das Kapitel der Typografie wird kurz abgehandelt. Ein weiterer Teil beschreibt die Grundsätze von Gestaltung, auch in der Fotografie. Abschließend wurde ein einfacher Leitfaden erstellt, wie die Theorie im praktischen Unterricht umgesetzt werden kann und wie die Kreativität der Schüler durch „Geschmackserziehung“ trainiert werden kann.
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
1. WAHRNEHMUNG
1.1 Was ist Wahrnehmung?
„Mit dem Wort Wahrnehmen, umgangssprachlich benutzt, umschreiben Zusammenfassend aus:
Rainer Guski „Wahrnehmen - ein Lehrbuch“; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996 wir eine Tätigkeit, die uns kontinuierlich Informationen über Zustände und P.G. Zimbardo, R. J. Gerrig “Psychologie”; Verlag: Springer; 1996; 7. Auflage
Ereignisse in unserer Umgebung (und zum Teil in uns selbst) liefert.“ 1 Wahrnehmen passiert mit bestimmten Sinnen, wie dem Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen oder Spüren, wobei diese zur vollständigen Informationsüberlieferung zusammenspielen müssen. Es können alle Sinne dabei kombiniert werden. Die Sinne dienen erstens zur Aufnahme der Information und zweitens zur Verarbeitung dieser.
1.2 Der Begriff Information
Für den Begriff Information gibt es natürlich unterschiedliche Definitionen, wie die mathematische Informationstheorie, den objektiven und subjektiven Informationsbegriff und die strukturellen Informationstheorie. Die Mathematische Informationstheorie besagt, dass das aufzunehmende Bild strukturiert, das heißt, mit einem imaginären Raster überzogen wird. Der Objektive und der subjektive Informationsbegriff erklären sich dadurch, dass das Objekt in der Umwelt bereits eine Struktur hat. Diese wird bei Regelmäßigkeit wegreduziert. Beim subjektiven Informationsbegriff hängt es von der Erfahrung ab, etwas zu erkennen. Die Strukturelle Informationstheorie behauptet, dass es „gute“ und „schlechte“ Gestalten gibt. Gemeint sind damit die einfacheren Formen und die komplizierteren bzw. komplexeren Formen. Mehr dazu wird unter dem Kapitel „Gesetz der guten Gestalt“ näher erläutert. Ein weiterer Begriff ist die Affordanz, die beschreibt, dass „Lebewesen niemals wertfrei und ohne Bezug auf ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten Umwelt-Gegebenheiten betrachten können.“ 2 Zum Beispiel hat ein Stein für ein großes Lebewesen eine andere Bedeutung als für ein kleines Lebewesen.
Das Wahrnehmen evolvierte über Jahrmillionen, jede Lebensart entwickelte es speziell für die eigene Lebens- und Umweltsituation. Der
1. Rainer Guski “Wahrnehmen - ein Lehrbuch”; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996, S. 1
2. ebenda, S. 5
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
Mensch hat dabei den Vorteil, dass er „Wahrnehmungsfehler“ mit Hilfe der Technik ausgleichen kann. Jede Spezies, auch der Mensch, hat die gleiche Wahrnehmung, aber innerhalb jeder Art gibt es noch Feinunterschiede. Bei den Menschen gibt es sogar eine eigene Bezeichnung für Personen, die auf bestimmten Gebieten eine merkbar verfeinerte Wahrnehmung haben - sie werden „Spezialisten“ genannt.
Es werden nun noch Begriffe wie Umwelt, Objekte und Ereignis mit der Wahrnehmung in Verbindung gebracht. Umwelt bezieht sich auf den Raum, der die Lebewesen umgibt, Objekte sind die Bestandteile dieser Umwelt einschließlich der Lebewesen selbst und Ereignisse sind die Veränderungen an Wahrnehmungsgegenständen. 1.3 Die Sinne und die Sinnesorgane
Der Mensch besitzt im Regelfall fünf Sinne (hören, sehen, riechen, fühlen
und schmecken) und die dazugehörigen Sinnesorgane (Ohren, Augen, Nase, Haut und Mund). Die Qualität des Wahrgenommenen hängt nicht vom Reiz ab, sondern vom Nerv, der die Information leitet. Unterstützend dabei ist, dass der Nerv meist strukturierte Reize erhält, da die Energien in Abbildung 1: Grafische Darstellung der fünf der Umwelt bereits strukturiert sind. menschlichen Sinne
Es arbeiten alle Sinne zusammen, um eine möglichst genaue Information
zu liefern. Oft wird auch statt „wahrnehmen“ das Wort „empfinden“ verwendet, in der modernen Psychologie wird jedoch diese Unterscheidung vermieden.
1.4 Die Stufen des Wahrnehmungsprozesses
Der Wahrnehmungsprozess gliedert sich in drei Stufen: 1. das Empfinden / Wahrnehmen
Abbildung 2: In dieser Darstellung des menschlichen 2. das Organisieren Gehirns kann man ungefähr erkennen, welche Teile des Gehirns für die Verarbeitung der verschiedenen 3. das Identifizieren und Einordnen (wieder erkennen) Sinnesreize verantwortlich sind. 1.4.1 Das Empfinden / Wahrnehmen
„Empfinden bezieht sich auf die Umwandlung physikalischer Energie in neuronal kodierte Information, die vom Gehirn weiterverarbeitet werden kann.“ 3
3. P.G. Zimbardo, R. J. Gerrig, Psychologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1996, 7. Auflage, S. 106
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
1.4.2 Das Organisieren
Im Inneren des Auges wird ein Abbild des Gesehenen aufgebaut und eine Reizaufnahme, das so genannte Perzept, gebildet. Wichtig bei der Organisation ist außerdem die Synthese, die die Schätzungen (Größe, Form, Entfernung,..), vergangenes Wissen und den Reiz in einen Wahrnehmungskontext bringt. Ein Beispiel dafür wäre, dass nicht nur nach einer Farbe oder Form sortiert wird, sondern nach den Kriterien, die zu einem Objekt gehören.
1.4.3 Das Identifizieren und Einordnen
Den Perzepten werden nun Bedeutungen zugewiesen, die in der Erinnerung verankert sind. Zum Beispiel kann ein wahrgenommenes Rechteck ein Fenster, eine Tür oder ein Bild sein. Der proximale und der distale Reiz werden folgendermaßen beschrieben: Unsere Umwelt besteht aus dreidimensionalen Objekten, auf der Netzhaut kann aber nur ein zweidimensionales Bild entstehen. Dieses dreidimensionale Objekt unserer Umwelt wird nun als distaler Reiz bezeichnet und das zweidimensionale Abbild davon als proximaler Reiz. „Wahrnehmung besteht darin, dass die Person auf der Grundlage des proximalen Reizes den distalen Reiz identifiziert und einordnet.“
4
1.5 Mehrdeutigkeit und Täuschungen im Wahrnehmungsprozess
Die Mehrdeutigkeit eines Bildes kann den Wahrnehmungsprozess
erheblich verkomplizieren. Ein einzelnes Bild kann so viel Information beinhalten, dass es zu mehreren Interpretationen führen kann. Von Wahrnehmungstäuschung spricht man hingegen, wenn die Information mehr aus der Erfahrung (das ist immer so, das muss so sein), als
Abbildung 3: Die „Vase-Gesichter-Täuschung“ ist ein aus dem Wahrgenommenen besteht. Wahrnehmungstäuschungen Beispiel für ein mehrdeutiges Bild, je nach vertrauterer Form wird entweder eine Vase oder ein Pokal oder zwei, sich ansehende Menschen wahrgenommen. werden im Gegensatz zu Halluzinationen von vielen Menschen gleich wahrgenommen.
Warum wir nun unsere Umwelt erforschen können, liegt zum einen Teil in unseren Genen und zum anderen Teil in der Erfahrung. 1.5.1 Wozu brauchen wir die Wahrnehmung?
Zum einen Teil dient die Wahrnehmung der Umwelt- und Körperüberwachung
4. P.G. Zimbardo, R. J. Gerrig, Psychologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1996, 7. Auflage, S. 109
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
und zum anderen Teil der Ausführung von präzise gesteuerten Handlungen. Diese Handlungen erfolgen größtenteils unbewusst, wie zum Beispiel die Gleichgewichtssteuerung beim Gehen oder die Überprüfung der Bodenbeschaffenheit. Zu den bewussten Handlungen zählen das Lesen oder Musikhören und das Erkunden der Umwelt. Bei symbolischer Information muss die Struktur zuerst jedoch entschlüsselt werden, wie es zum Beispiel beim Erlernen einer Fremdsprache von Erfordernis ist. 1.5.2 Sind unsere Wahrnehmungen „korrekt“? Wenn wir alles hundertprozentig wahrnehmen könnten, würden wir zum Beispiel den Ultraschall hören, was aber nicht der Fall ist. Es gibt aber andere Lebewesen, die den Ultraschall hören können und somit dem Beweis dienen, dass er existent ist. Menschen haben viele „Probleme“ mit Hilfe der Technik gelöst. Doch es muss nicht an den inneren Umständen liegen, dass wir manches nicht wahrnehmen können, sondern es kann an äußeren Einwirkungen liegen, dass manche Botschaften nicht ihr Ziel erreichen.
Das im Volksmund „Sinnestäuschung“ genannte Phänomen ist ein Beispiel dafür, wie die Wahrnehmung dazu gebracht wird, nicht korrekt zu funktionieren.
1.6 Körperliche Voraussetzungen für Sehen, Hören und Bewegen 1.6.1 Das Sehen
„1. wir haben zwei Augen, 2. diese sind horizontal nebeneinander mit einem Abstand zwischen 5 und 8 cm voneinander angeordnet, 3. sie befinden sich oberhalb aller übrigen Körperteile - mit Ausnahme des Gehirns, 4. die Augen sind im Kopf willkürlich beweglich, 5. der Kopf selbst ist relativ zum Körper beweglich und 6. der Körper ist relativ zum Erdboden in der horizontalen Ebene in alle Richtungen beweglich.“ 5 - so weit die Definition nach Guski.
Das Auge wird von sechs Augenmuskeln, die durch drei Nerven angeregt werden, bewegt. Dabei gibt es die Konvergenzbewegung, die die Entfernung zur Nähe beschreibt und die Divergenzbewegung, die die Bewegung von der Nähe zur Entfernung meint. Weiters gibt es die Saccaden, das sind ruckartige sprunghafte
5. Rainer Guski “Wahrnehmen - ein Lehrbuch”; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996, S. 75
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
Bewegungen des Auges zur Erfassung der Umwelt. Vor allem beim Lesen sind die Saccaden zur Texterfassung wichtig. Die Augen springen von Wortgruppe zu Wortgruppe, von einem Fixationspunkt zum nächsten. Während der Saccaden wird keine Information aufgenommen. Erst bei den Fixationspunkten wird der Reiz verarbeitet und visuell aufgenommen. Die Augenfolgebewegung dient zur Verfolgung eines Objekts und wird von der Kopfbewegung unterstützt. 1.6.2 Der optische Apparat
Wie sieht das menschliche Auge eigentlich aus, was sind die einzelnen
Bestandteile? Um überhaupt zu wissen, was man sieht, muss die Information verschiedene Bereiche des Auges durchlaufen. Das menschliche Auge besteht grob aus einer Linse und einer Netzhaut. Genauer betrachtet funktioniert das Sehen folgendermaßen:
Abbildung 4: Das menschliche Auge mit Cornea, Iris, Das Licht dringt zuerst durch die Cornea (Hornhaut), die vordere Glaskörper und Retina
Augenkammer und die dahinter liegende Iris, danach durch den Glaskörper und trifft zuletzt auf die Netzhaut (Retina). Diese besteht außerdem aus Nervenzellen-, fasern, Stäbchen und Zäpfchen. Die Linse wirft nun das Bild verkehrt auf die Netzhaut. Das bedeutet, dass das Bild über Nervenfasern in die visuelle Hirnrinde weitergeleitet und umgedreht werden muss.
1.6.3 Die Verarbeitung in der Retina (Netzhaut) Das Gesehene muss natürlich auch weiterverarbeitet und verwertet werden. Dafür ist die Netzhaut zuständig. Es gibt drei Hauptschichten: die Photorezeptoren, die bipolaren Zellen und die Ganglien. Die Photorezeptoren bestehen aus 120 Millionen Stäbchen und 7 Millionen Zapfen oder Zäpfchen genannt. Die Stäbchen sind lichtempfindliche Rezeptorzellen, die im Randbereich der Netzhaut fixiert sind. Die Zapfen sind im Zentrum konzentriert und für das Farbensehen verantwortlich. Die bipolaren Zellen verbinden die Reize der Photorezeptoren und leiten sie an die Ganglienzellen weiter, deren Axone den Sehnerv bilden. 1.6.4 Helligkeitsadaption und Kontraste
Einer der wichtigsten Bestandteile des Auges, um überhaupt sehen zu können, sind, wie oben schon erwähnt, die Zäpfchen und Stäbchen. Sie reagieren unterschiedlich auf Licht, Kontraste und Farben. Es gibt hierbei vier Bereiche: die zeitliche Adaption, die lokale Adaption, der Flächenkontrast und das Farbsehen.
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
1.6.5 Die zeitliche Adaption
Stäbchen reagieren auf Licht geringer Helligkeit und Zäpfchen auf helleres. Daher sind die Zäpfchen nach 10 Minuten an Dunkelheit gewöhnt, Stäbchen hingegen erst nach 25 Minuten. Das heißt, wenn ein Mensch aus der Sonne in einen dunklen Raum geht, kann er erst nach wenigen Minuten grobe Umrisse erkennen und nach circa einer halben Stunde kann er alles genau erkennen. 1.6.6 Die lokale Adaption
Beim längeren Fixieren eines Bildes (30 Sekunden) und dem anschließenden Betrachten eines anderen Bildes sehen wir in diesem Bild Umrisse des ersten Bildes - ein sogenanntes Nachbild. Grund für die lokale Adaption ist die Ermüdung einzelner Rezeptorgruppen. 1.6.7 Der Flächenkontrast
„In einer hellen Umgebung sieht dieselbe Innenfläche dunkler aus als in
einer dunklen Umgebung.“ 6 1.6.8 Das Farbensehen
Zur Erklärung des Farbensehens gibt es zwei Theorien: Abbildung 5: Der Kreis im grauen Quadrat wirkt heller als der Kreis im weißen Quadrat, obwohl beide Die trichromatische Rezeptortheorie, die besagt, dass es drei denselben Schwarzanteil haben
Rezeptorarten gibt, die unterschiedliche Wellenlängen auffangen können. Die Primärfarben Rot, Grün, Blau und Kombinationen aus diesen lassen alle anderen Farben entstehen.
Die zweite Theorie ist die Gegenfarbentheorie, die davon ausgeht, dass es wiederum drei Rezeptortypen gibt, die drei Kontrastprozesse auslösen, nämlich Rot-Grün, Blau-Gelb und Schwarz-Weiß. Das heißt, dass es verschiedene Arten von Ganglienzellen gibt, die diese drei Zapfentypen kombinieren. Das sind jene, die durch Rot angeregt und durch Grün gehemmt werden, und jene, bei denen es genau umgekehrt verläuft.
1.7 Prozesse der Wahrnehmungsorganisation
Prinzipiell kann der Ablauf der Wahrnehmung und die Organisation in vier Gesetze eingeteilt werden. Diese vier Organisationsgesetze sind:
6. Rainer Guski “Wahrnehmen - ein Lehrbuch”; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996, S. 82
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
• die Gliederung in Bereiche
• die Unterscheidung von Figur und Grund
• das Prinzip der guten Gestalt und Gesetz der Prägnanz
• die Integration in Bezugsrahmen 1.7.1 Die Gliederung in Bereiche
Der erste Schritt bei der Wahrnehmungsorganisation besteht darin, herauszufinden, welche Regionen zusammengehören. Das wird zum Großteil durch die Farbe und die Oberflächenstruktur bestimmt. Um ermitteln zu können, was als Region anzusehen ist, sind die Neuronen in der Kortex, dem präfrontalen Hirnlappen, zuständig, wobei es wiederum verschiedene Arten gibt. Eine Gruppe ist für das Aufspüren von Farbunterschieden, eine andere für das Entdecken von Strukturänderungen verantwortlich.
1.7.2 Die Unterscheidung von Figur und Grund
„Man kann sich die Figur als eine oder mehrere objektartige Regionen im Vordergrund des Gesamteindruckes vorstellen. Die Bezeichnung Grund bezieht sich auf eine Art von Hintergrund, von dem sich die Figur abhebt.“ 7 Man sieht fast immer die Figur vor einem Hintergrund. Es kann dabei sogar vorkommen, dass die wahrgenommene Figur gar nicht dargestellt wird, obwohl man die Figur sieht. Dies passiert, wenn man kurz vorher ein Objekt betrachtet hat und das Auge dann auf eine leere Fläche wechselt. Oder es sind wenige Punkte vorhanden und unser Kopf vervollständigt die Konturen zu einer Figur. Das nennt man die illusionären subjektiven Konturen, das heißt, die Konturen sind lediglich in der Erfahrung vorhanden. Der Grund dafür ist die Geschlossenheit, die zur vollständigen, ausgeglichenen und symmetrischen Wahrnehmung tendiert. Ein weiterer Punkt ist die Gruppierung, die in drei Gestaltgesetze eingeteilt wird.
- Das Gesetz der Nähe
Damit ist gemeint, dass Symbole, die relativ eng zusammen positioniert sind, als Gruppe zusammengefasst werden, obwohl die Grundvoraussetzungen dieselben sind.
- Das Gesetz der Ähnlichkeit
Das Gesetz der Ähnlichkeit besagt, dass die Reize, die sich von zum
7. P.G. Zimbardo, R. J. Gerrig, Psychologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1996, 7. Auflage, S. 131
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
Beispiel der Form, Farbe oder Struktur am ähnlichsten sind, als Gruppe gesehen werden. - Das Gesetz des gemeinsamen Schicksals Hierbei geht es um Bewegung. Symbole, die sich in dieselbe Richtung bewegen oder gleich schnell sind, werden zu einer Gruppe zusammengefasst.
1.7.3 Das Prinzip der guten Gestalt und Gesetz der Prägnanz Die guten Gestalten beziehen sich auf Formen, die einfach, regelmäßig und symmetrisch sind. Diese Formen sind leicht zu merken und erscheinen uns dadurch sehr vertraut. Eine schlechte Gestalt ist daher eine sehr unregelmäßige, schwer zu erkennende Form, die aus mehreren zusammengesetzten guten Gestalten besteht. Darauf fußt das Prägnanzgesetz, das besagt, dass alles so wahrgenommen wird, als wäre es nach einfachen Organisationsprinzipien aufgebaut. 1.7.4 Die Integration von Reizkonfigurationen in Bezugsrahmen Das Auge sucht sich immer einen Bezugsrahmen, um die Lage der Form zu erkennen. Ist in der Nähe kein Bezugsrahmen vorhanden, wird das Gesichtsfeld verwendet.
1.8 Die Bewegungswahrnehmung
Um uns geschickt durch den Alltag bewegen zu können, müssen wir abschätzen, wie weit entfernt einzelne Personen oder Gegenstände sind. Dies wird durch das Anwachsen der Formgröße vermittelt. Es gibt auch in diesem Bereich wieder verschiedene Arten von Täuschungen, beispielsweise die induzierte Bewegung und die Scheinbewegung (Phi -Phänomen).
Die induzierte Bewegung kommt zum Beispiel vor, wenn man im Zug sitzt und der Zug daneben fährt gerade ab, was dazu führt, dass man glaubt, der eigene Zug würde fahren. Dies hat wiederum mit dem Bezugsfeld zu tun. Das heißt, man nützt eine größere Figur als Bezugsfeld für eine kleinere. Der Zug daneben ist größer als „mein“ Fenster, daher ist der Zug das Bezugsfeld und „mein kleines“ Fenster erscheint als das Bewegte. Diese Scheinbewegungen machen sich zum Beispiel Leuchtreklamen zunutze. Das funktioniert folgendermaßen, dass „zwei feste Lichtpunkte an unterschiedlichen Positionen des Blickfeldes abwechselnd mit einer
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
Frequenz von 4 - bis 5mal pro Sekunde an- und ausgeschaltet werden“. 8 Die Wahrnehmung reduziert diese Bewegung auf die einfachste, das ist in diesem Fall eine Linie.
Wichtig für die Bewegung ist vor allem die Tiefenwahrnehmung, da wir uns im dreidimensionalen Raum bewegen. Dazu sind die unterschiedlichen Informationsquellen der Entfernung notwendig. Diese sind in vier Bereiche gegliedert.
• Die Querdisparation
Jedes Auge erzeugt ein eigenes Bild, da die Pupillen im Durchschnitt 6 cm auseinander liegen. Die Differenz zwischen den verschiedenen Bildern fußt auf dem horizontalen Unterschied zwischen den Pupillen, den man auch Querdisparation nennt. Wenn jemand schielt, sieht er beide Bilder, weil diese Verschiebung (Querdisparation) nicht eintreten kann.
• Die Konvergenz
Mit Konvergenz meint man, dass die Achsen der Augen aufeinander zu laufen, wenn ein Objekt anvisiert wird.
• Die Bewegungsparallaxe
Die Bewegungsparallaxe ist eine Bezeichnung für die Tiefeninformationen, die das Auge aus den relativen Entfernungen der Gegenstände in der Welt und deren Bewegungen auf der Netzhaut ermittelt.
• Der Abbildungsfaktor
Dazu gibt es vier Punkte zu nennen, nämlich die Verdeckung, den Faktor der relativen Größe, die lineare Perspektive und die Texturgradienten. Die letzten beiden Punkte kommen vor allem in der Malerei zum Einsatz. Die Verdeckung beschreibt, dass verdeckte Körper weiter entfernt sein müssen. Der Faktor der relativen Größe bezieht sich darauf, dass Körper in der Entfernung kleiner dargestellt sind als Körper in der Nähe. Die lineare Perspektive handelt vom Fluchtpunkt. Das heißt, dass alle Linien, die nach hinten führen, zu einem Punkt zusammenlaufen. Die Texturgradienten beziehen sich auf die Oberflächenstruktur, die sich mit der Entfernung verdichtet und schemenhafter wird.
8. P.G. Zimbardo, R. J. Gerrig, Psychologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1996, 7. Auflage, S. 135
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
1.9 Die Wahrnehmungskonstanzen
Es wäre für uns ziemlich anstrengend, wenn nicht sogar unmöglich, wenn
wir alle Reize, die auf uns treffen, in der Weise registrieren würden, wie unsere Augen das tun. Die Reize auf der Netzhaut ändern sich ständig und trotzdem bleibt die Umwelt für uns gleich. Ein Buch beispielsweise wird konstant als stehend wahrgenommen, auch wenn man eine Drehung mit dem Kopf im Uhrzeigersinn macht. Das Bild auf der Netzhaut dreht sich natürlich gegen den Uhrzeigersinn. Gemeint ist, dass, obwohl sich die Reize ständig ändern, die Umwelt immer gleich, konstant und stabil bleibt. Das Buch dreht sich nicht mit. In diesem Kontext sind vor allem die Größenkonstanz und die Formkonstanz von Relevanz. Die Größenkonstanz beschreibt die Fähigkeit, die Größe eines Gegenstandes zu erkennen, obwohl die Größe der Abbildung auf der Netzhaut ständig variiert. Für die Berechnung der Größe sind natürlich die Tiefenwahrnehmung (Entfernung und dazu nötige Informationen) und die Entfernung des Auges vom Gegenstand wichtig. Auch hier kann es zu Täuschungen kommen, wenn die Messungen mit unserem Wissen in Verbindung gebracht werden, wie das Beispiel vom „Amess‘schen Raum“ belegt.
Die Formkonstanz bedeutet, dass wir Formen auch dann noch erkennen, wenn sie ihre Lage verändern. Zum Beispiel bleibt eine Münze ein Kreis, auch wenn sie von der Seite betrachtet wird.
1.10 Die Identifikation der Umwelt
Das Wiedererkennen wird durch ein Zusammenspiel der Wahrnehmung und der Verarbeitung durch das Gehirn erreicht. Da der Ablauf des Wiedererkennens abhängig vom Gesehenen ist, wird dieser Automatismus im menschlichen Organismus im folgenden in vier Kategorien klassifiziert. 1.10.1 Die Identifikation von Gesehenem
Durch Identifizieren und Einordnen sind wir in der Lage, Gegenstände wieder zu erkennen oder zu bezeichnen. So wird natürlich auch die Verständigung unter den Menschen möglich gemacht. „Wenn man einen Gegenstand identifiziert, muss man das, was man
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
sieht, mit dem Wissen, das im Gedächtnis gespeichert ist, vergleichen.“ 9 Schritte dafür sind die Bottom-up-und Top-down-Verarbeitung. Die Bottom-up-Verarbeitung besagt, dass Reize wahrgenommen werden, dann in die Kortex weitergeleitet und dort in Informationen gefiltert werden. Das wird auch datengeleitete Verarbeitung genannt. Unterstützt wird dieser Vorgang von der Top-down-Verarbeitung, die Erfahrungen, Erwartungen, Wissen, Motivation, und ähnliches beinhaltet. Wenn zum Beispiel auf einer Party eine Unterhaltung geführt wird, ist es oft unmöglich, jedes Wort zu verstehen. Die Sätze, die Lücken aufweisen, werden durch das Zusammenspiel der Bottom-up-und Top-down-Verarbeitung vervollständigt. 1.10.2 Die Identifikation von Objekten
Es werden drei Theorien zu diesem Thema vorgestellt: das Pandämonium-Modell, das Wiedererkennen nach Marr und Biedermans Geon-Theorie. 1.10.2.1 Das Pandämonium-Modell
Das Pandämonium-Modell konzentriert sich auf Schriftzeichen. Es wird behauptet, dass für die Darstellung von Schriften einfache und wenige geometrische Formen wie horizontale oder vertikale Linien, Kreissegmente, Ecken oder Schrägstriche verwendet werden. Diese Formen sind leicht zu merken und auch nach Transformationen noch zu erkennen. Eine Ausweitung dieser Theorie in die anderen Bereiche, wie das Hören oder die Bilderkennung wagten Lindsay & Norman. Sie beschreiben einen Aufnahmeweg der Information über „Dämonen“. Zuerst wird die Information über „Signaldämonen“ zu den Rezeptoren geleitet, um dann über die „Merkmalsdämonen“ zu den „kognitiven Dämonen“ zu gelangen. Diese leiten die Information zu den „Entscheidungsdämonen“, wo sie ergänzt oder Fehler ausgebessert werden. 1.10.2.2 Wiedererkennen nach Marr
Diese Methode bedient sich des Zylinders als Grundform für alle Objekte, wobei Pyramide und Kugel dazugezählt werden. Der Zylinder ist eine einfache dreidimensionale Form, die laut Marr das Wiedererkennen leichter macht. Vorraussetzung dafür ist, dass das Objekt eine Symmetrieachse besitzt, was in der Natur sehr häufig vorkommt. Auch der Mensch kann
Abbildung 7: Wiedererkennen nach Marr, verdeutlicht mit Zylindern dargestellt werden. Marr‘s Theorie ist jedoch noch nicht am Beispiel eines aus Zylindern bestehenden menschlichen Körpers
9. P. G. Zimbardo, R. J. Gerrig, Psychologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1996, 7. Auflage, S. 143
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
wissenschaftlich belegt worden. 1.10.2.3 Biedermans Geon-Theorie
Biedermans Geon-Theorie ist ähnlich wie die Marr’s, nur, dass er
nicht alleine den Zylinder verwendet, sondern von 36 verschiedenen Grundbausteinen ausgeht (Quader, Kegel, Pyramide, ...), die sogenannten Geons (geometric ions). Er meint, dass das Gehirn ein Objekt in diese Komponenten zerlegt, und zwar an markanten Stellen wie Abbildung 8: Beispiele für geometric ions (Geons) und wie laut Biederman Objekte daraus zusammengesetzt Konturänderungen. So können auch Gegenstände, die teilweise verdeckt werden
sind, wieder erkannt werden. Der Ablauf sieht so aus, dass „segmentierte und auf Geons reduzierte Bildteile mit ihren Relationen zueinander im Gedächtnis gespeichert sind und während der Identifikation mit der aktuell vorliegenden Strukturbeschreibung verglichen werden.“ 10 Eines wird jedoch bei den genannten Theorien nicht berücksichtigt: die Größe, Farbe, Oberflächenbeschaffenheit und Orientierung des Objekts. Biederman rechtfertigt sich mit dem Argument, dass sich von der Strichzeichnung auf die Fotografie nicht viel ändert. Wie muss ein Objekt orientiert sein?
Es gibt bei der Orientierung eines Objekts eine Standardansicht, die für den Menschen am schnellsten und leichtesten die Identifizierung möglich macht - die Ansicht von schräg vorne. 1.10.3 Die Identifikation von Personen
Zur Klassifizierung und Identifizierung von Personen sind sowohl „einzelne Merkmale im Gesicht wichtig als auch die Konfiguration (z.B.: Verhältnis von Nasenlänge zur Gesamtlänge des Gesichts, relative Position der Augen usw.)“ 11 . Soweit die Ansicht von Guski, in der Wirklichkeit geht das Identifizieren jedoch noch weiter - meist kann man beispielsweise schon anhand der Umrisslinie des Kopfes das ungefähre Alter einer Person erkennen.
Schwierigkeiten beim Erkennen treten auf, wenn das Porträt auf den Kopf
gestellt, also eine andere Orientierung vorliegt, oder der Charakter nicht von schräg vorne, was das Optimum wäre, sondern zum Beispiel in der Seitenansicht, isometrisch oder von hinten abgebildet ist.
Abbildung 9: Wenn ein Porträt auf dem Kopf steht, ist
es wesentlich schwieriger zu identifizieren
10. Rainer Guski “Wahrnehmen - ein Lehrbuch”; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996, S. 199
11. ebenda, S. 206
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
1.10.4 Die Identifikation von Ereignissen Wichtig dabei sind nach James Gibson drei Aspekte:
- Die Veränderungen in der Flächenanordnung als Folge von Krafteinwirkung (z.B.: Zerreißen eines Stoffs).
- Die Veränderungen der Farbe und Textur durch Veränderungen in der Zusammensetzung der Flächen (z.B.: Reifen von Obst).
- Das Werden und Vergehen von Oberflächen durch Veränderungen im Zustand der Materie (z.B.: kann Wasser verdampfen). „Grundprinzip aller optischen Ereignisse ist eine in der Zeit ablaufende Störung einer bestehenden optischen Anordnung“ 12 .
1.11 Die Wahrnehmung und die Handlungssteuerung
Der Alltag ohne Wahrnehmung wäre für uns nahezu unmöglich. Mittels unserer Wahrnehmung können wir entscheiden, ob wir etwas tun können oder nicht. Zum Beispiel, ob eine Steigung oder eine Treppe anhand der eigenen persönlichen Fähigkeiten und des vorhandenen Kraftpotentials begehbar ist, oder ob problemlos durch eine Öffnung getreten werden kann. Unvermeidlich ist aber das richtige Abschätzen von Hindernissen, die ständig im Alltag vorkommen, mit denen man möglichst nicht kollidieren sollte.
1.12 Die optischen Täuschungen
„Als Sinnestäuschungen gelten Situationen, in denen das Ergebnis des Wahrnehmens nicht mit physikalisch messbaren Eigenschaften des Wahrgenommenen übereinstimmt“ 13 .
James Gibson, ein amerikanischer Wahrnehmungspsychologe, hat diesen
Bereich genauer untersucht und folgendes festgestellt: Der Grund für optische Täuschungen ist, wenn der Mensch unzureichende Informationen erhält. In den meisten Fällen geschieht das bei zweidimensionalen Strichzeichnungen ohne Hintergrund oder Tiefeninformation. Die menschliche Wahrnehmung versucht immer, ins Dreidimensionale zu ergänzen, was man anhand des Beispiels von Müller - Lyer sehr gut
Abbildung 9: Die Abstände zwischen den Pfeilspitzen erkennen kann. Die Pfeilspitzen werden als Andeutung in die dritte erscheinen verschieden lang (Beispiel von Müller-Lyer)
Dimension wahrgenommen, daher entstehen Probleme beim Schätzen des Abstands zwischen den Pfeilen.
12. Rainer Guski “Wahrnehmen - ein Lehrbuch”; Verlag: Kohlhammer Berlin - Köln; 1996, S. 209
13. ebenda, S. 229
“Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen
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Susanne Fürthauer, 2002, Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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Susanne Fürthauer hat den Text Die visuelle Identifikation von Objekten, Ereignissen und Personen als Teilaspekt der visuellen Kommunikation veröffentlicht
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