INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. DIE AUSGANGSSITUATION. 3
3. LUTHERS SPRACHMÄCHTIGKEIT 5
3.1 EINWIRKEN VERSCHIEDEN ER SPRACHVARIETÄTEN AUF LUTHER 5
3.2 LUTHERS WORTSCHATZ 7
3.3 LUTHERS SYNTAX 11
4. LUTHERS EINFLUSS AUF DIE NEUHOCHDEUTSCHE
SCHRIFTSPRACHE. 14
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1. Einleitung
In dieser Hausarbeit soll Luthers Bedeutung für die Entwicklung der Neuhochdeutschen Schriftsprache untersucht werden. Um eine Einschätzung abgeben zu können, wie groß Luthers Einfluss auf die Gestaltung der neuhochdeutschen Schriftsprache war, scheint es allerdings unerlässlich auf zwei Punkte zuvor zu sprechen zu kommen. Zum einen ist es die Ausgangssituation, in der sich Luther befand, als er die Bibelübersetzung und andere Schriften veröffentlicht e. Es stellt sich die Frage, wie Sprache zu Luthers Zeit organisiert war und wie einheitlich sie im deutschsprachigen Raum realisiert wurde. Zum anderen muss die Luthersprache, wie sie sich in den verschiedenen Schriften auffinden lässt, näher betrachtet werden. Hierfür werden die Bereiche Wortschatz und Syntax gena uer untersucht, um an einigen charakteristischen Merkmalen Luthers Sprachmächtigkeit exemplarisch aufzuzeigen. Anhand dieser Beobachtungen kann dann abschließend geschlussfolgert werden, wie und in welchem Umfang Luther zur Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache beigetragen hat. Zur Verdeutlichung einzelner Be ispiel wird an einigen Stellen Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“ angeführt werden. Eine Kopie dieses Briefs, der 1530 entstand, findet sich im Anhang dieser Arbeit.
2. Die Ausgangssituation
Zu Zeiten Luthers existierte in Deutschland keine verbindliche, einheitliche Sprache. Viele kleine Staaten, Königreiche und Herzogtümer brachten ihre eigenen Sprachvarietäten hervor, die oft so unterschiedlich waren, dass Regionen, die nicht weit entfernt voneinander lagen, die Sprache der Nachbarn kaum verstanden. Ein Be ispiel soll diese Situation verdeutlichen:
Melchior Hoffmann, ein Anhänger der Wiedertäufer, musste sich 1533 in Straßburg vor Bucer und den dort ansässigen Predigern theologisch verantworten. Hoffmanns Argumentationsführung wurde im Nachhinein von Brucer festgehalten und in überarbeiteter Form in den Druck gegeben. Da sich kurze Zeit später auch die Stadt Münster mit den Wiedertäufern auseinandersetzen musste, sollte der Druck dabei berücksichtigt werden. Bei der Durchsicht stellte sich heraus, dass die Ratsherren von Münster den Text nicht verstanden, so dass er über Nacht „übersetzt“ werden musste. „Texte
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mußten also von einer landschaftlichen Schreibsprache in die andere umgeschrieben oder gar übersetzt werden, wenn der sprachliche Abstand zu groß war, etwa zum Niederdeutschen hin.“ (Besch, 1999, 8)
Zu unterscheiden ist des Weiteren zwischen der Schreibsprache und der gesprochenen Sprache. Während man die Schreibsprache noch übersichtlich in fünf große Haup tgruppen fassen kann (die mittelniederdeut sche, die Kölner, die ostmitteldeutsche, die südöstliche sowie die südwestliche Schreibsprache), existieren um 1500 etliche regionale Varietäten in der gesprochenen Sprache. (vgl. Stedje, 2001, 122) Joachim Schildt kennzeichnet in seiner Abhandlung über „Luthers Sprachschaffen“ diesen Zustand als diatopische Ebene und führt noch zwei weitere wichtige Ebenen auf, die Luther zu Beginn seines Sprachschaffens zu Grunde lagen. Zum einen ha ndelt es sich um die diastratische (soziale) Ebene und zum anderen um die diasituative Ebene. Bei der ersten stellt Schildt heraus, dass die Schreibsprache den wenigsten Menschen überhaupt zugänglich war. Nur wenige gebildete Bürger und der Adel waren des Schreibens und Lesens überhaupt mächtig. Eine Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenz in der Bevölkerung sollte erst mit der anhaltenden Reformation und der Weiterentwicklung des Buchdrucks einhergehen. Bei der diastratischen Ebene muss berücksichtigt werden, dass sich die Sprache innerhalb eines Volkes in den verschiedenen Schichten unterschiedlich ausgeprägt hat und sich somit die Sprache des einfachen Bauern von der des Adligen unterschied. Anhand der diasituativen Ebene beschreibt Schildt abschließend den Vormarsch der Deutschen Schreibsprache gegenüber der früher üblichen Lateinischen Form. (vgl. Schildt, 1984) Besonders in den wirtschaftlichen und verwaltungsorganisatorischen Beziehungen der einzelnen Territorien löste seit der zweiten Hälfte des 13. Jh.s die Deutsche Schreibsprache allmählich das Latein als Urkunden- und Amtssprache ab, „zuerst im Süden und dann zeitversetzt nach Norden […], so daß gegen Ende des Mittelalters deutsch in den Kanzleitexten vorherrschend war. Und damit war natürlich auch das Problem der innerdeutschen Sprachvielfalt gegeben.“ (Tschirch, 1989, 98) Auf diesen sprachlichen „Flickenteppich“ einzuwirken und auch den verschiedenen Bevölkerungsschichten gerecht zu werden, scheint auf den ersten Blick sehr schwierig zu sein, und doch hat Luther seinen Teil zu einer Deutschen Einheitssprache beige tragen. Wie groß sein Einfluss war, und ob man von Luther als den Schöpfer unserer heutigen Schriftsprache sprechen kann, wird sich im weiteren Verlauf dieser Arbeit zeigen. Zunächst soll nun Luthers Sprachmächtigkeit näher untersucht werden.
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3. Luthers Sprachmächtigkeit
3.1 Einwirken verschiedener Sprachvarietäten auf Luther Vergleicht man die Sprache Luthers mit anderen Schreibern seiner Zeit und seinen Vorgängern, wird schnell offensichtlich, dass Luther in seinen Schriften die Sprache nicht neu erfunden hat, und somit auf schon Vorhandenes zurückgegriffen hat. Das Neue in der Luthersprache ist unter anderem die Kombinatorik aus verschiedenen Sprachvarietäten, die seine Schriften so einzigartig machen. Selbst Druckerzeugnisse, die nicht mit seinem Namen gekennzeichnet waren, konnten schnell von den damaligen Gelehrten auf Luther zurückgeführt werden. Doch woher besaß Luther diesen enormen Wortschatz und die Gabe der Kombinatorik? Zum Teil lässt sich diese Frage biografisch beantwo rten.
Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle Luthers Herkunftsort und seine späteren Aufenthaltsorte. Diese liegen nämlich alle direkt an der Sprachgrenze zwischen dem Niederdeutschen (Eisleben, Mansfeld, Magdeburg und Wittenberg) und dem Ostmitteldeutschen (Eisenach und Erfurt). Luthers Eltern stammten gebürtig aus Möhra, das dem Ostmitteldeutschen angehörte. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Eisleben und später nach Mansfeld, wobei Luther simultan durch das Ostmitteldeutsch der Eltern und das Niederdeutsch seiner Umgebung beeinflusst wurde. Die Lage, zwischen diesen eben angesprochenen Sprachgrenzen, und der generellen Mittellage des Ostmitteldeutschen, war wichtig für Luthers Spracherfahrung und sein späteres Einwirken auf die Deutsche Sprache. „Man darf nur einmal das Denkexperiment machen und Luther aus Kiel oder aus Konstanz kommen lassen, um den sprachhistorischen Glücksfall seiner Mittellage zu ermessen.“ (Tschirch, 1989, 108)
Schon im Alter von fünf Jahren besuchte Luther die Lateinschule. Neben dem Ostmitteldeutsch und dem Niederdeutsch lernte er also schon sehr früh eine weitere Sprache kennen. Mit 17 Jahren begann Luther dann ein Studium in Erfurt. Sein Vater hatte die Hoffnung, dem Sohn durch ein Studium später ein gutes Einkommen zu verschaffen, als Jurist. Während des Studiums machte sich Luther mit der Sprache der Sächsischen Kanzlei vertraut, wie er später selbst betonte: „Ich rede nach der Sechsischen cantzley,…“. (Luther, zit. n. Polenz, 1991, 175)
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Arbeit zitieren:
Oliver Bock, 2004, Luthers Bedeutung für die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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