3
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Das Ziel dieser Hausarbeit liegt darin, die Besonderheiten der beiden Marktformen vollständige Konkurrenz (Polypol) und der Marktform des Monopols herauszuarbeiten und gegenüberzustellen. Es handelt sich hierbei um die beiden extremen Ausprägungsformen in der Marktformenlehre. Der Vergleich dieser beiden Marktformen ist so alt wie die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften. Schon der schottische Philosoph und Nationalökonom Adam Smith (1723 – 1790) beschreibt in seinem 1776 erstmals erschienenen Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ die Gegensätze zwischen Monopol und vollständiger Konkurrenz. Smith, dessen grundlegende Ideen im 19. Jahrhundert von Ricardo, Say und Mill aufgegriffen wurden, war ein Vertreter des freien Wettbewerbs, der im Grunde genommen nichts anderes als das Polypol darstellt, und Smith lehnte jeglichen Dirigismus von Seiten des Staates kategorisch ab.
So schreibt Smith z.B.: „Ein Monopol, das einem einzelnen oder einer Handelsgesellschaft gewährt wird, wirkt wie ein Handels- oder Fabrikationsgeheimnis. Der Monopolist versorgt nämlich den Markt ständig mangelhaft und befriedigt die effektive Nachfrage niemals ganz, so dass er seine Ware weit über dem natürlichen Preis verkaufen kann, wodurch seine Einkünfte, ob Loh oder Gewinn, beträchtlich über die natürliche Höhe steigen.
Der Monopolpreis ist auf jeden Fall der höchste, den man erzielen kann. Demgegenüber ist der natürliche Preis bei freier Konkurrenz der tiefste, den man nehmen kann, wenn auch sicherlich nicht bei jeder Gelegenheit, so doch über eine geraume Zeit hinweg. Der erste ist immer und überall der höchste, den man aus den Käufern herauspressen kann oder mit dem sie vermutlich einverstanden sein werden, der zweite ist der niedrigste, den der Verkäufer gewöhnlich noch hinnehmen kann, ohne aus dem Markt ausscheiden zu müssen. 1 “
Auch heutzutage ist das Monopol ein heftig umstrittenes Thema. Gerade im Zusammenhang mit der Europäischen Union wird für die Abschaffung von Monopolen argumentiert (z.B. Postmonopol uvam.). Es wir hier vielfach der Grund genannt, dass Monopole gegen den EWG-Vertrag verstoßen, der geschlossen wurde um den freien Waren- und Dienstleistungs-Austausch in den Staaten der Gemeinschaft zu verwirklichen.
Ein anderes Beispiel wäre das so genannte Tetra-Pak-Urteil, der Europäischen Union: „Dort wurde der Kartonverpackungshersteller Tetra Pak zu hohen Strafen wegen des Missbrauchs einer wirtschaftlichen Machtstellung verurteilt. 2 “.
Was also auffällt ist, dass es schon immer sehr starke Gegensätze und eine Diskussion über das Thema „Monopol im Vergleich zum Polypol“ gegeben hat und das diese bis in die heutige Zeit andauern bzw. durch politische Veränderungen neu entstehen. Es handelt sich bei dem Thema meiner Betrachtung also nach wie vor um einen absolut aktuellen Zusammenhang.
1 vgl. Adam Smith, „Der Wohlstand der Nationen“, 7. Auflage (1996),Erstes Buch S. 54
2 vgl. Fees/Tibitanzl, (1993), S. 53
4
1.2 Vorgehen in dieser Hausarbeit
Die vorliegende Hausarbeit ist so strukturiert, dass zuerst einmal allgemein dargestellt wird, was ein Markt ist, welche Marktformen es überhaupt gibt, und warum die Notwendigkeit besteht, diese voneinander abzugrenzen.
Dann geht die Betrachtung dazu über, die beiden extremen Marktformen Polypol und Monopol detailliert zu beschreiben und ihre Besonderheiten darzulegen um letztlich in einem kurzen Vergleich und einer abschließenden Betrachtung zu schließen. Dabei liegt der Akzent weniger in der Wertung der einzelnen Marktform, sondern vielmehr in einer Ausarbeitung der markanten Unterschiede.
2 Markt und Marktformen
2.1 Der Markt
Bei dieser Betrachtung ist es zunächst einmal wichtig den Begriff des Marktes zu definieren. Als Markt bezeichnet man in der Regel den „ökonomischen ort des Tausches, an dem sich durch Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage Preise bilden. 3 “
Es gibt verschiedenen Arten von Märkten. Sie werden unterteilt nach sachlichen, organischen und Marktzutrittsmerkmalen.
2.2 Notwendigkeit der Abgrenzung der Marktformen
Will man z.B. die Preisbildungsprozesse auf unterschiedlich strukturierten Märkten analysieren um sie z.B. wohlfahrtstheoretisch zu interpretieren ist es vorher notwendig, die verschiedenen Marktformen genau abzugrenzen und nach ihren Besonderheiten zu unterscheiden.
Ein weit verbreitetes Schema zur Abgrenzung von Marktformen ist das Morphologische Marktformenschema von Heinrich von Stackelberg (1905-1946).
Bei der Betrachtung des vorliegende Schemas zur Abgrenzung von Marktformen fällt auf, dass die beiden in dieser Hausarbeit betrachteten Marktformen zwar auf der Nachfragerseite gleich, dafür
3 vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (1993), S.2204 ff
5
aber auf der Anbieterseite vollkommen gegensätzlich sind. Es handelt sich hier also um zwei streng gegensätzliche Marktformen, die nun der Betrachtung unterzogen werden.
3 Vollkommene Konkurrenz
Bei dem Modell der vollkommenen Konkurrenz (Polypol, atomistisch homogene Konkurrenz) handelt es sich um ein in der Realität selten erfüllt ist 4 . Nichtsdestotrotz ist die Marktform des Polypols dazu geeignet, gewisse ökonomische Vorgänge in der Wirklichkeit zu erklären.
3.1 Markteigenschaften der vollkommenen Konkurrenz (Prämissen)
Wollte man einen wirtschaftlichen Zusammenhang sehr genau darstellen müsste man theoretisch eine Unmenge von Daten zur Verfügung haben und äußerst komplizierte Modelle konstruieren, um die oft komplexe Realität abzubilden. Dieses ist nahezu unmöglich. Daher bedient man sich eines Modells. Ein Modell geht von bestimmten Grundannahmen aus und hält bestimmte Bedingungen konstant. Es setzt also Prämissen voraus, die den Gesamtzusammenhang einfacher darzustellen helfen. Man kann also sagen, dass das Modell ein vereinfachtes Abbild der Realität ist.
Das Modell der vollkommenen Konkurrenz (Polypol) geht auch von einigen Prämissen aus, die im Folgenden kurz erläutert werden.
Es werden folgende Merkmale unterstellt:
a.) Große Anbieterzahl:
In einem Polypol werden unendlich viele Anbieter und unendlich viele Nachfrager, die sich gegenüberstehen unterstell.
b.) Gleichgroßer Marktanteil:
„Jeder Anbieter hat in etwa einen gleichgroßen Marktanteil. Diese Bedingung schließt aus, dass unter einer großen Zahl ein starker Anbieter mit großem Marktanteil ist.“ 5
c.) Gleichartigkeit des Angebots:
Nach Auffassung der Nachfrager sind alle Produkte gleich. Man spricht auch von Homogenität der Güter.
d.) Keine räumlichen, persönlichen, zeitlichen Präferenzen:
Es ist den Verbrauchern egal, wo sich der Markt befindet und alle Nachfrager können den Markt erreichen. Jeder (Ver-)Käufer ist bereit mit jedem (Ver-)Käufer ein Geschäft abzuschließen, es existieren keine Bevorzugungen. Der Markt ist rund um die Uhr von jedem Käufer und Verkäufer zu erreichen.
e.) Preis als Datum :
Bei der vollkommenen Konkurrenz ist die Marktmacht des einzelnen Unternehmens so gering, dass es nicht in der Lage ist den Preis zu beeinflussen. Also ist der Preis für das Unternehmen ein Datum. Die einzige Anpassungsmöglichkeit des Unternehmens liegt in der Menge, es kann lediglich als so genannter Mengenanpasser angieren. Es muss also analysiert werden welche menge das Unternehmen ausbringt, wenn man sein Angebotsverhalten bewerten möchte.
4 vgl. Siebert (1996), S. 153
5 vgl. Siebert (1996), S. 153
6
f.) Vollständige Markttransparenz:
Alle Wirtschaftssubjekte kennen die Bedingungen zu denen andere Wirtschaftssubjekte zum Tausch bereit sind.
g.) Grenzkosten gleich Preis:
Beim Modell der vollständigen Konkurrenz wird unterstellt, dass jedes Unternehmen seinen Gesamtgewinn maximieren will.
3.2 Nachfragefunktion
Eine der wichtigsten Funktionen in der Mikro- und Makroökonomie stellt die Nachfragefunktion dar. „Sie bildet die Auswirkungen der Güterpreise auf die Nachfragemengen ab, die Konsumenten zu kaufen wünschen. 6 “ Einfach gesagt beschreibt die Nachfragefunktion dass die Menge eines Gutes, die der Konsument gewillt ist zu einem gegebenen Preis zu kaufen, unter der Annahme dass alle anderen entscheidenden Faktoren konstant gehalten werden (also ceteris paribus), die Nachfragemenge darstellt.
Die Nachfragefunktion stellt sich wie folgt dar:
( )
x =
Diese formale Darstellung besagt, dass die Verbrauchsmenge eines Gutes abhängig ist von seinem Preis (p n ). Darüber hinaus gibt es natürlich auch andere Einflussfaktoren, wie z.B 7 .
vom Preis der anderen Güter (p 1 , ..., p n-1 );
vom Einkommen des Haushalts (y);
von der Nutzeneinschätzung der Güter, der Bedürfnisstruktur (u = utility); vom Vermögen des Haushalts (w = wealth)
Unter Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren wäre die Nachfragefunktion in folgender Form gegeben:
x
Um die Interpretation und Analyse möglichst einfach und überschaubar zu halten und Fehlinterpretationen zu vermeiden wird in der folgenden Betrachtung die Wirkung aller Einflussfaktoren als dem Preis ausgeschlossen, d.h. es wird die ceteris paribus-Klausel unterstellt, so ( )
x =
dass für die weitere Betrachtung gilt
Wir können die Beziehung zwischen Preis und nachgefragter Menge auch graphisch darstellen:
6 vgl. Mankiw (2001), S. 44
7 vgl. Woll (1996), S. 93
7
Die hier dargestellte Nachfragefunktion lässt erkennen, dass bei einem Preis von 7 die Nachfrager den Kauf von 100.000 Mengeneinheiten planen.
3.2.1 Individuelle Nachfragefunktionen
Die individuelle Nachfragefunktion beschreibt, wie ein Haushalt in seinem Konsum auf eine Einkommens- und Güterpreisänderung reagiert. Es ist also die Nachfragefunktion eines einzigen Individuums nach einem Gut bei einem bestimmten Preis.
3.2.2 Marktnachfragefunktion
Auf einem Markt gibt es natürlich diverse individuelle Nachfragefunktionen. Werden diese zusammengefasst, dann erhält man die Marktnachfragefunktion.
p11
Sättigungsmenge
Dies sind zwei Beispiele für Individuelle Nachfragefunktionen, die im Folgenden zur Marktnachfragefunktion zusammengesetzt werden:
Quote paper:
Christoph Kopowski, 2004, Monopol und vollkommene Konkurrenz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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