Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. Seite 2 - 3
II. Das Selbstverständnis deutscher Gewerkschaften. Seite 4 - 6
III. Der Arbeitskampf als Bereich gewerkschaftlichen Konflikthandelns. Seite 7 - 8
IV. Die Mitbestimmung als Bereich gewerkschaftlichen Konflikthandelns. Seite 9 -12
V. Die Gewerkschaften im Kontext Dahrendorfs Theorie des sozialen
Konflikts. 13-14
VI. Schluss. 15-16
VII. Literaturverzeichnis. 17-18
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I. Einleitung
Der Entstehung industrieller Arbeitsverhältnisse folgte in der mehr und mehr industriell geprägten Gesellschaft das Herausbilden zweier großer Gruppen: die der Unternehmer, die die industriellen Produktionsmittel besaß und die der Arbeiterschaft, die sich auf Grund ihrer Besitzlosigkeit an industriellen Produktionsmitteln in ein Abhängigkeitsverhältnis zu der Gruppe der Unternehmer begab. Dieses Verhältnis war stets von Konflikten geprägt, die jedoch über die Jahrhunderte in Form und Intensität stark variierten.
Zu Beginn möchte ich den Begriff des Konfliktes und in seiner weiteren Spezifikation den Begriff des sozialen Konfliktes definieren. Dahrendorf äußert sich zum Begriff des Konflikts wie folgt: „Der Begriff des Konfliktes soll zunächst jede Beziehung von Elementen bezeichnen, die sich durch objektive (latente) oder subjektive (manifeste) Gegensätzlichkeiten kennzeichnen lässt.“ Ein Konflikt ist laut Dahrendorf nur dann sozial, „wenn er sich aus der Struktur sozialer Einheiten ableiten lässt, also überindividuell ist.“ Konflikte treffen wir überall dort an, wo menschliche Gesellschaften bestehen. Gesellschaften sind somit ein Austragungsort zahlreicher sozialer Konflikte.
Eine Art von sozialem Konflikt sind, wie bereits angesprochen, die Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften. 1 Der Zusammenschluss von Arbeitnehmern zu Gewerkschaften, um mittels dieser höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen, führt zu Interessensgegensätzen mit den betroffenen Arbeitgebern. Dieser entstandene Konflikt ist nicht antagonistisch, da beide Seiten an der Vermeidung von Arbeitskämpfen interessiert sind, da diese die betroffenen Unternehmen ruinieren könnten. Mittels Tarifverhandlungen, bei denen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften gegenüberstehen, wird sodann ein Konsens gesucht. Der Prozess der Konsensfindung kann jedoch mitunter auch von Arbeitskämpfen begleitet sein. 2
1 Vgl. Dahrendorf, Ralf; Elemente einer Theorie des sozialen Konflikts. In: Ders. Konflikt und Freiheit. München 1972. S.21-24.
2 Reinhold, Gerd (Hrsg.), Soziologie-Lexikon, 4.Aufl., München; Wien; Oldenbourg 2000.
2
Die große Bedeutung des Konflikts zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern für die deutsche Gesellschaft wird an Hand einer Studie von Euromodul aus den Jahren 1999 und 2000 deutlich bei der 1000-2000 Personen in Ost- und Westdeutschland nach ihrer Wahrnehmung von sozialen Konflikten befragt wurden. 38% der Westdeutschen Befragten und 49% der Ostdeutschen Befragten gaben hierbei starke oder sehr starke Konflikte zwischen Management und Arbeitern an. 3
Mit meiner Arbeit möchte ich die Austragungsmuster des sozialen Konflikts zwischen „Kapital und Arbeit“, d.h. zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften in Form von Arbeitskampf und betrieblicher Mitbestimmung aus der Sicht der Gewerkschaften näher untersuchen. Da die Tarifautonomie erst ab 1949 gesetzlich festgeschrieben wurde und die Gewerkschaften auch erst ab diesem Zeitraum ihr Interesse der betrieblichen Mitbestimmung zuwandten 4 , werde ich den Untersuchungszeitraum auf die Zeit nach 1949 beschränken. Zuvor werde ich jedoch auf das Selbstverständnis der Gewerkschaften und auf ihre ideologische Sichtweise eingehen. Danach möchte ich das gewerkschaftliche Konflikthandeln am Beispiel der Mitbestimmung und des Arbeitskampfs näher untersuchen. Abschließend, bevor ich zur Zusammenfassung komme, werde ich noch die Gewerkschaften im Kontext Dahrendorfs Theorie des sozialen Konflikts betrachten.
3 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.); Datenreport 2002, Zahlen und Fakten über die BRD; 2.Auflage; Bonn 2002. S.624 f
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II. Das Selbstverständnis deutscher Gewerkschaften
Dieses Kapitel wird sich mit der näheren Betrachtung des Selbstverständnisses und der politischen Orientierung der Gewerkschaften beschäftigen. Dies ist in sofern von Bedeutung, da das Selbstverständnis und die politische Orientierung der Gewerkschaften ihr Konflikthandeln determinieren. Vor diesem Hintergrund sind meine späteren Ausführungen besser verständlich.
Anlässlich der Gründung des DGB 1949 wurde ein Grundsatzprogramm mit folgenden Kernforderungen verabschiedet: zentrale wirtschaftliche Planung, Mitbestimmung der organisierten Arbeitnehmer, Überführung des Schlüsselindustrien in Gemeineigentum und soziale Gerechtigkeit durch angemessene Beteiligung aller Arbeitnehmer am volkswirtschaftlichen Gesamtertrag. Diese programmatischen Aussagen bekräftigten auch in der neu gegründeten BRD das enge Verhältnis der Gewerkschaften zur Sozialdemokratie. Viele sahen und einige wenige Traditionalisten sehen auch heute noch die Sozialdemokratie als den parteipolitischen und den DGB als den sozialpolitischen Arm der Arbeiterbewegung. 5 Über die Jahre wurde dieses Bündnis jedoch beiderseits schrittweise gelockert. Die SPD begann sich weiter zur Mitte hin zu orientieren um neue Wählerschichten zu erschließen und die Gewerkschaften begannen ihrerseits von alten Positionen abzuweichen um neue Mitglieder, die sich vor allem aus dem Kreis der Angestellten rekrutierten, zu gewinnen. An der Nähe der Gewerkschaften zur SPD zeigt sich jedoch auch die in der BRD weitaus größer ausgeprägte Ablehnung der Gewerkschaften gegenüber marxistischem und klassenkämpferischen Gedankengut als z.B. in Italien oder Frankreich.
Genauso wie das Verhältnis der Gewerkschaften zur Soziademokratie nach dem zweiten Weltkrieg das selbe war, erfolgte nach dem Krieg auch kein großer Wandel im Bewußtsein der Gewerkschaften. Von der Vorstellung der Notwendigkeit einer Revolution und der damit einhergehenden Beseitigung der bestehenden Machtverhältnisse war man schon vor dem ersten Weltkrieg abgekommen und, wie oben bereits angesprochen, lebten solche Vorstellungen auch in der BRD nicht wieder auf. Die Gewerkschaften sahen schon lange vor
4 Vgl. Schlaffke, Winfried (Hrsg.); Gewerkschaft und Gesellschaft; Köln 1982. S.13
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Arbeit zitieren:
Marco Sonnberger, 2004, Das Konflikthandeln deutscher Gewerkschaften nach 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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