Inhaltsverzeichnis
1. „Papst II“ 2
a) Bildanalyse 2
b) Bildinterpretatio n mit Hilfe
des kunsthistorischen Zusammenhangs 3
2. Biographischer Zusammenhang 7
3. Frage nach der Bildgattung 9
4. Nachwort 11
5. Literaturverzeichnis 12
1
1. „Papst II“
a) Bildanalyse
Das Bild „Papst II“ malte der britische Maler Francis Bacon 1951. Es handelt sich um ein mit Öl auf Leinwand gemaltes Bild, das 1,98 x 1,37 m groß ist und in der Städtischen Kunsthalle Mannheim zu sehen ist.
Der erste Eindruck ist, dass es sich hier um ein gemaltes Bild handelt, das in dunklen und monotonen Farben gehalten wurde.
Bacon stellt eine männliche Person dar, die rechts von der Mittelachse auf einem Thron sitzt. Der Thron ist nur durch helle weiß- graue Umrisslinien dargestellt. Er hat an der Rückenle hne dunkelgelbe Ornamente und wurde vo m Maler schräg nach rechts gerichtet.
Die Person wendet sich en face dem Betrachter zu. Der Oberkörper und der Kopf sind relativ klar gemalt worden, allerdings sind der Unterkörper und die Beine nicht ausgearbeitet worden und nur schemenhaft zu erkennen. Auch die Arme wirken wie defo rmierte Stümpfe.
Die Person trägt eine Mütze und einen Schultermantel, die in dunklen lila und viole tten Tönen gehalten sind. Der hellste Punkt im Bild ist der Kragen des Umha ngs, den Bacon in fast reinem Weiß darstellt. Dadurch wird der Blick des Betrachters auf das Gesicht der abgebildeten Person gelenkt. Die Person trägt eine Art Brille oder Zwicker, was aber nur durch schwache schwarze Linien angedeutet und daher schwer zu erkennen ist.
Das Auffälligste am Gesicht ist sicherlich der weit aufgerissene, zu einem Schrei geformte Mund. Da Bacon den Mund genau auf der waagerechten Mittelachse arrangiert hat, fällt er zusätzlich noch mehr auf.
Die Person auf dem Thron befindet sich in einer Art transparentem „Käfig aus Linien, der losgelöst in einem dunklen Raum zu schweben scheint“ 1 , also in einer Kombination vo n verschieden Linien, die eine Rahmung ergeben. Oben im Bild sind sehr schwache Linien zu erkennen, die ein Deckengewölbe darstellen. Sie erinnern an ein nicht alltägliches Gewölbe, etwa wie eines in einer Ki rche.
1 Internetseite der Kunsthalle Mannheim:
http://www.kunsthalle-mannheim.de/sammlung/view.php3?ref=12 (02.01.2003)
bzw. in: Fath, Herold, Köllhofer (Hrsg.): Menschenbilder - Figur in Zeiten der Abstraktion (1945-
55). Städtische Kunsthalle Mannheim: Verlag Gerd Hatje 1998, S.139. (Kurztitel: Menschenbilder -
Figur in Zeiten der Abstraktion, Mannheim 1998.)
2
Die Farbgebung im Bild ist sehr monoton und dunkel. Auch benutzt Bacon eher kalte Farben. Es handelt sich dabei ausschließlich um Ausdrucksfarben, da man hier sicherlich nicht von Lokalfarben sprechen kann. Man betrachte nur einmal die viole tte Färbung des Gesichts.
Die dargestellte Person hebt sich kaum vom Hintergrund ab. Es findet auch keine Lichtführung statt. Die Konstruktion des Raumes ergibt sich nur durch Hell-Dunkel-Kontraste und die geometrisch geformten Linien.
Die Farbe scheint senkrecht und streifig herunter zu laufen. Unterhalb des Käfigs wirkt sie, als würde sie strahlenförmig von der Person ausgehen, und verwischt zum Teil die Umris slinien des Käfigs.
Es findet ein einziger, aber sehr schwacher Komplement ärkontrast statt. Das Gelb der Ornamente geht dabei eher im Lila unter, als dass es einen Kontrast schaffen würde.
b) Bildinterpretation mit Hilfe des kunsthistorischen Zusammenhangs Bacon benutzte drei verschiedene Motive, die er in seinem Bild „Papst II“ einzigartig zu verschmelzen wusste.
Das wichtigste Vorbild ist sicherlich das Porträt „Innozenz X .“ von Velázquez. (Bildanalyse 2;3;4;5 )
Diego Rodriguez Velázquez war ein spanischer Maler, der 1599 in Sevilla geboren wurde und 1660 in Madrid starb, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, nachdem er 1623 dorthin berufen wurde. Er war auch Ho fmaler und Kammerherr bei König Philipp IV..
Bei seiner zweiten Reise nach Rom entstand 1650 das 1,40 x 1,20 m große Bildnis von Papst Innozenz X. mit Öl auf Leinwand. Heute hängt es in der Galleria Doria-Pamphili in Rom. Der Papst genehmigte Velázquez für seine Skizzen nur wenige Stunden, bei denen er selbst Modell saß. (Biographie 6 )
Es handelt sich um ein in Rottönen gehaltenes Einzelporträt und ist eine naturalistische Darstellung des 75jährigen Papstes, der als Giovanni Battista Pamphili geboren
2 Lopez-Rey: Velázquez - Maler der Maler. Bd. I, Köln: Benedikt Taschen Verlag GmbH 1996.
3 Lopez-Rey: Velázquez - Catalogue Raisonné - Werkverzeichnis . Volume II, Köln: Benedikt Ta-
schen Verlag GmbH 1996.
4 Gerstenberg: Diego Velázquez. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag GmbH 1957.
5 Muñoz: Velázquez, Leipzig: Wilhelm Goldmann Verlag 1941.
6 Brockhaus - Die Enzyklopädie. Bd.23 Vall-Welh, Leipzig, Mannheim: 20 1999.
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Arbeit zitieren:
Nicole Giese, 2003, Porträts sind immer Porträts von Porträts: Francis Bacon: „Papst II“, München, GRIN Verlag GmbH
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