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Inhaltsverzeichnis Seite
Vorwort 2
Einleitung 5
1. Aussagen ausgewählter Autoren zur aktivierenden Pflege 8
1.1. Arntzen 8
1.2. Bergener 8
1.3. Böhm 9
1.4. Büker 10
1.5. Dietze Schwarze 11
1.6. Füsgen Summa 12
1.7. Juchli 13
1.8. Lehr 13
1.9. Matthes 14
1.10. Sieber Weh 15
2. Erster Vergleich der Aussagen und Kommentar 15
2.1. Ziele aktivierender Pflege 16
2.2. Rehabilitation und aktivierende Pflege 18
2.3. Pflegeverständnis und aktivierende Pflege 19
2.4. Pflegemethode oder Pflegemodell? 20
2.5. Beschreibung aktivierender Maßnahmen 21
2.6. Zusammenfassung und Stellungnahme 22
3. Begriffliche Erklärungen und ihre Beziehung zur aktivierenden
Pflege 25
3.1. Definitionen Pflege 25
3.2. Definitionen Aktiv 28
3.3. Pflegeverständnis 30
3.4. Prozeßorientierte Pflegeplanung 32
3.5. Zusammenfassung 36
3
4. Systematisierung und Definition als Voraussetzung für die
Zuordnung der aktivierenden Pflege 37
4.1. Aktivierende Pflege als Begriff 37
4.2. Aktivierende Pflege als Definition 40
4.2.1. Analyse ausgewählter Definitionen 43
4.2.2. Zusammenfassung und Kommentar 46
4.2.3. Definitionsvorschlag 46
4.3. Aktivierende Pflege innerhalb eines Pflegekonzeptes 47
4.4. Aktivierende Pflege und Pflegetheorie 50
4.4.1. Die Theorie am Beispiel ganzheitlich-rehabilitierender
Prozeßpflege 51
4.5. Aktivierende Pflege innerhalb eines Pflegemodells 54
4.5.1. Virginia Henderson: Grundregeln der Krankenpflege 55
4.5.2. Nancy Roper, Winifred W. Logan, Alison J. Tierney:
Die Elemente der Krankenpflege 57
4.6. Aktivierende Pflege als Pflegemethode 59
5. Zur Situation der Pflegefachkräfte in der ambulanten
und stationären Altenhilfe 62
5.1. Aus , Fort- und Weiterbildung 63
5.2. Institutionelle Rahmenbedingungen 63
5.2.1. Ambulante Altenhilfe 63
5.2.2. Stationäre Altenhilfe 65
6. Zusammenfassung und Ergebnisse 68
7. Schlußfolgerungen 71
Literaturverzeichnis 73
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Vorwort
Der Arbeit liegt ein für die Alten- und Krankenpflege gemeinsames Berufsbild zugrunde:
1. "Pflege ist als eigenständiger Beruf und selbständiger Teil des Ge-sundheitsdienstes für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit, die Planung, Ausführung und Bewertung der Pflege zuständig.
2. Pflege als Beruf ist Lebenshilfe und für die Gesellschaft notwendige Dienstleistung. Sie befaßt sich mit gesunden und kranken Menschen aller Altersguppen.
3. Pflege als Beruf leistet Hilfe zur Erhaltung, Anpassung und Wiederherstellung der physischen, psychischen und sozialen Funktionen und Aktivitäten des Lebens.
4. Pflege als Beruf ist eine abgrenzbare Disziplin von Wissen und Können, welches sie von anderen Fachgebieten des Gesundheitswesens unterscheidet.
5. Pflege als Beruf definiert, bestimmt mit und verantwortet die eigene Aus-, Fort- und Weiterbildung.
6. Pflege als Beruf stützt sich in der Ausübung des Berufes und in der Forschung auf ihre eigene wissenschaftliche Basis und nützt dabei die Erkenntnisse und Methoden der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften." (Berufsbild, DBfK, 1992, S. 3).
Ausgehend von den Autoren bin ich dennoch gezwungen, die Begriffe Altenpflege und Krankenpflege an einigen Stellen getrennt zu benutzen. Ich selbst verwende den Begriff Pflegefachkraft.
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Einleitung
Im gesamten Pflegebereich sind Tendenzen zu beobachten, die zu einer Professionalisierung und Eigenständigkeit der Pflege führen sollen. Zusammen mit dem Pflegeprozeß bildeten sich eine Anzahl Begriffe, die leider eher wie Schlagworte benutzt werden. Definitionen sind nicht klar, sie hängen vom Verständnis ihrer Verfasser und/oder Benutzer ab.
Den Begriff "aktivierende Pflege" wählte ich nicht nur aus Interesse, sondern auch aus eigener Betroffenheit.
In den sieben Jahren, die ich in der ambulanten Pflege arbeitete, hat sich sowohl mein Berufsbild als auch mein Pflegeverständnis gewandelt. Eine kurze Etappe lang, während und nach einer Weiterbildungsmaßnahme, konnte ich selbst erleben, was es bedeutet, mit einem "aktivierenden Pflegeverständnis" zu pflegen. So jedenfalls war der Begriff zu verstehen, vermittelte man uns, nicht etwa als eine Maßnahme, Technik oder Methode.
Meine anfängliche Euphorie wurde bald abgelöst von Zweifeln. Nichts gegen aktivierende Maßnahmen - aber als Pflegeverständnis? Nie wäre mir der Gedanke gekommen, z.B. bei einer Sterbebegleitung von aktivierender Pflege zu sprechen. Oder was war mit den alten Menschen, die sich nicht "aktivieren" ließen, die ihre Ruhe haben wollten? Hatte meine Pflege da keine Qualität?
Entspricht die aktivierende Pflege tatsächlich den Bedürfnissen aller alten Menschen? Gibt es nicht auch welche, die sich gerne in Abhängigkeit begeben, weil sie müde sind, keine Kraft mehr haben und trotzdem noch etwas Zuwendung haben wollen? Wer pflegt diese Menschen, wenn alle nur noch aktivierend pflegen wollen?
Ich bin der Meinung, daß ein positiveres Altersbild die Pflege alter Menschen verändert. Ich meine aber, daß dieses nicht Aufgabe eines Begriffes wie "aktivierende Pflege" sein kann.
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Das Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, daß charakterisierende Begriffe wie "aktivierend" die Pflege einschränken. Statt der ständigen Neubildung von schmückenden Begriffen, die zu Leerformeln werden, ist es an der Zeit, nachzusehen, welche Pflegetheorien, Pflegekonzepte, Pflegemodelle es gibt, um daran weiterzuarbeiten. Erst dadurch wird pflegewissenschaftliches Arbeiten möglich.
Folgende Hypothesen liegen meiner Arbeit zugrunde:
1. Der Begriff "aktivierende Pflege" soll in erster Linie die Pflegequalität verbessern.
2. Aktivierende Pflege ist entweder ein Grundelement der Pflege oder in die Rehabilitation einzuordnen.
3. Durch die Forderung einiger Verfasser und die Möglichkeit, aktivierende Pflege in das Pflegeverständnis zu integrieren, birgt der Begriff die Gefahr in sich, Pflege ausschließlich als aktivierende Methode zu sehen. Der eigenschaftsbestimmende Begriff "aktivierend" wirkt sich einschränkend auf die Gesamtziele und -aufgaben der Pflege aus.
4. Die Definitionen aktivierender Pflege sind unklar und wenig aussagekräftig. Sie sind dadurch mißverständlich. Die Autoren beziehen sich nicht auf historisch gewachsene Elemente und Definitionen der Pflege. Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse wurden nicht integriert.
5. Die noch immer sehr auf körperliche Grundbedürfnisse ausgerichtete Ver-sorgung alter Menschen wird durch den Begriff "aktivierend" nicht gewandelt werden können, weil die Pflegefachkräfte durch die Anwendung aktivierender Pflege nicht automatisch eine ganzheitliche Sichtweise bekommen.
6. Mit aktivierender Pflege soll das Problem "Altern" gelöst werden, ohne die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Es fehlt die Einschätzung, warum bisher die Ziele der Pflege noch nicht umgesetzt wurden.
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Die Arbeit dient in erster Linie der Beschreibung des Ist-Zustandes. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff "Aktivierende Pflege" machte eine Reihe weiterer Begriffserklärungen notwendig, mit denen ich zunächst nicht gerechnet hatte. Von daher mußten Kapitel, wie z.B. Alternstheorien, Motivations- und Aktivitätstheorien und das Gebiet der umfassenden Rehabilitation weichen, wenn auch eine Auseinandersetzung mit diesen Themenkomplexen stattgefunden hat. Ich fand es sehr schwierig, den Begriff "aktivierende Pflege" einzuordnen. Der positive Gedanke dieser Pflege auf der einen Seite, der auf mich negativ wirkende Begriff "aktivierend" auf der anderen Seite, verwirrte mich im Laufe der Arbeit immer wieder.
Im ersten Kapitel stelle ich die aktivierende Pflege vor, ein Vergleich an-hand von Kriterien folgt im zweiten Kapitel. Kapitel drei und vier dienen der Begriffsklärung und der Beziehung zur aktivierenden Pflege. Damit gelingt letztlich auch die Einordnung des Begriffes "aktivierende Pflege" in das komplexe Gebiet der Pflege. Da ich im Laufe der Arbeit immer wieder auch die Situation der Pflegefachkräfte erwähne, schließe ich die Arbeit mit meinen Gedanken zu diesem Thema ab.
Ich hoffe, daß durch die Arbeit nicht der Eindruck entsteht, ich wende mich gegen Aktivität und Rehabilitation. Meine Kritik gilt lediglich dem Begriff "Aktivierende Pflege" in der ambulanten und stationären Altenhilfe, wenn er als einzige "optimale Pflege" in das Pflegeverständnis der Pflegefachkräfte eingeht.
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1. Aussagen ausgewählter Autoren zur aktivierenden Pflege
Aktivierende Pflege wird bei verschiedenen Autoren beschrieben und auch definiert. Um einen Überblick zu bekommen, um die Inhalte der aktivierenden Pflege vergleichen zu können, und um das weitere Vorgehen festzulegen, ist eine Darstellung erforderlich, die in einer Zusammenfassung nach Merkmalen und einem ersten Kommentar münden wird.
1.1. Arntzen
Arntzen (1992) definiert aktivierende Pflege als eine Methode, bei der
"-vorhandene Ressourcen erkannt und genutzt werden
-die Selbständigkeit des Kranken im Bereich der Aktivitäten des täglichen Lebens erhalten und gefördert wird -der Kranke im Rahmen einer ganzheitlichen Pflege in körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Belangen begleitet wird." (S. 663).
Sie beschreibt in ihrem Beitrag die Theorie und Praxis der Gemeindekrankenpflege, und sie plädiert für die aktivierende Pflege. Im eigentlichen Sinne, so Arntzen, sei die aktivierende Pflege eher eine re-aktivierende Pflege, da in der Regel bei der Pflege eines Kranken keine größere Aktivität als vor der Erkrankung erreicht werden kann. Ihr Grundsatz und Idealziel ist es, daß alle in der Pflege Tätigen so pflegen, daß sie sich so überflüssig wie möglich machen. Sie schließt ihren Beitrag mit einem Fallbeispiel aktivierender Pflege bei einem Schlaganfall-Patienten im Bereich der Lebensaktivität "Sich waschen und kleiden". (vgl. Arntzen, 1992, S.664).
1.2. Bergener
Das Ziel der aktivierenden Pflege ist für Bergener (1992) die Erhaltung des Lebenssinns alter Menschen, auch wenn Gebrechlichkeit und Pflegebedürftig-
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keit vorliegen, welches seiner Ansicht nach durch die Förderung der Autonomie erreicht werden kann. Aktivierende Pflege ist das Resultat der Pflege-Diagnose, der Prognose und einer ethischen Analyse. Unterstimulation kann sich ebenso nachteilig wie Überstimulation auswirken. Die Pflege muß geplant, strukturiert und organisiert sein, darf nicht vom Zufall abhängig sein, dem willkürliche Handlungen folgen werden. Am Beispiel der morgendlichen Pflege, der Körperpflege, erläutert er die Möglichkeit, die Pflege als ein System der Selbstpflege aufzubauen, daß sich in verschiedene Subsysteme unterteilen läßt.
Bergener (1992) betrachtet die aktivierende Pflege auch von der personellen Seite aus. Er meint, die Inattraktivität des Pflegeberufs wäre schuld an dem "Pflegenotstand". Die Arbeit sei meist unangenehm und anstrengend, oft müßte sie unter großem Zeitdruck ausgeübt werden. "Hinzu komme die ständige Präsenz von Verfall und Tod, wobei der Umgang mit den zu Pflegenden sich auf Versorgungsaspekte beschränken würde, wie waschen, anziehen, zur Toilette führen, Medikamente austeilen und vieles mehr." (S. 15). Abhilfe kann die aktivierende, systematisch organisierte Pflege schaffen, die zu mehr Zufriedenheit, und damit höherer Attraktivität führt.
1.3. Böhm
Das bei Lehr (s. 1.8.) beschriebene Ziel bezeichnet Böhm als den philosophischen Anteil der aktivierenden Pflege - er nennt es "Helfen mit der Hand in der Tasche", als "Fördern durch Fordern". Sie ist nur bei biologischen (kalendarischen) Abbauprozessen angezeigt. Aktivierende Pflege kennzeichnet hier eine prophylaktische Maßnahme, die Regression und/oder Hospitalismus zu verhindern sucht.
Ansonsten stellt die aktivierende Pflege eine Technik dar, die als re-aktivierende Pflege bei pathologischen Abbauprozessen nach der Biographie des Patienten und als Reizanflutungsmaßnahme zu verstehen ist.
Böhm beschreibt die aktivierende Pflege im Zusammenhang mit der Bedürfnis- pflege, der Pflegediagnose und dem Pflegeprozeß. Die Übergangs-Re-Aktivie-
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rungspflege und Pflegediagnose nach Böhm haben zum Ziel, psychiatrisch erkrankte, alte Menschen in ihre gewohnte Umgebung und zu einem normalen Leben zurückzuführen. (vgl. Böhm, 1989).
Böhm unterteilt die Ziele nach Erkrankungsart: Re-Aktivierung und das Training des Gedächtnisses bei Demenzen, Rückfalls- und Hospitalisierungsverhinderung bei Pseudodemenzen. Erstere benötigen die Übergangspflege, letztere eine Starthilfe.
1.4. Büker
Die Pflege bei Büker (1990) sollte
"auf die Wiederherstellung - Rehabilitation - der Gesundheit und Eigenständigkeit des alten Menschen abzielen. Dieses Ziel kann durch eine ganzheitliche, den alten Menschen aktivierende Pflege erreicht werden." (S. 62)."
Büker definiert nicht den Begriff "aktivierende Pflege", sondern meint, daß die Pflege allgemein den Menschen aktivieren soll.
"Andere - minderwertige - Formen der Pflege gefährden diese Zielsetzung. Bei extrem schlechter - den Bewohner nur bewahrenden Pflegekann es sogar zu körperlichen Schädigungen kommen." (Büker, 1990, S. 62).
Büker benutzt als Grundlage für seine Äußerung, daß andere Pflege "minderwertiger" sei, die vom Autor modifizierten Qualitätsstufen "Optimale Pflege
- Angemessene Pflege - Sichere Pflege - Gefährliche Pflege" (S. 63). Nach dieser Einteilung ist der Bewohner optimal gepflegt, wenn er z.B. im Bereich der Grundpflege (Körperpflege, An- und Auskleiden, Nahrungsaufnahme, Betten, Lagern, Prophylaxen) aktiviert ist, mitbestimmen kann und Entschei- dungsfreiheit hat. Angemessen gepflegt wäre der Bewohner, wenn seine indi-
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viduellen Bedürfnisse (z.B. im Bereich der Grundpflege) berücksichtigt werden würden.
1.5. Dietze & Schwarze
Die Autoren haben ein "Konzept der Grundkrankenpflege" entwickelt, von der ein Teilgebiet die aktivierende Krankenpflege darstellt. Sie geht vom Prinzip aus, daß durch "die Anwendung unterschiedlicher therapeutischer Behandlungsverfahren situationsgerecht eine Mobilisation des Patienten" erreicht wird. Zur aktivierenden Krankenpflege gehören nach dem Verständnis der Verfasser passive und aktive Übungselemente aus dem physio-, ergo-, psycho-, musiktherapeutischen und logopädischen Bereich, das Prinzip der Rehabilitation, "wobei das Hauptanliegen in der Abforderung von Eigenaktivität liegt".
Schwerpunkt ist die geriatrische Betreuung, es wird davon ausgegangen, daß eine pessimistische Grundeinstellung beim Patienten zu Immobilisation und damit zu Komplikationen ( z.B. Dekubitalulzera, Kontrakturen, Muskelatrophien, Thrombosen, Pneumonien, Inkontinenz, Osteoporosen, Hypodynamien, Apathie und Depressionen) führt. Das Ziel der aktivierenden Krankenpflege kann krankheits- und altersspezifisch unterschiedlich sein.
"Auch bei älteren Patienten und chronisch Kranken wird das Behandlungsziel stets in der Herstellung, Wiederherstellung und Stabilisierung notwendiger körperlicher, geistiger und psychischer Funktionen mit dem Ziel der Rückgliederung in das gewohnte oder in ein neues Milieu in Verbindung mit der Sorge um den harmonischen Zusammenklang von Organismus und Umwelt liegen, wobei eine ökonomisch-produktive Tätig- keit nicht zwingend ist." (Dietze & Schwarze, 1990, S. 25).
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1.6. Füsgen & Summa
Füsgen beschreibt die aktivierende Pflege im Rahmen der Besonderheiten pflegerischer Betreuung im Alter. Er stellt sie als Teil der ärztlichmedizinischen Therapie dar.
"Die aktivierende Pflege meint eine individuelle Pflege, die zu einer Wiederherstellung, Besserung oder Erhaltung der persönlichen Selbständigkeit führen soll, wobei fließende Übergänge zur geriatrischen Rehabilitation möglich sind.(...) Ein Schwerpunkt der aktivierenden Pflege ist ein 'Fördern durch Fordern'" (Füsgen & Summa 1991, S. 65).
Das Erkennen der übriggebliebenen Leistungsreserven alter, kranker Menschen, und daß Pflegekräfte diese positiven Kräfte nicht verkümmern lassen, stellt für ihn die eigentliche Aufgabe dar. "Wenn man einem Patienten jede Handreichung abnimmt, fördert man weniger die Gesundung, sondern eher eine psychische Abhängigkeit" (Füsgen & Summa, 1991, S. 74). Füsgen betont, daß der Arzt entscheidet, wann der Patient aktiviert werden soll. "Doch von Anfang an ist es Sache des Pflegepersonals, das Wiederaufstehen vorzubereiten". (Füsgen, 1991, S.77).
Füsgen erläutert die Aufgabenfelder der Pflegefachkräfte. Zum einen ist es der Bereich der Allgemeinen Pflege (Grundpflege):
" Es gilt, den Patienten so früh wie möglich zu befähigen, vom Pflegepersonal so weit wie möglich unabhängig zu werden und eine gewisse Selbständigkeit in den dringendsten täglichen Bedürfnissen und Verrichtungen wie z.B. Essen und Trinken, Vom-Bett-Aufstehen, Waschen, Toilettenbesuch, An-und Auskleiden zu erlangen." (Füsgen, 1992, S. 1108).
Und er erweitert den Aufgabenbereich der Pflegefachkräfte, in dem auch sie physio- und ergotherapeutische Maßnahmen übernehmen sollen:
"Im Rahmen der aktivierenden Krankenpflege muß die Krankenpflegekraft die von der Physio- oder Ergotherapeutin angelernten Tätigkeiten im
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täglichen Gebrauch wiederholen und gleichsam automatisieren." (Füsgen, 1992, S. 1107).
1.7. Juchli
Im Rahmen der geriatrischen Rehabilitation wird auch bei Juchli (1987) die aktivierende Pflege genannt. Sie ist der Meinung, daß die neben der Erkrankung vorhandenen Ressourcen, hier Leistungsreserven, ausgeschöpft und in angepaßter Weise erhöht werden. Die Maßnahmen sollen die "Hilfe zur Selbsthilfe" stärken, damit eine weitestgehende Unabhängigkeit alter, u.U. chronisch kranker Menschen, gesichert werden kann, wobei sie dieses nicht von der Selbständigkeit der Betroffenen abhängig macht, sondern familiäre und ambulante Hilfen einbezieht.
1.8. Lehr
"Aktivierende Pflege beschreibt keine Methode oder Technik, sondern ein Pflegeziel, das unter den Beteiligten verabredet wird." (Lehr, 1983 in Matthes, 1989, S.40).
Lehr (1979) hält eine Korrektur des negativen Altersbildes seitens der Pflegekräfte für zwingend erforderlich, da "die Verhaltenserwartungen der Umwelt das Verhalten des einzelnen beeinflussen." (S. 4). Sie gibt Beispiele aus Untersuchungen, aus denen hervorgeht,
"daß ältere Menschen vom Pflegepersonal oft mit Feststellungen wie Unbeweglichkeit, geringe Motorik, allgemeines Desinteresse, geringe Mobilität, wenig soziale Interaktion, dumpfes Dahindösen, Teilnahmslosigkeit u.ä.m. charakterisiert werden." (Lehr, 1979, S.5).
Durch die Erwartungshaltung der Pflegekräfte würde dieses Verhalten noch verstärkt werden. Ihr Anliegen ist es, durch eine Korrektur des Altersbildes die Verhaltenserwartungen zu ändern, damit der alte Mensch heraus- gefordert und gefördert wird. Auch hier ist der Leitsatz "Fördern durch
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Fordern" aufgeführt (vgl. Lehr, 1979, S. 3 und S. 10). Dieses Prinzip ist für sie die Voraussetzung für eine sinnvoll erscheinende Intervention; ihm folgen die individuellen Interventionsmaßnahmen.
In einem Interview aus dem Jahre 1989 bezeichnet Lehr die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit als erstes Ziel. Sie stellt fest, daß viele Pflegebedürftige chronisch krank und somit noch behandelbar seien. Von daher muß die Rehabilitation ausgebaut werden, die sich nicht nur den physischen Problemen widmet. Aktivierungsmaßnahmen müssen den körperlichen, seelischgeistigen und sozialen Bereich gleichermaßen einbeziehen.
1.9. Matthes
"Aktivierende Pflege ist das tägliche Bemühen der Helfenden, nicht nur für, sondern nach Möglichkeit mit dem alten und kranken Menschen tätig zu werden". (Matthes, 1981 in Matthes, 1989, S. 40).
Matthes (1989) schreibt, daß jeden Helfer sein persönliches Pflegeverständnis prägt, welches sich in seinen Handlungen, in der Art seiner Zuwendung, bei den alltäglichen Pflegesituationen ausdrückt. Bei der Umsetzung der aktivierenden Pflege heißt es, daß das Team der Pflegenden ein einheitliches Pflegeverständnis haben muß.
Für Matthes ist die aktivierend-rehabilitative Pflege ein theoretisches Modell, sie stellt keine Technik dar. Aktivierung ist nur eine Seite der ganzheitlichen Pflege, sie ersetzt nicht die Grund- und Behandlungspflege.
Matthes beschreibt Pflege als einen "Pflegekuchen", der sich aus den "Einzelstücken" Grundpflege, Seelenpflege, Aktivitätenpflege, Behandlungspflege, Informationspflege und Selbständigkeitspflege zusammensetzt. Ein Teil- stück kann nie die ganze Pflege sein. (vgl. Matthes, 1989, S. 7).
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1.10. Sieber & Weh
Sieber und Weh (1986 in Matthes, 1989 und 1987) sehen in der aktivierenden Pflege eine "praktische Methode".
Diese Methode zielt darauf ab, die Eigenaktivitäten alter und kranker Menschen zu sichern und zu fördern. Die Eigenverantwortung des alten Menschen für seine Lebensgestaltung bis zum Tode hin wird betont. Aufgabe der Pflegekraft ist es, ihn dabei zu unterstützen, nicht für, sondern mit ihm tätig zu werden.
Matthes (1989, S. 40) erklärt folgende Aussage von Sieber & Weh zur Definition aktivierender Pflege:
"Aktivierende Pflege ist abhängig von der Einstellung und Haltung der helfenden Person, deren pflegerischer Umgang der Erhaltung und Förderung von Eigenaktivitäten alter und kranker Menschen dienen soll."
Sieber & Weh (1987) stellen Regeln für die aktivierende Pflege auf. Diese gehen von der Einbeziehung des alten Menschen, der Akzeptanz seiner Eigenarten, der Beachtung seiner Individualität, der Aufforderung zur Beziehungspflege bis hin zum Wohlbefinden der Altenpflegerin und der Anregung zu Flexibilität, um einige Beispiele zu nennen.
2. Erster Vergleich der Aussagen und Kommentar
Dieck (1991) meint, daß das Konzept der aktivierenden Pflege der einzige spezifische Ansatz in der Pflege alter Menschen ist, der bisher entwickelt wurde. Dem kann ich mich leider nicht anschließen.
Vergleicht man die Definitionen, so stellt man fest, daß in der Regel weder "Pflege" noch "aktivieren" erläutert werden.
Quote paper:
Cornelia Michalke, 1993, Der Begriff 'aktivierende Pflege' in der ambulanten und stationären Altenhilfe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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