Markt der SAS für ERP mit dem Vergleich der konzeptionellen Struktur der Angebote
Planning (ERP) kam als Schlagwort für unternehmensweite Softwarelösungen auf. Bis heute hat sich ein großer, heterogener Markt entwickelt [KLOS03]. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher, führende Anbieter mit ihren Lösungen vorzustellen und die Leistungsfähigkeit der Systeme gegenüberzustellen. Dazu werden in Kapitel 2 einleitend einige grundlegende Kenntnisse über ERP-Systeme vermittelt. Die typische Vorgehensweise eines Softwareauswahlprozesses wird durch die Entwicklung eines Kriterienkataloges in Kapitel 3 beschrieben. Eine explizite Marktbetrachtung folgt schließlich in Kapitel 4 . Durch Gegenüberstellung der ausgewählten ERP-Lösungen zeigt sich abschließend die Heterogenität des am Markt befindlichen Angebotes.
2 Theoretische Grundlagen
Im folgenden Abschnitt werden zunächst die grundlegenden theoretischen Inhalte von ERP dargestellt. Neben Funktion und Aufbau steht das Potential dieser, als Standardsoftware angebotenen, IT-Systeme im Vordergrund.
2.1 Standardsoftware
Als Standardsoftware werden Programme bezeichnet, die auf Allgemeingültigkeit und mehrfache Nutzung hin ausgelegt sind. Sie werden für einen anonymen Markt erstellt, da ein Verkauf an unterschiedliche Kunden ohne oder m it relativ geringen Modifikationen möglich ist [HANS01, S. 152]. Im individuellen Prozess des Customizing muss die Standardsoftware an die speziellen Anforderungen der Benutzer angepasst oder sogar auf die gesamte betriebliche Ablauforganisation ausgerichtet werden [GABL00, S. 2881]. Auf die Anforderungen eines Unternehmens exakt abgestimmte Individualsoftware wird in den letzten Jahren immer seltener in der Praxis eingesetzt. So zeigt eine Studie der META Group aus dem Jahr 1999, dass der Anteil von Individualsoftware im Vergleich zu Standardsoftware in Unternehmen auf 46% geschätzt wird. Eine deutlich fallende Tendenz zugunsten der Standardsoftware ist erkennbar [BANG03, S. 7]. Mögliche Vorteile durch die Nutzung von Standardsoftware stellen sich wie folgt dar:
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• Wartung sowie Anpassung der Software an z.B. neue gesetzliche Richtlinien wird vom Softwarehersteller übernommen.
• Kürzere Einführungsdauer als bei Individualsoftware, da Standardlösung nicht erst entwickelt werden muss.
• Integrierte Standardsoftware erlaubt einfache Verknüpfung unterschiedlicher innerbetrieblicher Aufgaben und durch allgemein anerkannte Standards auch unternehmensübergreifend.
• Professionellere Schulung durch den Softwareanbieter. • Neue Module erhöhen die Individualisierungmöglichkeiten der Standardsoftware [MERT01, S. 169; BANG03, S. 8].
Die aufgeführten Punkte sind nur eine Auswahl der Vorteile durch die Nutzung einer Standardsoftwarelösung. Die durch ERP-Systeme abgebildeten Prozesse eigenen sich besonders für eine informationstechnische Realisierung dieser Art, da sie in den meisten Unternehmen in gleicher oder ähnlicher Weise ablaufen. Es ist daher ersichtlich, dass ERP-Systeme, abgesehen von eventuellen Änderungen oder Erweiterungen, immer auf Standardsoftware basieren [STAH02, S. 331].
2.2 Historie, Definition und Aufbau von ERP-Software
Schon in den sechziger Jahren entstanden erste Systeme zur EDV-technischen Unterstützung der Produktion in Unternehmen. Die unter dem Begriff „Material Requirement Planning“-Systeme (MRP I) subsumierten Programme unterstützen neben der Bedarfsermittlung in der Materialwirtschaft eine Produktionsprogrammplanung. Die in d en achtziger Jahren integrierten Erweiterungen einer Kapazitätsplanung und -terminierung sind charakteristisch für das Manufactoring Ressource Planning-Konzept (MRP II) und bilden die konzeptionelle Basis der Produktionsplanung und -steuerungs-Systeme (PPS-Systeme) [THOM90, I 1.2, S. 35]. PPS-Systeme setzen sich aus den Modulen Produktionsplanung und Produktionssteuerung zusammen. Ein Gesamtproblem wird in verschiedene Planungsstufen eingeteilt. Durch ein sukzessives Planungskonzept, indem die Ergebnisse einer vorgelagerten Stufe als Vorgabe in die nächste Stufe eingehen, soll eine Verbesserung der unternehmensinternen Abläufe sowie der Produktionsprozesse erzielt werden [GABL01, S. 2450]. PPS-Systeme bilden jedoch nur Teilausschnitte eines Unternehmens ab.
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Um alle Ressourcen ganzheitlich planen zu können, wurden ERP-Systeme entwickelt und PPS als Modul in die Softwarelösungen integriert. ERP wird definiert als ein aus mehreren Komponenten bestehendes, integriertes Anwendungspaket, das alle wesentlichen betrieblichen Funktionsbereiche abdeckt. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Finanzwesen, Personalwirtschaft und Projektmanagement. Die Integration in ERP-Systemen wird durch eine zentrale Datenbank gewährleistet. So werden Daten-redundanzen vermieden und integrierte Geschäftsprozesse ermöglicht. Seit den neunziger Jahren werden diese Systeme in Unternehmen eingesetzt. Proprietäre und nicht aufeinander abgestimmte Altsysteme wurden im Rahmen einer zunehmenden Geschäftsprozessorientierung durch solche integrierten Softwaresysteme abgelöst [HANS01, S. 523]. Neben dem Begriff ERP-Software werden häufig auch die Bezeichnungen Unternehmenssoftware oder der entsprechende e nglische Ausdruck Business Software verwendet. Abb. 1 verdeutlicht den Einsatzbereich, aber auch die Grenzen der ERP-Softwarelösungen. Durch die fortschreitende Globalisierung und Vernetzung der Unternehmen mit Marktpartnern sind in den letzten Jahren neue, unternehmensübergreifende Softwarelösungen ergänzend zu ERP entwickelt worden [STAH02, S. 331]. Lösungen für Supply Chain Management (SCM), E-Procurement und Customer Relationship Management (CRM) werden von den großen ERP-Herstellern im Produktportfolio ebenfalls angeboten, um den Kunden eine integrierte Komplettlösung zur Verfügung stellen zu können.
Abb. 1 : ERP-System und unternehmensübergreifende Anwendungen. In Anlehnung an [STAH02,
S.331].
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2.3 Potential zur Geschäftsprozessverbesserung
ERP-Systeme sollen in erster Linie die Effizienz der Geschäftsprozesse in Unternehmen bezüglich der Kriterien Kosten, Qualität, Zeit, Service und Flexibilität verbessern. Hierbei geht es beispielsweise um Verbesserungen der Auftragsdurchlaufzeiten und der Liefertermintreue. Eine ERP-Software bietet in diesem Bereich besonders durch die im System eingebetteten Referenzmodelle, auch „best practice“ genannt, Unterstützung bei der Festlegung von Prozessabläufen. Des W eiteren zielt ERP auf ein koordiniertes Auftreten gegenüber Kunden und L ieferanten ab. Die Markteffizienz von Unternehmen kann beispielsweise durch Bündelung der Nachfrage zur Stärkung der Marktmacht auf der Lieferantenseite oder durch qualitativ hochwertige oder kostengünstigere Produkte auf der Kundenseite gesteigert werden. Weiterhin ermöglicht eine aufeinander abgestimmte Nutzung der Ressourcen in Form von Personen, Anlagen, Maschinen, Gebäuden und Kapital die Steigerung der Produktivität und Wirtschaftlichkeit von Unternehmen. Beispiele hierfür sind Verbesserungen der Kapazitätsauslastung in der Produktion, Lagerbestandsreduzierungen oder eine Reduzierung der Mitarbeiteranzahl bei gleicher Produktionsmenge [MART02, S. 111].
3 Aufbau eines Kriterienkatalogs zur effizienten
Softwareauswahl
Die Einführung einer neuen Geschäftssoftware stellt einen finanziell und personell anspruchsvollen Prozess dar. Nicht wenige solcher Projekte sind aufgrund von Fehlplanungen und falschen Entscheidungen gescheitert. Grundlegend sollten sich daher Unternehmen bewusst machen, welche individuellen Anforderungen an die Softwarelösung gestellt werden. Ist es möglich die betriebsspezifischen Prozesse an einen Standardablauf anzupassen oder muss das ERP-System an die Prozesse angepasst werden? Weiterhin spielen Schnittstellen zu vorhandenen A ltsystemen eine wichtige Rolle.
Nach Festlegung der abzubildenden Prozesse und aller innerbetrieblicher Besonder-heiten wird eine passende Lösung auf dem Softwaremarkt gesucht. Ein Kriterien-katalog, auch als Lastenheft zu bezeichnen, gibt vor, welche Module die einzufüh-rende Lösung abdecken sollte. Sinnvoll erscheint eine Gewichtung einzelner Kriterien nach ihrer Wichtigkeit. Besonders entscheidende Faktoren, wie Lizenzpreis Informationsverarbeitung im Unternehmen Seite 5
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oder das Vorhandensein eines passenden Einführungstools, werden auch als K.O.-Kriterien bezeichnet, da sie bei Nichterfüllung den sofortigen Ausschluss eines Produktes als potentiell einzuführende Software zur Folge haben [WENZ98, S. 71].
3.1 Unternehmensindividuelle Kriterien
Die richtige Wahl für eine ERP-Software hängt unter anderem von der eigenen Unternehmensgröße und den abzubildenden Geschäftsprozessen ab. Weitere entscheidungsrelevante Kriterien stellen die vorhandenen Ressourcen der eigenen IT-Abteilung oder die zukünftige strategische Ausrichtung des eigenen Betriebes dar. Exemplarisch werden hier nur die erstgenannten Punkte im Detail angesprochen.
3.1.1 Unternehmensgröße
Die Unternehmensgröße hat einen bedeutenden Einfluss auf die Auswahl einer Geschäftssoftware. Sind doch bei Großunternehmen meist internationale Geschäftsbeziehungen die Regel, kann dies bei Kleinunternehmen in absehbarer Zeit nicht der Fall sein. Des Weiteren bestehen in kleineren Unternehmen keine vergleichbaren Ressourcen für Personal- und Kapitalaufwendungen wie in global agierenden Konzernen. Der D ruck, sich an die geänderten Marktbedingungen anzupassen, besteht aber auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Um gerade bei Kleinunternehmen die Aufwendungen durch Einführung eines ERP-Systems möglichst gering zu halten, muss hier auf eine s chnelle Implementierung, einfaches Customizing und ressourcenschonendes Warten der Software geachtet werden. Für kleine und mittelständische Betriebe steht weniger eine vollständige Abdeckung aller betrieblichen Funktionen als vielmehr die Unterstützung der wesentlichen Teilbereiche im Vordergrund [HANS01, S. 550f]. Unklarheit über eine Definition der Größenklassen von Unternehmen besteht bei den Softwareanbietern von ERP-Systemen. Für diese Arbeit wird daher e ine Abgrenzung der Größenklassen von Unternehmen anhand der Einteilung des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) § 267 vorgenommen (siehe Tab. 1).
Tab. 1: Abgrenzung der Größenklassen von Unternehmen. Eigene Darstellung.
Nach dem HGB werden Unternehmen als Kleinbetriebe bezeichnet, wenn sie in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren zwei der in der Spalte „Kleinunternehmen“ aufgeführten Kriterien nicht übertreffen. Die niedrige Bilanzsumme sowie ein Personalstamm von unter 50 Mitarbeitern sind, wie oben beschrieben, für die Auswahl eines ERP-Systems besonders hervorzuhebende Restriktionen. Zum Mittelstand zählen Unternehmen, wenn sie in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren zwei der Kriterien für Kleinunternehmen übertreffen, aber höchstens eines der Kriterien für Großunternehmen erreichen. Die abzubildenden Prozesse nehmen an Komplexität zu. Im Wachstum befindliche Unternehmen sollten auf eine skalierbare, das heißt größenanpassbare ERP-Lösung zurückgreifen. Dies ist gerade für eine möglichst langfristige Nutzung der Software bedeutend. Großunternehmen hingegen haben in den letzen zwei Geschäftsjahren mindestens zwei der in der Spalte „Großunternehmen“ aufgeführten Kriterien übertroffen. Die hohe Anzahl an Nutzern (User), einzubindende Tochterfirmen und internationale Geschäftsbeziehungen stellen in diesem Bereich d ie Herausforderungen an die ERP-Lösung dar. [HAND02, § 267].
3.1.2 Branchenunterschiede
Die Branchenzugehörigkeit des eigenen Unternehmens ist bei der Auswahl einer ERP-Software in jedem Fall zu beachten. Haben doch die Geschäftsprozesse eines Chemieunternehmens wenig mit jenen eines Lebensmittelhändlers oder einer Universität zu tun [HANS01, S. 548]. Es muss untersucht werden, ob die Geschäftsprozesse mit einer branchenneutralen Software abgedeckt werden können. Ist dies nicht der Fall, bieten spezialisierte Branchenlösungen eine Alternative.
3.2 Softwarespezifische Kriterien
Soll eine Software auf dem Markt bezogen werden, bietet sich ein Vergleich der Eigenschaften des Anbieters, der gestellten technischen Anforderungen, der erfüllten programmtechnischen Möglichkeiten und der Kosten an.
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Arbeit zitieren:
Tobias Mathes, 2003, Markt der Standardanwendungssoftware für ERP mit dem Vergleich der konzeptionellen Struktur der Angebote, München, GRIN Verlag GmbH
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