I. Inhaltsverzeichnis
1. Alles Reality? 5
1.1 Reality TV 5
1.1.1 Begriffsbestimmung „Reality TV“ 5
1.1.2 Was ist eigentlich ein „Format“ 8
1.2 Real Life Soap 8
1.2.1 Begriffsbestimmung „Real Life Soap“ 9
1.3 Real Life Crime 9
1.3.1 Kurzbeschreibung des Formates „COPS“ 9
1.3.2 Begriffsbestimmung „Real Life Crime“ 10
2. Doku was? 10
2.1 Doku-Serie 11
2.2 Doku-Soap 12
2.2.1 Soap-Opera als Ursprung. 12
2.2.2 Die Entstehung der Doku-Soap. 13
2.2.3 Aufbau einer Doku-Soap 13
2.3 Polizeiserien. 16
3. Mütter der fiktiven Crime-Doku’s. 16
3.1 Crime 16
3.1.1 Cops. 16
3.1.2 „Law & Order“ 18
3.2 Doku-Soap 20
3.2.1 „Cut“ 20
3.2.2 Abschlussklasse 2004. 21
3.2.3 „Die Aufpasser“ 22
4. Crime-Doku 23
4.1 Lenßen und Partner. 23
4.1.2 Niedrig und Kuhnt 24
4.1.3 K11 24
5. Das Fazit - Crime Doku als Symbiose 25
II. Abbildungen 27
III. Literaturverzeichnis 28
3
„Fernsehen ist ein Realitätspräservativ zur Verhinderung von Lebenszwi-
schenfällen.“
Bernd Guggenberger ( 1946), dt. Politikwissenschaftler
4
1. Alles Reality?
Im folgenden Abschnitt möchte ich die Genres „Real Life Soap“ und „Reality Crime“ näher beschreiben und zu einer allgemeinen Definition bzw. Begriffsbestimmung gelangen. Hierzu scheint es nötig, zuerst in gebotener Kürze das Genre des „Reality TV“ zu beschreiben und einzuordnen, da die Genres „Real Life Soap“ und „Reality Crime“ dem Genre „Reality TV“ zuzuordnen sind und somit „Sub-Genres“ darstellen.
1.1 Reality TV
Wenn man Reality TV wörtlich übersetzt, bedeutet dies so viel wie „Wirklichkeitsfernsehen“. Es herrscht allerdings große Uneinigkeit - sei es in der Wissenschaft oder unter Produzenten und Redakteuren - welche Sendungen unter diesen Begriff fallen, da die Grenzen zu anderen Genres fließend sind.
1.1.1 Begriffsbestimmung „Reality TV“
Die scheinbar simple Frage, was Reality TV eigentlich ist, wird höchst unterschiedlich beantwortet. Deswegen scheint es sinnvoll, die in der Wissenschaft anerkannte und schon im Jahre 1994 von Wegener verfaßte Definition des klassischen Reality TV heranzuziehen. Folgende Merkmale charakterisieren für sie Reality TV:
§ “Realereignisse werden entweder wirklichkeitsgetreu nachgestellt oder durch originales Filmmaterial dokumentiert.
§ Die Ereignisse haben in erster Linie keinen (oder nur selten) unmittelbaren Bezug zu aktuellen, gesellschaftlich-relevanten Themen.
§ Die Ereignisse zeigen im Wesentlichen Personen, die entweder psychische und/oder physische Gewalt ausüben und/oder erleiden.
§ Die einzelne n Beiträge thematisieren verschiedene Ereignisse, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang miteinander stehen.” 1
1 Wegener, Claudia: Reality TV. Fernsehen zwischen Emotion und Information. Opladen, 1994, S.17
5
Die o.g. Definition Wegeners wurde von Eberle im Jahr 2000 im Rahmen seiner Studie über das Nutzungsverhalten Jugendlicher bezüglich Reality TV um diese drei Punkte erweitert:
§ “Vorgänge werden bevorzugt aus der Sicht einzelner Beteiligter oder Betroffener geschildert. Subjektiven Bewertungen wird auch zu Lasten von Objektivität bewußt große Beachtung geschenkt.
§ Die Darstellung von Emotionen betroffener Personen, häufig in dramatischer Art und Weise, bildet einen wesentlichen Bestandteil.
§ Durch Dramaturgie, Moderation, besondere Montage- und Kameratechnik sowie teilweise durch nachgestellte Szenen und Interviews mit Betroffenen und Rettern werden die Ereignisse möglichst spannend dargestellt.” 2
1.1.1.1 Affektfernsehen
Das Genre des Reality TV hat sich im Laufe der Jahre stetig weiterentwickelt und neue Formen wie Real Life Soaps und Reality Crime Formate hervorgebracht. Durch das Modell des sog. Affektfernsehens soll hier versucht werden, die Begriffsbestimmung des Reality TV und dessen verschiedenen Ausprägungen zu erweitern.
Der Gattung des Affektfernsehens werden Sendungen zugeordnet, in denen einzelne Menschen bzw. Einzelschicksale im Mittelpunkt stehen. Häufig werden zum Zwecke von unterhaltungs- bzw. sensationsorientierten Effekten geltende Tabus 3 in Frage gestellt, bzw. ignoriert oder einfach gebrochen. 4 Neben der Zentralisierung auf Personen sowie dem Brechen von gängigen Tabus, ist es nötig, die Merkmale des Affektfernsehens aufzuzeigen, um diesen Begriff weiter zu präzisieren:
2 Eberle, Thomas: Motivation des Fernsehverhaltens Jugendlicher. Grundlagen, Verhaltensanalyse, Selbstauskünfte und Beurteilung des Reality-TV. Bad Heilbrunn/Obb., 2000, Seite 213
3 Unter Tabu versteht man etwas Unantastbares, Heiliges. Es steht für gottgeweihte Dinge, die nicht berührt und besprochen werden dürfen (vgl. http://www.wissen.de , 19.10. 2004).
4 Bente, Gary / Fromm, Bettina: Affektfernsehen. Motive, Angebotsweisen und Wirkungen. Opladen, 1997, S.19
6
§ „Personalisierung: Der Focus ist auf das Einzelschicksal gerichtet, er wird auf unmittelbar betroffene Personen zentriert; Allgemeines tritt hinter dem Individuellen zurück; der Moderator schafft ein Klima der Vertrautheit.
§ Authentizität: Die „wahren“ Geschichten von Personen, die meistens keine Medienprofis sind, werden je nach Sendekonzept entweder erzählt oder direkt vor der Reality TV Kamera arrangiert. Der Live-Charakter unterstreicht die Authentizität des Gezeigten.
§ Intimisierung: Was früher eindeutig in den privaten Raum gehörte, wie etwa Beziehungen und persönliche Krisen, wird zum öffentlichen Gegenstand.
§ Emotionalisierung: Die Sendungen betonen den emotional en Aspekt der Geschichten, das persönliche Erleben und Empfinden, jedoch weniger den Sachaspekt. Die Kamera unterstützt diese Absicht, indem sie die Darsteller in stark bewegten Momenten in Großaufnahme zeigt (z.B. verweinte Gesichter nach einer Trennung)“ 5
1.1.1.2 Narratives / performatives Realitätsfernsehen
Durch die Einteilung des Genre „Reality TV“ in narratives bzw. performatives Realitätsfernsehen, kann man die einzelnen Formen des „Reality TV“ weiter voneinander abgrenzen. Dabei unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Arten der Darstellung der Realität in diesen Sendungen: Bei der narrativen Darstellungsform werden die Zuschauer mit der authentischen oder der inszenierten, also nachgestellten Wiedergabe tatsächlicher Katastrophen unterhalten. 6 Die amerikanische Reality Crime Serie „COPS“ gehört zu dieser Gattung des Reality TV. Die performativen Realitätssendungen hingegen erhalten ihren Realitäts -Charakter dadurch, dass sie in mehr oder weniger erheblichem Maße in das persönliche Leben ihrer Kandidaten eingreifen und es dauerhaft verändern. Das sicherlich berühmteste Beispiel für eine Sendung dieses Typus ist das Format „Big Brother“ auf RTL2, aber auch die Pro7 Real Life Soap „Die Abschlussklasse“ 7 gehört dazu.
5 vgl. Bente, Gary / Fromm, Bettina : Affektfernsehen. Motive, Angebotsweisen und Wirkungen. Opladen, 1997, S.20
6 vgl. Keppler, Angela: Wirklicher als die Wirklichkeit? Das neue Realitätsprinzip der Fernsehunterhaltung. Frankfurt am Main,1994, S.8
7 Laut Pro7 Programmbeschreibung im Internet unter http://www.pro7.de (20.10.2004):
„Die Abschlussklasse 2005“ Serie, Real Life Soap, D 2004
7
1.1.2 Was ist eigentlich ein „Format“
Wie schon zu Beginn und auch im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung wird immer wieder der Begriff „Format“ auftauchen. In diesem Abschnitt soll dieser zunächst einmal genauer erklärt werden. Der Begriff „Format“ ist im TV-Bereich noch nicht besonders alt. Wenn man nach Knut Hickethier geht, entstand der Begriff „aus dem Lizenzeinkauf von Sendekonzepten, bei dem die Rechtebesitzer Wert darauf legen, dass diese Sendung auch in ihrer Inszenierungspraxis und in ihren Themen und Inhalten nach dem genau vorgegebenen Muster durchgeführt werden.“ 8
Ähnlich wird dies auch in „Firma Fernsehen“ beschrieben, wo zwischen Format und Konzept unterschieden wird. Der Unterschied liegt darin, dass ein Format bereits fertig produziert ist und auf einer Basisidee aufbaut. Das Konzept hingegen ist nur die Idee, die noch nicht fertig produziert ist. 9
Formate zu definieren ist für die Programmplanung besonders wichtig, da so der audience-flow durch die Aneinanderreihung ähnlicher Formate gesichert werden kann. Es gibt allerdings noch eine Differenzierung zwischen weichen und harten Formaten. Bei den weichen Formaten sind nur die Rahmenbedingungen gesetzt und der Rest liegt im Ermessen des Autors. Bei harten Formaten ist alles bis ins kleinste vorgegeben. Bei den folgenden Formaten handelt es sich daher fast ausschließlich um weiche Formate. Es gibt zwar durchaus Drehbücher, aber gerade Doku-Soaps und Real Life Soaps leben von der Improvisation der Darsteller.
1.2 Real Life Soap
Die neuen Sendeformate der „Real Life Soaps“ bzw. „Reality-Life-Soaps“ üben mit ihren „echten Menschen“ auf das überwiegend junge Publikum eine große Faszination aus. „Das Fernsehen macht sich zum Medium einer artifiziellen Fortführung der Normalität.“ 10
8 Hickethier, Knut: Spaltprozesse. Die Dramaturgie des Fernsehfilms als Verkaufsgespräch. In: epd medien 34/35-2001, S. 4
9 Karstens, Eric, Schütte, Jörg: Firma Fernsehen, Hamburg, 1999, S. 495
10 Keppler, Angela: Wirklicher als die Wirklichkeit? Das neue Realitätsprinzip der Fernsehunterhaltung. Frankfurt/M.,1994, S. 8.
8
Arbeit zitieren:
Sebastian Geipel, 2004, Fallstudie Senderstrategie: Geschichte, Entwicklung und Zukunft der Crime Doku's, München, GRIN Verlag GmbH
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