Gliederung
1. Einleitung 3
2. Gesellschaftspolitische Lage des 18. Jahrhunderts 4
3. Britische Kolonialpolitik in Amerika 6
3.1. Stamp Act’ 1765 7
3.2. Boston massacre’ 1770 9
3.3. Gründung des Continental Congress’ 1774 10
4. Die amerikanische Presse Mitte des 18. Jahrhunderts 11
4.1. Drucker und Verleger 12
4.2. Die Rolle der Post 12
4.3. Regierung und Zensur 13
4.4. Druckerzeugnisse 14
4.4.1. Flugblätter 14
4.4.2. Zeitungen 15
4.4.3. Pamphlete 16
4.4.3.1. Common Sense’ 16
5. Die amerikanische Gesellschaft während der Revolution 17
5.1. Die Spaltung der Bevölkerung 17
5.2. Die Entstehung einer amerikanischen Identität 18
6. Der Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783 19
6.1. Die Rolle der Miliz 19
6.2. Amerikanischer Widerstand während des Unabhängigkeitskrieges 20
6.2.1. Der Propagandakampf der Patrioten 21
6.2.2. Patriotische Verleger 22
6.2.3. Amerikanische Propaganda für die feindlichen Soldaten 24
7. Fazit 25
8. Literaturverzeichnis 27
2
1. Einleitung
Als am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien vom englischen Mutterland ausgerufen wurde, war der Konflikt zwischen beiden Seiten bereits seit einem Jahr in einem Krieg eskaliert. Sieben Jahre später wurde die Trennung von Großbritannien im Friedensschluss von Paris formell vollzogen. Dieser bis dahin weltpolitisch einzigartige Schritt wurde von den Bevölkerungen in den Kolonien mit ähnlich enthusiastischen Freuden-kundgebungen gefeiert, wie knapp eine Generation zuvor die Thronbesteigung des neuen Königs von England Georg III. im Jahre 1760. Gemeinsam mit der britischen Armee hatte man damals den Weltmacht-Rivalen Frankreich besiegt und dem englischen Königreich zu neuem Ruhm und territorialer Ausdehnung verholfen. Man fühlte sich als ein fester Bestandteil des British Empire und die Idee einer unabhängigen Nation aus dem Verbund der Kolonien heraus war fernab jeder Vorstellung. 1
Wie konnte also die Identifikation der Kolonisten mit „ihrem“ König und dem britischen Empire innerhalb weniger Jahre in ein Negativ- und dann in ein Feindbild umschlagen? 2 Welche Ereignisse und Entscheidungen riefen innerhalb der amerikanischen Administration, aber vor allem unter den Bewohnern der Kolonien, solche negativen Reaktionen gegenüber dem britischen Mutterland hervor? 3
Ein Blick auf die politischen Entscheidungsprozesse und ihre Träger alleine reicht nicht aus, um dieses Phänomen der nationalen Entfremdung zu verdeutlichen. Denn angefangen bei der Forderung der politisch Verantwortlichen nach einer eigenen Steuererhebungskompetenz, über das generelle in-Frage-stellen der Verantwortlichkeit des englischen Parlaments, bis hin zur Erklärung der Unabhängigkeit von Großbritannien, wäre ohne die Unterstützung eines Großteils der Bevölkerung unmöglich gewesen. Ein klares Bild von der Gesellschaftsstruktur in den amerikanischen Kolonien ist daher notwendig, um gewisse Handlungen und Reaktionen in den Zeiten vor der Revolution und während des Krieges zu verstehen und in den geschichtlichen Gesamtzusammenhang einordnen zu können.
1 Heideking, Jürgen, “Das Englandbild in der Nordamerikanischen Publizistik zur Zeit der Revolution“, in: Franz
Bosbach (Hrsg.), Feindbilder - Die Darstellung des Gegners in der politischen Publizistik des Mittelalters und der
Neuzeit, Köln: Böhlau, S. 179.
2 Ebda. S. 181.
3 Kipping, Ernst, Die Truppen von Hessen-Kassel im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776-1783, Darmstadt:
Wehr und Wissen, 1965, S. 15.
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Es fand eine Entwicklung in den Köpfen der Menschen statt, die aus Entfremdung Feindschaft entstehen ließ und aus Patriotismus revolutionären Widerstand. 4 Es war eine Entwicklung, die nicht nur eine geistige Trennung von England mit sich zog, sondern auch gleichzeitig eine eigene amerikanische Identität schuf. Es wurde auf allen gesellschaftlichen Ebenen eine Stimmung geschaffen, die trotz der Sorgen um eine wirtschaftliche Überlebensfähigkeit, der sozialen Stabilität und dem inneren Zusammenhalt eines unabhängigen Amerikas, das Risiko eines Krieges auf sich nahm. 5
Da politische Auseinandersetzungen zu allen Zeiten von öffentlich verbreiteten Schriften begleitet wurden, ist gerade die Rolle der Presse bei der Möglichkeit, Stimmungen in der Bevölkerung zu steuern oder zu manipulieren, von entscheidender Bedeutung.
Das koloniale Pressewesen begann in Form von Zeitungsartikeln, Pamphleten oder Flugblättern die politischen Vorstellungen und Ideale Einzelner an die Menschen auf dem riesigen Territorium der 13 Kolonien zu vermitteln. 6 Politische Ereignisse wurden parteilich in der Öffentlichkeit kommentiert, das eigene Handeln gerechtfertigt und die Handlungen des Gegners verurteilt. Die Frage nach dem Vorgehen, dem Erfolg und der daraus resultierenden Bedeutung für die Revolution in dem Versuch die politisch-staatliche Öffentlichkeit zu lenken, ist der Schwerpunkt dieser Arbeit.
2. Gesellschaftspolitische Lage des 18. Jahrhunderts
Die amerikanische Revolution war kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozesses, wozu neben der englischen Revolution von 1648 vor allem auch die Französische Revolution von 1789 zu zählen sind. Die aus dem Mittelalter hervorgewachsene agrarisch-traditionelle, in Stände gegliederte und auf Privilegien beruhende Lebensform, verwandelte sich in eine repräsentativ-demokratische, kommerziellindividualistische und nach „Fortschritt“ strebende Gesellschaft. 7
Man spricht auch von „the age of the Democratic Revolution” oder - wie Benjamin Franklin und John Adams, die in dieser Zeit lebten - von “the age of political experiments.“ 8 So beruhte auch der Inhalt der Unabhängigkeitserklärung im wesentlichen auf englischen
4 Heideking, Jürgen, Feindbilder, S. 192.
5 Kohn, Richard H., „War as Revolution and Social Process“, in: Reviews in American History, 5, 1 (1977), S. 60.
6 Kipping, Hessen-Kassel, S. 15.
7 Heideking, Jürgen, “Der Beginn der amerikanischen Demokratie”, in: Jürgen Heideking, Gerhard Hufnagel, Franz
Knipping (Hrsg.), Wege in die Zeitgeschichte, Festschrift (1989), S. 228.
8 Ihde, Horst, “Die Idee der Weltrevolution bei Thomas Paine”, in :Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt
Universität Berlin, 1 (1984), S. 267.
4
Traditionen des 17. und auf Ideen der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Aber ihre wirkungsvolle Formulierung zum Zwecke der „Rechtfertigung praktischen politischen Handelns vor der Weltöffentlichkeit“ war etwas völlig Neues. 9
Man sollte allerdings von der Idealisierung und Heroisierung der gesamten Revolutionsepoche früherer Geschichtsschreiber Abstand nehmen 10 und die amerikanische Revolution nicht alleine aus den politischen Gedanken und dem Wunsch nach liberaler Staatsform heraus, zu erklären versuchen. Schließlich handelte es sich nicht um „einen Aufstand unterdrückter Eingeborener gegen fremde Herren“, sondern um einen Bürger- und Volkskrieg zur Durchsetzung von Rechten. Er richtete sich nicht nur gegen das Mutterland, sondern auch gegen dessen Anhänger im eigenen Land. Es waren daher auch nicht etwa neue politische Ideen, die von einer revolutionären Partei oder Intelligenz verkündet wurden, sondern Kolonisten, die der Überzeugung waren, dass Eigentum und Freiheit untrennbar seien und jegliche Besteuerung einen Eingriff in privates Eigentum bedeute. 11
Die amerikanischen Kolonien, die zu diesem Zeitpunkt sehr stark auf die Landwirtschaft konzentriert und immer noch in ein transatlantisches System der Sklaverei eingebettet waren, 12 verfügten bereits über viele Dinge, für die man in Europa noch kämpfen musste. Dazu gehörten neben den relativ großen Freiheiten der Zeitungsmacher 13 vor allem die Bereiche der Eigentumssicherheit, individuelle Rechte, Repräsentation, sowie ein breitgestreutes Wahlrecht. Zwar hatte London in der Regel das letzte Wort, doch war diese Oberherrschaft über lange Zeit eher im Bereich der Handels- und Wirtschaftsordnung von nachhaltiger Bedeutung. Eine Geburtsaristokratie hatte es auch in der Kolonialzeit nicht gegeben und die Besitz- und Geldaristokratie war nicht so exklusiv wie in Europa. 14
Seit den Anfängen der Kolonisierung gab es zwar eine starke Vermögenskonzentration und in der kolonialen Wirtschaft tiefe Klassenunterschiede, 15 16 doch hätte diese Revolution niemals
9 Vierhaus, Rudolf, “Das historische Profil der amerikanischen Revolution”, in: 1776 Independence. Die Ameri-
kanische Revolution im Spiegel zeitgenössischer Druckwerke. Katalog zur Ausstellung der Niedersächsischen
Staats-und Universitätsbibliothek Göttingen 1976, S. 10.
10 Heideking, Jürgen, “Von der Revolution zur Neuen Ordnung - Die Vereinigten Staaten von Amerika 1776 bis
1791. Arbeitsmaterialien zur Vergleichenden Föderalismusforschung, Heft 4 (1988), S. 1.
11 Vierhaus, “Das historische Profil der amerikanischen Revolution”, S. 13-17.
12 Schäfer, Peter, „Ergebnisse und Tendenzen der gegenwärtigen amerikanischen Historiographie zum Unabhängig-
keitskrieg der USA, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt Universität Berlin, 1 (1984), S. 275.
13 Kleinsteuber, Hans J., „Technologies of Freedom: Warum werden in den USA Medien so ganz anders interpre-
tiert?“ in: Amerikastudien, 41.1 (1996), S. 187.
14 Vierhaus, “Das historische Profil der amerikanischen Revolution”, S. 17.
15 Schäfer, Peter, „Unabhängigkeitskrieg der USA“, S. 274.
16 Das vermögendste Zehntel der Eigentümer verfügte vor der Revolution über ca. 55% des Gesamtvermögens,
in den südlichen Kolonien sogar über 69%.
5
Erfolg gehabt, wenn der Protest das Werk einer kleinen Verschwörertruppe aus der Oberschicht gewesen wäre. Von entscheidender Bedeutung für den Fortgang der Revolution war die Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten. Gerade die sogenannten Unterschichten beschleunigten häufig, aufgrund ihrer oftmals radikaleren Vorgehensweise, den Fortgang der Revolution. So wurde auch das - lange Zeit als wenig erstrebenswerte und unerfüllbar scheinende - Verlangen nach staatlicher Selbstständigkeit zuerst an den „grass roots“ laut. Über eine Welle von Gemeinde- und Provinzialversammlungen trieb es den zögerlichen Kontinentalkongress schließlich zur Unabhängigkeitserklärung an. 17
3. Britische Kolonialpolitik in Amerika
Die Kolonisation des Nordamerikanischen Kontinents war nicht das Ergebnis einer zielstrebigen Staatspolitik, sondern eine hundertfünfzig Jahre lange Geschichte zahlreicher, weitgehend zusammenhangloser Unternehmungen von Handelskompanien, religiösen Dissidenten oder auch von Einzelnen. Es bildeten sich Gemeinwesen, die untereinander in keiner politischen Verbindung standen. Das rechtliche Verhältnis zur englischen Krone war dementsprechend unterschiedlich - beim Ausbruch der Revolution besaßen acht der dreizehn Kolonien den Status einer Kronkolonie, drei waren Eigentümerkolonien und zwei verwalteten sich selbst. Ihre Beziehungen untereinander, sofern sie überhaupt existierten, waren oft gespannt, und auch innerhalb der einzelnen Kolonien bestanden starke Gegensätze. 18
Trotz enormer Unterschiede in der gesellschaftlichen Struktur und Mentalität war die Bevölkerung doch relativ homogen 19 und die politischen Verfassungen der Kolonien ziemlich einheitlich. Sie alle verfügten über gewählte Repräsentanten, während die Regierungen in den Händen von durch den König oder Eigentümer ernannten Gouverneuren lag, die wiederum sogenannte „councils“ schufen. 20
Im Laufe der Zeit übernahmen die Versammlungen in steigendem Maße die Funktionen der Gouverneure und ihrer Räte. Das Schwergewicht der Kolonialverwaltung verlagerte sich daher allmählich von London in die einzelnen Hauptstädte der amerikanischen Provinzen, da die dreizehn Kolonien noch kein gemeinsames politisches Zentrum besaßen. 21
17 Heideking, Jürgen, “Der Beginn der amerikanischen Demokratie”, S. 231.
18 Vierhaus, “Das historische Profil der amerikanischen Revolution”, S. 11.
19 Durch Geburtenüberschuss und Einwanderung schnell ansteigende Bevölkerung - nur ungefähr ein Viertel war
schottisch-irischer und deutscher Herkunft; ein Achtel machten die im Süden massierten Schwarzafrikaner aus.
20 Vierhaus, “Das historische Profil der amerikanischen Revolution”, S. 11.
21 From Revolution to Reconstruction. Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika - der Weg zur Unabhängig-
keit; http://odur.let.rug.nl/~usa/H/1954ge/chap2.htm
6
Mit der Thronbesteigung Georg III. endete schließlich die Politik des „salutary neglect“, also der offiziellen Geringschätzung der amerikanischen Kolonien innerhalb der britischen Politik. Eine Reorganisation des Empire im Sinne einer zentralen Kontrolle, effizienter Verwaltung und Steigerung der Staatseinkünfte, war mit den Wunschvorstellungen der Siedler nach größerer Handlungsfreiheit, einer ungebremsten territorialen Ausdehnung und steigendem Wohlstand allerdings kaum in Einklang zu bringen. 22
Auslöser der Kontroversen waren daher immer wieder Fragen der Besteuerung und der Zollgesetzgebung, zu der nach Ansicht führender politischer Repräsentanten der Amerikaner ein fernes Parlament in London, ohne eine angemessene Vertretung der amerikanischen Untertanen im Entscheidungsprozess 23 kein Recht hatte. 24 Die englische Regierung rührte damit an den Verfassungsgrundsatz, demzufolge Steuern nur mit Zustimmung der zu Besteuernden erlassen werden konnten. 25
Im Jahre 1765 gab es schließlich erstmals eine breite Protest- und Boykottwelle gegen das vom Parlament beschlossene Stempelsteuergesetz (‚Stamp Act’). Die Reaktion der Siedler fand in symbolischen wie handfesten Gewaltakten gegen alle, die an seiner Durchsetzung beteiligt waren, ihren Ausdruck. 26 Gleichzeitig veränderte es in entscheidendem Maße die Pressekultur der Kolonien, die vorher größtenteils aus Europa berichtet hatten, in denen aber nun die Nachrichten über andere Kolonien und allgemeine amerikanische Angelegenheiten sprunghaft zunahmen. 27 Die Auseinandersetzung über die Stempelsteuer sollte allerdings erst der Beginn einer, mit großem publizistischen Aufwand begleiteten Reihe von Entspannungs-und Konfrontationsphasen sein, die schließlich zum Krieg und dann zur Unabhängigkeitserklärung führte. 28
3.1. ‚Stamp Act’ 1765
Das Stempelsteuergesetz der britischen Kolonialverwaltung sah vor alle Zeitungen, Plakate, Flugschriften, Erlaubnisscheine, Pachtverträge und andere gesetzliche Urkund en mit Stempelkarten zu versehen, deren Ertrag einzig und allein für „Verteidigung, Schutz und Sicherung“
22 Heideking, Jürgen, Feindbilder, S. 180.
23 Die amerikanische Haltung wurde unter dem Slogan „no taxation without representation“ bekannt.
24 Gerste, Roland D., Schweden und die Amerikanische Revolution. Der Einfluss des Amerikanischen Unabhängig-
keitskrieges auf Amerikabild, Revolutionsverständnis und Politik Schwedens, Düsseldorf; Philosophische Fakultät
der Heinrich Heine Universität, 1994, S. 24.
25 Dippel, Horst, 1776 Independence - Die Amerikanische Revolution im Spiegel zeitgenössischer Druckwerke.
Katalog zur Ausstellung der Niedersächsichen Staats-und Universitätsbibliothek Göttingen 1976, S. 87.
26 Heideking, Jürgen, Feindbilder, S. 180.
27 Heideking, Jürgen, „Einheit aus Vielfalt: Die Entstehung eines amerikanischen Nationalbewusstseins in der
Revolutionsepoche 1760-1820, in: Ulrich Herrmann (Hrsg.), Volk-Nation-Vaterland (1996), S. 103.
28 Heideking, Jürgen, Feindbilder, S. 180.
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Thorsten Volberg, 2003, Der Einfluss amerikanischer Medien im Unabhängigkeitskrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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