Einleitung:
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Wolfgang Klafkis Werk: „Zweite Studie, Grundzüge eines neuen Allgemeinbildungskonzepts. Im Zentrum: Epochaltypische Schlüsselprobleme“ auseinander.
Zunächst wird Klafkis Position in der geisteswissenschaftlichen Pädagogik skizziert, um den Entstehungs- und Begründungszusammenhang seines neuen Allgemeinbildungskonzepts nachvollziehen zu können. Hiernach soll geklärt werden, warum Klafki der Auffassung ist, das die geisteswissenschaftliche Pädagogik ein neues Allgemeinbildungskonzept braucht und es soll auch verdeutlicht werden, warum es für uns Pädagogen von Bedeutung ist, sich mit der klassischen Bildungstheorie auseinanderzusetzen. Anschließend wird im zweiten Kapitel Klafkis Analyse des Begriffs Bildung dargestellt, um schließlich im dritten Kapitel sein neues Allgemeinbildungskonzept vorzustellen. Ausschließlich soll hier auf Klafkis 5. Begriffsbestimmung, nämlich die epochaltypischen Schlüsselprobleme eingegangen werden, da diese im Zentrum seines neuen Konzepts stehen, während die übrigen acht Begriffsbestimmungen lediglich benannt werden sollen.
Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden sowohl innerhalb der Kapitel, als auch am Ende der jeweiligen Kapitel Klafkis Aussagen kommentiert und vor allem dann kritisiert, sobald der Verfasser dieser Arbeit auf Brüche oder Widersprüche in Klafkis Gedankengängen stößt.
Im Anschluß an diese Darstellung soll Klafkis neues Allgemeinbildungskonzept bewertet werden.
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1. Klafkis Position in der geisteswissenschaftlichen Pädagogik
Wolfgang Klafki, geb. 1927 in Ostpreußen, beschäftigt sich als Wissenschaftler mit den Aufgaben und Grenzen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik. Seine Forschungsschwerpunkte sind dabei die Auseinandersetzung mit der allgemeinen Didaktik, die Analyse von Klassikern wie Pestalozzi oder Herbart, seine Arbeiten zur Schulreform und auch seine Arbeiten zur systematischen Pädagogik. Klafki hinterfragt dabei kritisch Elemente der bisherigen Pädagogik und analysiert diese jeweils vor ihrem historischem Hintergrund. Er arbeitet gemeinsam mit Kollegen an der Umformung von Teilen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, damit diese vor dem Hintergrund der heutigen Gesellschaft Gültigkeit haben können. Klafki hat sich auch mit der klassischen Bildungstheorie des Wilhelm von Humboldt auseinandergesetzt. Er hat hierbei in seiner ersten Studie zur klassische n Bildungstheorie den Schluß gezogen, daß die klassische Bildungstheorie bestimmte Mängel aufweist und in diesem Zusammenhang das Konzept der epochaltypischen Schlüsselprobleme entwickelt.
1.1 Klafkis Kritik an der klassischen Bildungstheorie von Wilhelm von
Humboldt
Den wichtigsten Kritikpunkt der klassischen Bildungstheorie sieht Klafki darin, daß Humboldt seinen Hauptgedanken „Bildung für alle“, nicht oder nur wenig vor dem Hintergrund der bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen reflektiert hat 1 . Denn wenn Menschen beispielsweise den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ihre existentiellsten Bedürfnisse zu befriedigen, haben sie weder die Zeit noch das Geld sich zu bilden. Das heißt in der Folge, daß vor der Forderung Bildung für alle, zu allererst die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen, so daß wirklich jeder Mensch, egal welcher Schichtzugehörigkeit, sich bilden kann. Nun bemängelt
1 Vgl. KLAFKI, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik: Zeitgemäße
Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. 5. Auflage, Weinheim und Basel 1996. Beltz
Verlag. S. 48
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Klafki also an dem Humboldschen Konzept, daß dieses nicht die gesellschaftlichen Bedingungen beachtet. Klafki formuliert darum Schlüsselprobleme, die für unsere Epoche kennzeichnend sein sollen. Nicht nachvollziehbar aber ist in seiner zweiten Studie, wie er die Gesellschaft bezogen auf ihre Probleme analysiert hat. Er erwähnt auch nicht, ob er sich auf die Gesellschaftsanalysen von Soziologen, Politologen o. ä. stützt und welche Theorien dies sind. Klafki selbst schreibt dazu: „Ein hinreichend vollständiger Aufriß solcher Schlüsselprobleme würde so etwas wie eine Theorie des gegenwärtigen Zeitalters und seiner P otenzen und Risiken im Hinblick auf die Zukunft erfordern.“ 2
Klafki ist sich also darüber bewußt, daß er epochaltypische Probleme nur nach einer ausreichenden Analyse der herrschenden Gesellschaftsstrukturen benennen kann. Trotzdem formuliert er Schlüsselprobleme und somit haben seine weiteren Ausführungen anscheinend keine theoretisch fundierte Basis. Epochaltypische Schlüsselprobleme stehen aber im Zentrum von Wolfgang Klafkis Entwicklung eines neuen Allgemeinbildungskonzeptes.
1.2 Die Bedeutung der klassischen Bildungstheorie für heutige Pädagogen
Die klassische Bildungstheorie liefert wichtige Ansätze, die kritisch auf „... die historisch zweifellos tiefgreifend veränderten Verhältnisse unserer Gegenwart und auf Entwicklungsmöglichkeiten in die Zukunft hinein zu durchdenken ...“ 3 sind. Mit kritisch Durchdenken meint Klafki, daß es vor allem zwei wesentliche Kritikpunkte an der klassischen Bildungstheorie gibt, die es zu verändern gilt:
1. Der bisher unzureichend reflektierte Zusammenhang von Bildung und Gesellschaftsstruktur
2 KLAFKI, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik: Zeitgemäße
Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. 5. Auflage, Weinheim und Basel 1996. Beltz
Verlag. S. 56
3 Vgl. KLAFKI, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik: Zeitgemäße
Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. 5. Auflage, Weinheim und Basel 1996. Beltz
Verlag. S. 48
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Arbeit zitieren:
Claudia Schütt-Breitkopf, 2002, Klassische Bildungstheorie und Wolfgang Klafki: Grundzüge eines neuen Allgemeinbildungskonzepts. Im Zentrum: Epochaltypische Schlüsselprobleme, München, GRIN Verlag GmbH
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