Vor- und Nachteile der Bundesanleihe unter Berücksichtigung von
allgemeinen Anlagezielen
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Problemaufriß: Anlegerkonflikt zwischen Sicherheit,
Rentabilit ät und Liquidität 3
1.2 Erkenntnisziel der Arbeit 3
2. Was sind Bundesanleihen?
2.1 Zum Begriff der Anleihe 5
2.2 Staatsanleihen
2.2.1 Grundlinien des staatlichen Schuldenmanagements 6
2.2.2 Sicherheitsaspekt 7
3. Merkmale der Bundesanleihen
3.1 Verzinsung und Zinszahlung 9
3.2 Laufzeit und Rückzahlung 9
3.3 Erwerbsmodalitäten
3.3.1 Tenderverfahren 10
3.3.2 Verkauf über die Börsen 10
3.3.3 Kosten bei Erwerb 11
3.4 Verkauf vor Fälligkeit 12
3.5 Spezielle Eigenschaften unter dem Sicherheitsaspekt
3.5.1 Mündelsicherheit 12
3.5.2 Deckungsstockfähigkeit 12
3.6 Verwahrung und Verwaltung
3.6.1 Definition der Wertrechte 13
3.6.2 Bundesschuldbuch 13
3.6.3 Vorteile der Wertrechte 13
3.7 Steuerliche Aspekte 14
3.8 Stripping bei Bundesanleihen 15
4. Sekundärmarkt für Bundeswertpapiere
4.1 Definition des Sekundärmarktes 16
4.2 Bundesanleihen an der Börse
4.2.1 Umlaufsrendite 16
4.2.2 Feststellung des amtlichen Kurses 16
4.2.3 Markt- und Kurspflege 17
5. Schlußfolgerung : Bundesanleihen als „sichere“ Alternative für
private und institutionelle Anleger 18
6. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
1.1 Problemaufriß: Anlegerkonflikt zwischen Sicherheit, Rentabilität und Liquidität
Jeder Anleger verfolgt individuelle Ziele mit seiner Investitionsentscheidung. Bei diesen Zielen handelt es sich am häufigsten um Sicherheit, Rentabilität und Liquidität. Unter Sicherheit versteht man die „Erhaltung des angelegten Vermögens“. 1 „Die Rentabilität einer Geld- und Vermögensanlage richtet sich nach ihren Erträgen und nach den Kosten, die sie verursacht“. 2 Liquidität bedeutet, „wie schnell ein Betrag, der in einen bestimmten Wert investiert wurde, wieder in Bankguthaben oder Bargeld umgewandelt werden kann“. 3 Allerdings kann eine Kapitalanlage nicht alle Ziele auf einmal berücksichtigen, denn diese Kriterien beeinflussen sich gegenseitig. So erwirtschaftet eine besonders sichere Anlage meist eine geringere Rendite als eine spekulative Kapitalanlage. Insofern ist es für jeden Anleger notwendig, Prioritäten zu setzen und für seine Anlagen eine Rangordnung dieser Ziele festzulegen. 4 Diese Rangordnung ist subjektiv, denn jeder Kapitalanleger ordnet den einzelnen Zielen eine individuelle Bedeutung zu. Der Anleger hat also das Problem, seinen Schwerpunkt bezüglich der Anlagekriterien bei einer Investitionsentscheidung festzulegen.
1.2 Erkenntnisziel der Arbeit
In der letzten Zeit gewinnt das Anlagekriterium der Sicherheit bei immer mehr Investoren an Bedeutung. Der Grund dafür liegt sicherlich darin, daß sich viele Anleger aufgrund der Börseneuphorie an immer spekulativere Werte herangewagt haben. Zunächst konnten sie dadurch hohe Renditen erwirtschaften, bis es allerdings zu einem allgemeinen Kursrutsch kam und zahlreiche Anleger hohe
1 Wurm, Gregor / Wolff, Karl / Küpper, Franz J. , Kompaktwissen Bankbetriebslehre,
5. Auflage, Köln 1996, S. 306
2 Grill, Wolfgang / Perczynski, Hans, Wirtschaftslehre des Kreditwesens, 7. Auflage,
Bad Homburg vor der Höhe, 1996, S. 384
3 Wurm, Gregor / Wolff, Karl / Küpper, Franz J. , a. a. O. , S. 306
4 Vgl. Grill, Wolfgang / Perczynski, Hans, a. a. O. , S. 385
3
Verluste in Kauf nehmen mußten. Inzwischen legen aus diesem Grund gerade viele Privatanleger mehr Wert auf Sicherheit, die bei der Anlage in Bundesanleihen auf jeden Fall gewährleistet ist (vgl. Kapitel 2.2.2 und Kapitel 3.5). Des weiteren sind Bundesanleihen jederzeit liquidierbar und erwirtschaften eine marktgerechte Rendite. Bundeswertpapiere bilden allgemein eine lukrative Anlagealternative, was sich bei einem Vergleich von Bundesschatzbriefen mit deutschen Rentenfonds zeigt 5 . In dieser Studie in dem Zeitraum von März 1991 bis März 2001 ging man davon aus, daß ein Anleger monatlich DM 100,- in den jeweils aktuellen Bundesschatzbrief Typ B einzahlt und daß bei Fälligkeit das angesparte Geld wieder angelegt wird. Gleichzeitig wurde unterstellt, daß ein Sparer regelmäßig DM 100,- in einen Rentenfonds investiert. Nach zehn Jahren erwirtschafteten die Bundesschatzbriefe einen Ertrag von DM 16400,- , während der Durchschnitt von 69 untersuchten Fonds bei DM 16112,- lag. Bei den Fonds wurden allerdings noch keine Depotgebühren berücksichtigt, die den Ertrag weiter schmälern würden.
Das Erkenntnisziel dieser Arbeit soll eine Diskussion von Vor- und Nachteilen der Bundesanleihe unter besonderer Berücksichtigung der angesprochenen Anlegerziele sein. Insbesondere soll dabei die Frage beantwortet werden, inwiefern es sich bei der Bundesanleihe um ein geeignetes Mittel zur Kapitalanlage handelt.
5 Vgl. Öchsner, Thomas, Bundesschätze schlagen deutsche Rentenfonds, in: Süddeutsche
Zeitung vom 20.06.01, S. 32
4
2. Was sind Bundesanleihen?
2.1 Zum Begriff der Anleihe
Eine Anleihe bezeichnet man auch als Rentenpapier oder als festverzinsliches Wertpapier. „Durch die Ausgabe (Emission) von festverzinslichen Wertpapieren nimmt ein Schuldner (Emittent) fremde Gelder in größerem Umfang und für einen bestimmten festgelegten Zeitraum auf. Dafür verpflichtet er sich zur Zahlung von Zinsen und zur Rückzahlung des geliehenen Betrages.“ 6 Hieraus ist ersichtlich, daß eine Anleihe zwei verschiedene Zwecke erfüllt: Der Aussteller kann sich mit ihrer Hilfe Fremdkapital beschaffen, während sie dem Anleger als verzinsliche Kapitalanlage dient. 7
Ein festverzinsliches Wertpapier setzt sich aus verschiedenen Grundelementen zusammen: Als Nennwert bezeichnet man den Betrag, den der Aussteller dem Anleger schuldet und den er am Ende der Laufzeit zurückzahlen muß. 8 Als Preis für die Überlassung seines Kapitals erhält der Anleger einen bestimmten Zins, den sogenannten Nominalzins . Seine Höhe hängt unter anderem ab von dem zum Emissionszeitpunkt herrschenden Marktzinsniveau und der Kreditwürdigkeit des Emittenten. 9 Die Effektivverzinsung berücksichtigt hingegen den „Anlageertrag bezogen auf eine Anlagedauer von 1 Jahr und einen Kapitaleinsatz von 100,00 DM“. 10 Man unterscheidet Anleihen mit laufender und ohne laufende Zinszahlung, wobei die Zinsen jährlich bzw. am Ende der Laufzeit ausbezahlt werden. Des weiteren gibt es Rentenpapiere, die nicht mit einer festen, sondern mit einer variablen Verzinsung ausgestattet sind. Die Laufzeit „wird gerechnet vom Tag der Emission bis zum Fälligkeitstag (Datum der Rückzahlung)“. 11 Sie beträgt zwischen einem und 30 Jahren. Ein weiteres Element ist die Tilgung bzw. die Art der Rückzahlung. Es lassen sich Gesamtfälligkeit, also Rückzahlung der Anleihe in einer Summe am Ende der Laufzeit, und eine Rückzahlung in jährlich gleichbleibenden Raten differenzieren. 12 Die erste Variante ist die heute gebräuchlichere Form. Außerdem kann man Anleihen
6 Kauper, Ingeborg, Festverzinsliche Wertpapiere, 1. Auflage, Bonn 1992, S. 1
7 Vgl. Grill, Wolfgang / Perczynski, Hans, a. a. O. , S. 272
8 Vgl. Kauper, Ingeborg, a. a. O. , S. 4
9 Vgl. Kauper, Ingeborg, a. a. O. , S. 4 - 5
10 Wurm, Gregor / Wolff, Karl / Küpper, Franz J. , a. a. O. , S. 244
11 Kauper, Ingeborg, a. a. O. , S. 8
12 Vgl. Wurm, Gregor / Wolff, Karl / Küpper, Franz J. , a. a. O. , S. 246
5
nach den verschiedenen Emittenten einteilen in Bankschuldverschreibungen, Industrieobligationen, Pfandbriefe und Anleihen der öffentlichen Hand.
2.2 Staatsanleihen
2.2.1 Grundlinien des staatlichen Schuldenmanagements
Nicht nur Unternehmen, sondern auch Staaten decken einen Teil ihrer Ausgaben durch Kreditaufnahmen, z. B. zur Finanzierung von Haushaltsdefiziten, zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Durchführung öffentlicher Aufgaben. Der Fiskus könnte sich auch durch eine Steuererhöhung Kapital verschaffen, doch „dadurch, daß der Staat in einem gewissen Umfang Anleihen auflegt anstatt Steuern zu erheben, läßt er seine Bürger vermögensmäßig an seinen Investitionen teilhaben. Durch den Erwerb der Anleihepapiere kann der Bürger Vermögen bilden, während ihm die Steuer Geld entzieht.“ 13 In Artikel 15 des Grundgesetzes ist bestimmt, daß es für die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung des Bundeshaushalts einer der Höhe nach bestimmten Ermächtigung durch ein Bundesgesetz bedarf, dem jährlich vom Parlament zu verabschiedenden Haushaltsgesetz. 14
Neben der Bundesrepublik Deutschland (Bund) gibt es andere Emittenten, die ihre Wertpapiere über die Deutsche Bundesbank begeben haben, wie z. B. der Erblastentilgungsfonds, der Fonds „Deutsche Einheit“, der Entschädigungsfonds und bis 1994 die Treuhandanstalt und die Deutsche Bundespost. Seit 1995 ist allerdings neben dem Bund keines der gena nnten Sondervermögen als Emittent in Erscheinung getreten. Zum Teil decken sie ihren Finanzierungsbedarf über Emissionen des Bundes bzw. wurden wie die Deutsche Bundespost in Aktiengesellschaften umgewandelt. 15
13 Müncks, Hans H., Die Bundesanleihen. Das Sparen mit festverzinslichen Wertpapieren am
Beispiel der Anleihen von Bund, Bahn und Post, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1972, S. 10
14 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Der Markt für deutsche Bundeswertpapiere, 3. Auflage,
Frankfurt am Main 2000, S. 24
15 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.), a. a. O. , S. 19 - 23
6
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Heike Matalla, 2001, Vor- und Nachteile der Bundesanleihe unter Berücksichtigung von allgemeinen Anlagezielen, München, GRIN Verlag GmbH
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