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Das OMT-Programm der EZB unter gerichtlicher ultra-vires-Kontrolle

Untersuchung des EuGH-Urteils in der Rechtssache C-62/14

Titre: Das OMT-Programm der EZB unter gerichtlicher ultra-vires-Kontrolle

Thèse de Master , 2015 , 67 Pages , Note: 1,15

Autor:in: Larissa Naujoks (Auteur)

Droit - Droit communautaire/européen, Droit international, Droit privé international
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Résumé Extrait Résumé des informations

Nachdem der EuGH am 16. Juni 2015 sein Urteil über ein etwaiges OMT-Programm der EZB gefällt und dieses mit dem EU-Recht für vereinbar erklärt hat, ist keineswegs alles geklärt. Insbesondere die Frage, wie das BVerfG auf die gegenläufige Auslegung des EuGH reagieren wird und welche Folgen damit verknüpft sind, wird in dieser Arbeit analysiert. Das BVerfG hat sich in seiner Vorlage nämlich eine abweichende Letztentscheidung vorbehalten, sollte der EuGH das OMT-Programm für uneingeschränkt mit dem EU-Recht vereinbar halten. Das Verfahren und dessen letztlicher Ausgang sind folglich von großer Relevanz für das Verhältnis der beiden Gerichte und beispielhaft für deren Selbstverständnis bei der Prüfung von Unionsrecht. Neben der Kontrollkompetenz des EuGH, der Rolle und dem Mandat der EZB werden ebenfalls die Interpretationen des Art. 123 AEUV diskutiert. Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet: Wer darf letztlich über einen ausbrechenden Rechtsakt entscheiden, falls ein solcher vorläge? Anhand der Analyse des OMT-Verfahrens wird dargelegt, welche Argumente der beiden Gerichte in Bezug auf die ultra-vires-Kontrollkompetenz überzeugender sind, ob eine umfassende Kontrolle aller Staatsgeschäfte überhaupt sinnvoll ist und welche die wahrscheinlichste Reaktion des BVerfG auf das EuGH-Urteil ist.

Kommentar von Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Tomuschat:
"Ehe die Autorin sich mit dem konkreten Rechtsfall auseinandersetzt, [...] stellt sie zunächst das gegenseitige Verhältnis zwischen deutschem und europäischem Recht vor, porträtiert die EZB und ihre Aufgaben und führt schließlich die ultra-vires-Doktrin ein. Bei der Untersuchung der Rechtssache C-62/14 wird zunächst der Vorlagebeschluss des BVerfG gewürdigt, es folgt eine ausführliche Zusammenfassung der Schlussanträge von Generalanwalt Cruz-Villalón sowie des Urteils des EuGH. All dies wird sehr kompetent resümiert, was nicht leicht war, da alle drei Dokumente sehr ausführlich gehalten sind. Alsdann kann sich die Autorin voll entfalten, da es nun darum geht, den weiteren Gang der Ereignisse zu prognostizieren. Der Leser ist überrascht und beeindruckt, wie gut der Autorin dies gelingt. Geradezu mit Meisterschaft werden die Gesichtspunkte erörtert, die für den einen oder den anderen Weg sprechen. Die Ausführungen liegen weit über dem Niveau einer üblichen Masterarbeit. Auch einem erfahrenen Jurist würde es schwerfallen, zu der konkreten Problematik einen höheren Grad konstruktiver Gedankenarbeit zu erreichen."

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Verhältnis zwischen nationalem und europäischem Recht sowie BVerfG und EuGH

2.1 Der unionsrechtliche Anwendungsvorrang

2.2 Die Vorlagepflicht des BVerfG im Vorabentscheidungsverfahren

3 Die EZB und ihre Rolle in der EU

3.1 Rechtsstellung und geldpolitisches Mandat der EZB

3.2 Das Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung

3.3 Geldpolitische Maßnahmen in der Finanzkrise: Die OMT-Beschlüsse

4 Die ultra-vires-Doktrin

4.1 Die ultra-vires-Lehre im Europa- und Völkerrecht

4.2 Das Selbstverständnis des BVerfG in der ultra-vires-Kontrolle

5 Die Rechtssache C-62/14

5.1 Vorlagebeschluss des BVerfG

5.1.1 Überschreitung des Mandats der EZB

5.1.2 Verstoß gegen das Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung

5.1.3 Berufung der EZB auf die Störung des Transmissionsmechanismus

5.1.4 Möglichkeit zur unionsrechtskonformen Auslegung

5.1.5 Ultra-vires-Vorbehalt

5.2 Schlussanträge des Generalanwalts Cruz Villalón

5.2.1 Zum Letztentscheidungsvorbehalt des BVerfG

5.2.2 Zum Vorwurf der Mandatsüberschreitung der EZB

5.2.3 Zum Verstoß gegen das Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung

5.2.4 Vorschlag zur Beantwortung der Vorlagefragen

5.3 Urteil des EuGH

5.3.1 Zum Letztentscheidungsvorbehalt des BVerfG

5.3.2 Vereinbarkeit des OMT-Programms mit dem Mandat der EZB

5.3.3 Vereinbarkeit mit dem Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung

5.3.4 Ergebnis

6 Nach dem EuGH-Urteil

6.1 Überzeugungskraft der Argumente

6.1.1 Zielsetzung

6.1.2 Wahl der Mittel

6.2 Weitere Kritik am Vorlagebeschluss des BVerfG

6.2.1 Offensichtlichkeit

6.2.2 Verfahrenszugang nach Art. 38 GG

6.3 Grenzen der Gerichtsbarkeit

6.4 Die Frage des letzten Wortes

6.5 Mögliche Reaktionen des BVerfG

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Kontext der ultra-vires-Kontrolle, insbesondere am Beispiel des OMT-Programms der Europäischen Zentralbank (EZB). Das primäre Ziel ist die Analyse der Kompetenzverteilung und Letztentscheidungskompetenz zwischen den beiden Gerichten nach dem EuGH-Urteil in der Rechtssache C-62/14.

  • Rechtliche Grundlagen und Kompetenzen von BVerfG und EuGH
  • Rolle der EZB und das Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung
  • Die ultra-vires-Doktrin und ihre Anwendung im europäischen Recht
  • Analyse des OMT-Verfahrens: Vorlagebeschluss, Schlussanträge und EuGH-Urteil
  • Bewertung der zukünftigen Kooperation und Interaktion beider Gerichte

Auszug aus dem Buch

4.1 Die ultra-vires-Lehre im Europa- und Völkerrecht

Ursprünglich stand im Völkerrecht die Fähigkeit, völkerrechtliche Verträge abzuschließen und Träger völkerrechtlicher Rechte und Pflichten zu sein, allein den souveränen Staaten zu. Mittlerweile sind aber eine ganze Anzahl weiterer Völkerrechtssubjekte anerkannt, darunter zwischenstaatliche internationale Organisationen. Die Rechtsfähigkeit der internationalen Organisationen leitet sich von ihren Gründungsmitgliedern ab, die für die Organisation bestimmte Aufgaben und Ziele festlegen und damit ihren Handlungsradius determinieren. Internationale Organisationen sind nach dem Prinzip der begrenzten Ermächtigung nur berechtigt, die ihr in den Gründungsverträgen übertragenen Befugnisse auszuüben. Sie besitzen dementsprechend anders als die souveränen Staaten keine „Kompetenz-Kompetenz“, um sich neue Tätigkeitsfelder zu erschließen, in denen sie Recht setzen können. Setzt eine internationale Organisation Rechtsakte, die über den ihr zugeteilten Kompetenzrahmen hinausgehen, handelt sie ultra vires (lat. „über die Befugnisse (eig. Kräfte) hinaus“). Nach traditioneller Ansicht können diese kompetenzwidrigen Rechtsakte keine völkerrechtliche Bindungswirkung entfalten und wären daher nichtig.

Allerdings wird unterschieden, ob diese Rechtsakte gegen die innere Kompetenzabgrenzung der Organe einer internationalen Organisation verstoßen, also verfahrensrechtlich ultra vires ergehen oder aber in ihrer Außenwirkung den Gesamtkompetenzrahmen der Organisation überschreiten. Für den ersten Fall kann nach Auffassung des Internationalen Gerichtshofes keine Nichtigkeit angenommen werden, solange sich das gesetzte Sekundärrecht der internationalen Organisation innerhalb ihrer Gesamtkompetenzen bewegt. Ebenso kann im Verhältnis zu Drittstaaten oder anderen Völkerrechtssubjekten im Vertragsfall der Vertrauensgrundsatz gelten, wonach die internationale Organisation trotz ihres prozeduralen ultra-vires-Handelns an den Vertrag gebunden bleibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des OMT-Programms der EZB ein und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit nach der Letztentscheidungskompetenz über ultra-vires-Akte dar.

2 Das Verhältnis zwischen nationalem und europäischem Recht sowie BVerfG und EuGH: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere den Anwendungsvorrang und die Vorlagepflicht, die für das Verhältnis zwischen den nationalen und europäischen Gerichten entscheidend sind.

3 Die EZB und ihre Rolle in der EU: Hier werden die Rechtsgrundlagen der EZB, ihr geldpolitisches Mandat und die Bedeutung des Verbots der monetären Haushaltsfinanzierung im Zusammenhang mit den OMT-Beschlüssen dargestellt.

4 Die ultra-vires-Doktrin: Dieses Kapitel analysiert die theoretische Herkunft der ultra-vires-Lehre im Völkerrecht sowie die Entwicklung des BVerfG-Selbstverständnisses bei der Kontrolle von Unionsrechtsakten.

5 Die Rechtssache C-62/14: Das Kapitel vergleicht den Vorlagebeschluss des BVerfG mit den Schlussanträgen des Generalanwalts und dem tatsächlichen Urteil des EuGH, um die Argumentationslinien zu verdeutlichen.

6 Nach dem EuGH-Urteil: Hier werden die Argumente der beiden Gerichte kritisch auf ihre Überzeugungskraft untersucht und die Grenzen richterlicher Gerichtsbarkeit sowie die Frage des letzten Wortes diskutiert.

7 Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und prognostiziert die zukünftige Interaktion zwischen dem BVerfG und dem EuGH sowie die Bedeutung des OMT-Verfahrens für die europäische Rechtsgemeinschaft.

Schlüsselwörter

OMT-Programm, EZB, BVerfG, EuGH, ultra-vires-Kontrolle, Europarecht, Vorabentscheidungsverfahren, monetäre Haushaltsfinanzierung, Kompetenzüberschreitung, Preisstabilität, Letztentscheidungskompetenz, Rechtsfortbildung, Währungsunion, Fiskalpolitik, Grundgesetz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der gerichtlichen Kontrolle des OMT-Programms der Europäischen Zentralbank durch das deutsche Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof, wobei der Fokus auf dem Konflikt um die Kompetenzabgrenzung zwischen nationalem Verfassungsrecht und EU-Recht liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die ultra-vires-Doktrin, das geldpolitische Mandat der EZB, das Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung sowie das Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen BVerfG und EuGH.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit verfolgt das Ziel zu klären, wer letztlich über die Rechtsmäßigkeit eines ausbrechenden Rechtsaktes der EU entscheiden darf und wie die Kompetenzverteilung zwischen den Gerichten in diesem Kontext funktioniert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine juristische Analyse, die primär auf der Auswertung von Rechtsprechung (insbesondere BVerfG-Beschlüsse und EuGH-Urteile) sowie wissenschaftlicher Literatur und den Schlussanträgen der Generalanwälte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Genese des OMT-Programms, die ultra-vires-Doktrin, der konkrete Vorlagebeschluss in der Rechtssache C-62/14 sowie die Argumentationen der beteiligten Instanzen und deren Auswirkungen nach dem Urteilsspruch analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie ultra-vires, Kompetenzkontrolle, Letztentscheidungsvorbehalt, Euro-Krise, EZB-Mandat, Vorabentscheidungsverfahren und Europafreundlichkeit.

Wie bewertet die Autorin die Argumente des EuGH zur Störung des Transmissionsmechanismus?

Die Autorin hinterfragt kritisch, ob die Störung des Transmissionsmechanismus eine objektive Begründung oder lediglich ein Vorwand für eine fiskalpolitische Motivation der EZB darstellt, und weist auf die Schwierigkeiten bei der gerichtlichen Überprüfung solch komplexer ökonomischer Sachverhalte hin.

Was bedeutet das "Evidenz-Doppelkriterium" im Zusammenhang mit der BVerfG-Rechtsprechung?

Es beschreibt die vom BVerfG aufgestellte Voraussetzung, dass eine ultra-vires-Kontrolle nur bei einem offensichtlichen Kompetenzverstoß, der zu einer strukturell bedeutsamen Verschiebung mitgliedstaatlicher Kompetenzen führt, in Betracht kommt.

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Résumé des informations

Titre
Das OMT-Programm der EZB unter gerichtlicher ultra-vires-Kontrolle
Sous-titre
Untersuchung des EuGH-Urteils in der Rechtssache C-62/14
Université
Humboldt-University of Berlin  (Rechtswissenschaften)
Cours
Europarecht
Note
1,15
Auteur
Larissa Naujoks (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
67
N° de catalogue
V313618
ISBN (ebook)
9783668128156
ISBN (Livre)
9783668128163
Langue
allemand
mots-clé
EuGH OMT EZB BVerfG ultra vires Staatsanleihen Europäischer Gerichtshof Bundesverfassungsgericht OMT Programm OMT Verfahren 16.06.2015
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Larissa Naujoks (Auteur), 2015, Das OMT-Programm der EZB unter gerichtlicher ultra-vires-Kontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313618
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Extrait de  67  pages
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