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Der Holocaust als autobiographisches Narrativ

Title: Der Holocaust als autobiographisches Narrativ

Thesis (M.A.) , 2004 , 87 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sven Lorenz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In seinem Aufsatz „Wir haben ja im Grunde nichts als die Erinnerung. Ruth Klügers >weiter leben< im Kontext der neueren KZ-Literatur“ unterscheidet Christian Angerer die autobiographische Aufarbeitung des Holocausts in zwei, sich grundlegend unterscheidende, Generationen.

Die „erste“ Generation der KZ-Literatur, also die Bücher, die kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges entstanden sind: Die frühen Berichte standen unter dem drängenden Imperativ, detailliert Zeugnis abzulegen von den Leiden der Opfer und den Verbrechen der Täter. Unter der „Hypothek des Überlebthabens“ liehen die Berichterstatter den ermordeten Mithäftlingen ihre Stimme und bemühten sich um eine „objektive Darstellung“ der Lagerrealität.

Und die „zweite“ Generation, also die Bücher, die erst Jahrzehnte später entstanden sind, und auf deren Autoren diese „Hypothek“, Angerers Meinung nach, nicht mehr laste. Der Holocaust sei, beziehungsweise sollte, jedem ein Begriff sein, und es sei nicht mehr nötig der … sich oft hinter Ahnungslosigkeit oder Ungläubigkeit verschanzenden Bevölkerung die Verbrechen in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern glaubhaft zu machen … Dies sei der wesentliche Unterschied zwischen der KZ-Literatur der ersten und der zweiten Generation – musste die erste noch Zeugnis ablegen, und deshalb das Grauen bis ins kleinste Detail schildern, um das Unvorstellbare vorstellbar zu machen, so könne die zweite Generation dieses Wissen voraussetzen. Während in der ersten Generation das ‚Ich’ des Autoren, die Gedanken, Gefühle, der Hintergrund, die Geschichte, die Familie und Freunde keinen Platz finden konnten, da sie, vor dem Hintergrund des Erlebten und der Pflicht des Berichtens, geradezu banal erscheinen mussten, könne sich die zweite Generation, von all diesen Pflichten befreit, viel mehr der persönlichen Erfahrung widmen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Holocaust-Autobiographie als literarische Form

3. Die Autoren

3.1 Primo Levi

3.2 Hermann Langbein

3.3 Elie Wiesel

3.4 Ruth Elias

3.5 Ruth Klüger

3.6 Solly Ganor

4. Kurzvorstellung der Autobiographien

4.1 Primo Levi: Ist das ein Mensch? (1947)

4.2 Hermann Langbein: Die Stärkeren (1949)

4.3 Elie Wiesel: Die Nacht (1958)

4.4 Ruth Elias: Die Hoffnung erhielt mich am Leben (1988)

4.5 Ruth Klüger: weiter leben. (1992)

4.6 Solly Ganor: Light One Candle (1995)

5. Adressaten und Schreibanlass

5.1 Ist das ein Mensch?

5.2 Die Stärkeren

5.3 Die Nacht

5.4 Die Hoffnung erhielt mich am Leben

5.5 weiter leben

5.6 Light One Candle

5.7 Fazit

6. Aufbau, Form und Sprache

6.1 Ist das ein Mensch?

6.2 Die Stärkeren

6.3 Die Nacht

6.4 Die Hoffnung erhielt mich am Leben

6.5 weiter leben

6.6 Light One Candle

6.7 Fazit

7. Untersuchung einiger Themen

7.1 Religion

7.1.1 Ist das ein Mensch?

7.1.2 Die Stärkeren

7.1.3 Die Nacht

7.1.4 Die Hoffnung erhielt mich am Leben

7.1.5 weiter leben

7.1.6 Light One Candle

7.1.7 Fazit

7.2 Eltern und Familie

7.2.1 Ist das ein Mensch?

7.2.2 Die Stärkeren

7.2.3 Die Nacht

7.2.4 Die Hoffnung erhielt mich am Leben

7.2.5 weiter leben

7.2.6 Light One Candle

7.2.7 Fazit

7.3 Informationen / Leben während des Holocaust

7.3.1 Ist das ein Mensch?

7.3.2 Die Stärkeren

7.3.3 Die Nacht

7.3.4 Die Hoffnung erhielt mich am Leben

7.3.5 weiter leben

7.3.6 Light One Candle

7.3.7 Fazit

8. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht sechs Autobiographien von Holocaust-Überlebenden, um festzustellen, ob grundlegende Unterschiede zwischen den Berichten der unmittelbar nach dem Krieg schreibenden "ersten" Generation und der späteren "zweiten" Generation existieren.

  • Unterscheidung der Holocaust-Literatur in zwei zeitliche Generationen.
  • Analyse der Adressaten und des jeweiligen Schreibanlasses der Autoren.
  • Untersuchung von Aufbau, Form und sprachlicher Gestaltung der Werke.
  • Vergleichende Analyse thematischer Schwerpunkte wie Religion, Familie und Holocaust-Informationen.
  • Herausarbeitung von Entwicklungen hinsichtlich des persönlichen Erzählstils und der Authentizitätsansprüche.

Auszug aus dem Buch

Die Holocaust-Autobiographie als literarische Form

Die autobiographische Erinnerung […] muss als gegenwärtige Konstruktion der Vergangenheit mittels Erzählung aufgefasst werden. Das eigene Leben wird retrospektiv geordnet, was zwangsläufig zur Auswahl (und damit auch Auslassung) und Hierarchisierung bestimmter Ereignisse aufgrund von post factum gemachten Erfahrungen führt.

Im Unterschied zu, z.B. einem Tagebuch, wird also die Autobiographie, auch dann wenn der Autor durch die Form eine unmittelbare Erfahrung seines Lebens vermitteln will, immer aus dem Rückblick erzählt, und dadurch, entweder durch die unbewusste Lebenserfahrung des Autors, oder durch absichtliche politische, religiöse oder andere Agenden, gefärbt.

Ein weiterer Aspekt ist, dass jede Autobiographie automatisch für zwei Wissenschaften von Interesse ist: die Geschichtswissenschaft und die Literaturwissenschaft. In der Herangehensweise an die Texte unterscheiden diese sich aber fundamental: Ist die Geschichtswissenschaft in erster Linie an der Ebene der Faktizität, d.h. an der Rekonstruktion der in den Text eingeschriebenen historischen Ereignis, fokussieren literaturwissenschaftliche Studien zwangsläufig auf die Ebene der Erzählung, intendieren somit die Erkenntnis einer erzählerischen Wahrheit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt die These zweier KZ-Literatur-Generationen ein und erläutert die Auswahl der sechs zu untersuchenden Autobiographien.

2. Die Holocaust-Autobiographie als literarische Form: Dieses Kapitel definiert die Autobiographie als literarische Form und erörtert die interdisziplinäre Problematik zwischen Geschichtswissenschaft und Literaturwissenschaft.

3. Die Autoren: Hier werden die Biographien der sechs gewählten Autoren kurz vorgestellt.

4. Kurzvorstellung der Autobiographien: Dieses Kapitel gibt einen inhaltlichen Überblick über die sechs untersuchten Werke.

5. Adressaten und Schreibanlass: Hier wird untersucht, aus welchen Motiven und für wen die Autoren ihre Erinnerungen niedergeschrieben haben.

6. Aufbau, Form und Sprache: Dieses Kapitel analysiert die stilistischen Mittel, den strukturellen Aufbau und die Erzählweisen der einzelnen Autobiographien.

7. Untersuchung einiger Themen: In diesem thematischen Hauptteil werden Religion, Familienverhältnisse und Informationen über das Lagerleben detailliert verglichen.

8. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht ein Fazit aus den Ergebnissen der Analyse und bestätigt die Tendenz zu einer stärkeren persönlichen Erzählweise bei der späteren Generation.

Schlüsselwörter

Holocaust, Autobiographie, KZ-Literatur, Erinnerungskultur, Zeugenschaft, Shoah, Narration, Authentizität, Literaturwissenschaft, Geschichtsschreibung, Trauma, Überlebende, Generationenvergleich, Identität, Erinnerung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert sechs Holocaust-Autobiographien, um Unterschiede in der autobiographischen Aufarbeitung des Holocausts zwischen zwei zeitlichen Generationen von Überlebenden aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Themenfelder Autorenbiographien, Schreibanlässe, literarische Form und Sprache sowie inhaltliche Aspekte wie Religion, Familie und die Wissensvermittlung über das Leben im Holocaust.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu überprüfen, ob sich die KZ-Literatur der frühen Nachkriegsjahre maßgeblich von der in den 80er und 90er Jahren entstandenen Literatur in Bezug auf Intention und Erzählweise unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse und einen komparativen Vergleich der sechs ausgewählten Werke, ergänzt durch die Heranziehung von Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Autoren und Werke, eine Untersuchung der Adressaten und Schreibmotive, eine Analyse der erzählerischen Form sowie eine thematische Vergleichsstudie zu Religion, Familie und Lagerinformationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Holocaust, Autobiographie, Zeugenschaft, Authentizität, Generationenvergleich, Erinnerungskultur und die Frage nach der literarischen vs. dokumentarischen Funktion der Texte.

Welche Bedeutung spielt der "Dank" für die Veröffentlichung bei Solly Ganor?

Für Solly Ganor war das Wiedersehen mit seinem persönlichen Retter nach Jahrzehnten der entscheidende Impuls, seine traumatischen Erlebnisse zu ordnen und die eigene Geschichte für die Veröffentlichung niederzuschreiben.

Warum ist Ruth Klügers Ansatz besonders hervorzuheben?

Klüger nimmt eine literaturwissenschaftliche Sonderrolle ein, da sie ständig zwischen verschiedenen Zeitebenen wechselt und ihre Kindheitserinnerungen aus der heutigen Perspektive der Literaturwissenschaftlerin kontinuierlich dekonstruiert und reflektiert.

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Details

Title
Der Holocaust als autobiographisches Narrativ
College
University of Duisburg-Essen
Grade
2
Author
Sven Lorenz (Author)
Publication Year
2004
Pages
87
Catalog Number
V31393
ISBN (eBook)
9783638324199
ISBN (Book)
9783668307919
Language
German
Tags
Holocaust Narrativ
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sven Lorenz (Author), 2004, Der Holocaust als autobiographisches Narrativ, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31393
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