"The machine is antisocial. It tends, by reason of its progressive character, to the most acute forms of human exploitation"
Lewis Mumford
Um die Komplexität der gegenwärtigen Gesellschaft zu verstehen, ist es notwendig, einen Blick auf die revolutionären technologischen Veränderungen zu werfen, als auch deren Einfluss auf den ökonomischen Wandel – und umgekehrt – mit zu berücksichtigen. Zusammengenommen ergeben sich daraus auch Transformationen in der Gesellschaft und auf kultureller Ebene. Wie Douglas Kellner in seinem Aufsatz „Theorizing Globalization“ feststellt, neigen Gesellschaftskritiker bei ihren Analysen dazu, einseitig und deterministisch zu argumentieren. Kellner kritisiert diese verkürzende Sichtweise. Sein Standpunkt lässt sich wie folgt zusammenfassen:
„The key to understanding globalization is theorizing it as at once a product of technological revolution and the global restructuring of capitalism in which economic, technological, political, and cultural features are interwined. From this perspecive, one should avoid both technological and economic determinism and all one-sided optics of globalization in favor of a view that theorizes globalization as a highly complex, contradictory, and thus ambiguous set of institutions and social relations, as well as one involving flows of goods, services, ideas, technologies, culutral forms, and people.”
Dieser Aufsatz soll einen kurzen Überblick der gegenwärtigen Prozesse des Wandels in der Sozialstruktur geben, wobei nicht der Anspruch auf Vollständigkeit im Vordergrund steht (dieser wäre schon angesichts der vielen Attribute, mit denen unsere westliche Gesellschaft umschrieben wird - postindustriell, säkularisiert, multioptional, individualisiert, reflexiv usw. – wohl kaum auf wenigen Seiten adäquat zu erfüllen), sondern die Vermeidung einer zu einseitigen Darstellung des gesellschaftlichen Wandels. Dieser Wandel, von dem heute die meisten Teile der Welt betroffen sind, soll in den nachfolgenden Kapiteln von drei Perspektiven – der Technologischen, der Ökonomischen und der Sozialen – aus beleuchtet werden, wobei diese natürlich in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander stehen und nicht als voneinander isoliert zu betrachten sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Technologischer Wandel
Von der industriellen zur informationstechnischen Revolution
Das Informationszeitalter – Ein Paradigmenwechsel?
Ökonomischer Wandel
Theorie zur Entstehung des Kapitalismus
Vom Kapitalismus zu einer neuen globalen Wirtschaftsform
Sozialer Wandel
Auswirkungen der informationstechnologischen Revolution auf die Gesellschaft
Bedrohung der Demokratie
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen technologischen Innovationen, ökonomischem Wandel und dessen Auswirkungen auf die soziale Struktur der modernen Gesellschaft, um eine einseitige, rein technologische oder ökonomische Sichtweise zu vermeiden.
- Analyse der Transformation von der industriellen zur informationstechnischen Ära.
- Untersuchung der Entstehung und globalen Restrukturierung des Kapitalismus.
- Betrachtung des sozialen Wandels und der Identitätsbildung in der modernen Gesellschaft.
- Kritische Reflexion über den Einfluss von Massenmedien auf die demokratische Meinungsbildung.
- Diskussion der Ambivalenz zwischen Informationszugang und gesellschaftlicher Spaltung.
Auszug aus dem Buch
i. Von der industriellen zur informationstechnischen Revolution
Für jede soziologische Theorie ist es notwendig, das qualitativ Neue herauszuarbeiten, welches sich beispielsweise auf den Begriff „informationstechnische Revolution“ bezieht. Es stellt sich die grundlegende Frage, ob man mit diesem Begriff in der Lage ist, Veränderungsbewegungen und die daraus resultierenden Konsequenzen adäquat zu beschreiben, oder ob eine solche Unterordnung von gesellschaftlichen Phänomenen unter einen derartigen Begriff nicht andere wichtige Aspekte vorschnell zuschüttet und die zweifellos nicht homogenen Veränderungsbewegungen bruchlos auf einen Kern zurückführt.
Der Kern wäre in diesem Fall die „Informationsgesellschaft“, welche sich durch die informationstechnische Revolution etabliert hat. Der Frage nach dem Neuen in unserer Gesellschaft, und ob dieses es erlaubt, die Gesellschaft unter einem einheitlichen Begriff zu subsumieren, möchte ich im Folgenden nachgehen.
Manuel Castells stellt sich die Frage, ob die Abhängigkeit von Wissen und Information – die Schlüsselelemente für die neue informationstechnische Revolution – nicht auch charakteristisch für die früheren technologischen Revolutionen war. Diese Einwände gegen das qualitativ Neue eines informationstechnologischen Paradigmas sind durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, dass ja auch die erste industrielle Revolution auf der extensiven Nutzung von Information sowie der Anwendung und Weiterentwicklung von Wissen basiert. Während der zweiten industriellen Revolution nach 1850 spielte die Wissenschaft dann eine entscheidende Rolle bei der Anregung von Innovationen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Notwendigkeit, technologischen, ökonomischen und sozialen Wandel als wechselseitig voneinander abhängige Prozesse zu verstehen und kritisiert einseitig deterministische Sichtweisen.
Technologischer Wandel: Dieses Kapitel analysiert den Übergang zu neuen informationstechnologischen Paradigmen, deren Charakteristika und die globale Dynamik des Informationszeitalters.
Ökonomischer Wandel: Der Fokus liegt hier auf der historischen Entstehung des Kapitalismus durch die protestantische Ethik sowie dessen Transformation hin zu einer vernetzten, globalen Wirtschaftsform.
Sozialer Wandel: Hier werden die Auswirkungen technischer und ökonomischer Entwicklungen auf das menschliche Selbstbewusstsein, das soziale Zusammenleben und die Gefährdung demokratischer Strukturen durch Medieneinfluss untersucht.
Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ambivalenz gesellschaftlicher Widersprüche zusammen und unterstreicht die Spaltung in einer Informationsgesellschaft, die durch den Matthäus-Effekt geprägt ist.
Schlüsselwörter
Technikstrukturen, Globalisierung, sozialer Wandel, Informationstechnologie, Kapitalismus, Informationsgesellschaft, Demokratie, soziale Struktur, Wissen, Massenmedien, Rationalisierung, industrielle Revolution, Identität, Macht, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Verschränkung von technologischen Innovationen, wirtschaftlichen Umbrüchen und den daraus resultierenden sozialen Wandlungsprozessen in der modernen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der technologische Wandel, die Entwicklung des modernen Kapitalismus, die Transformation der Sozialstruktur sowie die Auswirkungen dieser Veränderungen auf politische und gesellschaftliche Werte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine ganzheitliche Perspektive auf den gesellschaftlichen Wandel zu bieten, die technologische, ökonomische und soziale Faktoren in ihre wechselseitige Abhängigkeit stellt, statt diese isoliert zu betrachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, die soziologische Klassiker und zeitgenössische Gesellschaftstheorien (u.a. Max Weber, Manuel Castells, Ulrich Beck) heranzieht, um aktuelle Phänomene interpretativ einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der technologischen Revolutionen, die Theorie der Genese des Kapitalismus, eine Darstellung der globalen Wirtschaftsform sowie eine Untersuchung sozialer Veränderungen inklusive der Rolle der Massenmedien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Globalisierung, Informationstechnologie, soziale Identität, Demokratie und die Dynamik des gesellschaftlichen Wandels.
Wie beeinflusst die Informationstechnologie die Demokratie?
Der Autor argumentiert, dass die Konzentration der Medienmacht und die Informationsüberflutung die demokratische Meinungsbildung gefährden können, was zu einer Formaldemokratie und einer versteckten Diktatur der Eliten führen kann.
Was bedeutet der „Matthäus-Effekt“ im Kontext der Arbeit?
Der Autor verwendet diesen Begriff, um auf die wachsende Kluft in der Informationsgesellschaft hinzuweisen, nach der sich Vorteile für diejenigen, die bereits über Ressourcen (Wissen, Macht) verfügen, kumulieren.
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- Thomas Tripold (Author), 2004, Technikstrukturen, Globalisierung und sozialer Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31428