Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Entwicklung des Patriarchats 2
i. Die Stellung der Frau in Jäger und Sammlergesellschaften 2
ii. Die Stellung der Frau in Weide- und Ackerbaugesellschaften 3
iii. Exkurs über Brautpreis und Frauentausch 4
3. Kulturen im Vergleich und der Mythos vom Matriarchat 5
4. Schlussbetrachtung 7
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den Anfängen des Patriarchats - der
institutionalisierten Herrschaft der Männer über die Frauen und Kinder innerhalb der Familie
und die Ausdehnung der männlichen Dominanz über Frauen auf die Gesellschaft insgesamt 1
Da die Etablierung des Patriarchats kein Ereignis war, das zu einem bestimmten Zeitpunkt
einsetzte , sondern ein Prozess, dessen Anfänge man eigentlich schon ab der Entstehung der
Familie in der Altsteinzeit (Schätzungen zufolge vor 50 000 bis 500 000 Jahren) 2 bestimmen
kann , ist es notwendig, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um die Gründe für die
zunehmende Unterdrückung der Frauen zu erfahren, und zwar bis in die Zeit der
J ägergesellschaften und frühen Ackerbauern.
Nach exemplarischen Darstellungen der gesellschaftlichen Situation der Frauen in einigen
Hochkulturen , die vor allem auch zeigen soll, mit welchen Mitteln Männer ihre Herrschaft
legitimierten , soll am Ende dieser Arbeit der Existenz des Matriarchats nachgegangen werden.
Hat es ein Matriarchat, also eine Gesellschaft, in der Frauen Männer beherrschen, wie
Bachofen und Morgen behaupten, jemals gegeben? Eines kann man den später dargelegten
Befunden von Historikern und Ethnologen vorwegnehmen, nämlich dass es sicher ein zur
patriarchalen Herrschaft alternatives Modell gegeben hat und die Männerherrschaft in der
Gesellschaft und der Familie nicht universal ist.
1 Gerda Lerner: Die Entstehung des Patriarchats. Frankfurt am Main 1991, S 295.
2 Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat. Über Bachofens Muterrecht und die Stellung von Frauen in frühen
Gesellschaften Frankfurt am Main 1999, S 81
2. Die Entwicklung des Patriarchats
Allgemein lässt sich sagen, dass am Anfang der gesellschaftlichen Entwicklung die Jäger und Sammler stehen, also müssen auch alle Überlegungen zur Stellung der Frau in diesen frühen Gesellschaften ihren Anfang nehmen.
i. Die Stellung der Frau in Jäger und Sammlergesellschaften
In Jäger und Sammlergesellschaften gibt es wenig Ungleichheit, da nur beschränkt materielle Güter vorhanden sind. Sie leben in Horden zusammen, die nicht größer sind als 30 bis 40 Menschen. Die Mitglieder der Gesellschaft unterscheiden sich hinsichtlich der Anzahl oder der Art ihrer materiellen Besitztümer kaum - ihr soziales Leben ist egalitär. Unterschiede der Stellung oder des Ranges sind hier im allgemeinen auf das Alter oder das Geschlecht beschränkt. 3 Es gibt auch nur eine einzige Art der Arbeitsteilung: die zwischen Männern und Frauen. Immer jagen die Männer während die Frauen Nahrung sammeln und sich um die Kinder kümmern. Die wichtigste ökonomische Einheit bildet die Familie, bestehend aus einem Mann, einer Frau und ihren Kindern. Ethnologen und Historiker nehmen an, dass aus der Notwendigkeit der Arbeitsteilung die Familie entstanden ist. Hiermit wären auch Bachofen, Morgen und Engels widerlegt, die mit ihrem Konzept der Hordenpromiskuität die Existenz der Familie verneinen. Von Hordenpromiskuität kann man nur insofern in diesen Gesellschaften sprechen, als die vorehelichen Beziehungen völlig frei waren und auch Ehebruch nicht so sehr bestraft wurde wie später in Ackerbaugesellschaften. 4 Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass es eine verhältnismäßig große sexuelle Freiheit bei Sammlern und Jägern gegeben haben dürfte. Generell ist festzustellen, dass „regelmäßig [...] die Situation der Frau um so besser [ist], je größer die sexuellen Freiheiten sind“. 5 Allgemein kann man jedoch sagen, dass Frauen auch in Jäger und Sammlergesellschaften das zweite Geschlecht sind, da Männer im allgemeinen öffentliche und zeremonielle Positionen für sich beanspruchen. Die Gründe für die gesellschaftliche Ungleichheit zwischen Frauen und Männern sind Schwangerschaft und Neotenie, die zur Arbeitsteilung von Frauen und Männer führen. Doch ist die Ungleichheit in diesen Gesellschaften noch wenig ausgebildet und bleibt
3 Anthony Giddens: Soziologie. Wien 1999, S 50.
4 Vgl. Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat. S 82 f.
5 ebd. S 83.
2
erträglich im Vergleich zur Außenseiterposition von Frauen in vielen Ackerbaugesellschaften, wo die Arbeitsteilung plötzlich eine viel größere Bedeutung einnimmt.
ii. Die Stellung der Frau in Weide - und Ackerbaugesellschaften
Weide- und Agrargesellschaften weisen generell eine größere Ungleichheit des Wohlstandes und der Macht auf als Jäger und Sammlerkulturen. 6 Demgemäss verschlechterte sich auch die Situation der Frau mit der Sesshaftigkeit. In diesen Gesellschaften wird nun der Besitz an Land wichtig. Der Zugang zu Land und zu den Produktionsmitteln wird über die agnatische Verwandtschaftsgruppe 7 geregelt. Ein wichtiges Eigentumsproblem stellt der Brautpreis dar, den - sowohl in patrilinearen, als auch in vielen matrilinearen Gesellschaften - die lineage des Mannes der lineage der Frau bei der Heirat zu zahlen hat (Ausnahme ist das für patrilineare Gesellschaften ungewöhnliche Mitgiftsystem in Indien, welches in unterprivilegierten Kasten zur Tötung weiblicher Kinder führt). Der Brautpreis, der meist in Form von Rindern, oder anderen wertvollen Gütern entrichtet wird, kommt nicht nur der engeren Familie der Frau zugute, sondern wird auf die ganze lineage - also auch auf weitere Angehörige - verteilt. Den Brautpreis soll man also nicht als Zahlung an die Frau missverstehen. „Er ist ein Ausgleich für den Verlust an Arbeitskraft und Kindern, den die Familie der Frau regelmäßig erleidet. 8 Aus den Regelungen über den Brautpreis ergibt sich eine stärkere Bindung der Frau an den Mann. Daraus folgt, dass der gesellschaftliche Druck der Familie im Vergleich zu Jäger-Sammlergesellschaften steigt, da Frauen mindestens so lange bei ihren Männern bleiben müssen, bis Kinder geboren sind. Verlässt die Frau den Mann vorher, muss der Brautpreis zurückgezahlt werden. 9 Die Wichtigkeit, Kinder zu produzieren, um somit die Alten zu ernähren, ist also in Ackerbau- und Hirtengesellschaften von größter Relevanz. Die Jäger und Sammler kannten diese Probleme noch nicht - Kinder wurden sogar getötet um die Horde nicht zu groß werden zu lassen, ebenso verfuhr man mit Alten und Schwachen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass mit der Sesshaftwerdung die Stellung der Frau schlechter wird. Der Grund liegt in der plötzlichen Wichtigkeit der Frau als „Produzentinnen der Produzenten“ 10 . Mit der Sesshaftwerdung bildeten sich aber auch Strukturen der Matrilinearität und Patrilinearität aus der Notwendigkeit heraus, die Zuordnung der Kinder
6 Vgl. Anthony Giddens: Soziologie. S 54.
7 Unter agnatischer Verwandtschaftsgruppe versteht man die Gliederung der Gesellschaft in einlinige
Verwandtschaftsgruppen. Kinder sind also nur mit der Familie der Mutter (Matrilinearität), oder nur mit Familie
des Vaters (Patrilinearität) verwandt. Vgl. Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat. S 149.
8 ebd. S 93.
9 ebd. S 94.
10 ebd. S 97.
3
Arbeit zitieren:
Thomas Tripold, 2003, Über das Patriarchat und Matriarchatsmythen, München, GRIN Verlag GmbH
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