II
Gliederung
Ø Inhaltsverzeichnis
Ø Verzeichnis der Abbildungen
1 1 Einleitung
2 1 Problemstellung
3 Theoretische Fundierung 2
3.1 Der Curriculumbegriff 2
3.2 Lernzieloperationalisierung 7
3.3 Problematik der Konstruktion von Kontroll- und 9
Testverfahren
4 Die Berufoberschule BOS 13
4.1 Aufbau der Berufsoberschule 13
4.2 Der Lehrplan der Berufoberschule für das Fach 18
Wirtschaft ’
4.3 Überprüfung der messtheoretischen Implikationen 22
5 Schlussbemerkung 24
Ø Anhang
Ø Verzeichnis der verwendeten Literatur
______________________________________________________________________ III
Verzeichnis der Abbildungen
1 Abbildung 3-1:
Lernen als Prozess 4
2 Abbildung 3-2:
4 Das Didaktische Grundmodell
3 Abbildung 3-3:
Überblick über die Taxonomiedimensionen 6
4 Abbildung 3-4:
Vier-Phasen-Schema 9
5 Abbildung 3-5:
Messmodellkonzeption 10
6 Abbildung 4-1:
Anteile: Erkenntnis und Erfahrung 16
7 Abbildung 4-2:
Lernkompetenzenmodell 16
8 Abbildung 4-3:
Leistungsmessungsmatrix 18
9 Abbildung 4-4:
Fächerübergreifende Vernetzung der Themenfelder 19
______________________________________________________________________ 1
1 Einleitung
Die Berufsoberschule als relativ junge Erweiterung des dualen Systems bezieht eine Sonderposition in dem Gefüge der beruflichen Ausbildung durch die Ermöglichung der vollen Studierfähigkeit für Absolventen einer beruflichen Erstausbildung. Sie besetzt eine Schnittstelle zwischen einer sich zunehmend an Arbeits- und Geschäftprozessen der Berufswelt orientierenden Berufsausbildung und einer universitären Hochschulausbildung. In der Konzeption der Lehrpläne für die Berufsoberschule besteht eine besondere Herausforderung darin, die sich aus dem Curriculumbegriff ableitenden Implikatione n aus pädagogischer Sicht in Bezug auf das Bildungsziel, der nicht bestimmten Studierfähigkeit, in die Lehrpläne zu implementieren. Die Ausrichtung der Berufsoberschule auf den Kompetenzbegriff stellt Anforderungen an die Leistungsbewertung, die mit traditionellen Lehr-Lernkontrollverfahren nicht ausreichend abzudecken sind.
2 Problemstellung
Um die Lehrpläne der Berufsoberschule sowie die Leistungsmessung und -beurteilung bewerten zu können, wird im folgenden Kapitel zunächst die theoretische Fundierung des Curriculumbegriffes nebst seine n theoretischen Implikationen und Anforderungen an die Lehrplankonstruktion aus pädagogischer Sicht herausgearbeitet. Nach generellen Grundüberlegungen zum Verhaltensbegriff wird anhand des didaktischen Grundmodells die Lernzieloperationalisierung im engeren und weiteren Sinne verdeutlicht und dabei tiefer auf die Problematik der Konstruktion von Kontroll- und Testverfahren eingegangen. Anschließend wird nach einer Vorstellung der Schulform und deren Eingliederung ins Bildungsgefüge der berufsbildenden Schulen am Beispiel der Berufsoberschule in Schleswig-Holstein die Umsetzung für das Fach ‚Wirtschaft’ beleuchtet. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Bewertung der in der Praxis durchgeführten Leistungsmessung der verschiedenen Kompetenzbereiche in der Berufoberschule nach messtheoretischen Anforderungen ab.
______________________________________________________________________ 2
3 Theoretische Fundierung
3.1 Der Curriculumbegriff
Der Curriculumbegriff in der Curriculumforschung- und praxis und seine unterschiedlichen Verwendungen weichen vom inhaltlich Gemeinten sehr stark voneinander ab, so dass eine einheitliche Definition des Begriffes schwierig zu formulieren ist. Dem Nachteil einer solche n inkonsistenten, unpräzisen und weiten Verwendung eines viel gebräuchlichen Begriffes und somit einer Vielzahl von inhaltlichen Aspekten, scheint am besten eine Analyse von mehreren Definitionen und eine Herausarbeitung der Untersche idungsmerkmale gerecht zu werden. Um jedoch einen Einstieg in die Be griffsverwendung zu erhalten, sei an dieser Stelle die Curriculumdefinition nach Frey genannt, die viele der Aspekte, die auch in anderen Curriculumdefinitionen zu finden sind, in sich vereint:
„Das Curriculum ist die systematische Darstellung des beabsichtig-ten Unterrichts über einen bestimmten Zeitraum als konsistentes
System mit mehreren Bereichen zum Zwecke der optimalen Vorbe-
reitung, Verwirklichung und Evaluation von Unterricht.“ 1
Der Konstruktionsaspekt des Curriculums, der Zeitaspekt und der Bereichsaspekt und somit die Abstimmung auf die Schulform sind nur einige Aspekte, die sich in dem Curriculumbegriff vereinen. 2 Die Evaluation als Überprüfungsphase eines Curriculums und möglicherweise ausschlaggebender Auslöser einer eventuellen Revision wird explizit in der Definition von Frey erwähnt und ist in Bezug auf die hier zu thematisierenden Schwerpunkte von besonderer Bedeutung. Die drei Formen der Evaluation beziehen sich auf die Abschätzung, ob die Ziele des Curriculums mit den Zielen der Gesellschaft oder des Lehrers überein stimmen, und auf die Überprüfung, ob insgesamt die Ziele des Curriculums und die Teilziele der einzelnen Unterrichtssequenzen erreicht werden.
Die Evaluation versteht sich somit als Überprüfung von vorher formulierten Lehr-Lernzielen, auf die das zu evaluierende Curriculum ausgerichtet konstruiert worden ist.
1 Vgl. Frey, 1971, S. 50 in Twardy, M., 1983, S. 117.
2 Vgl. Twardy, M., 1983, S. 119.
______________________________________________________________________ 3
Diese Lernzielorientierung ist für die Curriculumkonstruktion notwendig, allerdings sollte sie nicht als oberste Regel verstanden werden, die den Unterricht zur kompromisslosen Erreichung von Lernzielen abqualifiziert, sondern sollte vielmehr ein integraler Bestandteil eines umfassenden Didaktikkonzeptes sein. 3
Um nun Lernziele sinnvoll formulieren zu können, erscheint eine intensive Betrachtung des Begriffes ‚Lernziel’ und dessen Definition sinnvoll. Zuvor sollte jedoch der Unterschied zwischen Lehr- und Lernziel hervorgehoben werden. In der Verwendung fast als Synonym verschmolzen, beschreiben die Begriffe zwei unterschiedliche personale Aspekte. Die Lernziele beziehen sich auf die Dispositionen des Lernenden, während die Lehrziele auf die Dispositionen des Lehrenden gerichtet sind. 4
Disposition ist eine Größe rein gedanklicher Natur und daher nicht direkter Beobachtung zugänglich. Sie ist vielmehr eine Eigenart eines Individuums, auf eine Klasse von Situationen in einer ihm spezifischen Weise zu reagieren. 5 Es handelt sic h somit um Annahmen über einen bestimmten menschlichen Zustand, der dazu dient, Beobachtbares zu erklären. Beobachtbares Verhalten im behavioristischen Sinne unterschiedet sich von dem umgangssprachlichen Verständnis von Verhalten. Der Grundbegriff des Behaviorismus versteht Verhalten nicht als Moralität oder Benehmen, sondern umfasst alle beobachtbaren Aktionen und Reaktionen von Organismen. Deutlich wird die Begriffsbezeichnung am folgenden Beispiel:
„Ein starker Raucher hat sich bisher wenig um die gesundheitlichen
Schäden des Rauchens gekümmert. Eines Tages erfährt er zufällig,
daß in seiner Verwandtschaft jemand an einem sogenannten Ra u-
cherbein leidet. Er informiert sich gena uer und weiß nun gezielt um
die Gefährlichkeit des Rauchens, kann detailliert Krankheitssym-ptome nennen und ist in der Lage, den Wirkungszusammenhang von
Rauchen und Krankheitsbildern zu erklären sowie statistische Belege
über die Gefährlichkeit des Rauchens zu analysieren. Er raucht aber
weiter.“ 6
Im umgangssprachlichen Verständnis hat der Raucher sein Verhalten nicht verändert, im behavioristischen Verständnis allerdings schon, denn hier hat eine eindeutige Zunahme von Wissen stattgefunden, was bereits als Verhal-
3 Vgl.Twardy, M., 1983, S. 259f.
4 Vgl. Twardy, M., 1983, S. 182.
5 Vgl. Twardy, M., 1983, S. 270.
______________________________________________________________________ 4
tensänderung bezeichnet wird. Bezogen auf die Lernziele beabsichtigen diese eine Verhaltensänderung beim Lernenden, bezogen auf einen oder mehrere Inhalte. Eine Änderung ist nur feststellbar, indem zwei Zustände miteinander verglichen werden. Wenn das Lernen als stetiger Prozess angesehen wird, sind zwei diskrete Zustände in einem stetigen Prozess miteina nder zu vergleichen. Abbildung 3-1: Lernen als Prozess
Ein Lernziel hat somit die Aufgabe, den Endpunkt eines Lernprozesses anzugeben, was mit der Annahme von Bildung als Komplementarität von Erkenntnis und Erfahrung als problematisch zu betrachten ist, weil die Bildung als ein Gestaltungsprozess in der Person verstanden wird, der prinzipiell nicht abgeschlossen und als lebensbegleitender Prozess gesehen wird. 7 Ein Lernziel als statische Komponente des Lernens beschreibt ein punktuell identifizierbares Endverhalten von Lernenden, bezogen auf einen oder me hrere Inhalte, während der Lernprozess als dynamische Komponente zwischen Ausgangsverhalten und Endverhalten zu bezeichnen ist. Abbildung 3-2: Das Didaktische Grundmodell
Lernziel und Endverhalten müssen nicht miteinander übereinstimmen. Die angestrebte Endverhaltensbeschreibung des Lernziels stimmt nur im Opti- 6 Vgl.Twardy, M., 1983, S. 265.
7 Vgl. Jongebloed, H.-C., 1998, S. 279f.
______________________________________________________________________ 5
mum mit den Endverhaltensmessergebnissen der Lernzielkontrolle überein. Um überhaupt Rückschlüsse auf die unbeobachtbare Verhaltensdisposition abzuleiten, muss man bereit sein, eine gewisse logische und empirische Zume ssbarkeit von konkretem Endverhalten zu Verhaltensdispositionen zu unterstellen. 8 Die gewünschte Verhaltens-disposition gilt es also durch die Beschreibung eines mit dieser Disposition im Begründungszusammenhang stehenden konkreten Endverhaltens zu operationalisieren. Lernziele stehen demnach als sprachliche Konstruktionen zwis chen konkretem Endverhalten und dem hypothetischen Konstrukt einer das Endverha ltens erklärenden Verhaltensdisposition und sind somit Indikatoren für den Begründungszusammenhang zwischen Endverhalten und Verhaltensdisposition. 9 Der Lernzielbegriff kann mit den folgenden vier Aspekten charakterisiert werden. Zum einen ist das Lernziel unter dem dynamischen Aspekt des Auslösens einer Verhaltensänderung durch einen Lernprozess zu betrachten, zum zweiten beschreibt ein Lernziel das statische Endverhalten am Ende des Lernvorgangs, zum dritten dient es als sprachliche Artikulation des Endverhaltens und zum vierten ist es Indikator für die Rückschlüsse auf die Verhaltensdisposition vom Endverhalten. 10
Um Lernziele einer Klassifizierung zu unterwerfen und somit eine Lernzielhierarchie nach Schwierigkeitsgrad zu erhalten, bedient man sich der Taxonomien. Diese beziehen sich ausschließlich auf die Verhaltenskomponenten von Lernzielen und lassen die Inhaltskomponenten relativ beliebig austauschbar, ohne die Zugehörigkeit zum Lernziel in Frage zu stellen. Sie bestehen aus Verben zur Verhaltensbeschreibung und versuchen den Aussage-und Erklärungsanspruch der angestrebten Systematik zu erhöhen. Eine schwerpunktmäßige Einteilung der Verhaltensposition nach ihrer Zugehörigkeit zu psychischen Aktivitäten ist ein erster Schritt zum Taxonomieansatz. Bloom und Krathwohl stellen drei sogenannte Dimensionen heraus: die kognitive, die affektive und die psychomotorische Dimension. Als kognitive Lernziele bezeichnet Krathwohl die jenigen, die sich mit der Verarbeitung eines Stoffes beschäftigen. Sie reichen von einfachen Aufsagen bis zu sehr originellen und kreativen Wegen, neue Idee und Materialien zu komb i-
8 Vgl.Twardy, M., 1983, S. 272.
9 Vgl. Twardy, M., 1983, S. 274.
10 Vgl. Twardy, M., 1983, S. 275.
Arbeit zitieren:
Lasse Walter, 2004, Der Curriculumbegriff und seine messtheoretischen Implikationen aus pädagogischer Sicht am Beispiel der Berufsoberschule Schleswig-Holstein, München, GRIN Verlag GmbH
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