Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 5
2.1 Die Entstehung des salutogenetischen Modells nach ANTONOVSKY 5
2.2 Das Gesundheits-Krankheits Kontinuum 6
2.3 Gesundheit als Resultat aus Ressourcen und Risiken 6
2.3.1 Beschreibung der Risiken 7
2.3.2 Beschreibung der Ressourcen 8
2.4 Das Konzept des Kohärenzgefühls 8
2.4.1 Beschreibung der drei Komponenten des Kohärenzgefühls 10
2.4.1.1 Verstehbarkeit 10
2.4.1.2 Handhabbarkeit 10
2.4.1.3 Bedeutsamkeit 11
2.4.2 Beziehungen zwischen den Komponenten des Kohärenzgefühls 11
2.4.3 Grenzen des Koheränzgefühls 14
2.4.4 Das starke und rigide Kohärenzgefühl 15
2.4.5 Stressoren als allgemeine Widerstandsdefizite 16
2.5 Stärken und Schwächen des Modells 17
2.5.1 Stärken und Schwächen des Modells aus Sicht der Literatur 17
3. Schlussteil 20
3.1 Die wichtigsten Aspekte des salutogenetischen Modells nach
ANTONOVSKY 20
3.2 Ausblicke 20
3.3 Fazit 21
4. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts erschienen in Deutschland mehrere Publikationen über die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Förderung und Erhaltung von Ge-sundheit. Beispiele hierfür sind die Publikationen von B.C. Faust (1802) und W.C. Hufeland (1798). Diese Entwicklung wurde im 19. Jahrhundert durch die auch noch heute sehr bekannten Wissenschaftler Rudolf Virchow und Alfred Neumann weitergeführt. Es entwickelte sich ein neues wissenschaftliches Fach, welches mit dem Begriff „Gesundheitswissenschaften“ bezeichnet wurde. Deutschland war in diesem Bereich vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts führend. Diese aussichtsreichen wissenschaftlichen Entwicklungen wurden jedoch durch das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, dem Nationalsozialismus, abrupt gebremst. Bedingt durch den neuen Geist, welcher sich – propagiert durch die Nationalsozialisten – in der Gesellschaft breit machte, wurden die fortschrittlichen Überlegungen der Gesundheitswissenschaften zur politisch gewollten „Rassenhygiene“ missbraucht. Durch die weitere politische und weltgeschichtliche Entwicklung im Dritten Reich verlor Deutschland seine führende Rolle auf diesem Gebiet. Im Konkurrenzkampf mit den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern, denen die Menschen auf Grund der im Dritten Reich gemachten Erfahrungen mehr Vertrauen schenkten, verlor das öffentliche Gesundheitssystem immer mehr an Aufgaben und Bedeutung. Durch die weitere gesellschaftliche Entwicklung wurde der Begriff „Gesundheit“ als Gegenpol zum Begriff „Krankheit“ festgelegt. Gesundheit wurde daraufhin als Abwesenheit von Krankheit betrachtet, was auch den Interessen der Ärzte sehr entgegenkam, da sie sich damit nicht mehr um eine umfassende „Ge-sundheitspolitik“ kümmern mussten, sondern ihre Arbeit krankheitsorientiert durchführen konnten. Gesundheit wurde zu einem naturwissenschaftlich nicht erklärbaren Phänomen, Krankheit hingegen greif- und erfahrbar. Erst in den 80er Jahren kam es in der Bevölkerung zu einem Umdenken, als die Grenzen der kurativen Medizin erkannt wurden. Bedingt durch dieses gesellschaftliche Umdenken, begannen erste Überlegungen von Wissenschaftlern um Faktoren, welche die Gesundheit des Menschen beeinflussen.
Eines der wohl bekanntesten und in dieser Hinsicht am weitesten erforschten Modelle ist das salutogenetische Modell von AARON ANTONOVSKY. Seine salutogenetische Sichtweise stellt sich im Gegensatz zur Schulmedizin (Was macht krank?) die Frage: Was hält gesund?
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Das Konzept der Salutogenese wurde von A. ANTONOVSKY in seinen beiden Hauptwerken in den Jahren 1979 und 1987 vorgestellt. Wenngleich die Veröffentlichung seines Modells einige Jahre her ist, wurde seine Relevanz speziell in den Bereichen der Prävention und Gesundheitsförderung im deutschsprachigen Raum erst sehr spät erkannt. Seine geringe Verbreitung in der Bevölkerung und auch in den Gesundheitsberufen fordert dazu heraus, sich mehr mit dem Modell, seinen Erklärungen und der Verwendbarkeit der Ergebnisse aus dem Modell in der Praxis zu beschäftigen. Dies soll in dieser Hausarbeit im Rahmen des Faches Gesundheitswissenschaften geschehen.
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2. Hauptteil
2.1 Die Entstehung des salutogenetischen Modells nach ANTONOVSKY
Nach seinen eigenen Angaben kam es im Jahr 1970 zur eigentlichen Kehrtwende der Arbeit ANTONOVSKYS als Medizinsoziologe (Vgl. ANTONOVSKY in FRANKE, 1987, S. 15 f.). Zu diesem Zeitpunkt befand er sich mitten in der Datenanalyse einer Untersuchung über die Adaption von Frauen an das Klimakterium. Die Untersuchung erstreckte sich auf Frauen verschiedener Abstammung und Herkunft, die in Israel lebten. In dieser Zielgruppe befand sich auch eine Anzahl Frauen, die in der Zeit zwischen 1914 und 1923 in Mitteleuropa geboren worden waren. Diese Frauen waren somit im Jahr 1939, also der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft in Deutschland zwischen 16 und 25 Jahre alt. Er hatte in seinen Fragebogen eine einfache Ja-Nein Frage zum Aufenthalt in einem Konzentrationslager eingebaut. An den Grund für die Frage konnte sich ANTONOVSKY nach eigenen Angaben nicht erinnern. Nach ANTONOVSKYS Worten muss man sich eine Tabelle vorstellen, in der die Werte zur emotionalen Gesundheit einer Gruppe von Überlebenden des Konzentrationslagers mit denen einer Kontrollgruppe verglichen werden. Bei der Betrachtung der Prozentsätze nichtbehinderter Frauen stellte er fest, dass 51 Prozent der Frauen der Kontrollgruppe gegenüber 29 Prozent der Überlebenden über eine insgesamt gute emotionale Gesundheit verfügten. ANTONOVSKY legte in seinem Vorwort (Vgl. ANTONOVSKY in FRANKE, 1987, S. 15 f.) hierbei ausdrücklich Wert darauf, dass nicht die Tatsache als Hauptaugenmerk betrachtet wird, dass 51 gegenüber 29 eine weitaus größere Zahl ist, sondern dass bei 29 Prozent einer Gruppe von Überlebenden des Konzentrationslagers eine gute psychische Gesundheit festgestellt wurde. Für ANTONOVSKY war es nahezu unvorstellbar, dass es nach dieser Erhebung Menschen gibt, die trotz dem großen, nahezu nicht nachvollziehbaren Horror in dem Konzentrationslager, der anschließenden jahrelangen Zeit sich als deplazierte Personen fühlen zu müssen und dann ein Leben in einem Land aufgebaut zu haben, welches drei Kriege durchlebte, dennoch von sich selbst behaupten in einem angemessenen Gesundheitszustand zu sein. Aus dieser dramatischen Feststellung heraus formulierte er später das, was er mit dem Begriff des salutogenetischen Modells bezeichnete und im Jahr 1979 in seinem ersten Buch Health, Stress and Coping veröffentlichte.
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2.2 Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
ANTONOVSKY kritisiert die übliche dichotome Form der Trennung in gesund oder krank, mit welcher die wissenschaftliche Medizin und das medizinische Versorgungssystem arbeiten. Auch die Krankenversicherungen und die gesetzliche Pflegeversicherung orientieren sich an diesem System. ANTONOVSKY setzt diesem System seine Vorstellung eines Kontinuums mit den beiden Polen Gesundheit und Krankheit entgegen. Am einfachsten lässt sich dieses Kontinuum als eine Waage darstellen. Die Risiken als pathogene Faktoren und die Ressourcen als salutogene Faktoren stellen hierbei die Gewichte in den beiden Waagschalen dar. Dabei setzt er Gesundheit mit (subjektivem) körperlichen Wohlbefinden und Krankheit mit (subjektivem) körperlichen Missempfinden gleich.
ANTONOVSKY formuliert seinen Gedankengang folgendermaßen: „Wir sind alle terminale Fälle. Aber so lange wir einen Atemzug Leben in uns haben, sind wie alle bis zu einem gewissen Grad gesund:“ (ANTONOVSKY 1989, zitiert von Bengel u.a. 2001, S. 32). Nach diesen Überlegungen wird also die Frage der klassischen Medizin nach dem Gesund- oder Kranksein eines Menschen zurückgedrängt. ANTONOVSKY geht davon aus, dass es eine weite Reihe weiterer Dimensionen von Befinden gibt, die ebenfalls mit den Dimensionen gesund-krank korrelieren und die auch als Kontinuum zu denken sind.
2.3 Gesundheit als Resultat aus Ressourcen und Risiken
ANTONOVSKY stellt in seinem Werk fest, dass sich die pathogene Orientierung der Annahme verschrieben hat, dass Krankheiten durch Erreger ausgelöst werden. Zu diesen Erregern zählen nicht nur mikrobiologische sondern auch psychosoziale und chemische.
Betrachtet man im Gegensatz zu der „klassischen“ Vorstellung diese Faktoren unter salutogenetischen Aspekten, wird man unweigerlich darüber nachzudenken beginnen, welche Faktoren dazu beitragen können, die Bewegung in die gesunde Richtung des Kontinuums zu steuern. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich oftmals um verschiedene Einflussfaktoren handelt. Der Mensch bewegt sich nicht allein durch das geringgradige Vorhandensein eines Risikofaktors in diese Richtung. Am ehesten erklärbar wird diese Überlegung im Bereich der Stressforschung. Hier wird der Konzentrierung auf Stressoren die Ausrichtung auf Bewältigungsstrategien, also auf so genannte Coping-Mechanismen entgegengesetzt.
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Sven Winter, 2004, Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky - Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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