Inhaltsverzeichnis
1 Historische Entwicklung 1
2 Kleine Apartheid 3
3 Große Apartheid 3
4 Der Zusammenbruch des Apartheidregimes 5
5 UN: Wahrnehmung als Konflikt 8
6 Das Sanktionssystem der UN 10
7 Beschl usse der Generalversammlung 11
8 Beschl usse des Sicherheitsrats 13
9 Tats achliche Auswirkungen der Sanktionen 15
iii
1 Historische Entwicklung
Wird ¨ uber S¨ udafrika gesprochen, wird automatisch auch ¨ uber Apartheid
gesprochen. Diese zwei Begriffe sind Synonyme f¨ ur Diskriminierung, Unterdr¨ uckung und Gewalt geworden. Allgemein dr¨ uckt sich die Apartheid-Politik in der Unterdr¨ uckung nicht-weißer Bev¨ olkerungsgruppen durch die weiße Minderheit aus. Dabei ist die ethnische Pr¨ agung S¨ udafrikas durchaus vielf¨ altiger, denn auch innerhalb der schwarzen Bev¨ olkerung gibt es Differenzen zwischen den Gruppen unterschiedlichster afrikanischer Herkunft. Es bleibt dennoch die Frage offen, wie eine weiße Minderheit eine andersfarbige Mehrheit derart unterdr¨ ucken konnte. Die historischen Ursachen einer Entwicklung, welche in das Apartheid-System m¨ undete, liegen sehr weit zur¨ uck und zeigen dennoch klare Umrisse der heutigen Probleme. In der Mitte des 17. Jahrhunderts begann die Besiedlung der S¨ udspitze Afrikas durch weiße Siedler. Dieses Gebiet hatte zweifache Bedeutung. Es lag direkt am Kap der Guten Hoffnung, an dem jedes Schiff auf seinem Weg von Europa nach Indien oder Asien vorbei kam, und es bot ein hervorragendes Klima f¨ ur Landwirtschaft. Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass der Suez-Kanal, welcher einen k¨ urzeren Wasserweg von Europa nach Indien bot, noch nicht existierte.
Die ersten Einwanderer waren vorwiegend Holl¨ ander (Buren), welche sich weiter im Landesinneren niederließen um dort große Farmen und Plantagen zu gr¨ unden. Wenig sp¨ ater stießen franz¨ osische und deutsche Siedler hinzu. Alle drei ethnischen Gruppen ” ... geh¨ orten einer der drei reformierten Kirchen
an, sprachen in der Familie Holl¨ andisch oder Afrikaans und teilten eine von Sklavenhaltung und Eroberung gepr¨ agte Geschichte.“ 1 Afrikaans, fr¨ uher eine
Mischsprache, wurde sp¨ ater zur gemeinsamen Sprache dieser Siedlergruppen, die sich heute selbst Afrikaaner nennen.
Sp¨ ater stießen englische Siedler hinzu, welche sich jedoch auf Grund der g¨ unstigen Lage hinsichtlich der Schifffahrt in den K¨ ustengebieten nieder- 1 M.Behrens, S¨ udafrika nach der Apartheid, S. 93
1
ließen. Die unterschiedlichen Interessen und Lebensweisen der Siedler zeigten bereits die Grundlage f¨ ur deren sp¨ ateres politisches Verhalten, bei dem die B¨ urger englischer Abstammung h¨ aufig sehr liberal gegen¨ uber anderen Bev¨ olkerungsgruppen eingestellt waren, wogegen die Buren meist eine sehr konservative Haltung vertraten und noch immer vertreten.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts mangelte es an Arbeitskr¨ aften vorwiegend auf den Farmen der Buren, so dass diese begannen Schwarzafrikaner aus der Mitte des Kontinents ins Land zu holen. Hiermit legten sie nicht nur den Grundstein f¨ ur die Apartheid, also der Unterdr¨ uckungspolitik der Weißen gegen¨ uber den Schwarzen, sondern auch f¨ ur Konflikte unter der schwarzen Bev¨ olkerung selbst. Das starke Anwachsen der schwarzen Bev¨ olkerung m¨ undete im 18. und 19. Jahrhundert in Landverteilungsk¨ ampfen, den sogenannten Kaffernkriegen. 2 Sp¨ atestens hier ¨ anderte sich die ehemals to-
lerante Haltung der Weißen gegen¨ uber der schwarzen Bev¨ olkerung. Bereits zuvor kam es 1685 zum Mischheiratsverbot und zum Verbot der gemeinsamen Erziehung weißer und schwarzer Kinder, welche ebenfalls als Beginn dieser negativen Entwicklung gesehen werden k¨ onnen. Das ausgehende 19. Jahrhundert bezeichnete einen weiteren großen Schritt auf dem Weg zur Apartheid. Ab 1870 setzte in S¨ udafrika eine rasche Industrialisierung ein. Diese f¨ uhrte anfangs zu einer weiteren Einwanderung von Schwarzafrikaner und in dessen Folge zu einer enormen Steigerung des Nationalbewußtseins der burischen Bev¨ olkerung, welche sich nun zunehmend in der Minderheit sah. 3
Die unterschiedlichen politischen Interessen ließen sich auch im 20. Jahr-hundert vorerst nicht ausr¨ aumen, so dass die Bildung der S¨ udafrikanischen Union 1909 nur durch einen Verfassungskompromiss gelang. In den darauf folgenden Jahren nahm der Einfluss der konservativen Buren weiter zu und es kam zur verst¨ arkten Diskriminierung der nicht weißen Bev¨ olkerungsgruppen - der kleinen Apartheid.
Arbeit zitieren:
Matthias Heise, 2004, Südafrika und die Vereinten Nationen, München, GRIN Verlag GmbH
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