Das Anti-Aggressivitäts-Training existiert in seiner heutigen Form seid Mitte der 90er Jahre. Es ist unter Pädagogen und Psychologen sehr bekannt und erreicht auch die Öffentlichkeit, seid das Training nicht mehr ausschließlich in Strafanstalten eingesetzt wird, sondern auch in der offenen Jugendarbeit und in Schulen praktiziert wird.
In dieser Arbeit sollen zunächst die Begriffe Gewalt und Aggressivität definiert werden. Nach der Begriffsklärung wird mit der sozial-kognitiven Lerntheorie Albert Banduras ein wichtiger theoretischer Baustein des Trainings vorgestellt. Die Gruppenprozesse im Training sollen anschließend mit Hilfe eines Vergleichs von Lerntheorie und Curriculum des AAT aufgezeigt werden.
Zum Schluss erfolgt eine kritische Betrachtung des Anti-Aggressivitäts-Trainings.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Definition von Aggression und Gewalt
3.1 Aggression
3.2 Gewalt
4. Die sozial-kognitive Lerntheorie Albert Banduras
4.1 Aggressionstheorien
4.2. Die Theorie Banduras
4.2.1. Vorraussetzungen für den sozial-kognitiven Lernprozess
4.2.2. Phasen des Lernens durch Beobachtung von Modellverhalten
5. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)
5.1. Was ist der heiße Stuhl?
5.2. Curriculum des AAT
6. Gruppenprozesse im AAT
6.1. Integration der Phasen der Gruppenprozesses, der sozial-kognitiven Lerntheorie und dem AAT
6.1.1. Modell und Beobachter, wer nimmt welche Rolle ein?
6.1.2. Integrationsphase , Aufmerksamkeitsphase, ‚forming’
6.1.3. Konfrontationsphase, Behaltensphase, ‚storming’
6.1.4. Gewaltverringerungsphase, Reproduktionsphase, ‚norming/ performing’
6.1.5. Nachbetreuung, Motivationsphase
6.2. Abschließende Betrachtung
7. Kritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gruppenprozesse innerhalb des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) und setzt diese in Bezug zur sozial-kognitiven Lerntheorie nach Albert Bandura, um die Wirksamkeit und methodische Struktur des Trainingsprogramms zu analysieren.
- Grundlagen von Aggression und Gewalt
- Anwendung der sozial-kognitiven Lerntheorie auf das AAT
- Integration von Gruppenprozessen und curricularen Faktoren
- Kritische Reflexion der Provokationsmethode des „heißen Stuhls“
- Evaluation der Wirksamkeit des AAT
Auszug aus dem Buch
6.1.1. Modell und Beobachter, wer nimmt welche Rolle ein?
Die Rolle des Beobachters ist recht eindeutig zu bestimmen. Diese Rolle nehmen zweifelsohne die Teilnehmer ein. Die Teilnehmer sollen während des Trainings lernen, mit provozierenden Situationen umzugehen. Sie sollen Lösungen finden, die gewaltfrei sind. Es sollen „Einstellungsveränderungen der Gewalttätigen insbesondere in Bezug auf die Opferempathie“ (vgl. Kilb, Weidner 2003: 38) stattfinden.
Die Frage nach dem Modell gestaltet sich etwas vielfältiger. Im Training nehmen abwechselnd unterschiedliche Personen die Rolle des Modells an. Eindeutige Vorbilder sollten zum einen die Trainer sein, allerdings auch die ehemaligen Gewalttäter, die im Training verdeutlichen, dass sie den Sprung in ein gewaltfreies Leben geschafft haben.
Ebenfalls Modelle sind die Teilnehmer. Sie finden sich im Verlauf des Trainings immer wieder in exponierten Situationen, in denen die ganze Aufmerksamkeit auf ihnen liegt. Hier ergibt sich für die Beobachter die Möglichkeit, die Konsequenzen gewalttätigen Handelns zu bewerten. Bei der Betrachtung der Folgen ihres Handelns wird z.B. Freiheitsentzug als Konsequenz deutlich.
Die Rolle des Modells ist im AAT demzufolge mehrfach besetzt. Die Teilnehmer nehmen durchaus beide Rollen, je nach Situation, abwechselnd ein.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Hintergrund des Anti-Aggressivitäts-Trainings, dessen Zielsetzung und die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
3. Definition von Aggression und Gewalt: Das Kapitel differenziert zwischen den Begriffen Aggression und Gewalt und beleuchtet deren theoretische Grundlagen als Basis für das Training.
4. Die sozial-kognitive Lerntheorie Albert Banduras: Hier werden zentrale Aggressionstheorien vorgestellt und Banduras Theorie des Beobachtungslernens als wesentlicher Baustein des AAT erläutert.
5. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT): Dieses Kapitel beschreibt die historische Entstehung, die Zielgruppe, das Curriculum sowie die spezifische Methode des „heißen Stuhls“.
6. Gruppenprozesse im AAT: Dieser Hauptteil vergleicht die Phasen des AAT, die sozial-kognitive Lerntheorie und Tuckmans Gruppenphasen, um die Dynamik innerhalb des Trainings zu verdeutlichen.
7. Kritik: Das abschließende Kapitel setzt sich kritisch mit der Vermarktung des AAT sowie der Wirksamkeit der provokativen Konfrontationsmethode auseinander.
Schlüsselwörter
Anti-Aggressivitäts-Training, AAT, Aggression, Gewalt, sozial-kognitive Lerntheorie, Albert Bandura, Beobachtungslernen, heißer Stuhl, Gruppenprozesse, Konfrontationsmethode, Gewaltverringerung, Evaluation, Jugendliche, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) und untersucht, wie gruppendynamische Prozesse und lerntheoretische Ansätze, insbesondere die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura, bei der Arbeit mit gewalttätigen Jugendlichen zusammenwirken.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Feldern gehören die begriffliche Definition von Aggression und Gewalt, die theoretische Fundierung durch Bandura, der Aufbau des AAT-Curriculums sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit und Außendarstellung des Trainings.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Phasen des Modellslernens nach Bandura im AAT-Curriculum wiederzufinden und zu prüfen, inwieweit die dort ablaufenden Gruppenprozesse einen Beitrag zur Verhaltensänderung der Teilnehmer leisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse und einen Vergleich der curricularen Phasen des AAT mit den Modellen von Bandura (Lerntheorie) und Tuckman (Gruppenphasen).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Integration der verschiedenen Phasen. Dabei wird analysiert, wer die Rollen von Modell und Beobachter einnimmt und wie die verschiedenen Trainingsphasen (Integration, Konfrontation, Gewaltverringerung) sowohl lerntheoretisch als auch gruppendynamisch zu bewerten sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen AAT, Aggression, Gewalt, sozial-kognitive Lerntheorie, Beobachtungslernen, der „heiße Stuhl“ und Evaluation.
Welche Bedeutung hat der „heiße Stuhl“ für den Trainingserfolg?
Er dient als zentrale Konfrontationsmethode, bei der die Gruppe die Gewaltrechtfertigungen des Täters massiv in Frage stellt, um so eine Reflexion des eigenen Handelns und eine Auseinandersetzung mit der Opferperspektive zu erzwingen.
Wie kritisch bewertet die Autorin das AAT?
Die Autorin erkennt zwar die Wirksamkeit an, äußert aber deutliche Kritik an der Vermarktung des Konzepts, der mangelnden wissenschaftlichen Belegung eines „Erfolgsvorsprungs“ gegenüber anderen Methoden sowie an der ethischen Vertretbarkeit der provokativen Methoden.
- Citation du texte
- Britta Goedecke (Auteur), 2005, Gruppenprozesse im Anti-Aggressivitätstraining, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31520