Holismus und Funktionalismus
von Imke Sander
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Begriffsklärung 4
1. Holismus 4
2. Funktionalismus 5
III. Beispiel der Termitenkolonie 7
1. Sachverhalt7
2. Teleologischer Ansatz 7
3. Mechanistisches Modell 9
4. Weitere Beispiele 11
IV. Zusammenfassung 12
V. Literaturverzeichnis 13
I. Einleitung
Vorliegende Arbeit befasst sich mit der Thematik: Was ist soziales Handeln? Sie beschäftigt sich im engeren Sinne mit der Frage, ob das Individuum die Gesellschaft prägt oder ob Erklärungen in umgekehrter Weise gesucht werden müssen: prägt die Gesellschaft das Individuum?
Hierzu kann einerseits der Weg der Erklärung herangezogen werden, andererseits aber auch der Weg des reinen Verstehens, d.h. dass sozialen Handlungen durch Interpretation Sinn und Bedeutung beigelegt werden soll.
In Hollis Werk werden verschiedene Ansatzpunkte deutlich; bis hierhin wurden erkenntnistheoretische Ansätze abgehandelt, wie der rationalistische Weg, der empiristische Weg und der wissenschaftliche Ansatz (vgl. Kapitel II - IV).
Im Folgenden wird der holistische Ansatz abgehandelt, im besonderen bezug auf funktionale Erklärungen, die vom Autor als "strenger Holismus" bezeichnet werden.
Um den holistischen Ansatz deutlich zu machen, wird von Hollis die marxistische These herangezogen: "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein." Zur Verdeutlichung wird die entgegengesetzte, individualistische Richtung vertretene These von Mill betrachtet: "Die Gesetze von den gesellschaftlichen Phänomenen sind faktisch und der Möglichkeit nach nichts anderes als die Gesetze der Handlungen und Leidenschaften der im Gesellschaftszustand vereinigten Menschen (...) In der Gesellschaft haben die Menschen keine Eigenschaften außer denen, die von den Gesetzen der einzelmenschlichen Natur abgeleitet sind und diesen Gesetzen entsprechend zerlegt werden. "
Zusammengefaßt stellt Mills These genau die gegensätzliche zu Marx dar: "Das Bewußtsein des Menschen bestimmt das Sein.". Um den Individualismus soll es aber im Folgenden nur peripher gehen.
Zur Vertiefung kann folgendes Schaubild herangezogen werden:
(Es ist von Wichtigkeit, daß wir es im Weiteren mit den beiden linken Feldern zu tun haben; es geht also nicht darum, die Tatsachen zu verstehen, sondern die Ursachen des sozialen Handelns und seine Wechselwirkungen sollen gefunden und somit erklärt werden. Hierzu wird funktionalen Erklärungen besondere Bedeutung eingeräumt.)
II. Begriffsklärung
1. Holismus
Holismus wird bei Hollis wie folgt definiert:
"Der Begriff "Holismus" bezieht sich auf jeden Ansatz, der das Tun (menschlicher oder sonst wie beschaffener) Einzelakteure durch Berufung auf ein größeres Ganzes erklärt..." .
Die Grundannahme holistischen Denkens ist folglich die Orientierung am Ganzen. Ausgegangen wird vom Ganzen; aus ihm werden die Teile gewonnen, die sich vom Ganzen her bestimmen.
Als Art Leitmotiv tauchen im fünften Kapitel von Hollis Werk wiederholt die Bilder "von oben nach unten" und "von unten nach oben" auf. Ersteres bezieht sich hier auf die holistische Denkweise, die eben beweisen will, dass das "Ganze nicht nur eine Summe seiner Teile ist" , sondern, dass gesellschaftliche Verhältnisse nur als soziale Ganzheiten erklärt werden können.
Obwohl vorliegende Arbeit dem Individualismus keine weitere Beachtung schenkt, sei er zur Verdeutlichung des Gegensatzes doch erwähnt: "Von unten nach oben" bezieht sich auf den individualistischen Weg, der eben gegensätzlich behauptet, daß das Ganze lediglich eine Summe seiner einzelnen Teile sei, d.h. einzelne Akteure handeln unabhängig voneinander und von der Gesellschaft.
Wichtig bei der Betrachtung des Holismus ist es, darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um eine Weltanschauung handelt, sondern lediglich um einen Blickwinkel, der in verschiedenen Weltbildern und verschiedenen Kulturkreisen angewandt werden kann.
Emile Durkheim war einer der Hauptvertreter des holistischen Blickwinkels. Die holistische Auffassung ist ein zentraler Punkt in seiner Soziologie und zugleich Grundlage seiner Kritik an den individualistischen Ansätzen seiner Zeit. Im Folgenden wird ein Beispiel aus der Geometrie angeführt, welches den holistischen Blickwinkel verdeutlichen soll:
"Betrachtet man eine rechteckige Fläche als Ganzes, so kann man sagen, daß die Fläche mehr ist als die Summe der Linien durch die sie gebildet wird. Diese Linien sind auch mehr als die Summe der Punkte aus denen Sie bestehen. Das heißt, wenn man die Linien als Objekt mit einem klar definierten Sinngehalt betrachtet und fügt sie nach einer bestimmten Vorschrift zusammen, entsteht ein neues Gebilde, welches zwar aus der Summe der Einzellinien besteht, aber als Objekt für sich einen neuen zusätzlichen Sinngehalt enthält. Zum Beispiel der Übergang von der Eindimensionalität zur Zweidimensionalität."
In weiteren Kapiteln wird dieser Ansatz anhand des Beispieles der Termitenkolonie auf einen lebenden Organismus übertragen.
[...]
Arbeit zitieren:
Imke Sander, 2001, Holismus und Funktionalismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Erving Goffmann und die Darstellung auf Bühnen
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
Kleidung. Ein Überblick über Geschichte und mediale Bedeutung in Mitte...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 21 Seiten
JEAN-FRANÇOIS LYOTARD - ein Bericht
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Altruismus - Ursachen altruistischen Verhaltens
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Imke Sander hat den Text Holismus und Funktionalismus veröffentlicht
Imke Sander hat einen neuen Text hochgeladen
Individuum und Gemeinschaft in der juristischen Germanistik
Die Geschworenengerichte und d...
Angelika Kleinz
Theorien der Gemeinschaft zur Einführung
Lars Gertenbach, Henning Laux, Hartmut Rosa, David Strecker
Die Einheit der Verfassung - Kritik des juristischen Holismus
Elemente einer Verfassungstheo...
Friedrich Müller
Strukturspecies. T-Theoretizität. Holismus. Approximation. Verallgemei...
Strukturspecies. T-Theoretizit...
Springer
0 Kommentare