Inhaltsverzeichnis:
1 Einführung in die Thematik 4
2 Begriffsklärung 5
2.1 Opfer 5
2.2 Viktimologie 6
3 Grundkonzept der Viktimologie 7
3.1 Aufgaben der Viktimologie 7
3.2 Untersuchungsmethoden 8
4 Forschungsergebnisse der Viktimologie 11
4.1 Opferhäufigkeiten und Kausalzusammenhänge 11
4.2 Typologie der Opfer 12
4.3 Täter-Opfer-Beziehung 15
4.4 Die Wiedergutmachung für das Opfer 16
2
5 Der Täter-Opfer-Ausgleich 19
5.1 Der Täter-Opfer-Ausgleich in der Theorie - Entwicklung und
gesetzliche Grundlagen des Täter-Opfer-Ausgleichs 19
5.2 Der Täter-Opfer-Ausgleich in der Praxis 21
5.2.1 Analyseschema als Ausgangspunkt empirischer Forschungen 21
5.2.2 Empirische Forschungsergebnisse 23
5.2.2.1 Erfahrungswerte bezüglich des Täter-Opfer-Ausgleichs anhand
verschiedener Projekte 23
5.2.2.2 Konkrete Zahlen basierend auf einer Studie 25
6 Schlussbetrachtung 27
7 Anhang 29
8 Literaturverzeichnis 33
3
1 Einführung in die Thematik
1 Jährlich, weltweit: ca. 14 000000 Hungeropfer 2 Jährlich, weltweit: ca. 3 000000 Todesopfer in Folge von AIDS 3 11. September 2001, New York: ca. 3000 Todesopfer
4 11. März 2004, Madrid: ca. 200 Todesopfer
Opfer gibt es weltweit täglich und in beängstigender Anzahl. Oben genannte Zahlen kursieren in den Medien und brennen sich ein. Allerdings genießen nur Opferzahlen derartig prägender Ereignisse diese Präsenz, unzählige weitere Opfer scheinen nicht berücksichtigt zu werden. H ohe Opferwerte entstehen ganz still und heimlich, ohne Medienrummel. Täglich wird eine Vielzahl von Menschen Opfer aller erdenklichen Taten und Umstände. Diese finden sich in den Medien nur vereinzelt wieder, ein Großteil dagegen geht lediglich in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ein. Ein weiterer Anteil unbekannter Größe bildet das Dunkelfeld, welches nur erahnt werden kann. Aus den vorhandenen Statistiken können jedoch Zusammenhänge und Schlüsse gezogen werden, wie Opfer, Täter und Straftaten sich zueinander verhalten. Aus diesem Zusammenhang entwickelte sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts neben der Kriminologie die Viktimologie, die Wissenschaft vom Opfer, die derartige Zahlen auswertet. Als wichtige Veröffentlichungen zum Thema Viktimologie sind insbesondere „Viktimologie“ von Hans Joachim Schneider sowie „Die Soziologie des Opfers“ von Walter Kiefl und Siegfried Lamnek zu nennen, die in ihrer Monographie zahlreiche früher veröffentliche Bücher zu diesem Themenkomplex zitieren.
In dieser Arbeit sollen das Grundkonzept, Untersuchungsmöglichkeiten und empirische Forschungsergebnisse der Viktimologie dargestellt werden, um deren wichtige Bedeutung für das zukünftige Opfer zu verdeutlichen. Hierzu gilt es vorweg, die Begriffe Viktimologie und Opfer genauer zu bestimmen. Im Anschluss sollen Entwicklung und Aufgaben der Viktimologie dargestellt werden. Auf dieser gemeinsamen Basis werden im Folgenden die empirischen
1 http://science.orf.at/science/news/62705
2 http://science.orf.at/science/news/62705
3 www.faz.net, Mensch, Natur & Technik: "Terroranschläge: Weniger Opfer unter den Trümmern
als vermutet", 25.03.2002. In: http://www.sellpage.de/11september/chronologie.html
4 http://www.stern.de/politik/ausland/?id=521912
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Forschungsergebnisse angebracht. Hierbei geht es neben Opferhäufigkeiten, die der Polizeilichen Kriminalstatistik entnommen sind, und
Kausalzusammenhängen vor allem um die einzelnen Typologien der Opfer. Nicht jeder Mensch ist gleich anfällig O pfer der gleichen Tat zu werden; es spielen hier mehrere Faktoren zusammen, die in oben genannten Monographien umfassend beleuchtet wurden. Die Beziehung zwischen Täter und Opfer soll diesbezüglich genauer betrachtet werden. Ebenfalls wichtig ist in diesem Zusammenhang die Problematik der Entschädigung des Opfers. Da in zahlreichen Fällen der Täter durch Gerichte seine Strafe erhält, bleibt dem Opfer häufig nicht mehr als die Genugtuung über diese Tatsache. An dieser Stelle soll näher auf die Hintergründe des durch die Viktimologie geförderten Täter-Opfer-Ausgleichs eingegangen werden, zu dem es zwar nicht in jedem Fall kommen kann, der den Opfern aber, wenn er durchgeführt wird, das Gefühl gibt, nicht ganz übergangen zu werden, sondern eine gewisse Form der Entschädigung erfahren zu haben. Diese Form der Entschädigung soll daher in Theorie und Praxis näher gebracht werden. Diesbezügliche Angaben beziehen sich überwiegend auf Studien, die in Form von Monographien veröffentlicht wurden. Zu nennen sei an dieser Stelle „Die Effizienz des Täter-Opfer-Ausgleichs“, e ine empirische Untersuchung von Täter-Opfer-Ausgleichsfällen aus Schleswig-Holstein von Anke Keudel, sowie das Buch „Täter-Opfer-Ausgleich“ von Erich Marks und Dieter Rössner.
2 Begriffsklärung
2.1 Opfer
Um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen soll im Vorfeld der Begriff des Opfers im Hinblick auf diese Arbeit geklärt werden. Opfer können einzelne Personen sein, die durch andere verletzt (z.B. Körperverletzung) oder geschädigt (z.B. Einbruch, Diebstahl) werden. Doch schon am Beispiel des Diebstahls zeigt sich, wie schwierig eine derartige Kategorisierung ist. In diesem Fall stellt nicht nur der Bestohlene das Opfer dar - handelt es sich beispielsweise um einen Ladendiebstahl, so können dort der dahinter stehende
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Konzern und indirekt sogar die ganze Bevölkerung in die Opfersituation geraten. Schließlich könnte der bestohlene Konzern durch Preiserhöhungen seinen Verlust kompensieren wollen, was die Kunden indirekt als Opfer betreffen könnte. Weiterhin können ganze soziale Gruppen, sogar Gesellschaften zu Opfern werden (z.B. Ausländerfeindlichkeit). Doch nicht alle Opfer sind greifbar und können personifiziert werden. Bei Delikten gegen die 5 in Erscheinung. Beispiele öffentliche Ordnung tritt nur ein abstraktes Opfer
hierfür sind Trunkenheit am Steuer und Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr.
Eine sehr allgemeine Definition zum Begriff des Opfers findet sich bei Hans Joachim Schneider: „Opfer ist eine Person, Organisation, die moralische oder die Rechtsordnung, die durch eine Straftat gefährdet, geschädigt oder zerstört
6 Im Rahmen dieser Arbeit soll jedoch auf die Person als Opfer, sowie wird.“
deren Stellenwert in der Viktimologie eingegangen werden, wobei d er Begriff Opfer sowohl das männliche als auch das weibliche Geschlecht einschließt.
2.2 Viktimologie
Der Begriff Viktimologie leitet sich aus dem Lateinischen ab: victima = Opfer. Er bezeichnet die Wissenschaft vom (Verbrechens-)Opfer und zeigt sich i n
diesem Sinne als interdisziplinäre Teilwissenschaft. Sie wurde aus der Erkenntnis der Tatsache heraus entwickelt, dass die Kriminologie als Wissenschaft vom Verbrechen, insbesondere von der Täterpersönlichkeit, nicht ohne gleichzeitige Betrachtung der Opferseite betrieben werden konnte. Die Viktimologie steht in enger Beziehung zur Strafrechtswissenschaft, zur Kriminologie und Kriminalsoziologie, zur Psychologie und Psychiatrie, zur Biologie und Medizin. Forschungsergebnisse all dieser Wissenschaften spielen hier zusammen und bieten zahlreiche Möglichkeiten der gegenseitigen Ableitung. Bei der Wissenschaft vom Opfer steht nicht, wie vermutet werden könnte, die Schuldzuweisung an das Opfer oder die Rechtfertigung des Täters im Vordergrund, sondern die Untersuchung der Opferperspektive. Die
5 SCHNEIDER 1975, S.11
6 SCHNEIDER 1975, S.12
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Viktimologie ist eine empirische Disziplin, sie zieht also ihre Erkenntnisse aus
7 praktischer Erfahrung.
3. Grundkonzept der Viktimologie
3.1 Aufgaben der Viktimologie
Auf welchem Konzept die Viktimologie beruht, wird aus der Bezeichnung empirische Teilwissenschaft bereits deutlich. Menschen können am besten vor einem zukünftigen Opferdasein geschützt werden, indem sie aus der Erfahrung anderer lernen. „Die Viktimologie befaßt sich mit dem wissenschaftlichen Studium von Verbrechensopfern. Es geht ihr insbesondere um die Erscheinungsformen, Ursachen und Folgen des Prozesses des Opferwerdens: Opferschaden, Vorbeugung gegen das Opferwerden, Wiedergutmachung und 8 Es gilt daher, Vergangenes zu analysieren und daraus Opferbehandlung.“
Schlüsse zu ziehen, um auf diesem Wege wertvolle Erkenntnisse zu erhalten. Zu den sehr umfangreichen Aufgaben der Viktimologie gehören in erster Linie die Analyse der Rolle des Opfers im Zusammenwirken von Täter, Opfer und Gesellschaft, sowie das Erforschen der Opferanfälligkeit einzelner Personen oder Personengruppen. Weiterhin beschäftigt sich die Viktimologie mit den Einflüssen auf die Anzeigebereitschaft des Opfers und die Beziehung zwischen der Furcht, Opfer zu werden und dem tatsächlichen Opferwerden. Neben Untersuchungen der wirtschaftlichen, sozialen, physischen und psychischen Schäden des Opfers, beschäftigt sich die Viktimologie darüber hinaus mit den Themen Schadenswiedergutmachung und Verbrechensvorbeugung. Um das Opfer stärker in den dem Verbrechen folgenden Ablauf einzubinden, erarbeitet die Viktimologie Möglichkeiten der Beteiligung am Strafprozess und des Schutzes im vorangehenden Ermittlungs- und Strafverfahren. Es werden also alle Faktoren erforscht, die das Opfer direkt oder indirekt betreffen, um die Hauptziele der Viktimologie zu verfolgen: Prävention, Verbesserung der Opfersituation und - als neueres Ziel - die Aussöhnung von Täter und Opfer.
7 AMELUNXEN 1970
8 Vgl. SCHNEIDER, H.J.: Viktimologie. In: SEITZ 1983, S. 236
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Arbeit zitieren:
Astrid Jung, 2004, Grundkonzepte und empirische Forschungsergebnisse der Viktimologie unter besonderer Berücksichtigung des Täter-Opfer-Ausgleichs, München, GRIN Verlag GmbH
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Viktimologie: Sexualdelikte und die Folgen für die Opfer
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