1. Rom: Brot und Spiele
PANEM ET CIRCENSES (Brot und Spiele): Auf diese knappe Formel haben Satiriker wie Juvenal und andere Schriftsteller die Politik der römischen Kaiser reduziert. Beschrieben werden zwei Dinge auf die sich die Herrschaft der Cäsaren überwiegend gestützt hat; zum einen die kostenlosen Getreideverteilungen in Verbindung mit Geldgeschenken und zum anderen die aufwendigen Massenunterhaltungen, die zur Ablenkung der Politik dienten. Auf diese Weise waren die Kaiser bemüht Ruhe und politische Stabilität und damit ihre eigene Stabilität zu sichern. Wie diese Massenunterhaltung im Einzelnen ausgesehen hat, schildert die folgende Darstellung. Ein kontrastreiches Gesamtbild, das sich aus sehr unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzt: den grausamen Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen, bei denen unzählige Menschen vor den Augen eines fanatischen Publikums um ihr Leben kämpften, den Wagenrennen im Circus, die Schaukämpfe von Berufsathleten, die breite Palette der Theateraufführungen und schließlich das Badewesen, das sicher auch zu den beliebtesten Freizeitvergnügungen der Römer gehörte.
Manche Züge dieses Spielbetriebs sind in der heutigen Zeit zum Teil wieder zuerkennen. Was sich an Emotionen bei den Zuschauern im Circus und im Amphitheater entlädt, findet bei Autorennen, Fußballspielen und anderen Sportarten auffällige Parallelen. Viele Theateraufführungen unterscheiden sich inhaltlich kaum von dem, was heute in Film und Fernsehen gezeigt wird. Es ist jedoch falsch anzunehmen, das die Formel „Brot und Spiele“ erst mit der Monarchie entstanden ist, um dem Volk die Einführung der neuen Regierungsform zu erleichtern.
Was häufig übersehen wird, ist dass das „System“ bis weit in die Zeit der Republik zurückgeht, wo auch schon im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. Politiker die Wirkung von „Brot und Spielen“ erkannt und zielgerecht
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eingesetzt haben. Die kaiserzeitliche Entwicklung war also zumindest von der Tendenz her geprägt, welches Ausmaß dieses „System“ jedoch im Weiteren annahm, hätten sich die Römer der Republik jedoch in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich neue Formen der politischen Artikulation. Unzufriedenheit und Ärger machten sich im Volk breit, politische Wünsche und Forderungen wurden unüberhörbar vorgetragen und zwar genau da, wo sie für ihren politischen Verlust ihrer politischen Rechte entschädigt werden sollten. Sie demonstrierten im Theater, im Circus und in der Arena. Die Spiele wurden somit zu einer wichtigen Kommunikationsebene zwischen Volk und Kaiser. „Trotz aller Freigebigkeit und trotz der irrwitzigen Summen, die einzelne Kaiser in ihrem Bestreben ausgaben, alle Vorgänger an Pracht und Anzahl der Spiele zu übertrumpfen – das „Idealziel“ dieser gewiss nicht uneigennützigen „Ablenkungs- Politik“ ist nie erreicht worden: Eine völlige Entpolitisierung der Römer hat kein Kaiser erreicht.“ 1
2. Gladiatoren im antiken Rom
Im Speziellen möchte ich in meiner Hausarbeit näher auf das Leben der Gladiatoren eingehen.
Sie trugen ihren Namen nach dem lateinischen Wort gladius für Schwert. Sie selbst nannten sich morituri – „die zum Sterben gehen“.
„Ave Caesar, morituri te salutant“, hieß der klassische Gruß dieser Männer – „ Heil dir, Kaiser, die zum Sterben gehen, grüßen dich“ 2 .
1 Vgl.: Karl-Wilhelm Weeber, S.168 2 Vgl.: Josef Nyary, S.19
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Niemals vorher oder nachher vergossen so viele Menschen ihr Blut, ohne dabei die Geschichte zu bewegen.
Das Handwerk der Gladiatoren, machte sie gleichzeitig zu Helden und zu Ausgestoßenen. Von der feinen Gesellschaft Roms wurden sie verachtet und zugleich bewundert, vom Pöbel gehasst und beweint, von den Frauen verabscheut und begehrt.
Sie kämpften gegen die stärksten Krieger fremder Völker und gegen wilde Tiere, die durch eine grausame Dressur zu rasenden Bestien herangezüchtet wurden. Gladiatoren waren zum Töten erzogen und stolz auf ihre Kunst zu sterben. Manchmal führte das Schicksal Gladiatoren zu Ruhm und Reichtum, einer von ihnen saß sogar auf dem Kaiserthron: Commodus, der Nachfolger und Sohn des Marc Aurels. Am Ende erwartete die Helden der Arena jedoch fast immer der Tod.
2.1. Wer wurde Gladiator?
Die ungeheueren Massen an Gladiatoren, die benötigt wurden, um das römische Volk zu unterhalten, bestanden meistens aus Unfreien, vor allem aber aus Kriegsgefangenen, die nach ihrer Gefangennahme an Gladiatorenschulen verkauft und dann gezwungen wurden, das blutige Handwerk des Gladiators und das „heldenhafte“ Sterben zu erlernen.
Nichts ärgerte die Zuschauer mehr, als Fechter zu sehen, die sich vor Angst nicht bewegen konnten oder auf Knien um ihr Leben baten.
Man ließ sie gegen wilde Tiere kämpfen und benutzte die massenhafte Vernichtung der Feinde zur Unterhaltung des Volkes.
Später füllten auch Verbrecher die Arena: Mörder, Brandstifter, Räuber, Tempelschänder und Meuterer, kurz: die schlimmsten Kriminellen der Stadt. Wer ein Verbrechen begangen hatte, musste damit rechnen, ad gladium („zum Schwert“) oder ad bestias („zum Kampf mit wilden Tieren“) verurteilt zu werden.
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Beides waren grausame Todesstrafen, denn in beiden Fällen war es selbst bei tapferster Gegenwehr unmöglich, dem Tode zu entrinnen. Die zum Schwert Verurteilten wurden unbewaffnet schwergerüsteten Kämpfern gegenüber gestellt und niedergehauen. Im Unterschied dazu war die Verurteilung ad ludum („zur Gladiatorenschule“) sozusagen ein Urteil auf Bewährung. Verbrecher, die als Gladiatoren drei Jahre überstanden hatten, erhielten eine hölzerne Fechtwaffe und brauchten nicht mehr aufzutreten. Nach weiteren zwei Jahren durften sie „den Hut nehmen“: Mit dieser Kopfbedeckung war die entgültige Freilassung verbunden. Wenn die Gerichte nicht genug Verbrecher zum Tod in der Arena verdammten, halfen sich die Veranstalter von Gladiatorenkämpfen gern mit Sklaven aus, die man weder fragen, noch verurteilen musste. Doch stellte ihre Arbeitskraft ein erhebliches Kapital dar, weswegen man Freiwillige bevorzugte.
Und es gab sie wirklich, die Hasardeure und Abenteurer, die Bankrotteure und sozial Ausgestoßenen, die sich zu diesem Handwerk drängten. Römische Bürger, die sich als Gladiatoren anwerben lassen wollten, mussten einen Vertrag unterschreiben, in dem es hieß: „Ich will mich mit Ruten schlagen, mit Feuer brennen und mit Eisen töten lassen, ganz wie mein Heer es befiehlt.“ 3 Diese Abmachung wurde stets in Gegenwart eines Volkstribuns getroffen, der den Vertrag beglaubigen musste. Der neue Gladiator verlor dadurch seine Bürgerrechte und folgte seinem neuen Besitzer als Sklave in die Gladiatorenschule.
Später zog der morbide Reiz der Kämpfe auch Ritter und Senatoren, sogar Konsuln und verrückte Kaiser wie Caligula und Commodus in die Arena. Ein solches Verhalten wurde von der Öffentlichkeit zutiefst missbilligt. Die Auftritte des Commodus waren so peinlich, dass sogar ein Teil des Publikums nicht erschien, weil es sich schämte, den Kaiser im Staub der Arena kämpfen zu sehen. 3 Vgl.: Josef Nyary, S.32
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Arbeit zitieren:
Beyza Yildiran, 2003, Gladiatoren, München, GRIN Verlag GmbH
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