Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Der Protest gegen die Sklaverei in der vorchristlichen antiken Welt 3
3. Die Sklaverei im Neuen Testament 4
3.1 Die Stellung Jesu zur Sklavenfrage 4
3.2 Das Sklavenproblem im 1 Korintherbrief 7 20 24 5
3.3 Die Hausgemeinde des Philemon und der entlaufene Sklave
Onesimus 6
3.4 Das Sklavenproblem in der Sicht der paulinischen Haustafeln 8
3.4.1 Der Kolosserbrief (3 11 3 22 4 1) 8
3.4.2 Der Epheserbrief (6 5 8) 9
3.5 Die Sklavenproblematik im Ersten Brief des Petrus (2 18 21) 11
3.6 Die Lage der Sklaven in den Pastoralbriefen in Brief an Titus (2 9
13) und in 1 Brief an Timotheus (6 1 2) 12
4. Zusammenfassung 13
5. Literaturliste 15
1. Einleitung
Vor dem Hintergrund der Diskussion rund um so aktuelle Begriffe wie „politische Theologie“ oder „Theologie der Befreiung“ zieht die Frage nach der Stellung des Urchristentums zur Sklaverei mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ihr in den Schriften des Neuen Testaments selbst geschenkt wird. Sie erscheint dort als Randthema 1 . Die Unterschiedlichkeit des Interesses signalisiert in sich schon die Verschiedenheit der Standpunkte, mit der Autoren des Neuen Testaments sich zur Sklaverei äußern. Jedenfalls wendet man sich mit dem anstehenden Thema einem Problembereich zu, der in der Gegenwart die Menschen in und am Rande der Kirche umtreibt, der Problembereich des sozialethischen Handelns der Christen und der Kirchen in der heutigen Welt und der modernen Gesellschaft - die Frage nach der theologischen Legitimation der Sklaverei im Neuen Testament. Dieses Thema gibt zu dem umschriebenen Problemfeld so etwas wie einen Testfall aus der Kirchengeschichte ab, nicht aus einem beliebigen, sondern aus jenem für das christliche Glaubensverständnis bevorzugt relevante Stück Kirchen- und Theologiegeschichte, das in den Schriften des Neuen Testaments seinen literarischen Niederschlag gefunden hat. Sicher ist hier nicht gemeint, es könnten durch einfache exegetische Ableitung verbindliche Auskünfte auf Gegenwartsfragen (wie zum Beispiel „politische und gesellschaftliche Verantwortung der Christen“) erteilt werden. Vielmehr geht es bei dem gestellten Thema zunächst um die Frage, wie und mit welchen Konsequenzen in der urchristlichen Verkündung der eschatologischen Christusbotschaft soziale und gesellschaftliche Implikationen zutage treten. Am Einzelbeispiel des Verhältnisses des Urchristentums zur Sklaverei kann konkret die Problematik einer neutestamentlichen Begründung der gesellschaftlichen Relevanz des Evangeliums in einer bestimmten kirchengeschichtlichen Situation sichtbar gemacht werden. Erst dann wäre ein kritischer Dialog zwischen dem Neuen Testament und einer für die Theorie und für die Praxis des Glaubens bedrängenden Gegenwartsfrage möglich.
Im Aktualitätsbezug der Thematik liegt die Gefahr, den methodischen Fehler zu begehen, die antike Sklaverei und entsprechende Äußerungen des Neuen Testament von vornherein mit den Maßstäben modernen Menschenrechtsverständnisses zu messen. Zur Erhebung des historischen Sachverhalts und der von den neutestamentlichen Texten intendierten Aussage ist dieses methodische Vorgehen offensichtlich so ungeeignet, dass auf diesem Weg die widersprüchlichsten Positionen aufbauen lassen: auf der einen Seite das vernichtende Urteil, das Neue Testament sei in seinen Äußerungen zur Institution der Sklaverei vom Geist der
1 Kor. 7,20-24; 12,13; Gal. 3,26-4,7: Phlm.; Kol. 3,11; 3,22-4,1; Eph. 6,5-9; 1 Tim. 6,1-2; Tit. 2,9-13; 1 Petr. 2,18-25; Röm. 8,14-17
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Menschenverachtung durchzogen 2 , auf der anderen Seite die weitreichende Feststellung, das Neue Testament – insbesondere Paulus – habe in dieser Frage eine Richtung eingeschlagen, die den Anfang einer Befreiungsbewegung bedeute und die Aufhebung der Sklaverei über kurz oder lang notwendig zur Folge gehabt habe. 3 Die Dinge liegen differenzierter, als es solche Alternativlösungen mit ihrem Defizit an geschichtlicher Betrachtungsweise zunächst vermuten lassen.
2. Der Protest gegen die Sklaverei in der vorchristlichen antiken Welt
Versteht man Sklaverei als „persönliche Unfreiheit infolge des Besitzrechtes eines anderen Menschen an der Person eines Abhängigen“ 4 , dann ist es das fast völlige Fehlen eines Problembewusstseins gegenüber dieser mit der Sklaverei institutionalisierten Rechtsunfähigkeit, Rechtlosigkeit und Unfreiheit, das das Neue Testament in all seinen Traditionsschichten mit der gesamten antiken Welt gemeinsam hat und was anderseits einen tiefen Graben zum modernen anthropologischen Bewusstsein hin aufwirft. Sklaverei wurde in der Antike im Großen u nd G anzen als Vorgegebenheit und Selbstverständlichkeit hingenommen. Sie war ein wichtiger Bestandteil der Sozialstruktur der griechisch-römischen Welt. Allerdings hatte sich das Problem des unfreien Menschen im palästinensischen Raum für die christliche Mission kaum gestellt, da es in Palästina relativ wenige Sklaven gab, das Sklavendasein eines Juden eine andere Bedeutung hatte als in der griechisch-römischen Welt und die Behandlung der Sklaven bei den Juden im Durchschnitt besser war. Daher vollzog sich der Protest der Propheten des Alten Testamentes gegen die Entrechtung vieler Menschen zu Arbeits- und Schuldsklaven innerhalb des israelitisch-jüdischen Volkes gewissermaßen auf kleinerem Terrain. Denn das Judentum entwickelte erst im Zeitalter des Hellenismus eine größere Missionspraxis mit dem Ziel der Proselythentaufe (Mt. 23,15). Bis dahin blieb diese Religion vornehmlich auf das kleine Volk und Land Israel beschränkt. Zu gleicher Zeit aber entstand in der griechischen Geisteswelt und dann etwas später auch im römischen Machtbereich ein Prostest gegen die Sklaverei, weil sie den Menschenrechten, wie das Naturrecht sie feststellte, und weil sie der Menschenwürde, von der die Philosophen und Dichter redeten, widerspräche. Dieser Protest war teilweise scharf. Er war in gedanklicher Hinsicht auch konsequent; in der Praxis aber versagte er. Hatten sich schon
2 Schulz, S., in: Gott ist kein Sklavenhalter. Die Geschichte einer verspäteten Revolution, Hamburg 1971,
S.169f.
3 Steinmann, A., in: Sklavenlos und alte Kirche. Eine historisch-kritische Studie über die soziale Frage im
Urchristentum, Mönchengladbach, 1910, S.75
4 Brockmeyer, N. , in: Sozialgeschichte der Antike, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz, 1974 – Antike Sklaverei 3, im
Anschluss an S. Lauffer, Lexikon der alten Welt, 1965, S.812
3
einige Vertreter der Sophistik gegen die Sklaverei gewandt (Alkidamas, Lykophron), so war es besonders die Philosophenschule der Stoa, die ein bedeutendes Programm entfaltete. Das Drängen der Stoiker (Seneca, Marc Aurel) auf humane Behandlung der Sklaven kam aus dem Gedanken der Gleichheit aller Menschen auf Grund ihrer gleichen Herkunft, ihrer Teilhabe an der göttlichen Vernunft und damit ihrer Befähigung zum eigentlichen Gut der Stoiker, zur der vom sozialen und politischen Status unabhängigen inneren Freiheit. Die Lehre der Stoa bekannte sich mit hohen Worten zur Würde des Menschen und demzufolge auch zur Gleichberechtigung der Sklaven. Sie brandmarkte zugleich auch die verschiedenen Verbrechen innerhalb der Sklaverei, so dass man denken konnte, dieselbe hätte unter diesem Protest sogleich verschwinden müssen. Die Wirklichkeit war aber anders. Die Stoa hat praktisch auch so gut wie nichts zur Überwindung der Sklaverei getan, abgesehen davon, dass sie de Gesetzgebung der Kaiserzeit nicht unerheblich beeinflusst hat. Ihr Prostest blieb ein literarisch-philosophischer.
So ist es nicht verwunderlich, dass die stoische Philosophie zur Überwindung der Sklaverei in praktischer Hinsicht nichts beigetragen hat. Aber die bislang vollkommene Rechtlosigkeit der Sklaven war nunmehr wenigstens in theoretischer Hinsicht vom Naturrecht her angefochten. Das war ein wesentlicher Fortschritt und das Verdienst der Philosophie.
3. Die Sklaverei im Neuen Testament
3.1 Die Stellung Jesu zur Sklavenfrage
Das Wort „Sklave“ taucht bei Jesus nach den Evangelien fast durchweg in Gleichnisse, Parabeln oder Bildworten auf (zum Beispiel Mt. 8,9; 25,51; Joh. 18,10). Gerade diese Tatsache, dass Jesus „Sklave“ in Gleichnissen verwendete (zum Beispiel Lk. 17,7ff; Mt. 18,23ff; 24,25ff), zeigt, dass es zur Zeit Jesu in Palästina Sklaven gegeben hat und dass Jesus das Schicksal der Sklaven in sein Denken einbezog. Bei den meisten seiner Gleichnisse bzw. Parabeln - Mt. 13,24-30 (Unkraut); 18,23-55 (Schalksknecht); 21,33-44 (böse Winzer); 22, 1-24 (Hochzeitsmahl); 24, 45-51 (Knecht) etc. - geht Jesus von der realen Lage der Sklaven aus und lässt damit erkennen, dass er ihre tatsächliche Lage richtig einschätzt. Diese wird aber nur als Bild benutzt, um etwas anderes auszudrücken: die Unbedingtheit menschlicher Verantwortung gegenüber Gott (Mt. 24,55ff) bzw. die Freiheit und die Allmacht Gottes gegenüber den Menschen (Mt. 18,23ff). Dadurch nimmt Jesus in seinen Gleichnissen und Bildern zum Sklavenproblem keine soziale Stellung, sondern er verschiebt vielmehr den Begriff in die religiöse Ebene. Die Gleichnisse und die Parabeln im
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Arbeit zitieren:
Vassil Loukarsky, 2003, Sklaverei in der Spätantike, München, GRIN Verlag GmbH
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